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Entwicklungen im Bereich der Systembrücken (II)

Beschreibung und Vergleich von verschiedenen Systemen

Neben der im ersten Teil dieses Beitrages (TRUPPENDIENST, Heft 5/2005) vorgestellten Bailey-Brücke ist das D-Brückengerät ein fixer Bestandteil der Geräteausstattung bei den Pionierkräften. Während des Hochwassers im August 2002 wurde auch ein weiteres viel versprechendes Brückengerät eingesetzt, die Waagner-Biro Paneel-Brücke.

D-Brücke

In den sechziger Jahren hat die deutsche Firma Krupp das D-Brücken-Gerät (die Abkürzung D steht für Dreiecksträger) entwickelt. Dieses Gerät wurde bereits bei unzähligen Hilfeleistungen durch das Bundesheer eingesetzt. Es ist ein militärisches Brückengerät, das jedoch auch von zivilen Stellen, wie z. B. von mehreren Landesregierungen als Hilfsgerät für den Katastrophenfall beschafft worden ist und dem Österreichischen Bundesheer für die Katastrophenhilfe - nach Abschluss entsprechender Übereinkommen - übergeben wurde.

Für den Aufbau, die Demontage sowie die Wartung der D-Brücke gibt es im Bundesheer Merkblätter (MBlBH), die von der Pioniertruppenschule in Zusammenarbeit mit der Rüstungsdirektion bzw.dem Amt für Rüstung und Wehrtechnik verfasst wurden. Die Inhalte dieser Schriftenreihe geben verbindliche Anhalte für die Arbeiten mit diesem Brückensystem.

Die D-Brücken-Teile werden im Unterschied zur Bailey-Brücke ausschließlich verschraubt. Dadurch wird die Brücke sehr starr verbunden, weist wenig Durchhang auf und eignet sich sehr gut für einen länger dauernden Einsatz.

Die D-Brücke ist vor allem für den schnellen Ersatz zerstörter oder nicht genügend tragfähiger Brücken konstruiert worden. Sie wird sowohl temporär als auch zeitlich unbefristet verwendet. Die Montage erfolgt im Allgemeinen durch das Verschrauben von Einzelelementen auf Rollensätzen am Ufer und durch Verschieben auf das jenseitige Widerlager. Die Einzelelemente sind untereinander austauschbar und nach der Demontage der Brücke wieder verwendbar. Die Lebensdauer der Brücke entspricht jener einer permanenten Brückenkonstruktion.

Der Anwendungsbereich der D-Brücke liegt eher im Einsatz als rückwärtige Brücke sowie beim Katastropheneinsatz, bedingt durch die längere Bauzeit und den erhöhten Kräftebedarf. Die Brücke wird im Regelfall händisch errichtet, vorgeschoben und mit Hilfe von Pressen bzw. Winden auf die Widerlager abgesenkt. Ein technisch unterstützter Bau (durch Kran oder Radlader) ist ebenfalls möglich.

Die D-Brücke wird als Festbrücke in den Standardbauformen über ein- oder mehrfeldrige Öffnungen. (Ein Brückenfeld überbrückt die Öffnung zwischen zwei Auflagern. Wenn es mehrere Auflager gibt, z. B. Pfeiler als Zwischenunterstützung, spricht man von Mehrfeldbrücken.) eingesetzt. Mehrfeldbrücken werden wie eine Zusammensetzung aus Einzelbrücken beurteilt und berechnet. Eine Erhöhung der Tragkraft, bedingt durch die Durchlaufträger (die auftretenden Kräfte werden auch durch die benachbarten Felder aufgenommen), wird aus Sicherheitsgründen nicht berücksichtigt. (Vgl. Merkblatt für das Bundesheer, Brückenbau mit dem D-Gerät, Standardbauformen, Heft 1, Seite 9; Anmerkung des Autors: Auch die anderen Systembrücken können als mehrfeldrige Brücke eingesetzt werden. Wenn für die Zwischenunterstützungen keine Setzungsgefahr besteht, kann eine Erhöhung der Tragkraft aufgrund der Wirkung der Durchlaufträger durchaus berücksichtigt werden.) Als Reaktion auf die bisher bestehende Einschränkung in der Tragkraft hat der Hersteller der D-Brücke ein Angebot zur Leistungssteigerung des vorhandenen Gerätes und zum Erreichen der Brückenklasse I (MLC 70) vorgelegt. Dem Angebot wurde von der Brückenbauabteilung des Amtes der Niederösterreichischen Landesregierung zugestimmt. Die Lieferung der verstärkten Hauptträger und neuen Fahrbahnplatten wurde bis Ende 2004 abgeschlossen. In Niederösterreich stehen damit 300 Laufmeter D-Brückengerät zum Einsatz in Niederösterreich und Wien zur Verfügung. Die Tragkraft der Brückenklasse I und damit die MLC 70 (siehe Begriffsbestimmungen im TRUPPENDIENST, Heft 5/2005) ist erreichbar.

Waagner-Biro Paneel-Brücke

Nach dem Abklingen des Hochwassers im August 2002 ersuchte die niederösterreichische Gemeinde Rosenburg um Errichtung einer Notbrücke, damit der von der Umwelt abgeschnittene Ort Stallegg wieder mit Fahrzeugen erreicht werden konnte.

Vertreter der Firma Waagner-Biro erfuhren von diesem Ansuchen und erklärten sich spontan bereit, das von ihnen entwickelte Systembrückengerät in Stallegg einzusetzen. Die 31,5 m lange Konstruktion wurde daraufhin am 23. August 2002 (nach einer Einschulung durch einen Firmenvertreter) durch Pioniere aus Kärnten innerhalb dieses einen Tages errichtet.

Die Brücke wurde mittlerweile wieder abgebaut und in Klosterneuburg unter Verwendung zusätzlicher Teile als 53 m langer Übergang über den Durchstich errichtet.

Die Waagner-Biro Paneel-Brücke ist eine vielseitige, leicht zu errichtende, moderne Konstruktion mit einer optimalen Stärke im Verhältnis zu einer großen Spannweite. Anregungen und Verbesserungsvorschläge der Pioniertruppenschule, welche sich aufgrund der Erfahrungen beim Brückenschlag in Klosterneuburg ergaben, wurden von der Herstellerfirma aufgegriffen und rasch umgesetzt.

Für das Brückensystem werden modulare Teile verwendet; die Hauptkomponente ist das so genannte Brücken-Paneel. Mit den Paneelen werden die Felder der Brücke gebildet. Es werden zwei Längen angeboten: das "Power Panel 30" (PP30) mit 10 Fuß Länge (3,048 m) bzw. das "Power Panel 35" (PP35) mit 3,5 m Länge.

Durch die Verwendung eines Querbalkens je Feld kann, in Kombination mit PP35-Elementen, eine deutliche Verringerung des Gewichtes und der Anzahl der Teile erreicht werden. (vgl. Design and Erection Manual, Page 8, September 2003. Die Übersetzung dieses Handbuches erfolgte durch den Autor.) Das Power Panel 30 hat die gleichen Abmessungen wie die Komponenten der Mabey Compact 200/Logistic Support Bridge (siehe TRUPPENDIENST, Heft 5/2005, S. 436), wobei die Geräte nur geringe technische Unterschiede aufweisen und die Paneel-Brücke alle Vorteile in sich vereinigt: rascher Brückenbau mit geringer Mannschaftsstärke.

Bei den Power Paneelen werden in jedem zweiten Paneel vier Vertikalstreben zwischen den Querträgern und einem Querbalken je Paneel kombiniert. Alle Systemteile sind feuerverzinkt. Die Systemhöhe beträgt 2,15 m.

Die Erfahrungen beim Brückenbau in Stallegg haben weiters gezeigt, dass bei ausgebildeten Pionieren die erforderliche Einschulungszeit sehr kurz gehalten werden kann.

Das Amt der Oberösterreichischen Landeregierung hat sich zum Ankauf von Waagner-Biro-Brückengerät für den Katastropheneinsatz entschlossen.

Zusammenfassung

Alle drei Systembrücken sind derzeit in der Lage, die Brückenklasse I bzw. MLC 70 bei einer Spannweite von beinahe 40 m zu erreichen. Damit können in kurzer Bauzeit Ersatzbrücken errichtet werden, ohne Einschränkungen für den öffentlichen Verkehr in Kauf nehmen zu müssen.

Mabey Compact und die Paneel-Brücke von Waagner-Biro sind ähnliche Konstruktionen. Aufgrund ihrer Bolzenverbindungen haben sie gegenüber der D-Brücke Vorteile in Bezug auf Bauzeit und Personalbedarf.

Die Mabey Compact/LSB ist NATO-Standard. Pioniere im Auslandseinsatz werden deshalb in Einsatzgebieten häufig auf diese Brücke stoßen.

Die Paneel-Brücke von Waagner-Biro ist eine Neukonstruktion. In Zusammenarbeit mit der Pioniertruppenschule wurden Verbesserungen vorgenommen - das Gerät gilt als ernsthaftes Konkurrenzprodukt zur Mabey Compact-Brücke.

Die D-Brücke ist aufgrund ihrer Schraubverbindungen für den Katastropheneinsatz sehr gut geeignet, weil sie für den permanenten Einsatz ausgelegt ist und deswegen problemlos längere Zeit vor Ort bleiben kann. Die D-Brücke ist das einzige im Österreichischen Bundesheer offiziell eingeführte Systembrückengerät.

Für die vom Hochwasser betroffenen Bundesländer war es immer wichtig, so rasch wie nur möglich die Ordnung im öffentlichen Leben wiederherzustellen und zerstörte Übergänge durch System- oder Behelfsbrücken zu ersetzen. Aus diesem Grund übergaben die Bundesländer Niederösterreich und Wien dem Bundesheer leistungsfähiges D-Brückengerät in der geforderten Menge. Das Heer bekommt dadurch wesentliche Mittel für die Katastrophenhilfe in den nächsten Jahrzehnten.

___________________________________ __________________________________ Autor: Oberstleutnant Werner Suez, Jahrgang 1959. 1983 Ausmusterung zum Heerespionierbataillon in Melk. Ab 1992 Ausbildungsoffizier und Kommandant der Stabskompanie des Militärkommandos NÖ in St. Pölten, anschließend Referatsleiter für territoriale Angelegenheiten bei der 1. Betriebsversorgungsstelle. 1999 bis 2000 als Pionier- und Sperroffizier sowie seit 2000 als Referent für Pionier- und MilGeowesen im Militärkommando NÖ tätig. Mitwirkung beim Hochwasser-Assistenzeinsatz 2002 als S3 und fachlicher Einsatzleiter.

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