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Trau - schau - wem?

Die im Februar 2003 im Ratsgebäude der EU in Brüssel entdeckten Abhöreinrichtungen sind nur ein Beispiel, dass Spionage auch nach dem Ende des Kalten Krieges noch nicht ausgedient hat. Der Lauschangriff ist nach wie vor eine gängige Methode der Informationsbeschaffung, vor allem im militärischen Bereich.

Doch nicht nur große Institutionen wie der EU-Rat, sondern jeder einzelne Träger geheimer bzw. vertraulicher Informationen ist der Gefahr ausgesetzt, diese zu verraten. "An der Grenze seht ihr sowieso nichts in der Nacht, oder?" Solche oder ähnliche Fragen haben viele Soldaten schon gehört. "... natürlich, wir verwenden Nachtsichtgeräte vom Typ ...", haben einige vielleicht darauf geantwortet. Handelt es sich beim Fragesteller um einen geschulten Spion, etwa einer Schlepperbande, hat er bereits eine wichtige Information erhalten. Es wird ihm sicher ein Leichtes sein, noch weitere wichtige Details herauszufinden.

Diese als offene Gesprächsabschöpfung bezeichnete Methode ist eines der am häufigsten verwendeten Mittel der Informationsgewinnung. Obwohl die gewonnenen Informationen einzelner Gesprächsabschöpfungen verhältnismäßig gering sind, können sie, flächendeckend angewandt, zu durchaus brauchbaren Ergebnissen führen.

Methoden der offenen Gesprächsabschöpfung

Im Gegensatz zu den aggressiven Spionagemethoden des Kalten Krieges wird hier versucht, über gesellschaftliche Kontakte - etwa am Stammtisch oder am Rande von Veranstaltungen - und mittels harmlos erscheinender Gespräche Informationen "abzuschöpfen". Wenn es zum direkten Kontakt kommt, ist es für den Spion besonders wichtig, das Vertrauen seines Gesprächspartners zu erlangen, um ihn sein Wissen um geheime Informationen zu entlocken. Doch wie gelingt ihm das?

Spezielle Kommunikationsmethoden aus dem Bereich des NLP (Neurolinguistisches Programmieren) ermöglichen über die Wechselbeziehung von Sprache und physischen Prozessen einen raschen Zugriff auf unsere Gefühle und unser Denken. Durch so genanntes Spiegeln (englisch "Pacing" - nebeneinander hergehen) nähert sich der Spion dem Opfer an, indem er sich ihm ähnlich macht. Bei dieser Art der Manipulation bedient man sich eines natürlichen Phänomens, denn wenn immer Personen einander sympathisch finden, kommt es instinktiv zur Spiegelung. Zwei Freunde, die an einer Theke stehen, stützen sich oft in spiegelverkehrter Weise ab, oder neigen den Kopf zur selben Seite, während sie miteinender sprechen. Ein bewusstes Pacing ist umso wirksamer, je mehr Ebenen wie Kopfhaltung, Körperbewegungen, Atemgeschwindigkeit und dergleichen gespiegelt werden. Auch auf verbaler Ebene kann gespiegelt werden. Dies geschieht durch die Verwendung ähnlicher Worte und Redewendungen sowie durch die Angleichung der Sprechgeschwindigkeit, der Tonart oder der Lautstärke. Je ähnlicher einem der "Fremde" wird, desto eher wird man bereit sein, ihm Informationen zukommen zu lassen.

Bei der indirekten Verhaltensaufforderung, einer Methode aus der Polizeipsychologie, verleitet der Spion sein Gegenüber durch eine "verneinte Aufforderung" zum Gespräch: "Wir müssen uns jetzt noch nicht unbedingt darüber unterhalten, wie die Munitionsbunker bewacht werden ..." Dieses Phänomen (psychologische Reaktanz), bei dem es der Spion geschickt versteht, dem Opfer zu vermitteln, dass es über eine (scheinbar) hohe persönliche Handlungs- und Entscheidungsfreiheit verfügt, ermöglicht eine besonders intensive Gesprächsabschöpfung.

Aber auch mit Hilfe von Allgemeinaussagen (Truismen), die als wahr gelten und als richtig betrachtet werden, kann die Aussagebereitschaft über sensible Detailinformationen erhöht werden. Formulierungen wie "... jeder braucht Zeit, die Festnahme von Flüchtlingen zu verarbeiten", aktivieren unsere primären Bedürfnisse und wecken unsere Emotionen, die wir dann zumeist über die Sprache ausdrücken.

Bei der in den USA entwickelten RPM-Technik (rationalisieren, projizieren, minimieren) werden in der Vernehmung so genannte "magic words" eingesetzt. Diese Strategie ist aus der Annahme abgeleitet, dass Täter vor allem auf der Basis von Abwehrmechanismen versuchen, ihre Tat zu rechtfertigen. Bei der Gesprächsabschöpfung nutzen Spione diese Vernehmungsstrategie, indem sie z. B. aus dem Auslandseinsatz repatriierten Soldaten vermeintlich helfen, ihr Verhalten verstandesmäßig zu begründen (R - rationalisieren). Die Schuldzuweisung für die eigene Unzulänglichkeit wird auf andere Personen oder die Situation geschoben (P - projizieren) und das Verhalten heruntergespielt (M - minimieren). Mit Hilfe dieser Technik wird es dem Soldaten erleichtert, über militärische Details zu sprechen, ohne das Selbstwertgefühl oder das Gesicht zu verlieren.

Gegenmaßnahmen

Durch Schulungen des gefährdeten Personals kann das Risiko eines Geheimnisverrates durch eine offene Gesprächsabschöpfung verringert werden. Letztendlich bedarf es jedoch der ständigen Aufmerksamkeit und Sensibilität jedes Einzelnen, um dieses Risiko zu minimieren.

Autoren: Oberrat Dr. Roland Bugram und Oberwachtmeister Roland Scharf

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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