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Die Deutsche Marine (I)

1848 - 1956: von den Anfängen bis zum Neubeginn

Gegründet wurde die deutsche Flotte aus Angst vor den Dänen. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war sie die zweitgrößte Seestreitmacht der Welt, nach dessen Ende versenkte sie sich selbst. Die Schüsse eines deutschen Kriegsschiffes des Dritten Reiches leiteten den Zweiten Weltkrieg ein, und nach 1945 säuberten Reste der Kriegsmarine unter dem Kommando der Alliierten deutsche Küstengewässer von Minen. Mit dem Neubeginn 1956 wurde die Deutsche Marine - deutlich anders strukturiert - zu einem wichtigen Teil der NATO.

Die Gründung der Marine in Deutschland ist eng mit der Demokratiebewegung verbunden. Im Frühjahr 1848 durchzog ein revolutionärer Geist das Land. Mit Einverständnis der im Bundestag vertretenen Regierungen der deutschen Staaten traten am 31. März 1848 in Frankfurt am Main 500 Delegierte zusammen und bereiteten die erste demokratisch gewählte deutsche Nationalversammlung vor. Dieses "Vorparlament" ersuchte am 1. Mai die preußische Regierung, "womöglich durch Vertrag mit einer fremden Seemacht (gemeint war England; Anm.) für den Schutz der deutschen Küsten Vorsorge zu treffen". Der Hintergrund dieses Ersuchens war die Bedrohung und Blockade der deutschen Handelsschifffahrt und Küsten durch Dänemark.

Die Nationalversammlung trat am 18. Mai 1848 zusammen und beschloss als erstes, einen Marineausschuss einzusetzen. Bereits am 14. Juni bewilligte das erste deutsche Parlament - mit überwältigender Mehrheit - sechs Millionen Taler für den Aufbau einer deutschen Flotte. Ende Juli 1848 verkündete die Nationalversammlung das Gesetz zur Einführung einer Reichskriegsflagge für die Kriegsschiffe des Bundes: "… einheitlich schwarz-rot-gold, waagerecht gestreift als Abzeichen in der oberen Ecke am Stock das Reichswappen, bestehend aus dem Doppeladler auf goldgelbem Feld." Als die Dänen ihre offenen Feindseligkeiten einstellten, verblasste auch die Einsicht, dass eine Reichsflotte notwendig sei. Im Januar 1852 beschloss der Deutsche Bund, diese zu versteigern. Unter den Hammer kamen die Radkorvetten "Hamburg", "Bremen" und "Lübeck", das Schulschiff "Deutschland" (ein ehemaliger Frachtsegler), die vormals englischen Raddampfer "Barbarossa" und "Erzherzog Johann" sowie die "Hansa" und die Segelfregatte "Eckernförde", die von den Dänen in der Schlacht vor Eckernförde (5. April 1849) erbeutet worden war. Im April 1852 holte Kommodore Rudolf Brommy auf seinem Flaggschiff "Barbarossa" die schwarz-rot-goldene Flagge der Seestreitkräfte des Deutschen Bundes letztmals nieder.

Preußen hatte hingegen längst begonnen, eine eigene Marine aufzustellen. Den Befehl dazu hatte König Friedrich Wilhelm IV. bereits am 1. März 1849 erteilt.

Im Jahr 1864 führten die Spannungen mit Dänemark zu einem zweiten Krieg mit dem Deutschen Bund. Dänische Schiffe blockierten erneut deutsche Küsten und Häfen. Nur mit Hilfe der verbündeten österreichischen Flotte, die aus der Adria herbeigeeilt war, konnte die Blockade durchbrochen werden. Entschieden wurde der Krieg aber zu Lande. Dänemark verzichtete auf Schleswig, Lauenburg und Holstein.

Mit dem Krieg zwischen Österreich und Preußen 1866 endete die Ära des Deutschen Bundes und der Norddeutsche Bund entstand. Den Oberbefehl über dessen Streitkräfte erhielt der König von Preußen. Die Kriegsschiffe und Dienststellen der Marine des Norddeutschen Bundes hissten am 2. Juli 1867 erstmals ihre neue schwarz-weiß-rote Kriegsflagge. (rot-weiß stand für die Farben der Hanse, schwarz-weiß stand für Preußen, ebenso der Adler).

Die Marine wird kaiserlich

Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I., König von Preußen, in Versailles zum Kaiser des neu geschaffenen Deutschen Reiches ausgerufen. Die Reichsverfassung ähnelte der des Norddeutschen Bundes. Ihr Artikel 53 bestimmte den Kaiser zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine des Deutschen Reiches und der Artikel 55 legte fest: "Die Flagge der Kriegs- und Handelsmarine ist schwarz-weiß-rot." Der erste Chef der kaiserlichen Admiralität, Generalleutnant Albrecht von Stosch, gab der Marine ihre grundlegende Struktur und Organisation. Ihm lag unter anderem daran, das Niveau des Offizierskorps zu heben. Er ließ deshalb Abiturienten (Maturanten) statt - wie zuvor üblich - Absolventen von Kadettenanstalten einstellen. Auch unter dem Kaiser wurden übrigens überwiegend Söhne bürgerlicher Kreise Marineoffiziere.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war die Deutsche Flotte bereits - nach der Royal Navy - die zweitgrößte Seestreitmacht der Welt.

Die größte Seeschlacht des Ersten Weltkrieges, die Skagerrakschlacht (31. Mai 1916), war kein geplantes Unternehmen, sie ergab sich eher aus Zufällen. Vizeadmiral Reinhard Scheer verlegte mit 21 Schlachtschiffen, 78 Kreuzern, Zerstörern und Torpedobooten in die Nordsee vor Norwegen, um dort Handelsschiffe abzufangen. Die britische Grand Fleet befand sich mit 37 Schlachtschiffen und 127 Kreuzern, Zerstörern und Torpedobooten auf Südkurs ebenfalls in der Nordsee. Um 1520 Uhr sichteten die Flotten einander und die Schlacht begann. Am Ende hatten die Deutschen mehr Schiffe versenkt als ihre Gegner und damit die Schlacht zu ihren Gunsten entschieden.

Der Krieg ging dennoch weiter - und am Ende verloren. Im Juni 1919 versenkte sich die internierte Deutsche Flotte vor Scapa Flow selbst, um nicht an Großbritannien ausgeliefert zu werden. Die Kaiserliche Marine hatte damit aufgehört zu existieren.

Der Untergang der Kriegsmarine

Im April 1919 beschloss die Nationalversammlung in Weimar, eine Reichsmarine aufzustellen. Der Versailler Vertrag begrenzte diese allerdings auf 15 000 Mann. Neben sechs veralteten Linienschiffen durften einige Kreuzer, Torpedoboote und Minensuchboote unterhalten werden. Unterseeboote und Flugzeuge waren verboten. Die Flagge der Reichsmarine war schwarz-weiß-rot, trug in der Mitte das Eiserne Kreuz und in der oberen Ecke am Fahnenstock die früheren Reichsfarben Schwarz-Rot-Gold.

Zwanzig Jahre später, am 1. September 1939, beschoss das Linienschiff "Schleswig-Holstein" - nunmehr Teil der Kriegsmarine des Dritten Reiches - die Westerplatte vor Danzig (Polen). Damit begann der Zweite Weltkrieg. Das Dritte Reich kapitulierte am 8. Mai 1945 bedingungslos und die Auflösung des Oberkommandos der Kriegsmarine am 21. Juni 1945 beendete die Existenz der Kriegsmarine auch de jure.

Die Übergangszeit und der neue Auftrag

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges waren die deutschen Küstengewässer durch etwa 200 000 Seeminen nahezu unpassierbar geworden. Großbritannien stellte daher bereits 1945 eine German Minesweeping Administration (GMSA) auf, die bis 1947 die Seewege in der Nord- und Ostsee freiräumte. In dieser Flotte aus unterschiedlichsten Bootstypen dienten insgesamt ungefähr 10 000 ehemalige Soldaten der Kriegsmarine. Zwischen 1948 und 1951 führte der Zollgrenzschutz die Räumarbeiten von Cuxhaven aus weiter. 1951 stellte die US Navy in Bremerhaven eine Labor Service Unit (LSU) auf, um die Minenräumung unter ihrem Kommando fortzusetzen. Die LSU war zugleich als Keimzelle für eine künftige (deutsche) Marine gedacht.

Im Frühjahr 1949 richtete die amerikanische Besatzungsmacht in Bremerhaven das Naval Historical Team ein. Ein Kreis erfahrener Persönlichkeiten sollte die deutschen Seekriegserfahrungen für die US Navy aufbereiten und auswerten. Angesichts des aufkommenden Ost-West-Konfliktes gingen Analysten der Westalliierten bereits 1947 von der Annahme aus, dass ab 1954 mit einem konventionellen Angriff der Sowjetunion auf Westeuropa gerechnet werden müsse. Vor diesem Hintergrund sollte das Naval Historical Team auch über eine mögliche Neuaufstellung deutscher Seestreitkräfte nachdenken. Es kam zum Ergebnis, dass das Schwergewicht (deutscher) militärischer Anstrengungen bei Heer und Luftwaffe liegen müsste. Seestreitkräfte hielt man jedoch zur Absicherung der Nordflanke für unverzichtbar. Die Kernpunkte eines künftigen neuen deutschen Marineauftrages wurden dazu wie folgt definiert: - Mitwirkung bei der Verteidigung der Ostseeausgänge; - Hineinwirken in die Ostsee, um jegliche gegnerischen Aktivitäten zu stören; - Schutz der Seewege in der Nordsee.

Aus diesem Aufgabenkatalog leitete das Team, dem unter anderem Vizeadmiral a. D. (später Marineinspekteur) Friedrich Ruge angehörte, die Notwendigkeit von leichten, beweglichen Seestreitkräften und starken Marinefliegerverbänden ab - bei gleichzeitigem Verzicht auf große Kampfschiffe. Veranschlagt wurden rund 290 Schiffe und Boote sowie eine Personalstärke von bis zu 19 600 Mann. Die vom Naval Historical Team erarbeiteten Grundsatzpositionen gaben der späteren Marineplanung jedenfalls entscheidende Impulse.

Bei den Verhandlungen über eine - französisch dominierte - Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) wurde eines schnell deutlich: Angesichts des Fehlens jener Staaten, deren Küsten durch einen möglichen Angriff aus dem Osten gefährdet waren (Norwegen und Dänemark) sowie der größten europäischen Seemacht (Großbritannien) hätte eine Integration der deutschen Seestreitkräfte in die EVG nur wenig Sinn gehabt. Nach dem Scheitern der EVG-Pläne wurde deshalb auf eine NATO-Lösung hingearbeitet. Das brachte den deutschen Marineexperten deutlich mehr Planungssicherheit. Am Ende wurde ihre Konzeption einer Deutschen Marine grundsätzlich gebilligt. Diese sollte für ihren Beitrag zur kollektiven Sicherheit über folgende Kräfte verfügen: - 38 aktive Minensuchboote (weitere 107 in Reserve); - 3 Minenleger (nach Mobilmachung); - 12 Küstengeleitboote; - 50 Hafenschutzboote (nach Mobilmachung); - 2 U-Jagdboote; - 36 Landungsfahrzeuge (maximale Größe Landing Craft Tank - LCT, Landungsboot für Panzer); - 60 Motortorpedoboote (Schnellboote); - 24 Marineflugzeuge (Aufklärer); - 30 Hubschrauber.

Die für den Einsatz notwendige Personalstärke wurde von der NATO mit etwa 18 000 Soldaten errechnet.

Der NATO-Beitritt der Bundesrepublik Deutschland führte erstmals dazu, dass ein deutscher Staat Mitglied eines maritimen Bündnisses wurde. Die östliche Hälfte des Landes, die Deutsche Demokratische Republik, stand - als Teil des Warschauer Paktes - allerdings unter der Führung der Kontinentalmacht Sowjetunion.

Zwei deutsche Marinen

Am 2. Januar 1956 rückten die ersten Freiwilligen der Bundesmarine in Wilhelmshaven ein. Nur eineinhalb Jahre später, am 1. Juli 1957, assignierte die Marine ihre ersten Bootsgeschwader der NATO. Der Schwerpunkt des deutschen Marinebeitrages lag - genau wie vom Naval Historical Team skizziert - bei der Verteidigung der Ostseeausgänge und der Seewegsicherung in der Nordsee. Ende 1956 betrug die Personalstärke der Marine bereits 7 650 Mann, in den achtziger Jahren sollte sie auf 38 400 anwachsen und ihre fahrenden Einheiten und ihre Luftfahrzeuge (Marineflieger) zu den modernsten und effektivsten der NATO zählen.

In der DDR war 1949 die Hauptverwaltung Seepolizei in Parow (Stralsund) aufgestellt worden. Sie bildete mit ihren 10 000 Angehörigen die Basis für die Seestreitkräfte (später Volksmarine) der Nationalen Volksarmee, die offiziell am 1. März 1956 gegründet wurde. Damit gab es in Deutschland zwei Marinen. Beide führten die schwarz-rot-goldene Flagge - und standen einander 34 Jahre lang in der Ostsee als potenzielle Feinde gegenüber.

Die Volksmarine zählte als Küstenmarine rund 17 000 Soldaten. Ihre Schiffe (bis zu 192 Einheiten) und Ausrüstung waren robust und relativ modern. Erst nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Wiedervereinigung (3. Oktober 1990) wurden die Bundesmarine und die Volksmarine wieder zur Deutschen Marine. (Die Schnellbootflottille liegt z. B. heute in Warnemünde vor den Toren Rostocks. Das Marineamt ist von Wilhelmshaven nach Rostock umgezogen und die Marinetechnikschule wurde in Parow neu aufgestellt. Das Typschiff der Fregattenklasse 123 heißt "Brandenburg", ein Schwesterschiff davon "Mecklenburg-Vorpommern" und das Typschiff der derzeit weltweit wohl modernsten Fregattenbaureihe, der Klasse 124, trägt den Namen "Sachsen" über die Weltmeere.)

Der NATO-Beitritt und die Gründung der Bundeswehr

Nachdem die Bildung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) gescheitert war, trat die Bundesrepublik Deutschland nach Bemühungen des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer im Mai 1955 als 15. Mitgliedstaat der NATO bei. Theodor Blank, der erste Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland, überreichte am 12. November 1955 den ersten Bundeswehroffizieren die Ernennungsdekrete. Seither wird der 12. November als Gründungstag der Bundeswehr gefeiert.

Neben Heer und Luftwaffe wurde auch eine Marinekomponente gewünscht und geschaffen. Deren Auftrag war die Aufrechterhaltung der Seeverbindungslinien über den Atlantischen Ozean und die Randmeere des Europäischen Kontinentes. Damit sollte in Verbindung mit anderen Seestreitkräften der Rohstofffluss und Warenaustausch gesichert werden. Der Schwerpunkt der Bundesmarine waren daher in erster Linie die an die Bundesrepublik angrenzenden Seegebiete wie Ostsee, Nordsee sowie deren Küstenverlauf und Inseln.

Die NATO formulierte 1955 die Aufgaben der Bundesmarine u. a. so: - Schutz und Sicherung der westlichen Schiffart in der Ostsee und den Ostseezugängen; - Abwehren von Übergriffen auf die Küsten und Inseln, insbesondere das Verhindern von amphibischen Landungen im Bereich der Ostseezugänge; - Unterbinden des Nachschubverkehrs für amphibische Operationen; - Freihalten der Seewege von Minen und Minenlegen zum Schutze des deutschen und dänischen Territoriums; - Verbringen von Heereseinheiten zur Verteidigung der Inseln und Küsten.

Kriegs- und Hilfsschiffe der Marine

Ein Schiff oder Boot der Bundeswehr/Marine wird durch Erlass des Bundesministeriums der Verteidigung/Inspekteur der Marine in und außer Dienst gestellt. Für eine Indienststellung sind folgende Voraussetzungen erforderlich: - Eigentum oder Besitz der Bundesrepublik Deutschland (Bundesministerium für Verteidigung) an der Einheit; - Seegängigkeit; - Unterbringungsmöglichkeit für eine ständig eingeschiffte Besatzung; - Vorhandensein eines STAN (Stärke- und Ausrüstungsnachweises).

Kriegsschiffe gehören zu den Seestreitkräften eines Staates und müssen daher in der Liste der deutschen Kriegsschiffe eingetragen sein. Sie führen die Dienstflagge der Seestreitkräfte der Bundeswehr und haben eine militärische Besatzung unter der Führung eines Kommandanten.

Hilfsschiffe sind marineeigene oder gecharterte Einheiten, die nicht zu Kampfzwecken, sondern für andere Aufgaben der Marine eingesetzt werden. Sie müssen in der Liste der Hilfsschiffe der Bundeswehr eingetragen sein, die Bundesdienstflagge führen und eine zivile Stammbesetzung unter der Führung eines Kapitäns haben.

Alle Schiffe und Boote der Marine führen am Heck sowie beidseitig ihre Kennung (Hull Number), die aus einem Buchstaben und einer zwei bis vierstelligen Zahl besteht. Der Buchstabe gibt den Schiffstyp an: D Destroyer - Zerstörer; F Frigate - Fregatte; P Patrol Boat - Patrouillenboot, in der Bundesmarine führen die Schnellboote der Klasse 143 und 148 ebenfalls die P-Kennung; S Submarine - Unterseeboot; M Mine Counter Measures Vessel - Minenabwehrfahrzeug; L Landing Craft - Landungsboot; A Auxiliary Vessel - Hilfs- und Unterstützungsfahrzeug; Y Yard Service Craft - Werft- und Hafendienstfahrzeug.

1956 - die Stunde Null, die keine war Zu den Männern "der ersten Stunde" zählten insgesamt 900 uniformierte Angehörige und 139 Zivilbedienstete des Seegrenzschutzes, die zur Deutschen Marine wechselten. Auch aus den amerikanischen Labor Service Units sowie vom britischen Fishery Protection Service fanden viele ihren Weg in die neuen Seestreitkräfte. Insgesamt wurden aus diesen Organisationen rund 1 600 Marinesoldaten rekrutiert. Viele von ihnen hatten bereits im Zweiten Weltkrieg bei der Marine gedient. Damit konnte die Deutsche Marine durchaus auf einer gewissen personellen Kontinuität aufbauen. Ein Synonym dafür war die Person ihres ersten Inspekteurs, Vizeadmiral Friedrich Ruge: Er hatte bereits in der kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine gedient.

Die Stunde Null gab es demnach zwar auf dem Papier, etwa bei den Rechtsgrundlagen, aber (mit Ausnahme der Marineflieger) nicht bei der Flotte.

Stühle aus Kneipen, Bettwäsche aus dem Frauengefängnis Die Deutsche Marine übernahm in der Startphase von den Labor Service Units (LSU) Minenräumboote und Betriebsfahrzeuge und vom Seegrenzschutz Schnell- und Wachboote sowie Betriebsfahrzeuge; der Fishery Protection Service steuerte ebenfalls Schnellboote bei. Daraus entstanden - ein Schnellbootgeschwader, - drei Minensuchgeschwader, - zwei Hafenschutzgeschwader und - das Schulgeschwader Ostsee.

Die Schulen erhielten Räum- und Flugsicherungsboote und die Stützpunkte Betriebsfahrzeuge. Das Material entstammte nicht nur der Kriegsmarine, sondern zum Teil sogar noch der Reichsmarine. Auch in anderen Bereichen war Improvisationstalent gefragt: Stühle für Lehrsäle lieh sich die Marine z. B. aus Kneipen und Bettwäsche für die Unterkünfte aus einem Frauengefängnis.

Der Startphase folgte die Übergangsphase. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages bewilligte im Februar 1956 das Geld zum Bau von - 8 Zerstörern, - 30 Schnellbooten, - 6 Geleitbooten und - 54 Minensuchern.

Die deutsche Werft- und Rüstungsindustrie befand sich allerdings erst im Aufbau, der Zulauf neuer Schiffe und Boote war damit auf Jahre hinaus nicht in Sicht. Deshalb griff man für die Übergangszeit auf ausländische Militärhilfe zurück. Die USA lieferten Zerstörer, Landungsboote und Minensucher, die Briten vor allem Fregatten und aus Frankreich kamen (ehemalige deutsche) Minensucher. Das an die BRD übergebene Material musste allerdings zum Teil instand gesetzt und modernisiert werden.

(wird fortgesetzt) ___________________________________ __________________________________ Autor: Fregattenkapitän d. R. Jürgen R. Draxler M. A., Deutschland. Der Autor ist Stabsoffizier der Reserve, Magister der Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Journalist und beim Deutschen Bundestag als Parlamentskorrespondent akkreditiert.

Quellen: (Auszug) Kapitän z. S. Dieter Stockfisch; 150 Jahre Marine in Deutschland. In Europäische Sicherheit, Heft 7/1998.

Korvettenkapitän Bernd Manthey und Kapitänleutnant Udo Michel; Die Aufstellung der Deutschen Marine. (Vorträge) Archivoberrat Dr. Heinz-Ludger Borgert; Die Entstehung und Entwicklung der Marinekonzeption in der Bundesrepublik Deutschland 1950 - 1964. (Vortrag)

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