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Soldaten im Hochgebirge

Qualifizierte Alpinausbildung 1956 - 2006

Nach den ersten 50 Jahren der Ausbildung zum Militär-/Heeresbergführer kam es Mitte der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts zu einem Neubeginn in der qualifizierten Alpinausbildung, weil ohnehin praktisch alle Strukturen neu aufgebaut werden mussten.

Dieser Teil der Geschichte des militärischen Alpinismus ist gut dokumentiert. Interessant sind auch die Aussagen von Zeitzeugen. Sie spiegeln die Stimmung der jeweiligen Zeit wider. Daher werden in diesem Teil einige, vor allem humorvolle Aussagen, wiedergegeben.

Abschied von der B-Gendarmerie

Am Beginn des Bundesheeres der Zweiten Republik standen sowohl Alpinisten aus der Ersten Republik und der Deutschen Wehrmacht als auch Absolventen der Gendarmeriebergführerausbildung für den Neuaufbau zur Verfügung. Dadurch konnte man im Bereich der Alpinausbildung auf Wissen und Erfahrung zurückgreifen, wie es auf kaum einem anderen Gebiet möglich war. Allerdings musste die Alpinausbildung erst auf eigene Beine gestellt werden, da die Strukturen der Gendarmerie nicht mehr verfügbar waren. Die Motivation bei den Alpinisten war sehr hoch und offensichtlich ansteckend. Zu Beginn der Überleitungsphase aus der B-Gendarmerie kam es bei einer Verlegung von Alpinpersonal ins Gebirge zu folgender Episode, erzählt vom späteren Unteroffizier und Heeresbergführer Franz Hönigsberger: "…Ich kam als armer Zivilist zu Fuß vom Bergsteigen aus dem Ortlermassiv zurück zum Taschach Haus in den Ötztaler Alpen. Ich war auch noch nass, weil ich zuvor in einen Bach gefallen war. Außerdem hatte ich kein Geld, keine Arbeit und schon gar keine besondere Ausrüstung. Und dort, in der Hütte, sitzt eine lustige Gruppe drinnen. Was waren das für Leute? Und dann fragen die mich: Was ist denn los mit dir, wie schaust du denn aus? Sie waren alle eingekleidet mit Privatsachen, es hat ja niemand Uniformstücke getragen. Wie ich heute weiß, war das ein Kurs oder - wie man damals gesagt hat - eine Verlegung. Dann haben sie mir erklärt, dass sie von der B-Gendarmerie in Absam seien. Sie haben mich gefragt: Warum rückst du denn nicht ein…?

Diese Kerle ziehen auf Kosten des Staates durch die Alpen und lustig haben sie es auch noch dabei! Natürlich bin ich dann zu Fuß weiter durch das ganze Ötztal gegangen und habe mich bei einem Gendarmerieposten gemeldet und bin kurze Zeit später eingerückt…" Die Alpinausbildung war zweifellos ein Motivationsgrund, Gendarm und später Soldat zu werden.

Das Österreichische Bundesheer entsteht

In weiterer Folge wurden die Voraussetzungen für die Aufstellung des Bundesheeres geschaffen. Am 15. Juli 1955 wurde das Amt für Landesverteidigung im Bundeskanzleramt eingerichtet und am 21. Juli die Gendarmerieschulen dem Amt für Landesverteidigung zugeordnet. Die Umbenennung in "Provisorische Grenzschutzabteilungen" erfolgte am 27. Juli. Die Alpinausbildung wurde in diesen Grenzschutzabteilungen weitergeführt.

Eine Presseaussendung vom 12. August 1955 berichtete über die Besteigung des Großglockners vom 19. bis 20. Juli 1955 durch eine gesamte Grenzschutzkompanie mit vollem Gepäck unter dem Kommando des späteren Militärkommandanten von Kärnten, Rittmeister Michael Annewanter.

Am 11. Jänner 1956 wurde in einem Vortrag von Bundeskanzler Julius Raab an den Ministerrat eindeutig der Auftrag zur Gebirgsausbildung im Österreichischen Bundesheer festgelegt.

Der Aufbau des Heeres war nun voll im Gang, doch mangelte es an entsprechenden personellen Daten. Daher wurden alle Dienststellen angehalten, die in der B-Gendarmerie oder vorher erlangten alpinen Qualifikationen ihrer Bediensteten zu melden. Diese Qualifikationen sollten in die neuen "alten" militärischen alpinen Qualifikationsstufen übernommen werden. So wurden aus dem Gendarmerie-Alpinisten der Heereshochalpinist, aus dem Gendarmerie-Hochalpinisten der Heeresbergführergehilfe und aus dem Gendarmerie-Bergführer der Heeresbergführer.

Koordinierung der Ausbildung

Um die gesamte Ausbildung zu koordinieren, wurde bereits 1956 an die Aufstellung einer Gebirgskampfschule gedacht. Major Viktor Schönbeck wurde zu diesem Zweck dem Feldjägerbataillon Nr. 29 in Saalfelden dienstzugeteilt und bildete dort den Arbeitsstab G. Dieser sollte sowohl die zukünftige Gliederung der Gebirgskampfschule festlegen als auch die Alpinausbildung der Truppe und des qualifizierten Alpinpersonals. Major Schönbeck wurde 1957 als Alpinreferent des BMfLV (ehemalige Schreibweise des BMLV; Anm.), mit dem Dienstort in Salzburg, eingesetzt. In seiner Dienstanweisung wurde er beauftragt "… alle Alpinangelegenheiten federführend zu bearbeiten und der Ausbildungsabteilung in Bezug auf Ausbildung, Ausrüstung und Organisation der Gebirgstruppen entsprechende Vorschläge zu machen …" Festlegung der Ausbildungsabläufe und der erweiterten Alpinausbildung Ein neuer Erlass regelte ab 1957 die qualifizierte Alpinausbildung. Die Verleihung der Alpinabzeichen in drei Stufen wurde festgelegt; außerdem wurde bestimmt, welche Voraussetzungen die Kursteilnehmer für die einzelnen Stufen erbringen mussten und welche Kurse zu absolvieren waren. Zur Förderung von bereits ausgebildetem Alpinpersonal wurde zusätzlich die erweiterte Alpinausbildung verfügt. Jeder alpin qualifizierte Heeresangehörige sollte zur Erhaltung seiner alpinistischen Einsatzfähigkeit je zwei Bergfahrten im Sommer und Winter in der Dauer von je drei Tagen durchführen.

Aufbauend auf die Überleitungsregelung der Ersten Republik und der B-Gendarmerie konnten 1957 die ersten Qualifikationen als Kursleiter und Lehrer für die Kurse zuerkannt werden. Bereits 1958 gab es im Kursbefehl für die Fels- und Eiskurse der zukünftigen Heeresbergführer einen Stamm von qualifiziertem Ausbildungspersonal.

Gebirgsausbildung bei der Truppe

Die Ausbildung der Truppe im Gebirge wurde ebenfalls neu geregelt. Dazu sollten die vorhandenen militärischen Liegenschaften im Gebirge (Bundessportheim Krippenbrunn, Truppenübungsplatz (TÜPl) Seetaler-Alpe, TÜPl Lizum und die Bielerhöhe) verwendet werden. Die Ausbildung hatte im Zuge einer vierzehntägigen Verlegung von Einheiten auf diese Übungsplätze zu erfolgen "… wovon an 8 Tagen Alpinausbildung (Schiausbildung) und an 6 Tagen Alpinausbildung in Verbindung mit Gefechtsausbildung und Schießen durchzuführen ist."

Aufstellung der Hochgebirgskompanie in Absam

1957 stellte die 6. Brigade eine Hochgebirgskompanie in der Garnison Absam als eine Art Spezialeinheit auf. Diese Kompanie hatte nicht nur eine spezielle Ausstattung (vor allem Alpingerät), sondern war auch etwas anders als eine normale Jägerkompanie gegliedert. So fanden sich im Kompaniekommando eine leichte Granatwerfergruppe, eine Pioniergruppe und ein Tel-Trupp. In den Jägerzügen wurden ein Tel-Trupp (Funk) und die Krankenträger aus dem Kompaniekommando eingegliedert. Die Schützengruppen wurden durch Scharfschützen verstärkt.

Brigadier in Ruhe Arthur Klocker, selbst einst Offizier in dieser Hochgebirgskompanie, fasst seine Eindrücke so zusammen: "…Was mich sehr stolz macht und nicht nur mich, sondern den gesamten Kader der Hochgebirgskompanie, ist die Tatsache, dass wir durch die Erlebnisausbildung im Gebirge, die wir doch in sehr hohem Maß durchgeführt haben, immer noch eine sehr gute Verbindung zu den ehemaligen Soldaten, unter anderem Peter Habeler und Karl Schranz, haben. Das zeigt, dass diese Ausbildung doch sehr lange nachwirkt …"

Negative Erfahrungen in der Alpinausbildung

Nicht immer waren die Erfahrungen so gut wie bei dem oben angeführten Beispiel und auch das soll nicht unerwähnt bleiben. Negative Vorfälle haben leider dazu beigetragen, dass der Alpinausbildung immer noch der Ruf der sinnlosen "Kofferei" anhaftet, und dass Alpinisten Spaß daran hätten, Soldaten zu überfordern. Der ehemalige Unteroffizier und Heeresbergführer Helmut Lassnig sagte einmal: "Ein guter Pädagoge muss geben was er kann, aber nicht zeigen was er kann!"

Weitere Grundlagen wurden geschaffen

Im Jahr 1958 gab das BMfLV eine Regelung heraus, welcher Mindeststand an Alpinpersonal bei der Truppe vorhanden sein musste. Die vier westlichen Brigaden sollten in ihren Bataillonen jeweils drei Offiziere, einen Arzt und 20 Unteroffiziere oder Chargen, die restlichen vier Brigaden einen Offizier, womöglich einen Arzt und vier Unteroffiziere oder Chargen an qualifiziertem Personal haben.

Durch die Regelung des Sollstandes an qualifiziertem Alpinpersonal ergab sich in den verschiedenen Truppenkörpern ein entsprechender Bedarf. Der wurde zum Teil dadurch gedeckt, dass junge Unteroffiziere mit der Qualifikation Heeresbergführer einfach in andere Garnisonen versetzt wurden, meist ohne sie dazu zu befragen. Adolf Schmölzer, ein Heeresbergführer der ersten Stunde, kam als junger Unteroffizier 1958 über mehrere Zwischenstationen nach Spittal an der Drau zum Jägerbataillon 26. Sein Empfang in der Kaserne hat sich folgendermaßen abgespielt: "…ich kam nach Spittal und meldete mich gleich in der Früh beim OvT (Offizier vom Tag; Anm.). Da er mich gekannt hat und wusste, dass ich Bergführer bin, hat er gesagt: ‚Da ist das Stahlseilgerät, meine Handschuhe leihe ich dir auch noch; in Seebach drinnen ist eine Mure abgegangen, über den Campingplatz, dort musst du die Leute herausholen …" (Der OvT sagte das natürlich im Dialekt; Anm.).

Die Alpinvorschrift der Bundesgendarmerie galt 1958 noch immer. Es wurden nur Teilbereiche daraus durch einzelne Merkblätter ersetzt. Erst 1963, im Jahr der Aufstellung der Jägerschule, wurde schließlich die Alpinvorschrift der Bundesgendarmerie durch Merkblätter vollständig ersetzt.

Leistungen von Heeresbergführern

Heeresbergführer waren als Spezialisten gefragt. Besonders zu Beginn der Zweiten Republik konnten sich Heeresbergführer nicht nur durch dienstliche Einsätze im Zuge der Ausbildung und Hilfeleistungen, sondern auch durch herausragende Bergfahrten im In- und Ausland profilieren, wobei sie im Verteidigungsministerium auch noch Unterstützung fanden. In den Sechziger- und Siebzigerjahren waren diese Leistungen immer wieder Teil der öffentlichen Berichterstattung. Ein Heeresbergführer wurde zum Beispiel zwei Mal in Uniform in die damals äußerst populäre Abendsendung von Heinz Conrads eingeladen, um über seine Abenteuer zu berichten.

Leo Schlömmer berichtete über einen Gipfelsieg bei Heinz Conrads. Daraufhin konnte man in der Kronen Zeitung beim Kolumnisten "Staberl" lesen: "… Mit Stolz durfte der Heinzi Conrads am letzten Sonntag der gebannt am Fernsehschirm hängenden österreichischen Nation den Heeresbergführer Leo Schlömmer zeigen, der jetzt im Auftrag unserer bewaffneten Macht und auf Kosten der Welt bergsteigen fährt. Und weil uns bekanntlich für die nationale Sicherheit rein gar nichts zu teuer kommt, fahren auf jeden Fall auch noch drei andere Heeresbergführer mit … Aber warum müssen sie dann nach Südamerika? Warum können sie nicht zu Hause bleiben und Bauernschnapsen? Es sind ja ihrer ohnehin vier." Darauf kam von den vier Heeresbergführern folgende Antwort: "Lieber Herr Staberl! Ihren Artikel "Am Jirishhanca" vom 31. März haben wir sehr sorgfältig gelesen. Durch ihre freundliche Anregung haben wir in unser Expeditionsgepäck auch Karten zum Bauernschnapsen gegeben und diese (wie das beigelegt Foto zeigt) mit Erfolg in den Anden angewendet." Dieser Leserbrief mitsamt dem Foto, worauf alle vier Heeresbergführer beim Kartenspielen zu sehen waren, wurde in dieser Form in der Kronen Zeitung abgedruckt.

Alle außergewöhnlichen Bergfahrten und Expeditionen österreichischer Heeresbergführer aufzuzählen, ist hier leider nicht möglich.

Expeditionen im Himalajagebiet haben Heeresbergführer auf den Mount Everest, den Nanga Parbat und einige andere Achttausender geführt. In Südamerika waren Heeresbergführer auf schwierigsten Routen und Gipfeln erfolgreich. Auch in Grönland und im Karakorum wurden Berge auf schwierigsten Routen erklettert und somit im Alpinismus für Österreich Geschichte geschrieben.

Ausrüstung und Bekleidung

Heeresbergführer waren im Bereich der Bekleidung und Ausrüstung immer schon Vorreiter. Nicht immer haben alle Vorgesetzten dies auch gut geheißen, und so manche grüne Haube, blaue Handschuhe oder rote Bergschuhe haben zum schlechten Ruf der angeblich nicht sehr disziplinierten Heeresbergführer beigetragen. Dass diese Ausrüstung zum Teil nur zum Selbstschutz vor Erfrierungen verwendet wurde, soll dies nicht beschönigen.

Aussagen von Zeitzeugen sollen diese Entwicklung etwas beleuchten.

Helmut Bauer schrieb: "… Die Hemden waren für den Alpindienst untauglich. Irgendwann in den Sechzigerjahren bekamen wir Männer des Alpin-Ausbilderkaders Flanellhemden zur Erprobung. Sie waren außen zu tragen, hatten zwei Brusttaschen und waren in jeder Beziehung tragefreundlich. Sie lagen im verschwitzten Zustand nicht wie kalte, glatte Bretter am Rücken … weil das Hemd nicht in der Hose, sondern außen getragen wurde, war es aber sofort nicht mehr in Gebrauch … die Anoraks waren ebenso lange nur ein besserer Windschutz … und die Pelzkragen waren mehr ein Schmuck, denn ein Schutz … die Zelte boten gerade Schutz, sonst nichts. Sie hatten keinen Boden ..." Arthur Klocker sagte nach Besichtigung der derzeit im Bundesheer verwendeten Alpinausrüstung: "… die Ausrüstung war zu Beginn (1958) schlecht und die meisten Zivilisten hatten bessere Ausrüstung, die Kurskommandanten haben bei extremen Bedingungen teilweise zivile Ausrüstung erlaubt. Heute können sich wahrscheinlich viele Zivilisten die beim Österreichischen Bundesheer verwendete Ausrüstung nicht mehr leisten …" Dass der derzeitige Qualitätsstandard in der Ausrüstung und Bekleidung erreicht werden konnte, war sicher einigen unermüdlichen Kämpfern für die qualifizierte Alpinausbildung und Truppenalpinausbildung zu verdanken. Walter Steinwender, Oberst i. R., schildert seinen Kampf: "… Immer wieder mussten Vorgesetzte von der Sinnhaftigkeit der Ausrüstung überzeugt werden. Hin und wieder war das nur durch eine List möglich, da normale Argumente nicht mehr wirkten …"

Die Jägerschule übernimmt die qualifizierte Alpinausbildung

Bei der Reorganisation 1962/63 wurde mit Wirkung vom 1. Jänner 1963 die Jägerschule (JgS) aufgestellt. Der damalige Organisationsplan der JgS sah im Lehrstab einen Hauptlehrer für qualifizierte Alpinausbildung vor. In der Lehrkompanie gab es im Lehrzug "Alpin" fünf Lehrunteroffiziere, die für die praktische Ausbildung verantwortlich waren.

Zur Vereinheitlichung der Alpin- und Schilehrerkurse wurde im April 1966 ein neues einheitliches Ausbildungsprogramm festgelegt. Dieses Programm entsprach in vielen Bereichen dem noch jetzt gültigen. Die Ausbildung wurde immer noch nach den bisher ausgegebenen Merkblättern durchgeführt. Die Jägerschule startete von Beginn an den Versuch, die Merkblätter zu überarbeiten und in eine Vorschrift einfließen zu lassen. Es wurden sogar zivile Referenten zu Alpinbesprechungen eingeladen, um auf deren Wissen zurückgreifen zu können. Trotz der Ausschöpfung aller Kapazitäten dauerte es noch bis in das Jahr 1972, ehe die erste Alpinvorschrift herausgegeben wurde. Sie löste die vorher vorhandenen Merkblätter als Ausbildungsunterlagen ab. Überarbeitungen der Vorschrift folgten 1982 und 1993. Mit Ausgabe des im Tyrolia-Verlag erschienen Lawinenhandbuches wurden ab 1982 einige Inhalte der Vorschrift mit Ausschnitten aus einem zivilen Buch abgedeckt.

Internationale Ausbildereinsätze

Bereits Anfang der Sechzigerjahre wurden Heeresbergführer und Heeresschilehrer unter anderem in Zypern und Japan eingesetzt.

Eine Besonderheit stellte der Einsatz von Heeresbergführer Vizeleutnant i. R. Alban Beer im Libanon dar. Die französische Armee hatte in ihrem Mandatsgebiet, dem Libanon, auf 2 000 Metern eine Art Hochgebirgsschule für den arabischen Raum errichtet. Alban Beer bildete dort zwischen 1964 und 1975 jeden Winter Soldaten aus. Die Themen reichten vom Bewegen auf Schiern über ein allgemeines Ausdauertraining bis hin zu Überlebenstechniken. Gesprochen wurde Französisch und Arabisch. Die Kursstärken lagen bei 120 bis 150 Teilnehmern.

Als Israel auf diese Ausbildung aufmerksam wurde, kam es beinahe zu einem politischen Eklat. Der damalige Außenminister Bruno Kreisky musste einschreiten und erklären, dass Alban Beer nicht im Auftrag des Bundesheeres dort ausbildete, sondern ohne Bezüge - vom Dienst freigestellt - dieser Aufgabe nachkam.

Die Weiterentwicklung in der Alpinausbildung

In der Alpinausbildung der Truppe (Grundausbildung) wurde von Beginn an die Anwendung des Erlernten in einer Übung im Gebirge forciert. So stand zum Beispiel in der Anordnung der Sommeralpinausbildung 1962 durch das BMLV folgender Passus: "Während der Verlegung zur Alpinausbildung der Truppen ist an 12 Tagen Alpinausbildung und an 2 Tagen Gefechtsausbildung oder Schießen in Verbindung mit der Alpinausbildung durchzuführen …" Eine selbstverständliche Angelegenheit, sollte man meinen, da die Anwendung des Erlernten ein Teil der Ausbildungsmethodik ist. Die tatsächliche Anwendung von Techniken der Alpinausbildung im Gebirgskampf wurde allerdings immer mehr vernachlässigt. Ein Grund dafür lag in der Entwicklung der Alpinausbildung aus der Gendarmeriebergführerausbildung, denn dort war der Gebirgskampf kein Teil der Ausbildung. Ein anderer Grund lag darin, dass viele günstige Ausbildungsräume in Grenznähe lagen und dabei auch kleine Grenzübertritte passierten. Der damalige Hauptmann Rudi Holzer musste sich Ende der Sechzigerjahre bei einer Rätikon-/Silvrettadurchquerung nach einer Grenzverletzung mit einer ganzen bewaffneten Kompanie gegenüber den Schweizer Behörden rechtfertigen. Zu ähnlichen Begebenheiten kam es auch gegenüber Italien. Die Konsequenz daraus war, dass bei der Ausbildung zum Teil keine Waffen mehr mitgenommen wurden. Es ging später allerdings bei qualifizierten Alpinkursen immer um die Erfüllung militärischer Aufträge.

Verstärkte Ressentiments der Alpinausbildung gegenüber gab es mit der Einführung der Raumverteidigung. Eine Aussage des damals für die Alpinausbildung an der Jägerschule verantwortlichen Heeresbergführers, Oberst Horst Schneider, verdeutlicht dies: "Mit der Raumverteidigung ist alles schlimmer geworden. Alle haben gesagt, jetzt braucht man die Alpinausbildung nicht mehr. Doch niemand wusste, was man mit den raumgebundenen Verbänden im Winter und im Bergland macht. Der Auftrag war, winterbeweglich zu sein. Aber wie? Ohne Ausbildung, ohne Ausrüstung, viele waren dagegen …"

Schaffung von Gebirgskampfkursen

Die militärische Alpinausbildung ist nur die Grundlage, die "Fahrschule", für den Gebirgskampf. Ab Anfang der Neunzigerjahre wurde deshalb an einem Konzept zur verstärkten Einbindung des Gebirgskampfes in die qualifizierte Alpinausbildung gearbeitet. Im März 1991 gab es den ersten Gebirgskampfkurs an der Jägerschule, der anfangs noch in die Ausbildung des Heeresbergführergehilfen und später des Heereshochalpinisten eingebettet war. Ein wesentlicher Schritt zum Erkennen der Nutzbarkeit der qualifizierten Alpinausbildung auch nach außen hin war damit getan. Das Ziel der Ausbildung, Soldaten für das Überleben, Bewegen und Kämpfen im Gebirge oder schwierigen Gelände vorzubereiten, wurde damit erreicht. In diesen Ausbildungszielen liegt auch der wesentliche Unterschied zur zivilen Ausbildung.

Neubeginn der Schiausbildung

Bereits im Jahr 1956 wurden den provisorischen Grenzschutzabteilungen 3 bis 9 je 50 Paar Kurzschi mit dem Auftrag zugewiesen, einen entsprechenden Erprobungsbericht über deren Brauchbarkeit abzuliefern.

Ab 1957 galt bereits eine Anordnung, welche die Schiausbildung für die Truppe regelte. 1957 kam es durch die Einführung des Heereskurzschis zu einer kleinen Revolution in der Schiausbildung. Diese Art von Schiern war zukunftsweisend für die weitere Entwicklung im militärischen Schilauf, denn mit ihren 170 Zentimetern Länge entsprachen sie gar nicht dem damaligen Stand der Technik. Offenbar wurde aber frühzeitig erkannt, dass Soldaten mit kürzeren Schiern den Schilauf schneller erlernen konnten und im Gelände deutlich beweglicher waren als mit den damals üblichen Langschiern.

Ausbildung von "Heeres-Schilehrern"

Erst im Jänner 1958 konnte mit dem ersten Kurs für die qualifizierte Schiausbildung begonnen werden. Für die ersten 36 Kursteilnehmer des Heeres-Schilehrer-Kurses musste noch auf zivile Ausbilder und die Infrastruktur des Schullandheimes St. Christoph am Arlberg zurückgegriffen werden. Mit dem damaligen Leiter der zivilen Schilehrerausbildung, Oberstudienrat Stefan Kruckenhauser, wurde ein kongenialer Partner für diese Ausbildung gefunden.

Nach diesem ersten Heeres-Schilehrer-Kurs im Bundesheer der Zweiten Republik wurden die Durchführungsbestimmungen für die Zuerkennung der Qualifikation "Heeres-Skilehrer" erlassen. Die Bedingungen für die Zulassung waren eine "… mindestens dreijährige Dienstzeit, anerkannter Hochalpinist ..., Absolvent eines Heeres-Skilehrer-Ausbildungskurses von der Dauer von ca. 12 Tagen und eines Heeres-Skilehrer-Prüfungskurses von der Dauer von ca. 10 Tagen." Grundlagen der Schiausbildung

Im Februar 1958 wurde der erste militärische Schilehrplan herausgeben, der sich allerdings an den amtlichen Schilehrplan des Unterrichtsministeriums anlehnte. Dieser wurde in die Grundausbildung und Fortbildung in der Dauer von mindestens je 10 Tagen unterteilt. An der Grundausbildung sollten möglichst alle Heeresangehörigen teilnehmen. Schon damals wurde in der Ausbildungsmethodik auf einen wesentlichen Punkt hingewiesen, der auch heute noch dieselbe Gültigkeit besitzt. "… Die komplizierten Bewegungsvorgänge beim Schilauf erfordern weniger ein vielfaches Erklären als vielmehr alles vorzuzeigen." Ab 1972 übernahm Prof. Franz Hoppichler die Aufsicht über die Heeres-Schilehrer-Ausbildung. Seinem persönlichen Engagement ist es zu verdanken, dass der militärische Schilauf in seinem 1990 herausgegebenen Schilehrplan "Die österreichische Schischule" aufgenommen wurde. Die Teilnahme einer militärischen Abordnung am Internationalen Schikongress 1991 in St. Anton am Arlberg und die gemeinsam mit der Bundesschiakademie erstellten Ausbildungsunterlagen ab dem Jahre 2000, trugen wesentlich dazu bei, dass heute auch von ziviler Seite dem Schilauf beim Militär eine hohe Bedeutung beigemessen wird.

Heer und alpines Rettungswesen in der Zweiten Republik

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Alpinismus in Österreich ist der Bereich des alpinen Rettungswesens. In der Zweiten Republik hat ein Mann die Entwicklung maßgeblich beeinflusst und mitgestaltet: OberstArzt Dr. Elmar Jenny. Er gilt als die treibende Kraft in diesem Bereich.

Dr. Jenny war nicht nur in der Bergrettungsausbildung des Bundesheeres tätig, sondern hat teilweise aus eigenen Mitteln die Entwicklung im Bergrettungswesen vorangetrieben und Impulse gesetzt. Er führte unter anderem 1960 seinen ersten Flugrettungseinsatz am Wilden Kaiser mit der noch kolbenbetriebenen Alouette II durch. 1970 war er bei der ersten Hubschrauber-Windenbergung als Arzt dabei. 1979 wurden die von ihm erarbeiteten Ausbildungsmanuskripte "SanAlpin" und "Flugrettung" als Lehrschrift vom OEAV (Oesterreichischer Alpenverein) herausgegeben und vom BMLV als verbindliche Ausbildungsrichtlinie für qualifiziertes Alpinpersonal und Flugretter beschafft. Der Teil "Flugretter" wurde überdies in die Alpinvorschrift des Bundesheeres aufgenommen.

1984 hat Dr. Jenny die regelmäßigen Untersuchungen des qualifizierten Alpinpersonals unter Höhenbelastungsbedingungen an der in 2 315 m Höhe gelegenen Ausbildungs-, Untersuchungs- und Forschungsstation Rudolfshütte/Hohe Tauern des OEAV initiiert.

Erfahrungen aus internationalen Einsätzen

Golan-Höhen

Seit 1974 befindet sich ein österreichisches Bataillon im Raum zwischen Israel und Syrien. Die Stützpunkte befinden sich im Hochgebirge, auf bis zu 2 814 Metern Seehöhe. Im Winter gibt es dort starke Schneefälle und Schneehöhen von mehreren Metern sind keine Seltenheit. Die Stützpunkte sind dadurch zum Teil für längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Daher ist es unbedingt erforderlich, dass sowohl der Kompaniekommandant als auch die Kommandanten der Stützpunkte eine alpine Qualifikation haben. Der Kommandant muss in der Lage sein, sich in diesem hochalpinen Gelände unter allen Bedingungen zu bewegen - und dafür ist eine entsprechende Ausbildung zwingend erforderlich.

Kosovo

Nach dem Aufflammen der Kämpfe im Norden Mazedoniens wurde im Sommer 2001 die Region des "Bootlegs" (siehe dazu TRUPPENDIENST, Heft 3/2003, S. 254 ff.) im Südwesten des Kosovos erstmals von österreichischen Kräften überwacht. Der Bootleg hat den Charakter eines Almgebirges mit vielen flachen Erhebungen und wenigen steilen Hängen, die bis in eine Höhe von 2 629 Metern aufragen.

Im Bericht über seinen Einsatz als Kompaniekommandant im Jahr 2002 schreibt Major Volkmar Ertl im TRUPPENDIENST-Heft 2/2006 folgendes: "… Für die Überwachung und den Schutz von Grenzen und Grenzräumen im Gebirge sind Gebirgstruppen unabdingbar, gleichgültig ob diese Einsätze im Inland oder Ausland stattfinden. Daher sind Investitionen in die Ausbildung von qualifiziertem Alpinpersonal und von Hochgebirgssoldaten auch in der Zukunft sinnvoll und notwendig. … Vor allem im Winter ist qualifiziertes Alpinpersonal zur Beurteilung der Lawinengefahr und zur Aufrechterhaltung der Bewegungsfähigkeit der Truppe im Gebirge erforderlich …" Aus diesen Erfahrungen ergeben sich Konsequenzen für die Ausbildung von Soldaten im Gebirgskampf, da nicht ausschließlich gebirgserprobte Heeresbergführer in diesen Räumen eingesetzt werden können. Alle für derartige Einsätze vorgesehenen Soldaten müssen im Gebirgskampf ausgebildet werden, weil eine Einschulung direkt im Einsatzraum zu spät käme.

Ausblick

Die Anforderungen an den Gebirgssoldaten ändern sich mit der Weiterentwicklung der Technik. Bis vor wenigen Jahren war die gesamte Ausbildung hauptsächlich auf die Verteidigung ausgerichtet und damit auf längere stationäre Einsätze im Hochgebirge. Längere Einsätze im Gebirge sind aus derzeitiger Sicht nur noch zur Überwachung und zum Schutz erforderlich. Ziel in der Ausbildung ist es daher, das Überleben im Gebirge den neuen Anforderungen anzupassen.

Die Soldaten müssen mit den Transportmitteln im Gebirge, wie Hubschrauber, Überschneefahrzeug BV-206, Ski Doo, Quad, Tragtieren, Schneeschuhen und Schiern vertraut sein.

Der Heeresbergführer muss nicht nur befähigt sein, schwierige Geländeteile im Sommer wie im Winter unter Verwendung von technischen Hilfsmitteln zu überqueren, sondern er muss auch das Gelände hinsichtlich der Durchführbarkeit eines Auftrages beurteilen können.

Der Heeresbergführer muss der Berater des Kommandanten sein, der die Beurteilung der Gebirgslage durchführt und somit die Voraussetzungen für die Erfüllung des Auftrages schafft.

Internationale Gebirgsausbildung

Seit dem Jahr 1999 werden im Rahmen der Partnership for Peace - Partnership Work Programme (PfP-PWP) Soldaten anderer Armeen zu Lehrgängen in der qualifizierten Gebirgsausbildung nach Österreich eingeladen. Das Interesse von Soldaten anderer Armeen, vom Wissen und den Fähigkeiten der österreichischen Heeresbergführer profitieren zu können, war schon länger vorhanden.

Mit der internationalen Ausschreibung von Lehrgängen kann dem nun Rechnung getragen werden. Soldaten aus vielen Ländern nehmen somit an der qualifizierten Gebirgsausbildung in Österreich teil und auch sie können die entsprechenden Qualifikationen erlangen. Bis zum Jubiläumsjahr 2006 haben es bereits zwei Offiziere der schwedischen Armee geschafft, die Ausbildung zum Heeresbergführer abzuschließen. Weiters konnten bisher einige der beinahe 900 internationalen Teilnehmer zum Heeresbergführergehilfen, Heereshochalpinisten und Heeres-Schiausbilder ernannt werden.

Mit der Schaffung des Gebirgskampfzentrums in Saalfelden wird auch nach außen hin ein Signal gesetzt, worin das Bundesheer in Zukunft eine seiner Kernkompetenzen in Europa sieht. Aufbauend auf die Internationale Vereinigung der Gebirgsschulen, die jährlich eine einwöchige Versammlung abhält, kann das Österreichische Bundesheer sich wesentlich in eine Vereinheitlichung der Ausbildung einbringen. Durch die technische Kommission bei diesen Gebirgsschulentreffen, in der ein Angehöriger des Bundesheeres den Vorsitz innehat, wird versucht, Impulse für eine Internationalisierung der Gebirgs- und Gebirgskampfausbildung zu setzen.

Internationaler Rettungsspezialist

Um diesen Anforderungen nach Internationalisierung Rechnung tragen zu können, ist auf Initiative der Kommandanten der Gebirgs- und Winterkampfschulen von Andermatt (CH), Mittenwald (D) und Saalfelden eine Kooperation deutschsprachiger Nationen entstanden. Eingegliedert in die Heeresbergführerausbildung werden internationale Rettungsspezialisten ausgebildet. Ziel ist die trilaterale Kompatibilität bei Rettungseinsätzen im Gebirge. Das erfordert die Schaffung einheitlicher Ausbildungsrichtlinien und Abläufe, so genannter Standing Operating Procedures (SOPs), damit zum Beispiel ein österreichischer Rettungsspezialist mit einem deutschen Hubschrauber eine Windenbergung in einem internationalen Einsatz durchführen kann.

Wenn es gelingt, diesen Rettungsspezialisten auch in nicht deutschsprachigen Armeen zu etablieren, dann ist ein Ziel der internationalen Kooperation auf dem Gebiet der Bergrettung und des Gebirgsdienstes erreicht.

Schlussbemerkungen

Nur durch ein ständiges Abstimmen der Ausbildung auf zukünftige Erfordernisse wird es gelingen, den Heeresbergführer in eine Zukunft zu leiten, in der seine verantwortungsvolle Tätigkeit auch weiter benötigt wird. Dazu gilt es, sich ständig mit möglichen Einsatzszenarien zu beschäftigen und die Inhalte der Ausbildung an diese anzupassen.

Die internationale Anerkennung ist dem österreichischen Heeresbergführer auf jeden Fall gewiss. Die gezeigten Leistungen bei den internationalen Einsätzen tragen ebenso dazu bei wie die Qualität der Ausbildung von Soldaten aus zahlreichen Ländern, die zum Zwecke der Gebirgsausbildung nach Österreich kommen.

Die Heeresbergführer können mit ruhigem Gewissen und Stolz ihr hundertjähriges Bestandsjubiläum feiern, denn sie haben nicht nur die Tradition und persönliche Vorlieben gepflegt, sondern es wurde vor allem der im Jahre 1907 an die Heeresbergführer ausgegebene Auftrag getreu befolgt und weiterentwickelt: "Ich mache ganz besonders darauf aufmerksam, dass die mehr sportliche Bewältigung einiger Gipfel und Jöcher hiefür keineswegs genügt; die Betreffenden müssen sich vielmehr gediegene alpine Kenntnisse verschaffen, wie zum Beispiel: Beurteilung, ob ein Gebirgsübergang im gegebenen Momente bewerkstelligt werden kann oder nicht; Marschtechnik (Gruppierung, Hilfsmittel), Beurteilung der Schneeverhältnisse, Gefahr von Steinschlägen und Schneelawinen, richtige Anwendung von Seilen, Pickeln etc.; Nächtigung, Verpflegung usw." (wird fortgesetzt) ___________________________________ ___________________________________ Autor: Major Kurt Pflügl, Jahrgang 1966. Nach der Offiziersausbildung 1988 Ausmusterung zum Jägerbataillon 21. 1989 bis 1999 Verwendung in verschiedenen Funktionen beim Jägerbataillon 26 bzw. Jägerregiment 12. 1999 Versetzung an die Jägerschule und Einteilung als Kommandant der Lehrgruppe für qualifizierte internationale Alpinausbildung.

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