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Soldaten im Hochgebirge (III)

Die Entwicklung des militärischen Bergführerwesens

Der Heeresbergführer ist der Träger der Gebirgsausbildung im Militär. (Vgl. Alpinausbildung und Gebirgsausbildung; Im Österreichischen Militärlexikon wird Alpin wie folgt definiert: "leitet sich vom Begriff "Alpen" ab und wird gleichbedeutend auch für Gebirge verwendet" - daher sind beide Begriffe gleichzusetzen; Anm. des Verfassers.) Im Laufe der Zeit hat sich naturgemäß die Ausbildung immer wieder verändert und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Eines hat sich allerdings in der hundertjährigen Geschichte nicht verändert: Durch seine speziellen Kenntnisse und Fertigkeiten gilt der Heeresbergführer als Garant für die Sicherheit von Truppen im Gebirge und im extremen Gelände. Welche wechselvolle Entwicklung das Heeresbergführerwesen in den Jahren von 1906 bis 1955 durchmachte, wird in diesem dritten Teil der Serie "Soldaten im Hochgebirge" behandelt.

Die Anfänge des militärischen Alpinismus wurden in den vorangegangenen Beiträgen (TD-Hefte 3 und 4/2006) bereits dargestellt.

Einführung und Beginn der Heeres-(Militär-)bergführerausbildung

Nachdem am 1. Juli 1906 die Gebirgstruppe gegründet worden war, bedurfte es eines weiteren Anstoßes bis zur Ausbildung eigener Bergführer. (Der Begriff Militärbergführer entsteht allerdings erst im Laufe des Ersten Weltkrieges und der Begriff Heeresbergführer erst in der Ersten Republik.) Dieser sehr bedeutende Abschnitt in der Ausbildung von Gebirgstruppen wurde durch einen Antrag von Hauptmann Karl Freiherr von Bienerth vom 14. November 1906 an das Landesbeschreibungsbureau des k.u.k. Generalstabes in Wien eingeleitet. Darin wurde folgendes beantragt: "Gelegentlich der von mir im Laufe des diesjährigen Sommers in den Alpen durchgeführten Rekogniszierungen sind mir nachstehende Gedanken über das Bergführerwesen und dessen Beziehung zur bewaffneten Macht aufgetaucht, welche ich darlegen zu dürfen bitte.

Für einzelne Personen und Abteilungen … wird es vorteilhaft sein, einen Bergführer zur Seite zu haben … falls der Eintritt ungünstigen Wetters - Nebel oder Schnee - in den Bereich des Möglichen tritt … Ich glaube nun, dass es dem Zwecke entsprechen würde, wenn an verschiedenen Punkten des in Betracht kommenden Raumes je eine bestimmte Anzahl von Bergführern … bereitgestellt werden." Dieser Antrag des Hauptmann Karl Freiherr von Bienerth kann somit als Grundstein des österreichischen Heeresbergführerwesens gewertet werden. Der Zeitpunkt zur Vorlage dieses Antrages war insofern sehr günstig, da der vorher für die Schaffung einer eigenen Gebirgstruppe mitverantwortliche Franz Conrad Freiherr von Hötzendorf inzwischen k.u.k. Chef des Generalstabes geworden war.

Daher erging am 14. Februar 1907 ein Schreiben von Conrad von Hötzendorf mit einer dementsprechenden Empfehlung an das k.u.k. Reichskriegsministerium in Wien.

Am 3. Juli 1907 erging durch das k.k. Landesverteidigungskommando in Innsbruck an die beiden Landesschützenregimenter Nr. I in Trient und Nr. II in Bozen der erste konkrete Befehl zur Abhaltung von Bergführerkursen. "… Es ist anzustreben, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre (1907 bis 1908) jede Kompanie über mindestens einen Offizier oder längerdienenden Unteroffizier verfüge, welcher den erwähnten Anforderungen vollauf entspricht …" In der Folge wurde die Bergführerausbildung konsequent weiter betrieben. Das Ziel der Ausbildung für die Gebirgstruppe war es, auch schwierigstes Terrain mit ganzen Abteilungen zu überwinden.

Die Schilauf-Ausbildung spielte sich während des Winters in Regimentsschikursen ab. Die besten Schiläufer wurden anschließend zu einer weiteren Ausbildung ins Hochgebirge verlegt, um ebenfalls eine Anzahl von Offizieren und Mannschaften mit den Eigentümlichkeiten und Gefahren des Hochgebirges vertraut zu machen.

Diese Berichte machen den Anschein, als ob der Alpinausbildung und dem Gebirgskampf in dieser Zeit eine große Bedeutung beigemessen wurde. Tatsächlich aber beschränkten sich die Ausbildung der Heeresbergführer und die Alpinausbildung nur auf die Gebirgstruppen.

Der Gebirgskrieg im Ersten Weltkrieg

Bis zum Beginn des Jahres 1914 wurde in Österreich die vorher beschriebene Ausbildung der Bergführer in den Landesschützenregimentern betrieben und mit dem 14. Armeekorps hatte die österreichisch-ungarische Monarchie eine außergewöhnlich geschulte, hervorragende alpine Truppe. Diese Truppe wurde jedoch von der Südgrenze abgezogen und in die Schlacht gegen Russland geworfen.

Nachdem nun kaum noch Verteidigungstruppen an der Südgrenze verfügbar waren und der Krieg mit den Italienern unmittelbar bevor stand, begann man, Stellungsarbeiter-Bataillone (alte Jahrgänge, Halbtaugliche und Unausgebildete) in Kampfbataillone umzuwandeln. Längs der 500 Kilometer langen Grenze standen somit nun in Tirol 22 dieser Landsturmbataillone und die Besatzungen der ständigen Grenzsperren zur Verfügung. Um diese zu ergänzen, wurden etwa 30 000 so genannte Standschützen (eine altüberlieferte, auf die Erzherzogin Claudia - um 1632 - zurückführende Tiroler Landwehr) aufgeboten, welche aus noch nicht und nicht mehr Militärpflichtigen bestanden. Zusätzlich wurde noch das Deutsche Alpenkorps, ein rasch aus Elitetruppen zusammengesetzter Verband, mehrheitlich ohne Gebirgserfahrung, an die Tiroler Grenze verlegt. Entlang des Karnischen Kammes und seiner Ostflanke bis zum Krn (ital.: Monte Nero) hinunter standen weitere insgesamt 15 000 Mann Infanterie, gebildet aus freiwilligen Schützen aus Kärnten, Steiermark, Salzburg und Oberösterreich, ein paar Landsturmbataillone sowie die "Finanzer" (Zollwache) und Gendarmen der Grenzgebiete zur Verfügung. Mit diesen Truppen sollte die österreichische Grenze zu Italien verteidigt werden. Dazu war allerdings ein vollkommener Neuaufbau der alpinen Ausbildung notwendig.

Treibende Kraft war Hauptmann Georg Bilgeri. Es gelang ihm, teils aus den Reihen gedienter Offiziere, teils aus Kriegsfreiwilligen, einen Grundstock für die alpine Truppenausbildung zu schaffen.

Zur besseren Koordinierung der Gebirgsausbildung wurde schließlich beim Militärkommando Innsbruck ein alpines Referat geschaffen, dessen Leitung Bilgeri übernahm.

In weiterer Folge wurden auch bei den Subrayons-Kommanden solche Referate geschaffen. Diese alpinen Referenten waren als Berater der Kommandanten im Gebirge gedacht. Sie waren für die Ausbildung in den Subrayons verantwortlich und kümmerten sich darüber hinaus um die erforderliche Ausrüstung.

Aufstellung der Hochgebirgs- und Bergführerkompanien

Im Sommer 1915 stellte man fest, dass neben den Landes- und Standschützen auch im gemeinsamen Heer eine Formation benötigt wurde, die in den Gebirgsstellungen eingesetzt werden konnte. Daher wurden aus den Kaiserjägern Hochgebirgsformationen zusammengestellt. Anfangs noch Streifkompagnien genannt, erhielten sie in weiterer Folge die Bezeichnung Hochgebirgskompagnien. Diese Kompanien wurden immer dort eingesetzt, wo besonders qualifizierte Truppen im hochalpinen Gelände benötigt wurden.

Zu den größten Leistungen Hauptmann Bilgeris zählte sicher die Aufstellung und Ausbildung der Bergführerkompanien. Im November 1916 beschloss man aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen die Neuordnung des Bergführerwesens, und im Dezember 1916 begann man mit der Ausbildung in Bozen.

Bergführerkompagnien wurden aufgestellt. Zwei dieser Kompagnien waren in Bozen beim alpinen Depot als Instruktions- und Ersatzkompagnien, während die restlichen dreizehn an der Front tätig waren. Eine Kompanie bestand je nach Notwendigkeit aus ein bis zwei Frontzügen, einem technischen Zug oder Bauzug und einem Ersatz- oder Instruktionszug. In einer zweimonatigen Ausbildung wurden alle Themen im Fels und Eis behandelt. Auch die Bereiche Wegebau, Steigversicherungen, Lawinenschutzvorsorgen, ärztliche Hilfeleistung und Verwundetentransport sowie Kavernen- und Stollensprengungen wurden vorgetragen und geübt.

Vorerst unregelmäßig und in weiterer Folge monatlich wurden für Bergführer, alpine Referenten und Kommandanten Zusammenkünfte in Bozen organisiert. Dort wurden Erfahrungen und Erlebnisse bei hochalpinen Kampfhandlungen ausgetauscht und Lehren daraus gezogen sowie Lehrmethoden entwickelt. Mit dieser bestens organisierten Ausbildung gelang es bis zum Kriegsende, 20 Hochgebirgskompagnien und 13 Bergführerkompagnien aufzustellen.

Eine außergewöhnliche Organisation gab es noch im Kanaltal. Dr. Julius Kugy initiierte eine Kletterschule im Bartolograben bei Saifnitz (nahe Tarvis). Der Beweggrund für diese Kletterschule war das Vorhaben, den beherrschenden Berg der westlichen Julischen Alpen, den Montasch, mit Truppen zu nehmen. Für dieses große Unternehmen war eine bestens geschulte hochalpine Mannschaft vonnöten. Daher wurden aus dem gesamten Kaderbereich der 59. Gebirgsbrigade Bergführer und erstklassig geschulte Bergoffiziere zusammengezogen. Mit diesem Personal war es möglich, ab Beginn 1916 bis zum Ende des Bestehens der Kletterschule zirka 800 Mann auszubilden. Aus dieser Kletterschule wurden immer wieder Mannschaften für besonders heikle Unternehmungen wie Lawineneinsätze, Bergungen oder Aufklärungspatrouillen im Feindbereich an vielen Frontabschnitten der Südwestfront eingesetzt. Diese Bergführerabteilung war für alle anderen Brigaden sozusagen die Feuerwehr. Wenn das Vorhaben, den Montasch zu nehmen, auch nicht in die Tat umgesetzt wurde, konnte trotzdem ein großer Nutzen aus den ausgebildeten Truppen gezogen werden.

Um die Zugehörigkeit zu Bergführerformationen sichtbar zu machen, wurde mit Erlass vom 28. Juni 1918 auch ein Militär-Bergführerabzeichen geschaffen. Zusätzlich zu diesem Abzeichen wurde auch eine Militär-Bergführerauszeichnung "systemisiert".

Um die Leistungen, die von Bergführern erbracht worden sind, einigermaßen darstellen zu können, werden in den nächsten Abschnitten einige herausragende Einsätze beschrieben.

Die Kämpfe an der Ortlerfront

Die Annahme, dass die Besetzung eines Übergangs im Gebirge genügen würde, wurde durch eine der ersten Kriegshandlungen am Stilfserjoch widerlegt. Der Monte Scorluzzo, ein das Stilfserjoch dominierender Gipfel, wurde durch die Italiener mit Beginn der Kriegshandlungen 1915 besetzt und die österreichischen Stellungen von dort aus ständig beschossen. Daher entschloss sich der als Stationskommandant in Trafoi befindliche Kaiserjägerhauptmann Andreas Steiner, den Scorluzzo - ohne einen Befehl abzuwarten - zu nehmen. Mit dieser kühnen, ohne eigene Verluste durchgeführten Tat war die Ortlerverteidigung endlich auf die richtige Basis gestellt, das heißt, auf die allein entscheidenden Höhen vorverlegt worden.

Generalmajor a. D. Freiherr von Lempruch war während der gesamten Kriegszeit Kommandant des Abschnittes vom Stilfserjoch bis zum Monte Cevedale. Er fasste es so zusammen: "Nur zähe, moralisch und physisch starke, ganze Soldaten, hart und womöglich berggewohnt; nur solche, die die Berge lieben, aber auch den Tücken und Hinterhalten des ewig wachen und ewig drohenden Berggeistes gewachsen sind, erscheinen tauglich zur erfolgreichen Führung des Alpenkrieges. Die Tätigkeit einer kühnen, wagemutigen und entschlossenen Patrouille im Hochgebirge kann größere und nachhaltigere Erfolge zeitigen, als jene eines Bataillons im Flachland." Eine außergewöhnliche alpinistische Leistung war auch der Angriff auf die Hohe Schneid (3 431 Meter), welcher über einen, in monatelanger Arbeit durch den Gletscher gegrabenen Tunnel, erfolgte. Dabei wurden die Italiener in einem Überraschungsangriff - durch Zufall brach ein Alpini-Soldat während der Grabarbeiten in den österreichischen Stollen ein - aus der Bewegung ohne eigene Verluste geworfen und der Gipfel, der für die Beobachtung von großer Bedeutung war, konnte in eigenen Besitz gebracht werden.

Ein besonderes Beispiel für die Leistungen der Bergführerkompanien, die ja auch für die Organisation und Durchführung der Sanitätsversorgung verantwortlich zeichneten, war: Ein durch einen Bauchschuss schwer verletzter Bergführer wurde binnen viereinhalb Stunden vom Ortlervorgipfel nach Meran zur lebensrettenden Operation gebracht. Eine hervorragende Leistung, die auch heute noch Anerkennung findet, da es ohne den Einsatz von Hubschraubern kaum möglich scheint, diese Rekordzeit zu erreichen. Der Bergführer war innerhalb weniger Wochen wieder genesen.

Die Kämpfe auf dem Marmoladagletscher

Im Sommer 1916 war das Marmoladamassiv heiß umkämpft. Die österreichischen Stellungen mussten aufgrund ihrer Positionen über den Gletscher versorgt werden. Das bedeutete immer wieder Verluste durch feindlichen Beschuss, da der Gletscher auch bei Nacht von den Italienern sehr gut eingesehen werden konnte und nur bei schlechtem Wetter ein relativ gefahrloses Überqueren möglich war. Oberleutnant Leo Handl von der Bergführerkompanie Nr. 8 wusste eine Antwort auf diese Gefährdung. Er stellte fest, dass die Versorgung nur unterirdisch, in diesem Fall unter der Gletscheroberfläche, möglich war. So gelang unter seiner Planung der Ausbau einer richtigen Eisstadt. Bis 1917 entstand ein acht Kilometer langes Tunnelnetz im Gletscher, in welchem sowohl die Versorgungswege als auch große Kavernen vor Feindfeuer geschützt waren. Man bewegte sich bis zu 40 Meter unter der Oberfläche im ewigen Eis.

Eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte des Gebirgskrieges fand ebenfalls im Marmolada-Gebiet statt und gibt ein Beispiel für die Ignoranz der Vorgesetzten in Bezug auf alpine Gefahren. Der Winter 1916/17 war einer der schneereichsten überhaupt und man erkannte, dass die Nachschubposition Gran Poz in einem lawinengefährdeten Bereich stand. Trotz Warnung durch Bergführer und der Bitte des eingesetzten Bataillonskommandanten Hauptmann Rudolf Schmid, die Position vorübergehend räumen zu dürfen, entschied das Kommando der 90. Infanterietruppen-Division anders.

Am 13. Dezember 1916 wurde Gran Poz von gewaltigen Schneemassen verschüttet und von 321 Männern konnten 270 nur noch tot geborgen werden.

Bergführer Innerkofler in den Sextener Dolomiten

Besonders beeindruckende Leistungen vollbrachte der Bergführer Sepp Innerkofler. Er war einer der bekannteste Alpinisten seiner Zeit und hatte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges bereits die schwierigsten Routen in den Sextener Dolomiten erstbestiegen. Mit seinen 45 Jahren stellte er sein Können in den Dienst des Militärs und wurde Kommandant der so genannten "Fliegenden Patrouille". Mit den Männern dieser Patrouille führte er in den Sextener Dolomiten eine Art Kleinkrieg gegen den Feind und tauchte überall dort auf, wo niemand es vermutete. Innerhalb kurzer Zeit wurden er und seine Patrouille bekannt und gefürchtet. Es gab weder eine Schlucht oder Eisrinne noch irgendwelche steilen Felswände, die er nicht durchstieg, um den Gegner zu beunruhigen oder aus Stellungen zu werfen, falls diese für die eigenen Truppen eine Gefahr darstellten. Bereits zweimal für seinen Heldenmut und seine Waghalsigkeit ausgezeichnet, bekam er schließlich am 4. Juli 1915 den Auftrag, den Paternkofel (2 746 Meter) zurückzuerobern, nachdem Alpini diesen zuvor besetzt hatten und somit die österreichischen Stellungen bestens beobachten konnten.

Dieser Auftrag sollte sein letzter sein. Als er in der Nacht den Gipfel auf einer schwierigen Route erstieg, wurde er von einem Alpini überrascht und im Zweikampf getötet. Die Italiener bargen Innerkofler aus der steilen Wand und begruben ihn aus Wertschätzung am Gipfel des Paternkofels.

Handstreich am Monte Peralba

Für die Besetzung der Ostschulter des Monte Peralba in den Karnischen Alpen musste eine italienische Feldwache ausgeschaltet werden. Dies gelang durch einen Handstreich von gebirgsbeweglichen Soldaten des Gebirgsschützenregiments Nr. 1. Acht Mann, in zwei Patrouillen geteilt, eroberten in einer mondhellen Juninacht den Monte Peralba. Eine Patrouille lenkte die Feldwache ab, während die andere über steile Felsstufen über die Stellungen des Feindes hinauskletterte. Aus dieser Position konnte allerdings keine Wirkung auf den Feind erzielt werden. "… Der Feind klebt so dicht an der Wand, dass er gegen Sicht und Schuss von oben vollkommen gedeckt ist".

Korporal Rudolf Fellner, einer der Patrouillenkommandanten, fasst einen tollkühnen Entschluss. Er lässt sich über die Wand abseilen. Freischwebend taucht er über den Alpini auf. "… Schon saust die erste brennende Handgranate in die Tiefe, krepiert mitten unter die Ahnungslosen mit höllischen Krachen … Die Alpini springen auf, flüchten. Das ist ihr Untergang … Die Ostflanke des Monte Peralba ist wieder in der Hand der Österreicher." Auswirkungen des Krieges

Durch den Krieg wurden der Alpinismus und der Schilauf im zivilen Bereich gelähmt und kamen völlig zum Stillstand. Mit Kriegsende gab es allerdings eine Unzahl von Alpinisten und Schiläufern, die nach einheitlichen Richtlinien beim Militär ausgebildet worden waren. Tausende von Schiläufern konnten ihre Schiausrüstung mit nach Hause nehmen und viele setzten ihre Fähigkeiten im zivilen Bereich ein. Der militärische Schilauf war richtungsweisend für die Weiterentwicklung des Schisports, wie z. B. der Arlbergtechnik, die unter Hannes Schneider bekannt wurde.

Auch die zivile Bergführerausbildung profitierte von der Verbesserung und Vereinheitlichung der Ausbildung von Militärbergführern im Laufe des Ersten Weltkrieges. Durch die Einrichtung des Ausbildungslagers in St. Christina im Grödnertal gingen alle Bergführer in relativ kurzer Zeit durch ein- und dieselbe Schule und wurden dort von den besten Alpinisten dieser Zeit ausgebildet.

Die Heeresbergführerausbildung in der Ersten Republik

Einrichtung der Alpinkurse ab 1921

Der gebirgige Charakter der neu entstandenen Republik machte Kämpfe in diesem Gelände wahrscheinlich, deshalb wurde der Alpindienst in der Armee vereinheitlicht. Mit der Ausgabe der Alpinvorschrift im Juni 1921 wurde eine Kursabfolge geschaffen, die im Prinzip bis zum Ende der Ersten Republik ihre Gültigkeit besaß. Die Ausbildung im Alpindienst erfolgte - bei der Truppe, - dann in Alpinkursen (Brigade- und Heeresalpinkursen, Heeresbergführerkursen) und - durch eine besondere Hochgebirgstruppenalpinausbildung.

Die Brigadealpinkurse dienten der Fortbildung von alpin vorgebildeten Offizieren und Mannschaften. Die Heeresalpinkurse dienten zur Heranbildung von Lehrern für die Brigadealpinkurse. Die besten Absolventen der Heeresalpinkurse nahmen an der fast zweimonatigen Ausbildung zum Heeresbergführer teil. Man wurde allerdings nach Bestehen dieses Kurses zuerst zum Heeresbergführergehilfen ernannt. Danach musste der Absolvent mindestens sechs hochalpine Sommer- und drei Wintertouren "einwandfrei" führen, um zum Heeresbergführer ernannt zu werden.

Mit der Ernennung zum Heeresbergführer war auch eine ständige Fortbildung verpflichtend. Jeder Heeresbergführer hatte jährlich die in der Alpinvorschrift festgelegten Hochtouren zu erbringen. Nur gesundheitliche Gründe konnten eine Aufschiebung um ein Jahr erwirken.

Im Jahre 1928 wurde in einem Befehl des Bundesministeriums für Heereswesen darauf hingewiesen, dass der Titel des Heeresbergführers nur bei vollzogener Fortbildung geführt werden dürfte. Ansonsten war auf Antrag der Brigaden der Titel des Heeresbergführers sowie auch jener des Heeresbergführergehilfen abzuerkennen.

Die Organisation von Rettungspatrouillen

Die Ausbildung von Alpinisten kam auch der Allgemeinheit zugute. Zur Hilfeleistung bei alpinen Unglücksfällen wurden vom Bundesheer Rettungspatrouillen aufgestellt. Diese Patrouillen bestanden aus einem Kommandanten (Heeresbergführer bzw. alpiner Instruktor), einem Stellvertreter und sieben bis zehn Mann. Sie wurden entweder auf Anforderung der Behörden und Gemeinden (zum Beispiel zur Hilfeleistung für im Dienst verunglückte oder vermisste öffentlich Angestellte) oder auch auf Anforderung von Vereinen und Privaten beigestellt. Die alpinen Rettungspatrouillen gelten als Vorbild für die heutige Organisation des Rettungswesens und der Lawineneinsatzzüge in den verschiedenen Organisationen.

Fortsetzung der Ausbildung nach 1935

Das österreichische Bundesheer verfügte nach der Umgliederung 1935 über eine Reihe von gebirgsbeweglichen Truppen, die 1938 in die deutsche Wehrmacht eingegliedert wurden.

Die Dokumentenlage aus dieser Zeit bis hin zur Auslöschung der Existenz Österreichs ist eher dürftig. Bekannt ist, dass die Alpinausbildung auf jeden Fall weiter fortgeführt wurde und auch Heeresbergführer und Gehilfen ernannt wurden, wie aus den Verordnungsblättern des Österreichischen Staatsamtes für Heereswesen zu entnehmen ist. Im Jahre 1931 wurden das Aussehen der Abzeichen für Heeresbergführer und Heeresbergführergehilfen festgelegt. Diese Abzeichen entsprechen bereits den heute verwendeten und waren die Auszeichnung "… all jener, die die großen Mühen und Anstrengungen bewältigen konnten …". Fest steht auch, dass noch im Jahre 1938 Heeresbergführer ernannt wurden.

Von der deutschen Wehrmacht bis zur B-Gendarmerie

Die Gebirgstruppen im Zweiten Weltkrieg

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Frühjahr 1938 entstanden aus den österreichischen Gebirgstruppen zwei der drei deutschen Gebirgsdivisionen (2. und 3. Gebirgsdivision).

Zusätzlich zu den Gebirgstruppen stellte Österreich noch als Ausbildungsstätte die Hochgebirgs-Kampfschule in Fulpmes in Tirol. Diese wurde im November 1939 gegründet. Aufgabe dieser Schule war es, gemeinsam mit der Hochgebirgsschule Mittenwald Truppenführer im Gebirgskampf sowie Heeresbergführer auszubilden. Nachdem Ende 1942 das Kommando nach Mittenwald und eine Lehrgruppe ins Lager Luttensee bei Mittenwald verlegt wurden, blieb nur noch eine Lehrgruppe bis zum Kriegsende in Fulpmes.

Die Ausbildung zum Heeresbergführer erfolgte in Theorie und Praxis sowohl in einem Sommer- als auch in einem Winterlehrgang. Das Hauptaugenmerk der Ausbildung lag beim Klettern im Fels. Aber auch der Beurteilung der alpinen Gefahren - vor allem im Winter - wurde breiter Raum gewidmet. Die Heeresbergführer kamen nach absolvierter Ausbildung wieder zu ihren Einheiten zurück und waren dort die Berater der Kommandanten. Beim Gebirgseinsatz trugen sie u. a. die Verantwortung für die Auswahl des richtigen Weges, die Zeitberechnung und den Sanitätsdienst. Sie übernahmen die Führung im schwierigen Gelände, leiteten den Bau von Seilgeländern und übernahmen Rettungsaktionen. Während des Zweiten Weltkrieges standen rund 380 Heeresbergführer und Bergführeranwärter an allen Fronten im Kampfeinsatz.

Im Zweiten Weltkrieg kam es aufgrund der massiven Verluste zu ständigen Umgliederungen. Daher lässt sich auch kaum noch feststellen, an welchen Unternehmen ausschließlich Österreicher beteiligt waren. Nur anfangs waren die Truppen noch in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung. Relativ sicher ist, dass die Masse der ehemaligen österreichischen Gebirgstruppe am Polenfeldzug am äußerst rechten Flügel des deutschen Heeres im Bereich der Hohen Tatra durch das südpolnische Wald- und Hügelland in Richtung Lemberg vorgestoßen ist.

Die 2. und 3. Gebirgsdivision wurden in weiterer Folge im Skandinavienfeldzug eingesetzt. Dabei konnte sich die 3. Gebirgsdivision beim Norwegenfeldzug in Narvik auszeichnen.

Die 2. Gebirgsdivision erregte mit dem Unternehmen "Büffel" ebenfalls Aufmerksamkeit, indem ein speziell zusammengesetztes Regiment dieser Division die Landverbindung nach Narvik zur dort stark bedrängten 3. Gebirgsdivision herstellte. Dieses Unternehmen führte die Truppe über eine 200 Kilometer lange wegelose vergletscherte Hochgebirgsregion, die den Deutschen völlig unbekannt war und bei den Norwegern als unpassierbar galt. Der Kommandant des Spitzenzuges, welcher die Verbindung mit der 3. Gebirgsdivision herstellte, war ein gewisser Leutnant Friedrich Gressel aus Kärnten.

Der höchste Winterkampf in Europa

Obgleich es auch im Zweiten Weltkrieg Einsätze im Gebirge gab, man denke nur an den Kampf von Gebirgstruppen um den höchsten Gipfel Europas, den Mont Blanc, ist ein Bezug zum österreichischen Heeresbergführer nicht direkt herzustellen. Man kann jedoch annehmen, dass, erst aufgrund der in Fulpmes durchgeführten Ausbildung, Leistungen, wie jene im Mont Blanc- Massiv, möglich waren. Dabei haben deutsche Gebirgsjäger am 2. Oktober 1944 bei Nacht und Schneesturm einen Angriff gegen die Turiner Hütte (3 322 Meter) geführt und erfolgreich abgeschlossen. Dort war zu diesem Zeitpunkt die damalige Elite des französischen Alpinismus eingesetzt. Niemand hätte vermutet, dass bei diesem Wetter jemand über schwierigstes Gelände und Gletscher einen Angriff wagen würde.

Die Aufstellung der B-Gendarmerie

Im Jahr 1952 wurde die B-Gendarmerie aus der Exekutive herausgelöst und mit Heeresoffizieren besetzt. Unteroffiziere konnten allerdings kaum gefunden werden, da der Kontrollrat der Besatzungsmächte nach Kriegende den Ausbau eines Heeresamtes untersagte und auch die Erfassung der Heimkehrer nach militärischen Gesichtspunkten verhinderte.

Die Bataillone wurden als Gendarmerieschulen bezeichnet, die Kompanien als Unterabteilungen. Da die Aufstellung eines Heeres nicht erlaubt war, musste der gesamte Aufbau unter dem Deckmantel der Gendarmerie und geheim erfolgen. Die Besatzungsmächte entschieden im Bereich der Ausbildung recht unterschiedlich, in einigen Zonen wurden verschiedene militärische Ausbildungsthemen einfach untersagt. Die amerikanische Besatzungsmacht hingegen hatte für Spezialkurse viel übrig und förderte diese.

Aufgrund der infanteristischen Organisation und Garnisonierung des Großteils der Gendarmerieschulen in Gebirgsregionen wurde bei den Offizieren und Mannschaften bereits frühzeitig mit der Ausbildung von qualifiziertem Alpinpersonal begonnen. Die ersten Unterabteilungen der Gendarmerieschulen wurden unter Zusammenfassung des Alpinpersonals zu Hochgebirgskompanien spezialisiert und alle Gendarmerieschulen wurden durch die Ausrüstung mit Sommer- und Winteralpingerät zu jedem Gebirgseinsatz befähigt. Ebenso war die Hilfeleistung bei Lawinenkatastrophen vorgesehen.

Die Ausbildung dazu erfolgte nach der Alpinvorschrift für die österreichische Bundesgendarmerie. In dieser Vorschrift war auch der Ablauf der Ausbildung geregelt. Es gab drei Stufen der Ausbildung: - Gendarmerie-Alpinisten (er musste wenigstens einen hochalpinen Sommer- oder Winterkurs mit sehr gutem Erfolg bestanden haben und die Eignung zur Durchführung von mittelschweren Rettungs- und Bergeunternehmungen besitzen); - Gendarmerie-Hochalpinisten (er musste je einen hochalpinen Sommer- und Winterkurs mit sehr gutem Erfolg bestanden haben und die entsprechende Eignung zur Durchführung von Rettungs- und Bergeunternehmungen unter schwierigsten Verhältnissen); - Lehrer für den alpinen Dienst (seit der Überarbeitung der Vorschrift 1954 Gendarmerie-Bergführer genannt).

Diese dreistufige Schulung folgte dem Prinzip der qualifizierten Ausbildung, wie sie auch in der Ersten Republik im Österreichischen Bundesheer und in der Gendarmerie durchgeführt wurde. Aus dieser Zusammenarbeit mit der Gendarmerie - hier spielte vor allem der Alpinreferent Oberst Winkler aus dem Gendarmeriezentralkommando eine wesentliche Rolle - wurde sehr rasch ein breiter Stock an bestqualifizierten Bergführern und Hochalpinisten in den eigenen Reihen herangebildet. Mit dieser Basis an alpinqualifiziertem Personal ging es nun in die Phase der Aufstellung des Bundesheeres der Zweiten Republik.

(wird fortgesetzt) ___________________________________ ___________________________________ Autor: Major Kurt Pflügl, Jahrgang 1966. Nach der Offiziersausbildung 1988 Ausmusterung zum Jägerbataillon 21. 1989 bis 1999 Verwendung in verschiedenen Funktionen beim Jägerbataillon 26 bzw. Jägerregiment 12. 1999 Versetzung an die Jägerschule und Einteilung als Kommandant der Lehrgruppe für qualifizierte internationale Alpinausbildung.

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