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Miliz ist Geschichte und Zukunft

Der Kalte Krieg ist vorüber, und der Eiserne Vorhang existiert nicht mehr. Die Gefahr, als potenzieller Durchmarschraum zwischen Ost und West in einen großen europäischen Konflikt hineingezogen zu werden, ist gewichen. Damit hat sich auch das Raumverteidigungskonzept überlebt, das seit 1978 die militärische Komponente der Sicherheits- und Verteidigungspolitik des neutralen Kleinstaates Österreich bestimmt hat. Zudem ist die Notwendigkeit weggefallen, eine große Anzahl von Soldaten ausbilden, ausrüsten und einsetzen zu können und zu müssen. Auch wenn wir in Zukunft keine 240 000-Mann-Armee mehr sein werden und brauchen: Milizsoldaten bleiben unverzichtbar!

Miliz aktiv im Einsatz

Ob im Inland und/oder im Ausland: ohne Soldaten aus dem Miliz- und Reservestand wird das Bundesheer auch in Zukunft seine umfassenden Aufgaben für unsere gemeinsame Sicherheit nicht bewältigen können. Bei Auslandseinsätzen decken Soldaten aus dem Miliz- und Reservestand immerhin - je nach Mission - den überwiegenden Anteil am Personalstand ab. Ihr Beitrag liegt aktuell bei durchschnittlich 57 Prozent.

Unsere "Soldaten im Zweitberuf" stellen aber auch im Inland einen steigenden Anteil an den eingesetzten Kräften. Beim Assistenzeinsatz zur Grenzraumüberwachung beträgt der Milizanteil derzeit bereits bis zu 18 Prozent. Bei den Übungen der präsenten Kräfte des Bundesheeres kommt rund ein Zehntel des eingesetzten Personals aus dem Milizstand.

Bekenntnis zur Miliz

Auch Verteidigungsminister Mag. Norbert Darabos lässt keine Zweifel an der Bedeutung und Unverzichtbarkeit unseres Milizsystems. "Eine Berufsarmee ist für mich keine Option", betonte er mehrmals bei internen Besprechungen und in der Öffentlichkeit. Für ihn hat der Artikel 79 unserer Bundesverfassung, der unter anderem milizartig aufgebaute Streitkräfte vorsieht, unverändert Gültigkeit.

Ein klares politisches Bekenntnis zur Miliz liegt ebenfalls eindeutig vor. Ein diesbezügliches Dokument dazu ist das Programm unserer Bundesregierung.

Neue Aufgaben - neue Rollenverteilung - neue Miliz

Eine Sicherheitspolitik auf neuen Wegen braucht neue Ansätze und Strukturen. Um das Bundesheer für die Aufgaben der Zukunft zu strukturieren, wurde als erster Schritt in die neue Richtung die Bundesheerreformkommission eingesetzt. Das geänderte Bedrohungsbild wurde analysiert, In- und Auslandsaufgaben wurden definiert, und aus den abgeleiteten Empfehlungen wurde eine neue Zielstruktur entwickelt.

Unser Milizsystem, das derzeit um- und aufgebaut wird, ist in dieser Form für Österreich tatsächlich etwas Neues. Sein Aufgabenspektrum wird in Zukunft im sicherheitspolizeilichen Assistenzeinsatz und in der Katastrophenhilfe im Inland liegen. Im Ausland sollen weiterhin Soldaten aus dem Miliz- und Reservestand massiv an friedenserhaltenden und humanitären Einsätzen sowie an der internationalen Katastrophenhilfe mitwirken.

Die neue Organisation

Rund 10 000 Milizsoldaten werden die Milizanteile der präsenten Verbände des Bundesheeres bilden. In den selbstständigen Kräften der "strukturierten Miliz" werden rund 14 000 Wehrpflichtige beordert sein. Diese Kräfte umfassen: - zehn Jägerbataillone; - ein Versorgungsbataillon; - neun Pionierkompanien; - drei Feldambulanzen; - zwei Patiententransportkompanien; - eine Nachschub-, Transport- und Sanitätskompanie; - eine Task Force des Jagdkommandos; - ein AFDRU-Element (Austrian Forces Desaster Relief Unit) für die internationale Katastrophenhilfe.

Die Führung dieser Kräfte sowie die Einschulung und Fortbildung der Beorderten in ihren Funktionen werden so weit wie möglich im eigenen Bereich durch die Kommandanten aus dem Milizstand selbst erfolgen.

Zusätzlich werden rund 1 000 Wehrpflichtige aus dem Milizstand ihr qualifiziertes Know-how in etwa hundert Fachbereichen im Rahmen der so genannten Expertenstäbe einbringen. Vorhandene Ressourcen aus der Privatwirtschaft und Wissenschaft können so bei Bedarf gezielt genutzt werden. Gleichzeitig sollen aber auch die Privatwirtschaft und Wissenschaft davon profitieren und gemeinsame Synergien nutzen.

In Summe werden einschließlich der vorgesehenen Personalreserven etwa 30 000 Wehrpflichtige und Frauen in Milizverwendungen in der Einsatzorganisation des Bundesheeres tätig sein.

Prinzip der Freiwilligkeit und Anreizsystem

In Zeiten der Landwehr wurden alle Mannschaftsfunktionen noch aus verpflichteten Grundwehrdienstleistenden gebildet. Damals waren die Grundwehrdiener praktisch aufgeteilt: in "8+0" (achtmonatiger Grundwehrdienst durchgehend) und in "6+2" (sechsmonatiger Grundwehrdienst durchgehend; die restlichen zwei Monate in Form von einwöchigen Truppenübungen alle zwei Jahre).

Eine Besonderheit im Vergleich dazu wird ab 1. Jänner 2008 sein, dass auch für Mannschaftsfunktionen das Prinzip der Freiwilligkeit betont wird. Ziel ist, dass im Idealfall alle Einsatzfunktionen von Freiwilligen ausgeübt werden. Nur wenn die Anzahl der Freiwilligenmeldungen dazu nicht ausreicht, kann von der Möglichkeit zur gesetzlichen Verpflichtung zu Milizübungen Gebrauch gemacht werden.

Hier liegt für alle Beteiligten eine neue Herausforderung. Der Lohn dafür werden aber besser motivierte und effizientere Milizverbände und -einheiten sein, die bei Bedarf tatsächlich in ihrem Aufgabenspektrum zum Einsatz kommen können und sollen.

Ein umfassendes System mit verschiedenen Anreizen und Verbesserungen ist geplant. Vorgesehen sind unter anderem Geld- und Sachprämien, Vorrang bei Funktionseinteilungen und Dienstfreistellungen bis hin zu einem neuen Milizausweis, der den Zutritt zu Kasernen erleichtern soll.

Die tiefgreifenden Änderungen erfordern ein umfassendes Umdenken und viele Anpassungen, aber auch umfassende (interne) Information und persönliche Bewusstseinsbildung. Für eine effiziente, gemeinsame Einsatzvorbereitung und Auftragserfüllung ist damit auch ein gemeinsamer Geist innerhalb aller unserer Soldaten - unabhängig vom dienstrechtlichen Status - besonders wichtig und unverzichtbar. Stehsätze wie "Bist du Aktiver oder sind Sie Miliz?" zeugen von Unverständnis und schädlicher Desintegration, die unnötig trennt. Sie sollten schon längst der Vergangenheit angehören und dem Viribus unitis weichen: Mit vereinten Kräften waren und sind wir aber gemeinsam alle stärker.

Milizübungen: gestern - heute - morgen ...

Die bisher verwendeten und vertrauten Begriffe der Kader- und Truppenübungen (KÜ und TÜ) sowie der vorbereitenden Kaderausbildung (VbK) haben ausgedient. Stattdessen kommt die neue Präsenzdienstart Milizübung (MÜ), in der ab 2008 die Milizsoldaten auf ihre Einsatzfunktionen vorbereitet werden.

Bei Wehrpflichtigen, die noch offene Kaderübungsverpflichtungen haben, werden die noch zu leistenden Kader- und Truppenübungstage addiert. Ab dem Jahr 2008 ergibt diese Summe die jeweils verbleibende Milizübungspflicht.

Die Übungspflicht für "Neueinsteiger" wird - für Mannschaftsfunktionen 30 Tage, - für Unteroffiziersfunktionen 120 Tage und - für Offiziersfunktionen 150 Tage betragen.

Die Basisausbildung für eine Führungsaufgabe war bisher die vorbereitende Kaderausbildung. Ab 2008 wird stattdessen die vorbereitende Milizausbildung (VbM) als begleitende Zusatzausbildung während des Grundwehrdienstes auch alle Mannschaftsfunktionen mit ihren Aufgaben in der Einsatzorganisation in der Miliz vertraut machen.

Übungsende?

Das 2004 ausgerufene Ende der Truppenübungen bedeutet nicht das Ende des Milizsystems, wie manche irrtümlich meinten. Tatsächlich wurde und wird durch Wehrpflichtige des Milizstandes auch weiter geübt. Statt der bisherigen Beorderten Waffenübungen (BWÜs) bereiten sich derzeit (nur) die Kaderübungspflichtigen (ohne Volltruppe) - quasi in einer Übergangszeit - für ihre zukünftigen Funktionen in der neuen Miliz vor.

Optimistisch in die Zukunft

Noch gibt es, vor allem im personellen Bereich bei den Milizunteroffizieren, großen Aufholbedarf. Durch die bevorstehende Umstellung auf ein neues Ausbildungssystem entstand zusätzlich ein Rückstau beim Milizunteroffiziersnachwuchs. Auch bei der Ausstattung gibt es noch einiges aufzuholen. Schon 2009 sollten die neuen Milizverbände und Einheiten mit Volltruppe übungsfähig sein. Bis 2012 soll schließlich die neue Miliz stehen.

Seit mittlerweile einem Jahr gibt es die neu geschaffene und sogar im Wehrgesetz ausdrücklich verankerte Funktion des Milizbeauftragten des Herrn Bundesministers für Landesverteidigung. Seit damals ist Generalleutnant Mag. Edmund Entacher in dieser Funktion aktiv tätig. Vieles konnte schon vor und hinter den Kulissen für unsere Wehrpflichtigen des Milizstandes erreicht werden.

Aber es gibt noch viel zu tun: "Wir kämpfen gemeinsam für ein lohnendes Ziel!"

Generalleutnant Mag. Edmund Entacher: "Aktiv für die Miliz"

Seit 1. September 2006 hat unsere Miliz eine "starke Stimme" im Verteidigungsministerium: Generalleutnant Mag. Edmund Entacher ist seit damals der Milizbeauftragte des Herrn Bundesministers für Landesverteidigung.

Entacher kann bei seinem Engagement für die Angelegenheiten und Bedürfnisse unserer Miliz auf seine großen Erfahrungen zurückgreifen. Als Kommandant hat er sich von der Zugs- und Kompanieebene über die Führung der 3. Panzergrenadierbrigade bis zum Kommandanten der Landstreitkräfte hochgearbeitet. Er ist berühmt für seine Truppennähe und sein "Herz für die Soldaten". Gerade als ehemaliger Taktiklehrer an der Militärakademie ist er aber auch ein großer Analytiker und "Anpacker".

In der neuen Struktur der Zentralstelle des BMLV wird für den Milizbeauftragten ein eigenes Organisationselement eingerichtet. Gegenwärtig wird der Milizbeauftragte durch seinen Stellvertreter und Büroleiter sowie von einer Sachbearbeiterin unterstützt.

Erreichbarkeit des Milizbeauftragten:

BMLV/Büro des Milizbeauftragten (BürMilizB) Rossauer Lände 1, 1090 Wien Telefon: 01-5200-20233 (IFMIN: 1210012) Fax: 01-5200-17001 (IFMIN: 1201008) E-Mail: miliz@bmlv.gv.at ___________________________________ ___________________________________ Autor: Oberrat Oberstleutnant dhmfD Mag. Andreas Scherer, Jahrgang 1967. 1986/87 Einjährig-Freiwilligen-Ausbildung bei der Sperrtruppe, anschließend Milizfunktionen als Gruppen-, Zugs- und Kompaniekommandant bei der Sperrkompanie Wurzen bis hin zum S5 im Kommando der 7. Jägerbrigade. 1987 bis 1994 Studium der Publizistik, Geschichte und Politikwissenschaften; seit 1989 in der militärischen Öffentlichkeitsarbeit tätig, u. a. in der G5-Abteilung des Armeekommandos, beim Militärkommando Wien und danach im Büro für Wehrpolitik sowie beim Presse- und Informationsdienst. 2000 bis 2001 UN-Auslandseinsatz in Zypern als S2/S5, 2002 Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Villach. 2003 stellvertretender Projektleiter des ersten Strategischen Führungslehrganges, 2004 Gruppe Kommunikation, 2004 bis 2005 Projektleiter "50 Jahre Bundesheer". 2005 bis 2006 Auslandseinsatz in Bosnien bei EUFOR als MA/ADC, danach Leiter der S5-Abteilung des Kommandos Internationale Einsätze. Derzeit Stellvertreter und Büroleiter des Milizbeauftragten des Bundesministers für Landesverteidigung. Projektleiter und Betreiber des "Bunkermuseums Wurzenpass/Kärnten".

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