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Aus der Truppe: "Alarm! Hochwassereinsatz!"

Eintrag im Kommandotagebuch des Jägerbataillons 15 vom 23. Oktober 2005, 1130 Uhr: Alarmierung durch stvKdt 6. JgBrig zum AssE "Hochwasser Raum Tirol/Vorarlberg". Geplantes Verlegungsziel: Standschützen-Kaserne/Innsbruck im Mot-Marsch. Das unverzüglich einsetzende, auf Routine abgestützte Führungsverfahren und rasch erteilte Vorbefehle bereiteten das Jägerbataillon 15 auf den Assistenzeinsatz (AssE) vor. Eingespielte Abläufe - häufig trainiert - kamen jetzt im Ernstfall zur Anwendung. Alles realiter - und nicht für eine Übung mit vorher bekanntem Ende.

Eintrag im Kommandotagebuch: vom 23. Oktober 2005, 1545 Uhr: Verlassen der letzten Teile JgB15 in den Einsatzraum. Das Bataillon war mit Großraumbussen und Militärfahrzeugen bereits auf dem Weg - in einer Stärke von 434 Soldatinnen und Soldaten.

Der Anmarsch ging trotz Lotsung nur schleppend vor sich (Straßensperren, Unfälle), der Einsatz der Kräfte im Katastrophengebiet erfolgte hingegen umso rascher.

Die Voraussetzungen

Die Voraussetzungen dafür waren - die hervorragende Vorbereitung und Aufnahme durch die Betriebsstaffel der Pontlatz-Kaserne, - die Verfügbarkeit einer vorbereiteten Einsatzzentrale/Bataillon und aller anderen infrastrukturellen Voraussetzungen von der Unterkunft bis zum Feldflugplatz (für Transporthubschrauber), - die stets bestehende Verbindung zum Militärkommando Tirol als vorgesetztes Kommando, - die Arbeitsbereitschaft der Bezirkseinsatzzentrale (BEZ) und der Landeseinsatzzentrale (LEZ), - die erste Erfassung der Schadensereignisse einschließlich einer Prioritätenreihung, - die formierten und permanent arbeitsbereiten Einsatzzentralen der Gemeinden (sowie die räumliche Nähe zu den jeweiligen Ansprechpartnern) und - die Erfahrungen aus den bisherigen Katastropheneinsätzen und Übungen.

Anwendung der Führungsgrundsätze

Die konsequente Anwendung der Führungsgrundsätze trug viel zum Erfolg bei, ebenso das militärische Führungsverfahren sowie die Stabsarbeit - freilich unter Berücksichtigung der Besonderheiten der Katastrophenhilfe/Hochwasser. Die militärische Aufbau- und Ablauforganisation war uneingeschränkt anzuwenden - allein die "Gefechtsmodule" wurden durch das "Katastrophenhilfemodul/Hochwasser" ersetzt. Dazu ein Beispiel: Auf den Lagekarten der Kompanien und des S3 des Bataillons gab es Einsatzpläne aller "Baustellen", auf denen Arbeiten zu verrichten waren, einen Plan für Pionier-Facharbeiten, einen Plan über das befahrbare Wegenetz, Pläne der Hubschrauberlandeplätze, Gefechtsstände und Einsatzzentralen der Gemeinden sowie Zusatzblätter für allgemeine Informationen. Auf der Lagekarte S2 des Bataillons (Planungskarte) erfolgte das Kraft-, Raum-, Zeitkalkül (inklusive Prioritätenreihung, vorgegeben durch die Bezirks- und/oder die Landeseinsatzzentrale) der "Baustellen". Dort befand sich auch ein Plan mit gefährlichen Geländeteilen (zu befürchtende Hangrutschungen, einsturzgefährdete Häuser u. Ä.).

Die zur Beherrschung des Kampfes der verbundenen Waffen erforderliche "militärische Facharbeit" muss auch im Katastropheneinsatz angewandt werden. Nur stehen dabei andere "Waffen" im Einsatz - und keine ist wichtiger als die andere. Jede ist gleichermaßen notwendig. Geführt von den jeweiligen "Kommanden" (militärischen und zivilen) sind die Kräfte durch tägliche Einsatzbesprechungen zu koordinieren. Zusammenarbeitsfähigkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Während des vierzehntägigen Einsatzes unterstanden dem Bataillon die 1. Pionierkompanie/Pionierbataillon 2, die gemischte Kampfunterstützungskompanie des Panzergrenadierbataillons 9, die Funk- und die Betriebs/RV-Kompanie des Fliegerfernmeldebataillons sowie ein schwerer Pioniermaschinenzug. Das Jägerbataillon 15 führte im Bezirk Landeck - getreu dem Grundsatz Einheit der Führung. Eine besondere Herausforderung war dabei allerdings der Platzmangel in den betroffenen Ortschaften. So standen z. B. in Kappl zeitlich begrenzt drei Kompanien im Einsatz. Die straffe Planung und Führung durch die Kompaniekommandanten stellte auch dort den Einsatzerfolg sicher.

Die Euphorie und der Arbeitseinsatz aller Soldaten mussten in Umsetzung des Führungsgrundsatzes Ökonomie der Kräfte - im Sinne der Durchhaltefähigkeit - nach den ersten Tagen etwas gebremst werden. Unterstützt durch das Militärkommando Tirol, den Tourismusverband und die Bezirkshauptmannschaft Landeck mit deren Geminden wurden die notwendigen Regenerationsphasen für die Soldaten ermöglicht.

Zwei Drittel des Personals des verstärkten Bataillons waren Rekruten, die mit größtem Engagement Hilfe leisteten.

Weniger Soldaten - weniger Helfer

Mit der Verkürzung des Grundwehrdienstes wird die Zahl der helfenden Hände pro Verband sinken, die Katastrophenhilfekompetenz bleibt jedoch weiter verfügbar. Bei einem Wegfall der Wehrpflicht würden hingegen andere Modelle der Katastrophenhilfe zum Tragen kommen müssen. Daher gilt: Partnerschaftlich und professionell - gemeinsam erfolgreich (Leitspruch der 6. JgBrig) und Mit Weitblick handeln! (Leitspruch der 4. PzGrenBrig) Autor: Oberstleutnant Manfred Gratzer

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