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Focus: Die ABC-Abwehr in der Transformation

Hintergrund

Die Technologiegespräche im Rahmen des Forums Alpbach in der zweiten Augusthälfte zeigten, dass Umwelt- und Klimaveränderungen sich nicht auf die Darstellung wissenschaftlicher Theorien beschränken, sondern mittlerweile eine weltweit fühlbare Realität darstellen. Die Auswirkungen dieser Veränderungen der Umwelt auf unsere künftigen Lebensbedingungen sowie die daraus erwachsende politische Lage und deren Auswirkungen auf künftige Sicherheitsszenarien werden das sicherheitspolitische Denken völlig neu gestalten. Die an die Technologiegespräche anschließenden politischen Gespräche nahmen auch darauf Bezug.

Wie bereits im Einleitungsreferat von Außenministerin (Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten) Mag. Ursula Plassnik erkennbar wurde, wird der Einsatz von Hard Power und Soft Power unterschiedlich bewertet. Streitkräfte werden nicht als Allheilmittel in der Bewältigung internationaler Krisen gesehen. Vielmehr wurde im Referat der Außenministerin die Bedeutung zusätzlicher ziviler Ressourcen (Polizei, Juristen, Techniker etc.) für den Aufbau bzw. Erhalt der Zivilgesellschaft hervorgehoben.

Brigadier Mag. Karl Pronhagl, Kommandant der 3. Panzergrenadierbrigade, stellte aus seinen Erfahrungen als Kommandant eines brigadestarken Verbandes in Bosnien und Herzegowina die multifunktionalen Erfordernisse eines Einsatzes dar. Die besondere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Österreichischen Bundesheeres bei Stabilisierungseinsätzen wurde in allen Wortmeldungen besonders lobend hervorgehoben.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sowohl Hard Power wie auch Soft Power in der internationalen Krisenbewältigung unverzichtbar sind und einander sinnvoll ergänzen.

Die Rolle der ABC-Abwehr in der Transformation

Durch die Zuordnung der ABC-Abwehrkompanien zu den vier Brigaden wird dem Hauptauftrag der Kampfunterstützung schon in der Organisation entsprochen. Aus den Erfahrungen der deutschen ABC-Abwehrtruppe ist bekannt, dass bei internationalen Einsätzen die Aufgaben Umweltanalytik, Wasseraufbereitung, Hygiene, Brandschutz und ABC-Beratung im Vordergrund stehen. Dies bestätigte auch der Einsatz der ABC-Abwehrkompanie/Kaderpräsenzeinheit im Rahmen von KFOR 16, wo - neben infanteristischen Aufgaben - auch Fachaufgaben wahrzunehmen waren. Die OCC-(Operational Capabilities Concept-)Evaluierung der ABC-Abwehrkompanie im vergangenen Dezember bestätigte aus der Sicht der NATO deren exzellente Performance in den Fachaufgaben. Insbesondere wurden dabei das ABC-Informationssystem, die Patientendekontamination und das RuB-(Rette- und Berge-)Element, das in der NATO in dieser Form militärisch nicht existiert, hervorgehoben. Der Vorteil der österreichischen ABC-Abwehr besteht zusätzlich zu ihrer militärischen Befähigung vor allem in der historisch gewachsenen Rolle als wichtiges Assistenzelement im nationalen und internationalen Bereich. Auf der Basis der Erfahrungen, die im Rahmen von AFDRU-(Austrian Forces Desaster Relief Unit-) Einsätzen gewonnen werden konnten, wurden Fähigkeiten entwickelt, über die andere Streitkräfte nicht verfügen. Dies bestätigt sich auch immer wieder im Rahmen der Lehrtätigkeit in den Bereichen Crisis Management und Civil Emergencies.

Der nach langer Diskussion mit dem Management ÖBH 2010 ergangene Auftrag für die Bildung der ABC-Abwehrschule Neu und die Struktur der ABC-Abwehr insgesamt entspricht den erkannten Erfordernissen. In der daraus abgeleiteten Vision des ABC-Abwehrchefs über die ABC-Abwehrschule stellt er u. a. fest: "Durch ihre Tätigkeit schafft sie die Voraussetzungen für die Kampfunterstützung durch die ABC-Abwehrtruppe, stellt die ABC-Abwehr-Beratung von Kommandanten und Stäben sicher, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Force Protection und gewährleistet eine effiziente Beratung und Unterstützung bei nationalen und internationalen Assistenzen im Fachbereich." Aktuelle Beispiele dafür sind die Aufgaben, welche die ABC-Abwehr im Rahmen des Papst-Besuches wahrgenommen hat, sowie jene, die bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 noch zu bewältigen sein werden.

Ausblick

Die Rolle von Streitkräften ist sicher nicht allein die eines bewaffneten Katastrophenhilfekorps, aber auch nicht nur der Einsatz hoch motivierter Kämpfer, sondern jene, als flexible Organisation jederzeit in der Lage zu sein, sich den jeweiligen Erfordernissen optimal anzupassen. Themen wie Lageerfassung, Bewältigung von Schnittstellenproblemen, flexible Führung, Verfügbarkeit von Experten, umfassende Ausbildung sowie die Entwicklung von Übergangs- und Exit-Strategien spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die ABC-Abwehr des Österreichischen Bundesheeres ist darauf vorbereitet.

Autor: Brigadier Norbert Fürstenhofer

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