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Ich gelobe … mit allen meinen Kräften …

Sport im Bundesheer ist nicht nur Selbstzweck für den Dienst als Soldat. Vielmehr sind die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit und die Freude an der Bewegung maßgebliche Beiträge zur Volksgesundheit.

"Beim Bundesheer, da werd’n Dir die Wadln nach vor g’richt" - Wer hat diesen oder ähnliche Sprüche nicht schon gehört? Was steckt dahinter? Ist es eine versteckte Drohung, womit strenge Disziplin, fordernder Sport oder noch anderes vermittelt werden soll? Auf jeden Fall entsteht bei all jenen Personen, die unmittelbar vor Ableistung ihres Wehrdienstes stehen, ein Gefühl der Unsicherheit und der Ungewissheit. Die Pflicht ruft - und es wird eingerückt.

Stellung

Vor dem Einrücken wird das Stellungsverfahren durchlaufen. An die 45 000 junge Staatsbürger werden jährlich in den Stellungskommissionen des Österreichischen Bundesheeres "auf Herz und Nieren" geprüft. In einer zweitägigen Untersuchung wird festgestellt, ob psychische oder physische Einschränkungen vorhanden sind, welche die Ableistung des Grundwehrdienst nicht oder nur in einer eingeschränkten Form möglich machen. Diese umfassende Untersuchung einer beträchtlichen Anzahl an jungen Menschen ist ein wertvoller Beitrag für das staatliche Gesundheitsmanagement - und letztlich auch für die Volksgesundheit.

Einrücken

Nach der Einberufung wird der Grundwehrdienst angetreten - und der beginnt mit einem nochmaligen Gesundheits-Check. Bei dieser Einstellungsuntersuchung werden die Veränderungen zwischen Stellung und Einrücken erhoben. Und dann … ja dann beginnt das mit den "Wadln". Es gerät vieles in Bewegung. Die Rekruten bekommen in sehr kurzer Zeit eine Menge von Ausbildungsinhalten vermittelt. Das bedeutet für sie permanentes Lernen, sich anzupassen und zu bewegen, und dies alles in einem völlig neuen Umfeld sowie mit gänzlich neuen Gewohnheiten. Tagwache (viel zu zeitig in der Früh), Antreten, Abtreten, Exerzieren, Lehrsaal, Körperausbildung, Zimmerdienst, Gefechtsdienst, Putzen, das Leben in einer neuen Gemeinschaft auf sehr engem Raum, … eben sehr viel Neues - interessant, aber auch anstrengend für Körper und Geist.

Was haben unsere jungen Staatsbürger davon, wenn sie ihrer Wehrpflicht nachkommen und das Treuegelöbnis auf die Republik ablegen? Sie werden möglicherweise aufgrund ihrer Jugend und gewisser Vorurteile nicht unbedingt den Sinn ihres Einsatzes für das Vaterland, für den Staat Österreich, erkennen. Mit vielen Unterrichten und durch persönliches Wirken des eingesetzten Kaderpersonals wird versucht, die Sinnfrage möglichst umfassend zu beantworten. Die fallweise desinteressierten jungen Menschen können durch Motivation und kreative Methoden an die militärischen Inhalte herangeführt werden.

Bewegung - alle profitieren davon

Sport, Bewegung, Körperausbildung, Gefechtsdienst oder auch der Marsch sind Beispiele für leistungsorientierte Aktivitäten, welche nicht nur die persönliche Leistungsfähigkeit fördern, sondern auch Gemeinschaft und Korpsgeist formen sowie verbessern können. Diese Eigenschaften sind für eine militärische Einheit und die militärische Auftragserfüllung von grundlegender Bedeutung. Sie bilden eine wesentliche Basis - scheinbar selbstverständlicher Eigenschaften und Fertigkeiten, wovon nicht nur das Militär profitiert, sondern auch - im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung - die Rekruten selbst.

In Zeiten der "Übermotorisierung", in denen die körperliche Bewegung immer mehr in den Hintergrund tritt, haben alle Maßnahmen, mit denen junge Menschen zu gesunder Bewegung angehalten werden, einen nachhaltige Wirkung, sowohl für die Person selbst als auch für den Staat. Beim Österreichischen Bundesheer sind erfreulicherweise Strukturen und Vorschriften vorhanden, die eine sinnvolle Körperausbildung und damit eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit anordnen.

Aber - erfolgt die Umsetzung der vorhandenen Richtlinien und Vorschriften auch tatsächlich in ausreichendem Maß? Der Präsenzdienst ist mit seinen sechs Monaten kurz, und es gilt, in dieser Zeit eine enorme Fülle an Ausbildungszielen zu erreichen. Da ist vorerst noch der für den Staat unverzichtbare Assistenzeinsatz an der Staatsgrenze sowie jede Menge anderer Aktivitäten, die immer wieder auch als Argument gegen eine kontinuierliche Körperausbildung angeführt werden.

Die gemeinsame Sportausbildung erhält und fördert nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit, sondern verbessert auch das Sozialverhalten und den Korpsgeist - und das durchlässig in alle Hierarchieebenen. Das heißt auch, dass dieser Bereich eine hervorragende Kommunikationsplattform darstellt, auf welcher viele anstehende Probleme und "Problemchen" tatsächlich "laufend" gelöst werden können.

Es ist eigentlich eine einfache Angelegenheit, junge Menschen zu motivieren; dies kann unter anderem durch eine interessante und fordernde Ausbildung, kompetente Führung und die Anerkennung erbrachter Leistungen geschehen. Nicht umsonst schlagen die Empfehlungen der Bundesheer-Reformkommission im Rahmen der Attraktivitätssteigerung für den Grundwehrdienst täglich eine Stunde Sport sowie verbesserte Umfeld- und Freizeitbedingungen für die Präsenzdienstleistenden vor.

Die regelmäßige und durch qualifiziertes Fachpersonal geleitete Körperausbildung sowie das durch die regionalen örtlichen Heeressportvereine unterstützte Sportangebot in der Freizeit stellen einen wertvollen Inhalt des Präsenzdienstes dar. Angesichts der annähernd 25 000 Präsenzdiener jährlich ist der Wert für die staatliche Gesundheitsförderung nicht zu vernachlässigen. Die Zeit des Präsenzdienstes eröffnet die in Österreich einzigartige Möglichkeit, jungen Menschen systematisch und über einen längeren Zeitraum positive Bewegungsgewohnheiten zu vermitteln. Es wird nicht nur die militärisch bedeutsame körperliche Leistungsfähigkeit verbessert, sondern es werden auch andere gesellschaftlich relevante Werte wie Teamgeist, Sozialverhalten oder Gesundheitsbewusstsein vermittelt.

Die Interpretation des Treuegelöbnisses darf daher etwas weiter gefasst werden. "Der Republik Österreich und dem Österreichischen Volk mit allen Kräften … zu dienen" - darf nicht ausschließlich auf die Zeit des Präsenzdienstes fokussiert werden, es ist auch ein (nicht nur militärisch relevanter) Beitrag für den Staat und dessen Bevölkerung zu leisten. Damit spannt sich ein Bogen von der Bewegung zum Ansehen und zur Anerkennung der Leistungen des Österreichischen Bundesheeres.

Schlussbetrachtungen

Die öffentliche Erwartungshaltung ist bezüglich der Vermittlung von Fitness ("stramme Wadln") beim Österreichischen Bundesheer (noch) eindeutig positiv.

Die Erwartungshaltung der Präsenzdiener und auch das Feedback nach der Ableistung des Präsenzdienstes sprechen sich in hohem Maße für die körperliche Betätigung aus. Jährlich absolvieren 25 000 Wehrpflichtige den Präsenzdienst im Österreichischen Bundesheer. Und sie transportieren ihre Meinung und ihre Eindrücke nach außen.

Der militärische Dienst erfordert körperlich leistungsfähige Soldaten. Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit ist aus psychologischer Sicht eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Erfüllung von Aufträgen.

Eine "humane" Aufnahme der einrückenden Präsenzdiener und eine ebensolche Überleitung vom Zivilleben ins "Militär" erhält und fördert die positive Einstellung der jungen Menschen.

Ein gut geführter, leistungsorientierter Grundwehrdienst - mit viel Bewegung - motiviert zur Beibehaltung positiver Bewegungsgewohnheiten und trägt zu einer positiven Meinung über die Sinnhaftigkeit des Wehrdienstes bei. Die Ausbildung und Betreuung der Präsenzdiener im Grundwehrdienst ist nach wie vor eine große Herausforderung. Jungen Menschen fehlt es heutzutage meist an Bewegung - beim Österreichischen Bundesheer sollte in einem grundsätzlichen Selbstverständnis diese Freude an der Bewegung vermittelt werden. Die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen dazu sind vorhanden.

Unabhängig davon, ob sich das Österreichische Bundesheer in einem Reformprozess befindet oder nicht, wird es immer einer (gesunden) körperlichen Fitness als Grundlage für die Arbeits- und Einsatzbereitschaft bedürfen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Oberst Gerhard Eckelsberger, Jahrgang 1954. 1974 Grundwehrdienst beim Fernmeldeaufklärungsbataillon. Danach Dienstverwendungen in der Heeressport- und Nahkampfschule und im Panzerbataillon 10; anschließend Besuch des Bundesrealgymnasiums für Berufstätige und der Theresianischen Militärakademie. 1983 Ausmusterung als Artillerieoffizier zu einem Landwehrstammregiment. 1994 bis 1997 Dienstverwendung im Ausbildungszentrum Jagdkampf. 1997 bis 2002 als Ausbildungsreferent im Bundesministerium für Landesverteidigung/Sektion III tätig; seit 2002 Kommandant des Heeressportzentrums.

Es ist beabsichtigt, zum Thema "Sport und körperliche Leistungsfähigkeit des Ausbildungs- und Führungspersonals" weitere Beiträge zu veröffentlichen. Fragen, Anregungen oder Diskussionsbeiträge zu diesem Themenbereich nimmt der Autor gerne entgegen.

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