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Soldaten im Hochgebirge (II)

Die k.k. Landwehr-Gebirgstruppen

Mit Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht entstanden in fast allen europäischen Militärmächten im 19. Jahrhundert hoch gerüstete Massenheere, denen, der raschen technischen Entwicklung jener Zeit folgend, immer höher entwickelte Waffen und Ausrüstung zur Verfügung standen. Es änderten sich das Kriegsbild und die taktischen Grundsätze. Das klassische, örtlich begrenzte Schlachtfeld, wie es bei Magenta oder Königgrätz noch gegeben war, wich einem differenzierteren Kriegsbild und neuen Anforderungen. Vorausschauende Militärs erkannten bald, dass auch Gebirgsregionen in die taktischen Überlegungen einzubeziehen waren.

Vorspiel in Bosnien

Gebirgsartillerie gab es im österreichischen Heer schon seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert: Aber erst ab 1794 wurden auf Tragtieren verlastbare Kanonen verwendet. Nach Einführung des Gebirgsgeschützes erfolgte die Umwandlung des seit 1817 bestehenden "Raketeurkorps" in das "Raketeur- und Gebirgsartillerieregiment". In weiterer Folge bestanden Gebirgsbatterien bei Feldartillerieregimentern, zeitweise auch beim Küsten-Artillerieregiment bzw. bei der Festungsartillerie. Die Spezialität der Gebirgsartillerie war vor allem das leichtere Bewegen von Geschützen im unwegsamen Terrain. Den ersten größeren Einsatz unter den Bedingungen modernerer Kriegführung erlebte diese im Zuge des Okkupationsfeldzuges 1878 in Bosnien und Herzegowina, zuvor war sie bereits bei der Niederringung des Aufstandes in der Krivosije 1869 herangezogen worden.

Der Kampf im Gebirge erforderte ein gänzliches Umdenken hinsichtlich des Kräfteeinsatzes. Die kaum vorhandene Infrastruktur machte ein Verschieben größerer Truppenverbände faktisch unmöglich. Das Abgehen von bisherigen Gliederungen und die Formierung von kleineren, leichter zu führenden "Gebirgsbrigaden" war eine der Folgen. Sie wurden aus den bisherigen Infanterie- und Feldjägerbataillonen gebildet, jedoch mit Gebirgsartillerie und Gebirgs-Traineskadronen verstärkt. Die am Balkan stationierten Gebirgsbrigaden bewährten sich u. a. 1882 im Feldzug zur Niederschlagung der Aufstände in Süd-Dalmatien, Süd-Bosnien und der Herzegowina. Die für die Gebirgsbrigaden herangezogene Infanterie bzw. Jägertruppe des k.u.k. Heeres erhielt jedoch keine spezielle (Hoch-)Gebirgsausrüstung oder Gebirgsausbildung. Immerhin brachte die Reorganisation der k.u.k. Gebirgsartillerie 1908 die Aufstellung je eines Gebirgsartillerieregimentes in Tirol, Böhmen und Steiermark/Kärnten sowie von drei weiteren in Bosnien und Herzegowina.

Die Schaffung der k.k. Landwehr-Gebirgstruppen

Die Schaffung einer eigentlichen Gebirgstruppe in der österreichisch-ungarischen Monarchie erfolgte erst relativ spät - im Mai 1906. Über Betreiben des Generals Franz Conrad von Hötzendorf, der als Generalstabsoffizier in Bosnien die Notwendigkeiten der Grenzüberwachung im Gebirge durch besonders qualifiziertes Personal und die besondere Situation an der Grenze zu Italien in den Südalpen als Landesverteidigungskommandant von Tirol selbst kennengelernt hatte, wurden die seit 1871 zur k.k. Landwehr zählenden k.k. Tiroler Landesschützenregimenter Nr. I und II sowie das Kärntner Landwehr-Infanterieregiment "Klagenfurt" Nr. 4, zu Landwehr-Gebirgstruppen umgebildet. Ihre ureigenste Zweckbestimmung war der Grenzschutz im Hochgebirge zwischen Ortlermassiv und Julischen Alpen. Dazu erhielten sie eine besondere, den Anforderungen des Hochgebirges entsprechende Adjustierung und Ausrüstung, zu welcher u. a. Bergstock, Eispickel, Schneereifen, Kletterseile und Steigeisen gehörten.

Jedem Regiment wurde bereits in Friedenszeiten ein konkreter Grenzabschnitt zugewiesen. Die einzelnen Kompanien lagen nicht in großen Garnisonsorten, sondern im grenznahen Raum in Sommer- bzw. Winterstationen, von denen aus regelmäßig Alpinausbildung und rege Patrouillentätigkeit an der Grenze durchgeführt werden konnten. Bereits im Frühjahr 1907 kamen die ersten Gebirgs-Maschinengewehrabteilungen zur Aufstellung, der gesamte Train war auf Tragtieren verlastbar.

Die Friedensstände der Regimenter wurden zwar erhöht, doch reichten diese bei weitem nicht aus. So wurde 1909 in Tirol das k.k. Landesschützenregiment Nr. III (wieder) errichtet, 1911 erhielt das k.k. Landwehr-Infanterieregiment "Laibach" Nr. 27 die Bestimmung als Gebirgsregiment.

Besonderheiten der Adjustierung für den Gebirgskrieg

Verschiedene Uniformsorten zur Verwendung als gebirgstaugliche Bekleidung wurden 1906 bei den als Gebirgstruppen vorgesehenen Verbänden getestet (vor allem beim Kärntner k.k. Landwehr-Infanterieregiment Nr. 4). Unterschiedliche Schnittmuster, Stofffarben und Ausrüstungsstücke wurden erprobt. Die für die Röcke und Blusen der k.k. Landwehr schon 1889 eingeführte und bei der k.(u.)k. Jägertruppe seit Ende des 18. Jahrhunderts in Gebrauch stehende hechtgraue Farbe erwies sich in den Kalkbergen der Karnischen Alpen und Dolomiten als am besten geeignet. Dem zivilen Bergsport entlehnt wurden die Kniebundhosen mit zugehörigen grauen Wollstutzen, von den Forstbeamten und Jägern übernahm man Bergstock und den "Kragen mit Kapuze", der dem Wetterfleck der italienischen Alpini ähnlich war. Besonderes Augenmerk wurde dem Schuhwerk gewidmet, wobei sich die bei zivilen Alpinisten längst gebräuchlichen genagelten "Goiserer" als am ehesten tauglich erwiesen.

Eine provisorische Adjustierungsvorschrift für die k.k. Landwehr-Gebirgstruppen fasste 1907 alle Neuerungen zusammen. Feldbluse mit aufgesetzten Blasebalgtaschen, Rückenfalte und Steh-Umlegkragen, Kappe mit grau gestrichenem Augenschirm, die erwähnten Kniebundhosen, Bergschuhe und Regenumhang, durchwegs braunes Lederzeug und eine Reihe weiterer Details wurden geregelt.

Besonders hervorzuheben sind zwei, für die österreichischen Gebirgstruppen besonders charakteristische Uniformattribute: das (damals an den Kragenspiegeln zu tragende) Edelweißabzeichen und der an der linken Kappenseite anzusteckende Spielhahnstoß (waidmännischer Ausdruck für die Schwanzfedern des Birkhahns).

Die Feldkappen hatten für Mannschaften und Offiziere annähernd gleiche Form. Sie entsprachen ihrem Typ nach dem 1868 im k.k. Heer eingeführten Muster, allerdings zunächst ohne den seitlich herabziehbaren Nackenschutz. Dafür erhielt jeder Mann einen gestrickten "Ohrenschützer", ein hechtgraues Stirnband. Während des Weltkrieges wurden auch die Kappen der Landwehr-Gebirgstruppen meist in der typisch österreichischen Facon mit dem praktischen Nackenschutz hergestellt. Die Form dieser Feldkappen prägte über mehr als ein Jahrhundert das Erscheinungsbild des österreichischen Soldaten und erhielt sich wenigstens in der Silhouette noch bis zur Feldkappe 1 des Feldanzuges 75. Die kürzlich im Bundesheer eingeführte neue Feldadjustierung weist hinsichtlich der Kappe eine sich an US-Vorbilder anbiedernde Form auf und bricht so mit dem altösterreichischen Vorbild.

Offiziere der k.k. Landwehr-Gebirgstruppen erhielten besondere Achselspangen mit dessinierten (gemusterten; Anm.) Silberborten und dem gekrönten kaiserlichen Namenszug an den Feldblusen. Neu eingeführt wurde auch ein kurzer Offiziers- und Unteroffizierssäbel mit brünierter Scheide, der wie ein Bajonett in einer braunen Steckkuppel am Leibriemen zu befestigen war. Die Offiziersausführung wies einen kunstvoll ziselierten Korb auf, der den k.k. Doppeladler und den Namenszug des Kaisers zeigte.

Die Knöpfe der Mannschaftsbekleidung waren glatt und grau lackiert, jene der Offiziere zeigten die Regimentsnummer: in römischen Ziffern für die k.k. Landesschützen, in arabischen für die beiden Landwehr-Infanterieregimenter. Eine weitere Besonderheit der Adjustierung der k.k. Landwehr-Gebirgstruppen waren die für Offiziere eingeführten Kappenembleme: anstelle einer Kappenrose wurde ein für Offiziere in Gold (für Fähnriche in gelber Seide) gesticktes Abzeichen angebracht, das den von der Kaiserkrone überhöhten allerhöchsten Namenszug des Kaisers ("FJ I" bzw. ab 1917 "K") zeigte.

Die Feldadjustierung war bei den k.k. Landwehr-Gebirgstruppen grundsätzlich auch gleichzeitig Paradeadjustierung. Lediglich Offiziere und Fähnriche, die nicht mit der Truppe ausrückten, durften eine besondere Paradeadjustierung tragen: doppelreihigen hechtgrauen Waffenrock mit grasgrüner Egalisierung (Farbe der Aufschläge und Vorstöße/Passepoilierungen; Anm.) und speziellen Achselspangen (Schulterstücke - nicht für Fähnriche; Anm.), dazu hechtgraue lange Hosen mit grasgrünen Lampassen und als Kopfbedeckung den Jägerhut mit schwarzem Hahnenfederstoß wie bei der k.u.k. Jägertruppe. Offiziere der k.k. Landesschützen führten als Hutemblem ein Horn mit versilbertem Tiroleradler (wie die k.u.k. Tiroler Kaiserjäger), jene der Landwehrinfanterieregimenter Nr. 4 und 27 ein Horn mit der jeweiligen Regimentsnummer in arabischen Ziffern.

Zu dieser Adjustierung wurde der Infanterieoffizierssäbel M-1861 mit dem jeweils zustehenden Portepée getragen. Im Gegensatz zu den metallenen Edelweißabzeichen der Mannschaften waren jene für Offiziere gestickt. Verschiedentlich ließen sich Unteroffiziere (die an sich zum Mannschaftsstand zählten) Edelweißabzeichen aus weißem Zwirn sticken.

Noch 1907 wurde, nach Vorbild der k.k. Landwehr-Gebirgstruppen, die hechtgraue Farbe für alle Montursorten der k.k. Landwehr eingeführt. Im k.u.k. Heer folgte diese Veränderung erst 1908. Ebenfalls 1908 wurden für die heiße Jahreszeit hechtgraue Zwillichblusen eingeführt, die von der Truppe ebenfalls gewünschten Zwillich-Kniebundhosen wurden aber verweigert (Zwillich ist ein Gewebe aus zweifachem Faden, vgl. "Drillich"; Anm.).

Viele Änderungen ergaben sich naturgemäß während des Ersten Weltkrieges. Unter grundsätzlicher Beibehaltung des bisherigen Schnittes wurde mit September 1915 die Uniformfarbe auf feldgrau geändert, ab 1916 erfolgten verschiedene Vereinfachungen. Wie im übrigen k.u.k. Heer kamen ab 1917 bei Offizieren (und fallweise auch Unteroffizieren) so genannte Karlsblusen mit zum Durchknöpfen gerichteten Patten und Knopfleisten in Gebrauch - ohne dass diese je offiziell eingeführt worden wären. Für den Alpindienst gab es eine Reihe spezieller Kleidungsstücke, beispielsweise die Windjacke und Windhose aus imprägniertem Segelleinen, Fäustlinge oder gestrickte Schneehauben. Besonders erwähnenswert sind die Schneehemden und Schneeanzüge - erste Tarnbekleidung für den Krieg im Winter. Ab Ende 1916 produziert, gelangten 1917 Stahlhelme zur Ausgabe.

Die Qualität der Adjustierungssorten wurde mit Fortdauer des Krieges immer schlechter. Schon 1915 wurde begonnen, für diverse Rüstungssorten statt Leder Ersatzmaterialien wie Gurtenstoffe, später sogar imprägnierten Papierspagat zu verwenden. Patronentaschen wurden aus dünnem Eisenblech hergestellt, Uniformen aus Reißwollstoff (Sammelbezeichnung für die aus Wolltextilien gewonnenen Spinnstoffe; Anm), zu dem später auch Brennnesselfasern beigemischt wurden. Schon im ersten Kriegswinter (1914/15) hatte sich ein eklatanter Mangel an Kälteschutzausrüstung bzw. -bekleidung gezeigt. In unzähligen Hilfsaktionen wurden zivile Handschuhe, Schals, Westen, Pulswärmer usw. gespendet und an die Front gebracht. Privates Schuhwerk, Ohrenschützer oder Übersocken wurden ebenso getragen, wie papierene Zwischenwesten. Not kennt keine Vorschrift - auch nicht bei der Adjustierung.

Krieg im Gebirge

Zu den Besonderheiten der Kampfhandlungen im Hochgebirge gehörte die Gleichzeitigkeit verschiedener Gefahren - zu den natürlichen Gefahren der Berge, nicht nur im Winter, kam die Bedrohung durch den Gegner, die Umstellungen in der alpinen Technik erforderte. So mussten Wege und Versorgungslinien so angelegt werden, dass sie vom Feind möglichst wenig eingesehen werden konnten. Die feindlichen Stellungen lagen oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Trotz einiger spektakulärer Patrouillenunternehmen, wie der Eroberung des Paternkofels durch Tiroler Standschützen unter dem berühmten Bergführer Sepp Innerkofler, war der Krieg im Gebirge im Wesentlichen ein Stellungskrieg - zu größeren Verschiebungen im Frontverlauf kam es erst Ende 1917, in Folge des Durchbruchs der Mittelmächte von der Isonzofront in die venetianische Tiefebene.

Eine besondere Tragik liegt wohl auch darin, dass gerade die zum Grenzschutz an der Gebirgsgrenze im Südwesten der Donaumonarchie speziell ausgerüsteten und ausgebildeten Regimenter - die k.k. Landwehr-Gebirgstruppen - bei Kriegsausbruch 1914 mit Masse an die Ostfront in die Ebenen Galiziens verbracht wurden. Und dort verblutete die Elite der berggewohnten Soldaten Tirols, Kärntens und Krains. Als 1915 der Krieg mit Italien begann, waren die österreichischen Südalpen weitgehend von Truppen entblößt.

Spezialformationen

Der Krieg im Gebirge erforderte schon aufgrund der natürlichen Gegebenheiten Truppen, die neben dem soldatischen Können über ein Höchstmaß an alpinistischen Kenntnissen und Fertigkeiten sowie die Fähigkeit zu selbstständigem Handeln unter schwierigsten Witterungs- und Geländeverhältnissen verfügten. Es war nicht so einfach, jedem Wehrpflichtigen abzuverlangen, einen Angriff über ausgesetzte Grate vorzutragen oder auf Spähtrupp durch steile Felswände zu klettern - und das noch bei Eiseskälte oder schlechter Sicht und unter Feindeinwirkung. Die allgemeine Truppenalpinausbildung der Landwehrgebirgsregimenter allein war nicht ausreichend für besondere Unternehmungen, etwa gegen exponierte Feldwachen oder schroffe Gipfelstellungen.

Hochgebirgskompanien

Zur Lösung von Aufklärungs- und Gefechtsaufgaben im Hochgebirge wurden daher 1916 alpine "Streifkompanien" aufgestellt, die 1917 in Hochgebirgskompanien umgewandelt wurden. Ihre Angehörigen konnten auf gediegene alpine Erfahrung zurückgreifen und erhielten besondere alpinistische Schulung. Die besonders ausgewählten und mit alpiner Ausrüstung versehenen Offiziere und Mannschaften der Hochgebirgskompanien sollten Terrainhindernisse auch im schwierigsten Gelände überwinden.

Eine Hochgebirgskompanie gliederte sich in - ein Kompaniekommando, - drei Züge und einen MG-Zug mit zwei Maschinengewehren, - drei bis vier Bergführerpatrouillen, - zwei Telephonpatrouillen und - einen technischen Schwarm.

Letzterer hatte u. a. die Aufgabe, im hochalpinen Gelände Steiganlagen zu versichern und Nachschubrouten gangbar zu machen, wofür er mit Drahtseilen, Strickleitern, Eisensprossen usw. ausgerüstet war. Der personelle Ersatz erfolgte aus den im jeweiligen Armeebereich vorhandenen Truppen. Als Ersatztruppenkörper wurde jenes Ersatzbataillon bestimmt, dem der Großteil der Mannschaft der einzelnen Kompanien entstammte, das konnten folglich solche der k.u.k. Armee oder der k.k. Landwehr sein.

Zur Ausrüstung der Hochalpinen Abteilungen zählte, neben der allgemeinen Gebirgsausrüstung (Rucksack, Bergstock, Schneereifen, Schneebrille, Bergschuhe, Krötteln) gemäß Vorschrift für die Ausrüstung und Bekleidung im Gebirgskrieg von 1918: ein Paar zehnzackige Steigeisen, vollständige Schiausrüstung, Lawinenschnur, ein Paar Schuhüberzüge, ein Paar Überfäustlinge, Windjacke, Windhose und ein Schneeanzug oder - bei dessen Ermangelung - ein Schneemantel.

Bergführerkompanien

Um den im Hochgebirge eingesetzten Truppen, die ja oftmals zum überwiegenden Teil aus nicht berggewohnten Soldaten bestanden, fachlich kompetente Ratgeber und Führer zur Seite zu stellen, wurden ab 1916 so genannte Bergführerkompanien aufgestellt. Diese waren allerdings nur administrative Verbände, denn die Verwendung der Bergführer erfolgte durch patrouillenweise Zuteilung zu den jeweiligen Truppen. Eispickel, Kletterseil und Kletterschuhe waren obligate Bestandteile ihrer Ausrüstung. Nach Bedarf hatten sie auch eine Schiausrüstung zur Verfügung.

Zur Ausbildung der Militärbergführer gab es eigene Bergführerersatz- und Instruktionskompanien. Dort wurden Soldaten verschiedenster Regimenter bzw. sonstiger Truppen, die meist aufgrund ziviler Ausübung des Bergsports schon vor dem Krieg alpinistische Kenntnisse erworben hatten, zu Bergführern ausgebildet. Als Ausbilder fungierten häufig autorisierte Alpenvereinsbergführer. Der Unterricht der militärischen Alpinkurse umfasste analog zu den Bergführerkursen des Alpenvereines die praktischen Fächer: Fels- und Eistechnik, Erste Hilfe, Kartenlesen und Orientieren im Gelände, Seilgebrauch und Erlernen bzw. Perfektionierung des Schilaufes. Als kriegsbedingte Neuerungen kamen die Versicherung alpiner Steige, Sprengwesen und Sturmausbildung hinzu. Damit sollten die Militärbergführer befähigt werden, einerseits selbst militärisch und alpinistisch schwierige Unternehmungen durchführen zu können, andererseits aber der Truppe als Instruktoren die elementarsten alpinistischen Grundsätze beizubringen. Im Gegensatz zu einzelnen, bereits seit Kriegsbeginn verschiedenen Truppen oder Rayons zugewiesenen Bergführern, die oftmals als Angehörige des k.k. Landsturmes bzw. der Tiroler Standschützen eingerückt waren, gehörten Angehörige der Bergführerkompanien administrativ in die Standesevidenz eines Tiroler Kaiserjägerregimentes oder eines Kaiserschützenregimentes.

Gebirgsartillerie

Aufgrund der Erfahrungen im ersten Kriegsjahr in den Karpaten sowie auf dem Balkan strebte man den raschen Ausbau der Gebirgsartillerie an. Während des Krieges gelangten die schon im Frieden erprobte 7,5-cm-Gebirgskanone M-15 und die 10-cm-Gebirgshaubitze M-16 zur Einführung. Die ursprünglich rein zur Verlastung auf Tragtiere konzipierte Ausstattung der Gebirgsartillerie mit zerlegbaren Gebirgskanonen erhielt während des Krieges wegen des immer größer werdenden Pferdemangels durch die Beigabe landesüblicher Fuhrwerke oder Karren eine gemischte Ausstattung.

Die 7,5-cm-Gebirgskanone M-15 war ein Rohrrücklaufgeschütz und konnte in sieben Traglasten zerlegt oder mittels einer Gabeldeichsel auch fahrbar gemacht werden. Ihre Reichweite lag bei etwa sieben Kilometern. Die 10-cm-Gebirgshaubitze war ebenfalls ein Rohrrücklaufgeschütz. Sie konnte in drei Einheiten zerlegt werden, welche durch jeweils (zumindest) zwei schwere Zugpferde bewegt wurden. Ihre größte Reichweite lag bei acht Kilometern. Die Zahl der Gebirgsbatterien war zwischen November 1916 und Anfang 1918 von 182 auf 312 angewachsen.

Nachschub und Transport im Gebirge

Angesichts der Leistungen der Kampftruppen im Gebirge werden die Leistungen der Versorgung oft vergessen - dabei musste gerade im Hochgebirge jede Patrone, jede Granate, aber auch jeder Bissen Brot und jede Decke, oft genug sogar jeder Schluck Wasser meistens mühsam "nach oben" getragen werden. Die Leistungen der Baukompanien, der Pioniere, aber auch der Träger (vornehmlich russische Kriegsgefangene, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben in derartigen Gegenden befanden) und Seilbahnformationen können unter diesen Umständen nicht hoch genug bewertet und gewürdigt werden. War die Versorgung der Soldaten in den Bergen schon im Sommer schwierig genug, so wurde sie im Winter, angesichts der Schneemassen und Lawinenabgänge, zur kaum lösbaren und oft tödlichen Aufgabe.

Die Rolle der Tragtiere zur Unterstützung militärischer Aktionen im schwer zugänglichen Gelände hatte in der k.u.k. Armee eine lange Tradition. Auch im Ersten Weltkrieg wäre es ohne die Hilfe der zähen Haflinger und Maultiere unmöglich gewesen, im gebirgigen Gelände zu kämpfen, ob am Balkan, am Isonzo oder an der Front im Hochgebirge. Im schwer zugänglichen Terrain waren neben den Tragtieren auch Hunde im Einsatz: sowohl als speziell ausgebildete Sanitätshunde (die Verwundete suchten und die Helfer zu ihnen führen sollten) wie als Zugtiere für kleine Karren. 1916 wurde in Wien sogar ein eigenes Kommando für Kriegs-Zughundeformationen (im Rahmen der k.u.k. Befestigungsbaudirektion) aufgestellt.

Beispiel des Scheiterns: Die Südtiroloffensive 1916

Der Chef des k.u.k. Generalstabes, Franz Conrad von Hötzendorf, war selbst begeisterter Alpinist und dachte schon während seiner Zeit als Kommandant der 8. Infanterietruppendivision in Tirol (1903 bis 1906) an einen präventiven Krieg gegen Italien. Angesichts der scheinbar kurzen Entfernungen - von der Ausgangsstellung Folgaria-Lavarone zur Küste sind es nur 75 Kilometer - entschloss sich Conrad von Hötzendorf 1916, durch eine überraschende Offensive zweier Armeen ein schnelles und siegreiches Ende des Krieges gegen Italien zu erzielen. Allerdings war sein Grundgedanke wohl nicht realistisch, da nicht nur ein Feind zu bekämpfen, sondern auch massive Gebirgsstöcke zu überwinden waren. Die horizontale und vertikale Gliederung des Gebirges zwingt zu anderen Überlegungen als ein ebenes Gelände oder ein Hügelland.

Für die Südtiroloffensive 1916 standen insgesamt rund 200 000 Soldaten bereit. Unter dem bewährten Generalobersten Erzherzog Eugen als Kommandant der Südwestfront führte der junge Feldmarschallleutnant (und künftige Kaiser) Karl, der sich hier als Feldherr profilieren sollte, das XX. Korps. Dieses Korps unterstand der 11. Armee unter Generaloberst Viktor Dankl, die mit der 3. Armee unter Generaloberst Hermann Kövess von Kövessháza die Offensive durchführen sollte. Die beiden Armeen waren zunächst hintereinander eingesetzt: die 11. Armee sollte den Austritt aus dem Gebirge erkämpfen und der 3. Armee den Weg freimachen; diese sollte dann den Kampf in der Tiefebene des Veneto führen. Durch die ungünstige Schneelage aber konnte die Offensive erst am 15. Mai 1916 beginnen; dadurch ging der Überraschungseffekt verloren. Die Truppen wurden durch das mühsame Vorgehen quer zu den Höhenzügen erschöpft; es fehlte Artillerieunterstützung und Nachschub. Im Bemühen, die beherrschenden Höhen zu sichern, wurde die Gelegenheit zu raschen Vorstößen in den Tälern zu wenig genutzt. Die 3. Armee musste schließlich zur Unterstützung am linken Flügel eingesetzt werden. Am 7. und 8. Juni jedoch lief sich der Angriff am Südrand des Beckens von Asiago (Sieben Gemeinden/Sette Commune) im Feuer der gut angelegten italienischen Stellungen fest.

Keine einzige Straße in die Ebene, geschweige denn eine Bahnlinie, war genommen worden; die Geländegewinne waren unerheblich (und mussten im Zuge der Frontverkürzung teils wieder aufgegeben werden).

Immerhin war es gelungen, neben 40 000 Kriegsgefangenen auch 300 Geschütze zu erbeuten. Ein operativer Durchbruch in die Tiefebene jedoch war - unter Verlust von rund 45 000 Soldaten - misslungen. Im Juni 1917 versuchten dann die Italiener einen massiven Angriff im Bereich der Sieben Gemeinden, der jedoch so wie die k.u.k. Offensive ein Jahr davor, unter schweren Verlusten (rund 23 000 Mann, großteils bergerfahrene Truppen) scheiterte. Auch nach dem Ersten Weltkrieg kam es zwar gelegentlich zu Kämpfen in den Bergen, nie wieder aber zu derart großangelegten Aktionen wie der - gescheiterten - Südtiroloffensive.

Von der "Front in Fels und Eis" zum Mythos des Krieges im Gebirge

Die "Front in Fels und Eis" weckte schon während des Krieges, noch viel mehr aber in den Jahren danach das öffentliche Interesse. Fast mutet es paradox an, dass dieser einsame Krieg in den Bergen mehr Interesse fand, als die Kämpfe am Isonzo oder an der Piave, wo oft während eines einzigen Kampftages mehr Menschen fielen als in vielen Monaten in den Bergen. Der Krieg im Gebirge fesselte aus mehreren Gründen: da waren es zum einen individuelle "Helden" - Bergführer wie Sepp Innerkofler etwa oder auch Viktoria Savs, das "Heldenmädchen von den drei Zinnen" mit denen eine Identifikation leichter möglich war als mit den namenlosen Massen an anderen Fronten. (Viktoria Savs hatte sich, nach Zerstörung des Familienbesitzes durch feindliche Artillerie, als Bursche getarnt freiwillig an die Front gemeldet. 1917 nahm sie allein einen 20 Mann starken italienischen Halbzug gefangen, wofür sie die Große Silberne Tapferkeitsmedaille erhielt. Wenig später verlor sie durch einen Granattreffer ein Bein, wodurch dann auch ihre wahre Identität aufkam.) Zum Teil hält diese Faszination bis heute an, zumal sich in den Bergen das (wenn auch natürlich falsche) Bild eines "sauberen" Krieges anbot. Das Bild der malerischen Natur mit ihren majestätischen Gipfeln bot sich als Kontrast zum dreckigen Sterben im Schlamm der Schützengräben oder in der Hölle des Karsts am Isonzo geradezu an.

Dazu spielten - auf beiden Seiten, in Österreich wie in Italien - weitere Motive mit, welche die Mythologisierung des Krieges im Gebirge förderten. In beiden Fällen ging es um geradezu "heilige" nationale Anliegen: für Österreich war es der Schutz der Grenze im Süden gegen den "verräterischen" einstigen Bundesgenossen, für Italien hingegen der Kampf um die Alpengrenze als die natürliche Grenze des italienischen mediterranen Kulturraumes gegen die nördlichen "Barbaren". Die Gebirgssoldaten erfreuten sich daher besonderer Popularität und öffentlicher Wertschätzung. Dies kam auch zum Ausdruck, als der junge Kaiser Karl im Jänner 1917 den drei Tiroler Landesschützenregimentern den Ehrentitel "Kaiserschützen" verlieh8) und im März 1917 die beiden Landwehr-Infanterieregimenter Nr. 4 und 27 in k.k. Gebirgsschützenregiment Nr. 1 und 2 umbenannt wurden.

Der Krieg im Gebirge wurde mit äußerster Härte um jeden Gipfel, jeden Grat geführt. Die Folge war eine schwer befestigte Front mit Schützengräben und Unterständen, mit eigenen Versorgungswegen und Seilbahnen, mit kavernierten Artilleriestellungen und Beobachtungsposten in höchsten Höhen, mit regelrechten Städten im ewigen Eis und mit Minen und Stollen bis hin zur Sprengung ganzer Berggipfel, wie der des Col di Lana am 17. April 1916 durch eine italienische Mine (dabei fielen 200 Kaiserjäger; angesichts der schweren Verluste an diesem Berg nannten ihn die Italiener "Col di Sangue", den Blutberg).

Erst Ende 1917, als Folge des erfolgreichen Durchbruchs in der 12. Isonzoschlacht bei Flitsch und Tolmein, endeten die Kämpfe im östlichen Teil der Front in Fels und Eis.

Die Schönheit der Bergwelt ist auch heute - allen touristischen Veränderungen der letzten hundert Jahre zum Trotz - eindrucksvoll wie eh und je. Die noch heute sichtbaren Stellungen des Ersten Weltkriegs künden als stumme Zeugen davon, dass es nicht selbstverständlich ist, sie im Frieden genießen zu dürfen.

(wird fortgesetzt) ___________________________________ __________________________________ Autor: Oberleutnant Univ.-Lektor Oberforstrat Dipl.-Ing. Hermann Hinterstoisser, Jahrgang 1956. 1974 Einjährig-Freiwilliger beim Ausbildungsregiment 8, Fernmeldeausbildung bei der Fernmeldetruppenschule, bis 1987 Fernmeldeoffizier/Jägerbataillon 24. Referatsleiter beim Amt der Salzburger Landesregierung, unter anderem Vertreter Salzburgs im Österreichischen Nationalkomitee der Alpenkonvention. Autor zahlreicher militärhistorischer und uniformkundlicher Publikationen, Mitglied im Redaktionsstab der militärhistorischen Zeitschrift "Pallasch", Mitarbeiter an diversen historischen Ausstellungen.

Literatur und Quellen (Auszug):

M. Christian Ortner: Österreichische Truppen für den Gebirgskrieg sowie Erwin A. Schmidl u. Hermann Hinterstoisser: Der Krieg im Gebirge; in: Hinterstoisser/Ortner/Schmidl (Hrsg.): Die k.k. Landwehr-Gebirgstruppen; Verlag Militaria, Wien 2006.

Heinrich Menger: Alpenverein und Weltkrieg; in: Zeitschrift des DÖAV Jg. 1919.

Gerhard Artl, Die österreichisch-ungarische Südtiroloffensive 1916 (Militärgeschichtliche Dissertationen österreichischer Universitäten Bd. 2, Wien: Bundesverlag 1983); und Hans Jürgen Pantenius, Der Angriffsgedanke gegen Italien bei Conrad von Hötzendorf: Ein Beitrag zur Koalitionskriegsführung im Ersten Weltkrieg (2 Bde., Köln - Wien: Böhlau 1984).

Hans Pölzer, Drei Tage am Isonzo (Publikationen des Österreichischen Milizverlages Heft 5, Salzburg 1994). 1999 erschien in derselben Reihe als Heft 16 der Bericht eines Stoßtruppführers von der Italienfront: Otto Gallian, Monte Asolone 1918.

Reinhard R. Heinisch: Frauen in der Armee - Viktoria Savs, das "Heldenmädchen von den Drei Zinnen"; in: Pallasch, Heft 1/1997.

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