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Kampfhubschrauber - Einsatz und Möglichkeiten

Hubschrauber als kampfkräftige Waffenplattformen gibt es erst seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Während des Kalten Krieges waren die Kampfhubschraubers hauptsächlich für die Panzerabwehr vorgesehen. Heute sind die Prioritäten und der Einsatz der Kampfhubschrauber auf dem Gefechtsfeld des 21. Jahrhunderts neu zu überdenken.

Kampfhubschrauber sind seit der Entwicklung luftgestützter Panzerabwehrlenkwaffen ständig präsente Gegner am konventionellen Gefechtsfeld. Im Irak-Krieg im Frühling 2003 wurde erstmals die neueste Version des AH-64, der AH-64D "Apache Longbow" auf einem realen Schlachtfeld eingesetzt. Dabei zeigten sich nicht nur die Stärken des neuen Systems, sondern auch erhebliche Schwächen. Dies führte soweit, dass das Waffensystem als Ganzes in Frage gestellt wurde.

Bewaffnete Hubschrauber

Die Entwicklung der Kampfhubschrauber begann in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die Franzosen den leichten Verbindungs- und Beobachtungshubschrauber Sud-Est SE.313 "Alouette" II für die Bodennahunterstützung im Algerien-Krieg bewaffneten. Diese ersten Versuche waren aber vom späteren Kampfhubschrauber noch weit entfernt; sie fallen in die Kategorie der bewaffneten Kampfunterstützungshubschrauber.

In den sechziger Jahren bewaffneten die Amerikaner ihre Transporthubschrauber UH-1 "Iroquois" (die im Truppenjargon als "Huey" bezeichnet wurden) für Begleitschutz- und Unterstützungsaufgaben bei ihren Luftlandeoperationen in Vietnam.

Aufgrund des schlechteren Leistungs-/Gewichtsverhältnisses zwischen den bewaffneten UH-1 und den unbewaffneten Transporthubschraubern der UH-1-Serie und der daraus resultierenden geringeren Fluggeschwindigkeit forderte die US Army einen neuen reinen Kampfunterstützungshubschrauber. Dieser sollte aus logistischen Gründen mit der UH-1 in wesentlichen technischen Komponenten identisch sein.

Die ersten Kampfhubschrauber

Im Laufe der Entwicklung erwies sich das Tandemcockpit als am vorteilhaftesten. Erstens, weil es dem Piloten den besten Überblick bietet, zweitens verleiht es dem Hubschrauber eine sehr schmale Silhouette und bietet damit dem feindlichen Feuer nur eine geringe Angriffsfläche. Außerdem verringert sich der Luftwiderstand der Zelle. Das ermöglicht eine höhere Fluggeschwindigkeit, die sich im Vietnam-Krieg vor allem in der Zusammenarbeit zwischen den zu schützenden Transporthubschraubern und den eskortierenden Kampfhubschraubern bei Luftlandoperationen als dringend notwendig erwies. Zuerst wurde der Entwurf der Firma Lockheed ausgewählt, die mit der AH-56A "Cheyenne" eine innovative Entwicklung vorgelegt hatte, welche ihrer Zeit weit voraus war. Aufgrund der Komplexität der AH-56A, der hohen Kosten und der Forderungen der US Army nach einer möglichst raschen Beschaffung, aber auch nach einer einfachen logistischen Versorgbarkeit, erhielt schließlich die Firma Bell den Zuschlag mit der AH-1G "HueyCobra" (Modell 209), deren Serienfertigung 1966 begann.

Ursächlich als rasche und einfache Antwort auf die Forderung nach einem Kampfhubschrauber eingeführt, wird die AH-1 in der kampfwertgesteigerten Variante AH-1W "SuperCobra" noch heute bei den US Marines sowie in der Türkei und in Taiwan eingesetzt.

Obwohl sich das äußere Erscheinungsbild kaum geändert hat, ist dieser Kampfhubschrauber in seiner Leistungsfähigkeit mit der Ursprungsversion nicht mehr vergleichbar. Durch die Verwendung von IR-Sensoren, einem Laser-Zielbeleuchtungssystem und des computergestützen Waffensystems hat sich die AH-1 zu einer High Tech-Kampfmaschine entwickelt. Mit der bislang letzten gebauten Version AH-1Z "SuperCobra" wird diese Entwicklung weiter fortgesetzt, wobei diesmal nicht nur die Avionik und Sensorik, sondern auch die Zelle, der Antrieb und die Aerodynamik auf den neusten Stand der Technik gebracht wurden. Die erste von insgesamt 180 bestellten AH-1Z wurde im Oktober vergangenen Jahres an das US Marine Corps ausgeliefert.

Der sowjetische Kampfhubschrauber Mi-24

Ende der sechziger Jahre forderte auch die sowjetische Armee einen Hubschrauber zur Kampfunterstützung. Dies führte zur Entwicklung des Mil Mi-24 (HIND). Der Mi-24, dessen Entwicklung eigentlich als schwer bewaffneter Kampfunterstützungshubschrauber begann, unterscheidet sich von allen anderen Kampfhubschraubern im Wesentlichen darin, dass er zusätzlich zur Bewaffnung noch acht voll ausgerüstete Soldaten (oder wahlweise zusätzliche Munition/Raketen/Lenkflugkörper) in seinem Rumpfinneren mitführen kann. Anfangs hatte der Mi-24 noch ein Standardcockpit, in dem der Pilot und der Navigator nebeneinander saßen). Aufgrund der Erfahrungen mit diesen frühen Versionen HIND-A und HIND-C wurde der Fähigkeit zum Truppentransport später keine besondere Aufmerksamkeit mehr geschenkt; bei der weiteren Entwicklung lag das Hauptaugenmerk auf den Fähigkeiten zur Panzerabwehr und der Überlebensfähigkeit auf dem Gefechtsfeld. So kam bei allen folgenden der zahlreich existierenden Versionen ein Tandemcockpit zum Einsatz.

Der Mi-24 wurde - ausgenommen in Rumänien - in allen Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes als Kampfhubschrauber eingeführt und ist dort bis heute in Verwendung. Bekannt wurde der Mi-24 vor allem während des Afghanistan-Konfliktes der ehemaligen UdSSR. Damals zeigte sich auch bereits die Verwundbarkeit der Kampfhubschrauber gegenüber den bodengestützten Fliegerabwehrlenkwaffen, als zahlreiche HIND den mit leichten Fliegerabwehrlenkwaffen "Stinger" bewaffneten Mujaheddin zum Opfer fielen.

Die Mi-24 wurde in unzähligen Bewaffnungsvarianten gebaut, und mit der Entwicklung elektronischer Abwehrmaßnahmen wurde auch der gesteigerten Bedrohung durch bodengestützte Fliegerabwehrlenkwaffen Rechnung getragen.

Von der Anzahl der produzierten Maschinen ist der Mi-24 mit über 5 000 Stück der erfolgreichste Kampfhubschrauber der Welt, der heute noch bei rund 40 Streitkräften weltweit im Einsatz steht. Mit dem Zerfall der ehemaligen UdSSR kam auch die Modernisierung der Mi-24-Flotte der russischen Streitkräfte zum Stillstand. Die Sensorik der Mi-24 entspricht technisch dem Stand der siebziger Jahre. Es gibt jedoch verschiedene Upgrade-Packages von russischen sowie von britischen, israelischen und südafrikanischen Firmen, die neben Sensor-Upgrades auch moderne Waffensysteme für die Mi-24 anbieten.

Der amerikanische Panzerknacker AH-64 "Apache"

Mit der Weiterentwicklung der Technik nahm in den westlichen Ländern die Entwicklung von Kampfhubschraubern konkretere Formen an. Vor allem die US Army forderte einen neuen Allwetterkampfhubschrauber für das Einsatzgebiet Europa als Gegengewicht gegen die Bedrohung durch die tausenden Kampfpanzer des Warschauer Paktes. Der Kampfhubschrauber sollte daher gepanzert sein und in erster Linie luftgestützte Panzerabwehrlenkwaffen verschießen können. Zusätzlich sollte der Hubschrauber noch Bodenunterstützungs- und Begleitschutzaufgaben erfüllen können. Aufgrund des Forderungskataloges zeichnete sich ab, dass dieser Hubschrauber eine Vielzahl von Kampfaufgaben erfüllen und somit auch eine breite Palette von Waffen einsetzen können sollte. Die für diese Waffen notwendige Sensorik und Computersteuerung stellte für die damaligen Verhältnisse eine besondere Herausforderung dar. Trotz allem flog der erste Prototyp YAH-64 "Apache" (Hersteller: Hughes, mittlerweile aufgegangen in Boeing) am 30. September 1975.

Die Weiterentwicklung zum "Apache Longbow"

Der AH-64A "Apache" ist heute der Inbegriff des Kampfhubschraubers, obwohl die AH-1W "SuperCobra" an Kampfkraft nahezu ebenbürtig und in ihrer Einsatzverfügbarkeit aufgrund ihrer einfacheren technischen Konzeption dem "Apache" sogar weit überlegen ist. Avionik und Sensorik des "Apache" wurden im Lauf seiner mehr als 22-jährigen Truppenverwendung mehrmals modernisiert, wobei das letzte Upgrade einer tatsächlichen Kampfwertsteigerung entsprach. Im Golf-Krieg 1991 errang der AH-64A zwar einige Erfolge, stand aber aufgrund des taktischen Klarstandes von zeitweise unter 40 Prozent für Kampfeinsätze nur selten zur Verfügung. Mit der Kampfwertsteigerung auf die Version AH-64D "Apache Longbow" (siehe Titelfoto) wurde neben der Kampfkraft auch die Zuverlässigkeit der Computersysteme und der Sensorik verbessert. Das am Rotormast montierte Millimeterwellenradarsystem für die Zielerkennung und Lenkwaffensteuerung weist eine Reichweite von bis zu neun Kilometern auf. Die Einsatzverfügbarkeit des AH-64D liegt derzeit bei über 65 Prozent.

Das Desaster von Kerbala

Mit dem verlustreichen Einsatz der "Apache Longbow" im Irak-Krieg im Frühling 2003 wurde das Waffensystem AH-64D erstmals in höchsten militärischen Kreisen in Frage gestellt: Das 11. Kampfhubschrauberregiment hatte den Auftrag, im Raum Kerbala die irakische "Medina"-Division anzugreifen und zu vernichten. Doch die "Apache Longbow" gerieten dabei in massives feindliches Abwehrfeuer. Eine der 30 eingesetzten Maschinen musste notlanden, die Besatzung wurde gefangen genommen. Nahezu alle AH-64D hatten Treffer erhalten, und eine weitere Maschine ging bei der Nachtlandung auf einem Wüstenflugplatz zu Bruch. Das gesamte Regiment fiel für einige Tage aus und auch das taktische Ziel wurde nicht erreicht.

Das Desaster war Anlass für die Untersuchung und Aufbereitung des gesamten Einsatzes nach Beendigung des Krieges. Nach Abschluss der Untersuchung war klar, dass eine taktische Fehlbeurteilung und die Unterschätzung der irakischen Fliegerabwehr die Ursache für die taktische Katastrophe waren. Dies führte in der Folge zu einer kompletten Neubeurteilung der Einsatzgrundsätze für Kampfhubschrauber in der US Army. Vorgesehen ist der Einsatz von Kampfhubschraubern nun grundsätzlich für:

- Showing of Force in any Peace Operations; - NEO (Non-combat Evacuation Operation) in Hostage Operations; - Counter Drug Operations (AH-64 an der Grenze USA/Mexico); - Support for Insurgencies and Counter-Insurgencies (Afghanistan); - Combatting Terrorism (Einsatz israelischer Kampfhubschrauber im Gaza-Streifen); - Peace Enforcement (KFOR); - Attacks and Raids (Einsatz israelischer Kampfhubschrauber bei Geheimoperationen gegen den Irak); - Offensive Operations (werden neu überarbeitet); - Defensive Operations (werden neu überarbeitet); - Reconnaissance (wird neu überarbeitet).

Neue Herausforderungen

Die ursprüngliche Konzeption des Kampfhubschraubers steht heute komplett neuen Herausforderungen gegenüber. Dies bedeutet nicht nur eine ständige Anpassung der gefechtstechnischen und taktischen Grundlagen, sondern auch eine Anpassung der Waffensysteme und des Systems Kampfhubschrauber selbst an die neuen Bedingungen auf dem Gefechtsfeld. Starre Befehlsgebung und veraltete Einsatzvorschriften stehen dem erfolgreichen Einsatz eines derart komplexen Waffensystems nicht nur im Weg, sondern stellen das gesamte Waffensystem in Frage.

Die Einstellung des Projektes RAH-66 "Comanche" (RAH - Reconnaissance/Attack Helicopter) ist ein gutes Beispiel dafür, dass die aktuellen Szenarien und die Anforderungen für den Einsatz am Gefechtsfeld von heute sowie die daraus resultierenden Ansprüche an einen Kampf-/Aufklärungshubschrauber andere sind als noch vor wenigen Jahren. Der High Tech-Krieg zweier Supermächte scheint auf Jahrzehnte hinaus nicht wahrscheinlich. In einem Einsatz gegen einen technologisch unterlegenen Gegner liegt das Schwergewicht in der Zuverlässigkeit der eigenen Ausrüstung und Taktik, aber nicht in einer geringen Radarrückstrahlfläche oder dem Einsatz lasergelenkter Lenkflugkörper mit Tandemhohlladung auf eine Entfernung von zehn Kilometern.

Das ARH-Projekt

Aus diesen Erkenntnissen und den Erfahrungen der Einsätze in Afghanistan und im Irak wurde nach der Einstellung des Projektes RAH-66 "Comanche" ein neues Pflichtenheft für den Nachfolger des OH-58D "Kiowa Warrior", den Armed Reconnaissance Helicopter (ARH Project), erarbeitet. Wesentliche Forderungen in diesem Pflichtenheft waren nicht nur eine Steigerung der Leistungsfähigkeit unter "hot and high conditions", also bei geringer Luftdichte, wie sie bei hohen Temperaturen und in großer Höhe - beispielsweise in Afghanistan - herrschen, sondern auch ein allgemeines Sensor- und Avionik-Upgrade. Darüber hinaus sollte der ARH auch bis zu sechs Soldaten (bzw. drei Soldaten, wenn der Hubschrauber bewaffnet ist) transportieren können, während die Bewaffnung (bis zu vier Lenkflugkörper AGM-114 "Hellfire" und ungelenkte Raketen) im Wesentlichen unverändert von der OH-58D "Kiowa Warrior" übernommen und um ein zusätzliches dreiläufiges 12,7-mm-Maschinengewehr ergänzt werden sollte.

Im Juli 2005 fiel die Typenentscheidung der US Army zugunsten der militärischen Version des Bell 407. Der neue ARH, der mittels C-130 "Hercules" verlastbar und innerhalb von 15 Minuten nach dem Entladen einsetzbar ist, ist ein echter Mehrzweckhubschrauber, der mit seinen flexiblen Einsatzmöglichkeiten ein breites Aufgabenspektrum - von polizeiähnlichen Überwachungsaufgaben über Personentransport bis zu Geleitschutz und bewaffneter Gefechtsfeldaufklärung - abdecken kann.

Zusammenfassung

Der Kampfhubschrauber gehört zwar nicht einer aussterbenden Waffengattung an, aber seine Einsatzgrundsätze müssen von Szenario zu Szenario neu überdacht und beurteilt werden. Aufgabenbereiche wie Showing of Force, Counter Drug Operations, Combatting Terrorism, Peace Enforcement und Reconnaissance werden in Zukunft von neuen, kostengünstigeren, bewaffneten Aufklärungshubschraubern übernommen werden. Damit wird aber auch der Aufgabenbereich der Kampfhubschrauber neu definiert.

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