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EUFOR "Althea"

Task Force North unter österreichischem Kommando

Mit der Übernahme der Rolle einer Framework-Nation durch Österreich werden dem Österreichischen Bundesheer wichtige Impulse gegeben. Mit der Führungsrolle allein ist es aber nicht getan: Es ist damit eine Vielzahl zusätzlicher Aufgaben verbunden, und es sind verschiedene Aspekte - vor allem rechtlicher und finanzieller Natur - zu berücksichtigen.

Mit Dezember 2005 übernahm das Österreichische Bundesheer (ÖBH) die Rolle der Framework-Nation der Multinational Task Force North (MNTF N) bei der European Force (EUFOR) "Althea" in Bosnien für die Dauer eines Jahres. Damit wird ein sichtbares Zeichen der besonderen Verantwortung Österreichs während der Wahrnehmung der EU-Präsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2006 gesetzt. Mit dieser besonderen Rolle als Framework-Nation sind auch Aufgaben verbunden, die für das Bundesheer in dieser Form neu sind. Besonders internationale Verwaltungsaufgaben, die Übernahme der Infrastruktur von anderen Nationen und das Eintreten in verschiedene Verträge mit Liegenschaftseigentümern und Dienstleistern waren zu bewältigen sowie die damit verbundenen Kosten und Risken zu übernehmen. Österreich war dabei vor allem im Bereich der Einsatzunterstützung und der Führungsunterstützung stark von der Kooperationsbereitschaft anderer Nationen abhängig. Hier ist zunächst die Bereitstellung der Kommunikationsinfrastruktur zu nennen. Diese wurde durch die finnischen Streitkräfte in Zusammenarbeit mit der Firma Nokia aufgebaut und steht als System - einschließlich Personal - weiterhin zur Verfügung. Die internationale Logistik wird weiterhin durch Schweden sichergestellt. Allerdings hat das alles auch seinen Preis, wie in den folgenden Abschnitten dieses Beitrages dargelegt wird. Jedenfalls ist erkennbar, dass das Österreichische Bundesheer in den kommenden Jahren in diesen Bereichen den internationalen Standards angepasste personelle und materielle Kapazitäten aufbauen und die Ausbildung entsprechend adaptieren muss, wenn das Bundesheer weiterhin Lead- und Framework-Aufgaben bei internationalen Operationen übernehmen soll.

Die Führung der MNTF N

Das Kernstück der Führungsverantwortung ist das Kommando der Task Force, in dem das Bundesheer den Kommandanten und andere wichtige Stabsfunktionen stellt. Diese sind im Wesentlichen der politische Berater, der Rechtsberater, der Chef des Visitors and Observers Bureau, der G2, der Kommandant des Tactical Operation Centers, ein Stabsoffizier für das Hubschrauberelement, der Chief Medical Offizier, ein Quartiermeister, ein CIMIC-Offizier und ein Geistlicher. Daneben stellt das Österreichische Bundesheer den stellvertretenden G6 und einige Stabsoffiziere und Unteroffiziere im G2-, InfoOps-, Medien- und Logistik-Bereich. Damit hat der Kommandant in den meisten Bereichen seines Stabes auch österreichische Personalanteile. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass vorrangig national geführt wird. Natürlich ist die MNTF N multinational zu führen. Daher ist auch der oft gehörte Satz "Österreich übernimmt die Führung der MNTF N" im Grunde genommen falsch. Geführt wird die Force vom Kommandanten von EUFOR "Althea" und seinem ebenfalls multinationalen Kommando.

Der österreichische Anteil an den Truppen der MNTF N

Bedingt durch die nach wie vor gültige Obergrenze von 300 Soldaten (gemäß Ministerratsbeschluss) für AUCON/EUFOR "Althea" musste bei der Übernahme von Aufgaben und bei der Bereitstellung von Truppen für die MNTF N äußerst restriktiv geplant werden. Das Bundesheer hat daher seinen Beitrag für die Wachsicherungs-Kompanie auf einen Zug reduziert. Das Hubschrauberelement mit lediglich sieben Mann und einem Stabsmitglied kann nur mit temporären Zusatzentsendungen, die nicht auf die Kontingentsstärke zählen, mittelfristig betrieben werden. Dies ist nur in Kooperation mit der US Army und der US Air Force sowie dem belgischen Kontingent möglich, weil durch sie bestimmte Einrichtungen sowie Flugführungs- und Fluginformationssysteme bereitgestellt werden. Dies erfordert allerdings weitere zwischenstaatliche Vereinbarungen und erzeugt eine hohe Abhängigkeit für das österreichische Hubschrauberelement. Die Obergrenze von 300 Mann hatte auch zur Folge, dass nur durch den Einsatz des Hubschraubers "Alouette" III, der von der Logistik her einen geringeren Aufwand erfordert, die personelle Grenze eingehalten werden konnte. Varianten mit der Verwendung des Hubschraubers S-70 "Black Hawk" bzw. ein Mix verschiedener Hubschrauber wurden zwar überlegt, konnten mit dem vorgegebenen Kräfterahmen jedoch nicht umgesetzt werden. Für die "Alouette" III und ihre Logistik mussten zusätzliche Nachrüstungen und Beschaffungen durchgeführt werden, weil sie bisher noch nicht für internationale Operationen vorgesehen waren. Das betrifft z. B. die Verbesserung der Nachtflugtauglichkeit, Beschaffung von Notfallpeilsendern, die Beschaffung von Kevlar-Matten als Splitterschutz, den Ankauf von Werkzeugen sowie von Prüf- und Messmitteln. Weiter ist die Einbindung in das Fachinformationssystem MatWiL (Materialwirtschaft-Luft) herzustellen. Die Versorgung mit Flugbenzin erfolgt weiterhin durch die USA, mit denen ein Acquisition and Cross Service Argreement (ACSA) abgeschlossen wurde.

Die Aufklärungskompanie und die Framework-Aufgabe in der Composite-Company wird als Kern der Truppen des Österreichischen Bundesheeres in der MNTF N aufrecht erhalten. Für die Multinational Integrated Logistic Unit (MILU) stellt das ÖBH nur je einen Stabsoffizier für Infrastruktur und Logistik sowie einen Buchhalter.

Der Beitrag des Bundesheeres auf EUFOR-Ebene

Die Übernahme einer Framework-Nation-Aufgabe bei einer Task Force spiegelt sich natürlich in den höheren Führungsebenen wider. Im HQ-Element EUFOR "Althea" hat das ÖBH daher einige wichtige Positionen besetzt. Diese sind ein Rechtsberater, ein Claims-Officer zur Abwicklung von Schadensersatzansprüchen sowie zwei wichtige Stabsfunktionen in der so genannten Joint Military Affairs Branch, welche sich mit Fragen der politischen Kontrolle der Rüstungsindustrie und mit Landminen im Einsatzraum beschäftigt. Daneben ist das Bundesheer mit einigen Offizieren und Unteroffizieren im Bereich des J2-Fachdienstes sowie bei der Medienanalyse und den Verbindungsdiensten vertreten. Darüber hinaus gibt es insgesamt drei weitere Offiziere im NATO-HQ Sarajewo, in der EU-Staff Group bei SHAPE (in Mons/Belgien) und im EU-Command Element Neapel/Italien, die ebenfalls unmittelbar in die operative Führung der Kräfte im Einsatzraum involviert sind.

Die nationalen Kontingentsmodule als Framework-Nation

Die Übernahme der Rolle als Framework-Nation hat auch bei den Kontingentsmodulen gewisse Anpassungen erforderlich gemacht. Allen voran war ein Camp Owner Element zur Verwaltung des Camps in Tuzla zu bilden. Dieses ist mit nur vier Soldaten, nämlich einem Kommandanten, einem Stabsoffizier für die Infrastruktur, einem Stabsoffizier für den Umweltschutz und einem Unteroffizier besetzt. Die Personalaufbringung war in Folge des hohen Zeitdrucks, der Neuartigkeit der Aufgabe und der hohen Verantwortung besonders schwierig und konnte buchstäblich erst im letzten Augenblick gelöst werden. Hier zeigt sich neuerlich, dass das Bundesheer für die Übernahme solcher Rollen derzeit noch nicht ausreichend vorbereitet ist.

Weiter musste ein vier Mann starkes Team in die Kooperation mit Finnland im Bereich der Führungsunterstützung eingebracht werden. Die nationalen Informations- und Kommunikationstechnik-(IKT-)Installationen haben eine Zusatzentsendung von weiteren vier Soldaten notwendig gemacht. Auch diese konnten erst im letzten Augenblick mit dem erforderlichen Material in Marsch gesetzt werden. Hier sind die aktuellen Genehmigungs- und Beschaffungsabläufe nur bedingt geeignet. Ein verfügbarer Lagerbestand an IKT-Installationsmaterial ist erforderlich.

Die Verlagerung des Schwergewichtes des Österreichischen Bundesheeres in Bosnien von Sarajewo nach Tuzla hat dazu geführt, dass ein National Intelligence Liaison Office (NILO) in Tuzla zu bilden war, weil die AUNIC (Austrian National Intelligence Cell) und das CI-(Counterintelligence-)Element wegen deren Einbindung in die NIC-Community im Camp Butmir dort belassen wurden. Der österreichische Task Force Kommandant sollte aber trotzdem Zugriff auf die Informationen seiner Nachrichtendienste haben.

Für die nationale Logistik wurde mit der Verlegung des Schwergewichtes nach Tuzla ein Logistik-Element für die Koordinierung mit Sarajewo geschaffen. Alle anderen nationalen Elemente blieben im Wesentlichen unverändert. Sie hätten im Hinblick auf die Obergrenze von 300 Mann auch dann nicht aufgestockt werden können, wenn dies notwendig gewesen wäre. Das betrifft zum Beispiel die Miltärpolizei (MP). Hier muss sich das Kontingent bei Unruhen vor allem auf anlassbezogene Zusatzentsendungen verlassen.

Neue Qualitäten bei CIMIC

Es ist eine glückliche Fügung, dass gerade zu einer Zeit, während Österreich eine besondere Rolle in der EU und innerhalb EUFOR "Althea" spielt, Österreich zwei schon seit längerem betriebene CIMIC-Projekte durch die EU-Kommission zugesprochen wurden. Es handelt sich um die Projekte der Community Assistance for Reconstruction Development and Stabilisation (CARDS) der EU-Kommission. Dabei wurden Österreich ein Schulrenovierungsprojekt in Potocari bei Srebrenica mit 150 000 Euro und ein Krankenstationsprojekt bei Vlasenica mit 95 000 Euro genehmigt. Die multiethnische Schule befindet sich unmittelbar neben der Gedenkstätte für die Opfer von Srebrenica und hat somit auch einen hohen symbolischen Wert. Es wird in den kommenden Monaten darauf ankommen, die Ausschreibungsverfahren im Zusammenwirken mit zusätzlich entsandten Experten und mit Hilfe von Vertretern der österreichischen Wirtschaft durchzuführen. Die Bautätigkeiten sind 2006 abzuschließen.

Von diesen Projekten profitieren nicht nur die Bewohner im Einsatzraum, sondern auch die österreichischen Soldaten, weil sie im Gegenzug Ansehen im Einsatzraum gewinnen.

Rechtliche und finanzielle Aspekte

Die Rolle einer Framework-Nation ist natürlich nicht gratis zu haben. Für die Übernahme des Camps Eagle Base waren 913 000 Euro erforderlich. Die Bereitstellung der Kommunikationsinfrastruktur (Kosten für Leasing einschließlich der Materialerhaltung und der Pauschale für Verbindungsentgelte) schlagen mit 710 000 Euro zu Buche. Das HQ-Gebäude der MNTF N, das so genannte "White House", war ebenfalls mit 32 500 Euro zu finanzieren. Aber auch operative Gelder, wie zum Beispiel 300 000 Euro für Informationsmaterial der Info-Operationen, waren einzubringen, auch wenn diese später im internationalen Verbund proportional zu den Kontingentsstärken abgerechnet werden.

Für die Liegenschaft Camp Eagle Base wurden mit 19 Grundstückseigentümern Verträge abgeschlossen. Dabei handelt es sich um "Ex-Gratia" Verträge, bei denen lediglich "Anerkennungsbeträge" für die Nutzung der Liegenschaft bezahlt werden, um nicht die volle Haftung als Grundstückseigentümer übernehmen zu müssen. Trotzdem sind durch Österreich insgesamt 77 000 Euro an die Grundstückseigentümer auszuzahlen.

Etwas einfacher hat sich die Situation bei den Verträgen mit diversen Zulieferfirmen gestaltet. Die bestehenden Verträge, speziell in den Bereichen Infrastruktur und Dienstleistungen, behalten ihre Gültigkeit. Durch die Tatsache, dass Schweden Framework-Nation für die MILU bleibt, ist ein Eintreten Österreichs in die Verträge nicht notwendig geworden, obwohl das oben angeführte österreichische Fachpersonal in der MILU in der Umsetzung federführend ist.

Zusammenfassung

Mit der Übernahme der Rolle einer Framework-Nation durch Österreich entstehen wichtige Impulse für die Entwicklung der Kapazitäten des Österreichischen Bundesheeres. Es wird darauf ankommen, Führungs- und Einsatzunterstützung einschließlich der rechtlichen und verwaltungsmäßigen Abläufe im Bundesheer international kompatibel zu machen. In Verbindung mit hoher personeller und materieller Verfügbarkeit ist das der Schlüssel für die Steigerung der Präsenz und des Ansehens österreichischer Kontingente in internationalen Operationen.

___________________________________ __________________________________ Autor: Brigadier Mag. Günter Ruderstaller, Jahrgang 1956. Ausmusterung 1982 zum Landwehrstammregiment 37; Verwendung als Ausbildungsoffizier, Kompaniekommandant und S3. Generalstabskurs von 1988 bis 1991; danach Einteilung als Stellvertretender Leiter der G3-Abteilung im Korpskommando I. Bataillonskommandant bei AUSBATT/UNDOF 1997 bis 1998, anschließend G5 und G6 im Korpskommando I. Seit 2002 G3 im Kommando Internationale Einsätze.

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Interview mit dem Kommandanten

TRUPPENDIENST interviewte Brigadier Mag. Karl Pronhagl, derzeit Kommandant der Multinational Task Force North, über Aufgaben, Probleme sowie den Dienstbetrieb im Einsatzraum

TRUPPENDIENST (TD): Herr Brigadier, was ist die konkrete Aufgabe Ihres Verbandes vor Ort?

Brigadier Mag. Pronhagl: Die Multinational Task Force North hat den Auftrag, einerseits Präsenz zu zeigen und andererseits mit Schwergewicht die internationalen Organisationen, wie z. B. die European Union Police Mission, die lokalen Behörden sowie die lokale Polizei dabei zu unterstützen, Verantwortung zu übernehmen und, von der Bevölkerung akzeptiert, ihre Aufgaben zu erfüllen.

TD: Was hat ihr Verband bisher bewirkt?

Brigadier Mag. Pronhagl: Der Verband betrieb und betreibt eine äußerst effiziente Grenzraumüberwachung und war bisher bei Aktionen, wie beispielsweise dem Einsammeln von Waffen, Handgranaten, Sprengstoff usw., sehr erfolgreich.

TD: Ist Ihr Verband ein wahrnehmbarer Faktor im Friedensprozess in der Region? Wie hoch ist bei diesem Prozess der Anteil Ihres Verbandes?

Brigadier Mag. Pronhagl: Der Verantwortungsbereich der Multinational Task Force North umfasst etwa ein Drittel von Bosnien-Herzegowina, und viele der örtlichen politischen Entscheidungsträger bekennen sich zu EUFOR als Sicherheitsgarant.

TD: Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen eingesetzten Nationen, der Zivilbevölkerung und den Dienststellen in der Heimat?

Brigadier Mag. Pronhagl: Die Multinational Task Force North umfasst Soldaten aus 14 Nationen, die Zusammenarbeit funktioniert gut. Vor allem die Liaison and Observation Teams arbeiten eng mit der Zivilbevölkerung zusammen und werden sehr geschätzt. Die Unterstützung aus der Heimat könnte nicht besser sein.

TD: Wo liegen die Hauptprobleme dieses Einsatzes?

Brigadier Mag. Pronhagl: In den unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen in der Republika Srpska sowie in der Föderation, in den komplexen Strukturen bei der örtlichen Exekutive und in den erforderlichen Abstimmung mit den Vertretern der Internationalen Organisationen. Dazu kommt der Wissensverlust, der durch die Rotation im Sechs-Monats-Rhythmus eintritt.

TD: Welchen Einfluss hat der Islam auf die Erfüllung Ihrer Aufgabe?

Brigadier Mag. Pronhagl: Den Gleichen wie alle anderen Religionen.

TD: Wie schätzen Sie die Situation vor Ort ein?

Brigadier Mag. Pronhagl: Grundsätzlich ist die Lage ruhig und stabil, in dieser Region muss man sich jedoch immer bewusst sein, wie schnell die Lage eskalieren kann. Zudem herrschte hier vor zehn Jahren ein fürchterlicher Bürgerkrieg.

TD: Haben Sie Personalprobleme?

Brigadier Mag. Pronhagl: Zum Teil bei Spezialfunktionen.

TD: Wie viele Prozent Ihrer Soldaten stammen aus dem Aktivstand, wie viele aus der Miliz?

Brigadier Mag. Pronhagl: Derzeit sind etwa 30 Prozent der österreichschen Soldaten Milizangehörige. Dies jedoch deswegen, weil die Aufklärungskompanie eine Kaderpräsenzeinheit ist. Mit der Rotation im Februar 2006 wird sich das Verhältnis zugunsten der Miliz ändern.

TD: Welche besonderen Erfahrungen/Kenntnisse/Eigenschaften muss ein Soldat haben, um in diesem Einsatz zu bestehen?

Brigadier Mag. Pronhagl: Disziplin, Engagement und Fremdsprachenkenntnisse.

TD: Was nimmt ein Soldat z. B. an Erfahrung aus diesem Einsatz mit?

Brigadier Mag. Pronhagl: Unterschiedliches, je nach Aufgabengebiet. Die Arbeit im Brigadestab bringt Erfahrungen in der multinationalen Stabsarbeit, wie in der Arbeit mit verschiedenen Kommunikationssystemen, dem Erstellen schriftlicher Vorlagen und der Befehlsgebung in einer Fremdsprache, etc.

Die Arbeit im Bereich der Aufgabenerfüllung als Camp-Eigentümer verlangt hochwertige Managementeigenschaften für die Sicherstellung von geregelten Abläufen im Camp Eagle Base.

TD: Sehen Sie und Ihre Soldaten diesen Einsatz als Ausnahmesituation oder (bereits) als Norm für zukünftige Einsätze des Bundesheeres?

Brigadier Mag. Pronhagl: Ich sehe darin eine Mission, wie sie in Zukunft bei Auslandseinsätzen stattfinden könnte. Vorrangig geht es um das Sammeln von Erfahrungen als Framework-Nation. Es ist die neue Herausforderung.

TD: Gibt es österreichisches Gerät/österreichische Verfahren, die sich besonders gut bewähren?

Brigadier Mag. Pronhagl: Als Gerät bewährt sich der Hubschrauber "Alouette" III hervorragend. Bei den Verfahren ist es vor allem die Art der Österreicher, auf andere Personen zuzugehen.

TD: Sind die ausgegebenen Unterlagen - wie z. B. das TD-Taschenbuch"EUFOR ‚Althea’ - Das Buch zum Einsatz" - brauchbar und für die Soldaten eine Hilfe?

Brigadier Mag. Pronhagl: Die Unterlagen, vor allem aber das TRUPPENDIENST-Taschenbuch, sind sehr brauchbar und werden von der Truppe gut angenommen.

TD: Sind in Ihrem Verantwortungsbereich auch weibliche österreichische Soldaten eingesetzt?

Brigadier Mag. Pronhagl: Derzeit gibt es einen weiblichen Unteroffizier in der Aufklärungskompanie sowie den Chief Medical Officer. Das ist übrigens die derzeit höchste Position in einem Auslandseinsatz, die mit einer Frau besetzt wurde.

TD: Wie sind die Reaktionen der Bevölkerung auf die österreichischen Soldaten?

Brigadier Mag. Pronhagl: Die österreichischen Soldaten sind hier sehr willkommen, und zwar meiner Ansicht nach aus zwei Gründen: Erstens aufgrund der gemeinsamen Geschichte, und zweitens haben viele Einheimische wahrscheinlich einmal in Österreich gearbeitet und verbinden deshalb mit Österreich positive Erinnerungen.

___________________________________ __________________________________ Zur Person: Brigadier Mag. Karl Pronhagl, Jahrgang 1961, kam 1980 zum Bundesheer und absolvierte sein EF-Jahr beim Landwehrstammregiment 33. Nach der Berufsoffiziersausbildung an der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt (1981 bis 1984) wurde er zum Landwehrstammregiment 33 ausgemustert, wo er als Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und stellvertretender Kompaniekommandant tätig war. 1985 bis 1991 war Mag. Pronhagl Lehrzugskommandant und stellvertretender Jahrgangskommandant an der Theresianischen Militärakademie. Nach der Generalstabsausbildung an der Landesverteidigungsakademie in Wien 1991 bis 1994 bekleidete er verschiedene Funktionen als Referent in der damaligen Führungsabteilung der Generalstabsgruppe B, als Chef des Stabes der 3. Panzergrenadierbrigade sowie als Leiter des Referates Leitungsstab im Generalstab. 1998 bis 2000 nahm Mag. Pronhagl am Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der deutschen Bundeswehr teil. Mit 1. Jänner 2003 übernahm er das Kommando über die 3. Panzergrenadierbrigade und seit dem 1. Dezember 2005 ist er Kommandant der Multinational Task Force North bei EUFOR "Althea".

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