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Seperation of Parties by Force (SOPF)

Eine wesentliche Grundlage für die österreichische Streitkräfteplanung sowie die Ausstattung und die Ausbildung der Truppen ist das EU-Szenario "Separation of Parties by Force". Die österreichische Bundesregierung stimmte diesem Szenario als oberstes Spektrum eines Einsatzes und als höchste militärische Anforderungen im Helsinki Headline Goal zu. Die durch die Bundesheer-Reformkommission geforderte, zukünftig rasch verfügbare "Frameworknationbrigade" ist planerisch auf die Herausforderungen dieses Szenarios abgestimmt.

Einsatzart versus Szenario

Separation of Parties by Force ist ein im Draft Requirements Catalogue der EU des Jahres 2005 festgelegtes Szenario. Dieses beinhaltet zwei Möglichkeiten: rasche oder langsame, robuste Trennung mit verschiedenen Kräfte- und Zeitansätzen. Diese zwei militärstrategischen Handlungsoptionen haben natürlich Einfluss auf die Einsatzführung des operativ führenden Kommandos und der unterstellten taktischen Kommanden. SOPF, zu Deutsch gewaltsames Trennen von Konfliktparteien, ist jedoch keine eigene Einsatzart, wie es im Militärstrategischen Konzept des Jahres 2006 fälschlicherweise niedergeschrieben wurde.

Generations of War

Derzeit gibt es in der Literatur vier Generations of War. Die erste Generation ist die Linear- und Kolonnentaktik aus den Zeiten Napoleons und des Ersten Weltkrieges. Unter anderem durch die Erfindung der Maschinenwaffen ging diese Taktik über zum Abnützungskrieg. Dabei gewann das Feuer die Überhand über das Manöver im ewigen Wettstreit von Feuer und Bewegung. Die Stärken des Gegners wurden bekämpft, um den Durchbruch und damit die Entscheidung zu erzielen. Der Maneuver Warfare (siehe unten) als dritte Generation der Kriegführung entstand mit dem Blitzkrieg. Hier wird vor allem gegen Schwächen des Feindes (Flanke, Rücken, weiche Teile wie Versorgung, Artillerie, Gefechtsstände etc.) vorgegangen. Es dominiert wieder das Manöver über das Feuer und die Entscheidung wird in der Tiefe des Gegners gesucht. Diese dritte Generation entspricht auch unserer taktischen Lehre im Angriff, gegen die Schwächen des Feindes vorzugehen und dessen Stärken zu meiden. Dieses Manöver ist nicht nur räumlich, sondern auch im Denken, in der flexiblen Einsatzführung und in der Idee der Auftragstaktik, gepaart mit Handlungsfreiheit, zu sehen. Die vierte Generation wird als Asymmetric Warfare bezeichnet. Die Asymmetrie stellt sich dabei in der Wahl der Mittel, der Verfahren, der Methoden und der Regeln dar.

Maneuver Warfare (nach Mag. Friedrich W. Korkisch in der ÖMZ, Heft 5/2003): Um eine Abnützung zu vermeiden, muss der Feind durch Aufklärung, Tempo und Flexibilität mit Bewegung und Feuer, wenn möglich in indirektem Vorgehen, durch Verlust des Raumes, der Verbindungen, durch Verhinderung gegenseitiger Unterstützung der Kräfte, gelähmt und geschwächt werden. Es gilt, seinen Entscheidungen immer voraus zu sein, sodass jede seiner Maßnahmen an Wirkung verliert. Dabei dürfen die Vorteile nicht durch Verlust von Masse und Tempo aufs Spiel gesetzt werden.

Einsatzarten

Bei der SOPF können die klassischen Einsatzarten Angriff, Verteidigung, Verzögerung, Schutz und Jagdkampf zur Anwendung kommen. In der Anfangsphase einer solchen Operation wird es meist der Angriff sein, in späteren Phasen kann es eine Verzögerung oder Verteidigung sein.

Der eigene Einsatz beginnt mit der operativen Phase des Aufmarsches, geht über die Phasen des Manövers, der Entscheidung mit der Kulmination bis hin zur Phase der Ausnutzung. Am Beginn der operativen Phase des Manövers steht der eigene Einmarsch. Dieser ist trotz der verschiedensten Abmachungen mit den Konfliktparteien (meist ein General Agreement) als Kriegsmarsch zu planen. Ein Kriegsmarsch wiederum ist immer im Hinblick auf ein mögliches Begegnungsgefecht zu beurteilen, und dieses mündet im Angriff. Sind die Konfliktparteien einmal getrennt und bewegen sie sich in Richtung der vereinbarten Räume - dies wird durch die Errichtung einer demilitarisierten Zone (DMZ) und durch Verbotslinien (z. B. durch Lines of Limitation, vor welchen keine schweren Waffen sein dürfen) erreicht, wird sich das Hauptaugenmerk der Einsatzführung von den offensiven Einsatzarten zu den defensiven verlagern.

Dabei können wiederum alle Einsatzarten zur Anwendung kommen: - eine Verteidigung gegen eine wieder angreifende Konfliktpartei; - eine Verzögerung gegen eine möglicherweise wieder offensiv werdende Konfliktpartei zum Sicherstellen des Abzuges der anderen Partei; - der Schutz einer Enklave vor regulären und irregulären Kräften; - der Jagdkampf gegen irreguläre Kräfte; - der Angriff gegen eine Konfliktpartei, die sich nicht an Vereinbarungen hält bzw. wieder offensiv wurde.

Konfliktparteien

In diesem Szenario gibt es sowohl reguläre (Streit)Kräfte als auch irreguläre Kräfte; es wird immer Teile von zumindest zwei am Konflikt beteiligten Staaten geben. Diese regulären Streitkräfte können sich im Gesamten oder in Teilen an die Abmachungen halten (compliant) oder auch nicht (non compliant). Zusätzlich wird es irreguläre Kräfte geben, die mit der einen oder der anderen Seite zusammenarbeiten,. Dies können Befreiungsarmeen, Guerillas, Terroristen oder Gruppierungen der Organisierten Kriminalität sein.

Reguläre Kräfte nutzen diese irregulären Kräfte, um einen offenen Konflikt mit den internationalen Streitkräften zu vermeiden und um mit anderen Mitteln ihre Ziele zu erreichen. Zusätzlich ist natürlich noch die Zivilbevölkerung - meist mehrere Ethnien - im Einsatzraum vorhanden. In der Anfangsphase des Einsatzes wird der Fokus auf die regulären Kräfte der Konfliktparteien gelegt, und erst in der Folge wird sich dieser Fokus hin zu den irregulären Kräften verschieben. Wichtig ist, dass in diesem Stadium die Zivilbevölkerung von den Terroristen unterschieden werden kann.

Grundsätze der Einsatzführung

Jeder internationale Einsatz steht unter besonderer Beobachtung der Medien und der Truppen entsendenden Staaten. Der Einsatz ist mit möglichst wenigen eigenen Verlusten sowie Kollateralschäden der Infrastruktur und der Zivilbevölkerung zu führen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die eingesetzte Technik, sondern auch auf die Taktik. Die 4. Panzergrenadierbrigade hat dazu eine Faltkarte mit nachstehenden Grundsätzen entwickelt und wendet diese bei der taktischen Kaderausbildung und den Weiterbildungen am Führungssimulator sowie bei der Teilnahme an internationalen Übungen an.

Waffeneinsatz vermeiden

Ein unnötiger oder unverhältnismäßiger Waffeneinsatz kann nicht nur Unschuldige töten, er kann auch negative Auswirkungen auf die internationale Meinung und damit auf die weitere Einsatzführung haben. Vor allem bei der angestrebten späteren Stabilisierung des Raumes kann eine falsche Anwendung von Waffen zum Scheitern der Mission führen. Die Hearts and Minds der Bevölkerung sind ein unverzichtbares Gut im Einsatz und dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Daher ist der Einsatz so zu führen, dass der Waffengebrauch prinzipiell vermieden wird. Dies wird durch - das Zusammenhalten der Kräfte und durch eine hohe Mannstärke, - Druck auf die Konfliktparteien, - bestmöglichen technischen Schutz der Eigenen, - umfassende Aufklärung und - Verhandlungen erreicht.

Dabei ist es unerlässlich, jederzeit vom defensiven auf das offensive Verhalten "umschalten" zu können - weg von der Verhandlung hin zum Waffeneinsatz.

Waffeneinsatz nur zur Notwehr und zur Nothilfe

Ein Waffeneinsatz ist grundsätzlich, den jeweils gültigen Rules of Engagement (ROE) entsprechend, nur solange zulässig, als er der Notwehr, der Nothilfe oder der Abwehr eines unmittelbar drohenden Angriffes dient. Dabei ist das jeweils geringst gefährliche zur Verfügung stehende Mittel zu wählen.

Eskalationsstufen des Waffeneinsatzes

Die Möglichkeit zur Abstufung des Waffeneinsatzes bewahrt die eigene Handlungsfreiheit und zwingt nicht immer zur Anwendung tödlicher Mittel. Zur Vermeidung von Kollateralschäden wurden Non-lethal Weapons entwickelt, die in einem Einsatz natürlich als erste Wahl zu sehen sind. Darüber hinaus haben sich - in zahlreichen Übungen geprobt - nachstehende Eskalationsstufen bewährt: - Warnschüsse mit Flachfeuer; - Warnschüsse mit indirektem Feuer (Leucht- oder Blendmunition); - Wirkungsschießen mit Flachfeuer als gezielter Einzelschuss; - Wirkungsschießen mit indirektem Feuer (Spreng- oder panzerbrechende Munition); - Einsatz von Luftstreitkräften außerhalb des verbauten Gebietes, um Kollateralschäden zu vermeiden.

Kein Vertrauen in Abmachungen

Jede Konfliktpartei will ihre eigenen Ziele erreichen. Dies kann dazu führen, dass Abmachungen nicht eingehalten werden (non compliant). Einzelne Gruppierungen können sich auch abspalten oder nicht unter Kontrolle der verantwortlichen Kommandanten sein.

Internationale Kräfte könnten auch verzögert werden (zum Beispiel durch Roadblocks oder durch das Vortäuschen von Bewegungsunfähigkeit, wie Kraftstoffmangel oder technische Ausfälle), um im Hinterland Aktionen, wie zum Beispiel eine ethnische Säuberung mit irregulären Kräften, durchzuführen. Zur Sicherstellung der eigenen Handlungsfreiheit muss die Einsatzplanung daher immer auf die wahrscheinlichste und gefährlichste Handlungsmöglichkeit der Konfliktparteien ausgerichtet sein; sie darf nicht lediglich auf Abmachungen basieren. Es gäbe sonst keinen Druck auf die Konfliktparteien, und es blieben nur der Bittweg zum Verhandlungstisch, der tödliche Waffeneinsatz oder das Abwarten in Ungewissheit.

Eingreifen in ein laufendes Gefecht?

Unmittelbar in ein laufendes Gefecht einzugreifen oder sich zwischen die kämpfenden Konfliktparteien - im Sinne einer Rundumverteidigung - hineinzusetzen, bedeutet, zum Gegner beider Konfliktparteien zu werden.

Indirektes Eingreifen wäre - das Abschneiden von der Versorgung oder - das Erzielen einer Schockwirkung bei den Konfliktparteien durch Show of Force mit Kampfhubschraubern, Überflüge von Jagdbombern sowie Warnschüsse mit indirektem Feuer.

Kein Hundebesitzer wird sich persönlich zwischen zwei raufende Hunde stellen und versuchen, diese zu trennen. Er wird eher danach trachten, sie unter Einsatz von Hilfsmitteln abzuhalten, einander weiter Schaden zuzufügen. Er greift nicht unmittelbar ein, denn sonst ist er Teil des Kampfes und verliert die eigene Handlungsfreiheit.

Wer hat Handlungsfreiheit?

Bei der Einatzplanung ist die Frage zu stellen: "Welche der Konfliktparteien verfügt derzeit über Handlungsfreiheit?" Jene mit Handlungsfreiheit muss gebunden oder zum eigenen "Spielpartner" werden. Wird diesem Spielpartner - bei Erhaltung meiner eigenen Handlungsfreiheit - seine Handlungsfreiheit genommen, gibt es eine solide Verhandlungsbasis. Eine Verhandlungsbasis ohne Druck oder ernstzunehmende Drohung ist keine solide Basis, weil den Konfliktparteien ansonsten nicht mein eigener Wille aufgezwungen werden kann und die eigenen Ziele nicht durchgesetzt werden können.

Wer ist der Aggressor?

Zusätzlich ist die Frage zu stellen: "Wer ist der derzeitige Aggressor?" Gegen ihn ist vorzugehen, um die Aggression zu beenden und wieder eine Basis für Verhandlungen zwischen und mit den Konfliktparteien zu schaffen.

Meist wird eine Konfliktpartei unterstützt, indem man die andere Konfliktpartei, die non compliant ist, durch die eigene Einsatzführung dazu zwingt, die Abmachung einzuhalten. Das ist kein Widerspruch zur Unparteilichkeit, denn eine Konfliktpartei hält sich ja an die Abmachungen und die andere nicht. Ein ledigliches Zusehen würde nur der Konfliktpartei, welche compliant ist, einen Grund oder einen Vorwand geben, sich ebenfalls nicht an die Abmachungen zu halten und so könnte die Situation eskalieren. Die als compliant angesehene Konfliktpartei könnte zum Aggressor werden und damit zur Konfliktpartei non compliant mutieren. Dem ist durch Aufklärung und Zusammenhalten der eigenen Kräfte zu begegnen. Gegen den jeweiligen Aggressor ist entschlossen vorzugehen.

Druck durch indirekten Ansatz

Ohne Druck gibt es keine starke eigene Verhandlungsbasis und keinen Grund für den Gegner, sich entgegen seinen Zielen zu Handlungen zwingen zu lassen. Dieser Druck kann mit - Show of Force, - dem direkten Ansatz auf seine starken Truppenteile, oder - durch einen indirekten Ansatz auf seine verwundbaren Teile aufgebaut werden.

Diese verwundbaren Teile sind - sein Rücken, - seine Versorgungslinien, - seine Versorgungstruppen, - seine Artillerie, oder - seine Führungseinrichtungen.

Nur der indirekte Ansatz in die Tiefe des Gegners vermeidet das große Gefecht mit Kollateralschäden und eigenen Verlusten. Er zwingt jedoch dazu, die eigenen Kräfte zusammenzuhalten und die eigene Versorgung im Ansatz mitzunehmen, um nicht selbst von der Versorgung abgeschnitten zu werden. Im Wesentlichen entspricht dies dem Gedanken des Maneuver Warfare.

Kein Schritt ohne Aufklärung

Ohne umfassende Aufklärung ist der eigene Verband blind, und der Misserfolg im Gefecht ist beinahe vorprogrammiert. Das Manövrieren im freien Raum, ohne Anlehnung an Eigene, zwingt zur Aufklärung. Diese ist zwar zeitintensiv, spart jedoch eigene Verluste und erhält die Handlungsfreiheit.

Verbindung aufnehmen

Im Sinne der Eskalationsstufen des Waffeneinsatzes ist immer mit der unmittelbaren Konfliktpartei auf der jeweiligen Führungsebene Verbindung aufzunehmen. Das gibt den Eigenen die Chance zur Verhandlung, und das Gegenüber kann das Gesicht wahren. Natürlich gewinnt man durch Verbindungsaufnahme auch Informationen über Art, Stärke, Lage und Verhalten der jeweiligen Gruppierung.

Aussichtlosigkeit klarmachen

Durch Druck, verbunden mit einem indirekten Ansatz und der eigenen örtlichen Überlegenheit, ist dem Gegenüber die Aussichtslosigkeit seines Handelns - vorerst im Zuge von Verhandlungen - klarzumachen. Wenn er von der Versorgung abgeschnitten ist, bleibt ihm längerfristig nur noch die Möglichkeit zum (aussichtslosen) Kampf oder zum Abzug, sonst würde er ausgehungert werden. Erreichen die Verhandler kein Ergebnis, kann die nächst höhere Eskalationsstufe angewendet werden. Dazu bedarf es meist der Rücksprache mit den vorgesetzten Kommanden.

Überlegenheit im Kampf

Wenn es dann letztendlich zum Kampf kommt, ist die Überlegenheit in Raum und Zeit zwingend erforderlich, um eigene Verluste möglichst zu vermeiden bzw. dem Gegenüber seine aussichtslose Situation klarzumachen. Die Überlegenheit ist nicht nur durch Mittel der Kampfunterstützung, sondern vor allem durch den Einsatz eigener Kampftruppen zu gewährleisten.

Kräfte zusammenhalten

Um die eigene Überlegenheit und Handlungsfreiheit zu bewahren sowie der Bedrohung der eigenen Versorgungslinien zu begegnen, sind die eigenen Kräfte zwingend zusammenzuhalten. Dies entspricht dem Führungsgrundsatz der Schwergewichtsbildung. Damit wird ein "taktischer Blumenstrauß" verhindert, bei dem meist versucht wird, alle Aufgaben sofort zu lösen. Der Blumenstrauß endet aber meist mit dem Verlust der eigenen Handlungsfreiheit, im unnötigen Waffeneinsatz oder in der Vernachlässigung des Grundauftrages. Nichts ist bei internationalen Einsätzen schlimmer, als der Verlust der eigenen Handlungsfreiheit, was letztendlich zu einer internationalen Blamage führen kann.

Mannstärke statt Schusswaffe

Um einen Waffeneinsatz zu vermeiden, bedarf es einerseits eines eigenen technischen Schutzes und andererseits einer vernünftigen Mannstärke. Die Mannstärke wird vor allem zur Kontrolle der Zivilbevölkerung im Rahmen von Crowd and Riot Control-Einsätzen benötigt. Diese Kontrolle der Zivilbevölkerung kann mit der Sicherung des gewonnenen Geländes nach dem Nehmen eines Angriffszieles verglichen werden.

Im Kampf ist es einfach, mit Sperren und Feuer eine Straße oder einen Geländeteil zu beherrschen. Gegen die Zivilbevölkerung bedarf es aber einer entsprechenden Mannstärke, wenn der Schusswaffengebrauch vermieden werden soll. Im verbauten Gebiet wird es gleichzeitig zum Auftreten regulärer und irregulärer Kräfte sowie der Zivilbevölkerung kommen. Dabei ist jeder der Gruppierungen mit anderen Mitteln zu begegnen. Aus diesem Grund kam es in jüngster Vergangenheit auch zur Zweitrollenfähigkeit von Waffengattungen sowie zu einer Infanterie- oder Panzergrenadier-Lastigkeit von modernen großen Verbänden.

Das Problem Zeit

Das Zeitkalkül für Kommandanten und Stäbe in einer SOPF unterscheidet sich immens von früheren operativen und taktischen Zeitberechnungen. Verbindungsaufnahmen, Verhandlungen, Rücksprachen mit vorgesetzten Kommanden im Einsatzraum und im Heimatland sowie Interventionen der Politik, das Zusammenhalten der eigenen Kräfte oder aber auch das Warten nach Ultimaten benötigen mehr Zeit als standardisierte herkömmliche Gefechtstechniken.

Übung "MAINLAND" III

Die Übungsserie "MAINLAND" wurde durch das ehemalige Kommando Landstreitkräfte initiiert und wird nun durch das Streitkräfteführungskommando fortgesetzt. "MAINLAND" ist eine Stabsübung, in der die Beurteilung der Lage durchgeführt wird und die in der Ausbildung am Führungssimulator angewendet wird. Die Übungsserie basiert auf einem SOPF-Szenario mit mehreren regulären und irregulären Konfliktparteien und ist dem Einmarsch in das Kosovo 1999 ähnlich.

In der Übung "MAINLAND" III - marschierte die Brigade über 160 Kilometer an, - schlug eine Kriegsbrücke über die Donau, - riegelte dabei eine als möglicherweise non compliant beurteilte GRÜN-Gruppierung in der Flanke ab, - errichtete einen kleinen und einen großen Brückenkopf nördlich der Donau, - umging an der Waffenstillstandslinie die GRÜN-Kräfte, - manövrierte die ROT-Kräfte aus, - stieß in die Tiefe der ROT-Kräfte vor, - schnitt diese von der Versorgung ab, - riegelte die Reserve der ROT-Kräfte ab, - nahm ROT damit die Handlungsfreiheit - und war in einer starken Ausgangsposition für Verhandlungen zum Abzug von ROT.

Dieses Manöver erfolgte fast ohne Waffeneinsatz. Lediglich gegen einen Granatwerferzug irregulärer ROT-Kräfte, welche das Feuer auf eine GRÜN-Enklave eröffnet hatten, war ein Artillerieeinsatz notwendig und gerechtfertigt. Die gesamten Versorgungs- und Führungseinrichtungen wurden zu diesem Angriff mitgenommen, um nicht selbst abgeschnitten zu werden. Nächste Aufgabe war die Verteidigung an der Staatsgrenze gegen möglicherweise wieder angreifende ROT-Kräfte und das Beziehen der Einsatzräume zur Stabilisierung.

Zusammenfassung

Die Einsatzführung in SOPF zielt auf die Erhaltung der eigenen Handlungsfreiheit. Gleichzeitig muss dem Gegenüber aber die Handlungsfreiheit genommen werden. Die eigenen Kräfte sind zusammenzuhalten, und der Gegner ist aufzusplittern. Das alles ist nichts Neues im Kampf der verbundenen Waffen am Gefechtsfeld. Neu jedoch sind - die zeitlich lang andauernden Abläufe, - die weitgehende Vermeidung des endgültigen, vernichtenden eigenen Waffeneinsatzes sowie - das Auftreten mehrerer regulärer und irregulärer Konfliktparteien im Einsatzraum mit unterschiedlichsten Zielen.

Dem ist durch die eigene Einsatzplanung und Einsatzführung Rechnung zu tragen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Major dG Mag. Dieter Schadenböck, Jahrgang 1970. Eingerückt als Einjährig-Freiwilliger 1989 beim Landwehrstammregiment 55, danach Ausbildung an der Theresianischen Militärakademie; Ausmusterung 1993 als Aufklärer zum Panzerstabsbataillon 9, Verwendung als Zugskommandant bis 1998, danach Kompaniekommandant beim Panzergrenadierbataillon 35. 2003 bis 2006 Teilnehmer am 17. Generalstabslehrgang; seit 2006 Chef des Stabes und stellvertretender Kommandant der 4. Panzergrenadierbrigade. Auslandseinsatz 2001 bei KFOR als Kommandant des Aufklärungszuges, Teilnehmer an zahlreichen internationalen Übungen im Bereich der Einsatzführung und Einsatzplanung.

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