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Weltgeschehen: Asiens massive Aufrüstung

Es ist unbestritten, dass einige asiatische Staaten wirtschaftlich äußerst erfolgreich sind. Allen voran steht China, dicht gefolgt von Indien. Aber auch andere Staaten, wie Südkorea, Taiwan, Indonesien oder Singapur sind auf dem Weg zum Wohlstand. Dass Japan der erste asiatische Staat gewesen ist, der dem Westen ökonomisch die Stirn geboten hat und auch heute noch vor den europäischen Staaten liegt, ist ohnehin längst bekannt. Wenn die Prognosen stimmen und China seinen Erfolgsweg wie bisher weitergeht, dann dürfte es die USA in den nächsten 35 Jahren als Wirtschaftssupermacht ablösen. Statistisch gesehen war die chinesische Volkswirtschaft 2004 die sechstgrößte der Welt, hinter den USA, Japan, Frankreich, England und Deutschland, aber noch vor Italien.

Asien stellt heute eine ökonomische Zone höchster Energiekonzentration dar. Wenig berechenbar sind hingegen die negativen Aspekte dieser ökonomischen Aufsteiger: vor allem die (Un)Geduld der Millionen, die nicht vom Wirtschaftswachstum profitieren, und die Schäden an der Umwelt.

Aber diese Länder investieren auch in ihr Militär. Die neuen wirtschaftlichen Erfolge ermöglichen gewaltige Aufrüstungen. Mit Russland, China, Indien, Pakistan, Israel und (wahrscheinlich) Nordkorea befinden sich heute immerhin sechs Nuklearmächte auf dem asiatischen Kontinent, und möglicherweise ist mit dem Iran die siebente bereits im Entstehen.

Zahlreiche Analysten vermuten, dass China mittlerweile das drittgrößte Rüstungsbudget (hinter den USA und Russland) hat. In Japan wird - gleichsam als Antwort auf das Verhalten Chinas - so viel für das Militär ausgegeben wie in Frankreich und Großbritannien zusammen. Auch Indien, Pakistan und die beiden koreanischen Staaten rüsten kräftig auf. Während zwischen 1993 und 2002 die Rüstungsausgaben weltweit nur um rund 3 Prozent gestiegen sind, wird heute allein aus Ostasien eine 23-prozentige Zuwachsrate gemeldet. Schätzungen zufolge werden die Gesamtausgaben Asiens für militärische Güter bereits im Jahr 2010 die Summe der Verteidigungsausgaben aller europäischen Länder übersteigen.

Im Vordergrund steht bei den Beschaffungen die Seerüstung: Flugzeugträger und andere große Überwasserkampfschiffe, U-Boote und seegestützte Lenkwaffen. China (2,3 Millionen Soldaten) erwirbt für seine zwei geplanten Flugzeugträgergruppen modernste U-Boote der "Kilo"-Klasse (mit hochentwickelten SS-N-27 Marschflugkörpern) und hat seit 2002 selbst 14 U-Boote gebaut. Weitere sind in Entwicklung. Neben Fregatten besitzt China auch modernste Lenkwaffenzerstörer und baut zusätzliche.

China macht auch Fortschritte bei der Nutzung des Weltraums, einschließlich der Entwicklung von Antisatellitenwaffen und bemannter Raumflüge. Es hat mit land- und U-Boot-gestützten Raketen sowie mit Flugzeugen, die ebenfalls mit Atomwaffen bestückt werden können, ein sehr beachtliches strategisches Atomwaffenpotenzial entwickelt. Die neuen zielgenauen Mittelstreckenraketen können Länder im gesamten asiatischen Raum erreichen. Bis spätestens 2009 sollen weiterreichende ballistische Raketen inklusive neuer mobiler Interkontinentalraketen und seegestützter ballistischer Raketen in Dienst gestellt werden.

In Indien stehen etwa 1,3 Millionen Menschen unter Waffen. Rund 2 700 Kampfpanzer, 700 Kampfflugzeuge und 100 Kriegsschiffe (davon 16 U-Boote) sind im Dienst. Die Verteidigungsausgaben machen mit 19,1 Mrd. US-Dollar mittlerweile mehr als 3 Prozent von Indiens Bruttoinlandsprodukt aus. Die Rüstungsanstrengungen sind dementsprechend groß: Für die nächste Dekade planen die indischen Seestreitkräfte, eine Stärke von 140 bis 145 Schiffen (derzeit etwa 85 Kampfschiffe) zu erreichen, von denen mehr als die Hälfte hochseetauglich sein wird. Zwei Flugzeugträger werden in Dienst gestellt. Bis 2015 sollen insgesamt 24 Diesel-Elektro-U-Boote (derzeit 16) einsatzfähig sein. Ein umfassendes Programm für die Beschaffung von Lenkflugkörpern ist in Verhandlung.

Indien und Pakistan testen ballistische Langstreckenraketen ("Agni" III mit 3 500 km Reichweite und "Hatf" VI mit 2 500 km Reichweite), die mit nuklearen Gefechtsköpfen ausgestattet werden können, sowie Kurzstreckenraketen (350 bzw. 500 km Reichweite) und Überschall-Marschflugkörper.

Weitere Staaten haben Streitkräfte in beachtlicher Größe: Nordkorea (1,1 Mio.), Südkorea (690 000), Pakistan (619 000), Iran (545 000), Japan (240 000), Taiwan (290 000) usw.

Im Wissen um die kriegerische Vergangenheit beobachten die meisten Staaten ihre Nachbarn sehr genau und handeln entsprechend: Süd- und Nordkorea, China und Taiwan, Pakistan und Indien, China und Indien, Malaysia und Singapur etc. - Konfliktherde gibt es genügend. Asien insgesamt steigert seine Wirtschaftsleistung und verstärkt sein Militär. Dazu kommt, dass sich auch der eurasische Gigant Russland wieder um eine Weltmachtstellung bemüht. Sollte dem Iran eine atomare Aufrüstung gelingen, kann mit Sicherheit gerechnet werden, dass zumindest Saudi-Arabien folgen wird. Diese Aussichten sind sicher nicht rosig.

Autor: Brigadier i. R. Prof. Dr. Horst Mäder

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