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Weltgeschehen

Israel - Iran: Steht ein Waffengang bevor?

Der Iran will sein Atomprogramm, von dem befürchtet wird, es sei ein Waffenprogramm, nicht aufgeben; die diplomatischen Mittel scheinen kaum Wirkung zu haben. Russland liefert in dieser heiklen Lage hochmoderne Waffen an den Iran. Die Spannungen zwischen dem radikalen schiitischen Regime und dem jüdischen Staat nehmen immer bedrohlichere Formen an; Israel fürchtet um seine staatliche Existenz.

Der Iran dürfte unter allen Umständen entschlossen sein, sein Atomprogramm zu vollenden. Alle Verhandlungen - zuletzt Anfang Juni zwischen den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrates der UNO sowie Deutschland und dem Iran - scheinen zu scheitern. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad beharrt ungeachtet des neuen Verhandlungsangebotes auf die Fortsetzung des iranischen Programms zur Anreicherung von Uran. Trotz Beteuerung des Gegenteils aus Teheran sind die Anzeichen, dass dieses Uran für militärische Zwecke genutzt werden könnte, unübersehbar. Beweise gibt es bisher jedoch nicht.

Keine diplomatische Lösung in Sicht

Eine diplomatische Lösung des äußerst sensiblen Problems scheint unwahrscheinlich. Teheran sieht sich umgeben von Staaten, die über Atomwaffen verfügen, und könnte schon deswegen nicht zurückstehen wollen: Neben Israel besitzen auch China, Indien, Pakistan und Russland diese Massenvernichtungswaffen. Der Iran glaubt, sich nur durch den Besitz von Nuklearwaffen vor einem Angriff der USA oder anderer Staaten schützen zu können. Wird damit die "Büchse der Pandora" geöffnet? Erste Berichte, dass Saudi-Arabien nun seinerseits an einem Atomwaffen-Programm arbeitet und auch Ägypten sowie die Türkei nicht nachstehen wollen, liegen bereits vor.

Um den Iran an der Durchführung seines Atomwaffen-Programms zu hindern, drohten sowohl die USA als auch Israel in letzter Konsequenz mit der Anwendung militärischer Mittel, sollten diplomatische Lösungen scheitern. Ein solcher Militärschlag gegen den Iran würde nicht nur den gesamten Nahen und Mittleren Osten in ein Gebiet höchster Instabilität verwandeln, auch die weltweiten Folgen (terroristische Aktivitäten, steigender Ölpreis) wären dramatisch. Außerdem würde ein weiterer Krieg die Möglichkeiten der bereits jetzt im Irak an die Grenzen ihrer Kapazitäten stoßenden US-Streitkräfte überschreiten und könnte sogar die Rolle der USA als letzte verbliebene Supermacht gefährden.

Die Existenzfrage Israels

Schon der verstorbene Ayatollah Khomeini hat Jerusalem zum Ziel der bewaffneten Auseinandersetzung gemacht. Die Unterstützung der Terrororganisationen im Libanon und in den israelisch besetzten Gebieten sind Auswirkungen dieser Vision. Der gegenwärtige Präsident des Iran, Ahmadinedschad, will sogar "Israel als Staat von der Landkarte löschen". Ein hoher Kommandant der iranischen Revolutionsgarden, General Moammad E. Dehghani, ergänzte am 2. Mai des Jahres, Israel sei "das erste Ziel eines Gegenschlages, sollten die USA den Iran angreifen". Das würde bedeuten, dass Israel auf jeden Fall - ob es nun selbst militärisch aktiv würde oder nicht - unmittelbar betroffen sein könnte.

Janusköpfiges Russland

Zweideutige Signale kommen dazu aus Russland, das mit dem Iran einen Vertrag über die Lieferung von 29 modernen, höchst effizienten mobilen Fliegerabwehrlenkwaffensystemen "Tor M-1" (SA-15b/GAUNTLET) geschlossen hat, damit der Iran die Anlagen für sein Atomprogramm wirkungsvoll schützen kann. Gleichzeitig unterstützt Russland auch Israel, indem es einen israelischen Satelliten zur Beobachtung des Iran in den Orbit beförderte.

Sollte es nicht gelingen, den Vertrag über die Waffenlieferung an den Iran einzufrieren, wozu die USA einige diplomatische Möglichkeiten hätten, wird die Zeit für Israel knapp. Denn bereits im September sollen die ersten neuen Fliegerabwehrlenkwaffensysteme einsatzbereit sein. Ab dann wäre es für einen Angreifer wesentlich schwieriger, erfolgreiche Luftschläge gegen die iranischen Atomanlagen auszuführen. Israel weiß, wie schwierig und riskant ein solcher Angriff ist. 1981 haben die israelischen Luftstreitkräfte mit einem Überraschungsangriff den irakischen Leichtwasserreaktor "Osirak" in Al Tuwaitha nahe Bagdad zerstört. Aber viele der rund zwei Dutzend iranischen Atomanlagen sind weit im Land verstreut; darüber hinaus gibt es zahlreiche Scheinanlagen. Die besonders wichtigen Anlagen sind tief unter der Erde, weshalb nicht nur der Einsatz bunkerbrechender Waffen, sondern auch von Mini-Nukes - also von kleinen Atomsprengköpfen für den Einsatz tief unter der Erde - überlegt wird. Ein Horror-Szenario zeichnet sich ab.

Obwohl also eigentlich vieles gegen einen militärischen Schlag spricht, könnte sich Israel unter Bedachtnahme auf die Sicherung seiner Existenz zu einem Waffengang entschließen. Fraglich ist, ob es dann auf die Einsatzbereitschaft der russischen Waffen warten wird. (Abgeschlossen am 23. Juni 2006) Autor: Brigadier i. R. Prof. Dr. Horst Mäder

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