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"Nicht bloß um des Ruhmes Schimmer"

Vor 150 Jahren starb Feldmarschall Radetzky, der wahrscheinlich populärste Feldherr der Donaumonarchie. "Vater Radetzky" - wie er von vielen Untergebenen liebevoll genannt wurde - hatte seinem Land 72 Jahre lang gedient.

"Glückauf, mein Feldherr! Nun führe den Streich! Nicht bloß um des Ruhmes Schimmer. In deinem Lager ist Österreich!" riet Franz Grillparzer dem bereits betagten Feldmarschall, als dieser 1848 daran ging, den Weiterbestand der Donaumonarchie für weitere 70 Jahre militärisch zu sichern.

Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz nimmt schon aufgrund seiner Volkstümlichkeit eine Sonderstellung in der Reihe der österreichischen Feldherrn ein. Radetzky wurde am 2. November 1766 auf einem kleinen Familienbesitz im böhmischen Trebnitz geboren. Mit sechs Jahren bereits Vollwaise, kam er zu seinem Großvater nach Prag, wo er bei den Piaristen zur Schule ging. Es folgten die Ritter- akademie in Brünn und das Theresianum in Wien. Aber der Sinn des Jusstudenten, der inzwischen auch ein vorzüglicher Reiter, Fechter und Schwimmer war, galt dem Soldatenstand. Die zu "schwächliche Konstitution des jungen Grafen" vereitelte aber vorerst diesen Wunsch.

Gegen Türken und Franzosen

Erst 1784 gelang es ihm, in das 2. Kürassierregiment einzutreten. Bereits 1788/89 ritt er - inzwischen zum Offizier avanciert - unter den Generälen Lacy und Laudon gegen die Türken. Dem folgte nach kurzer Friedenszeit die zwanzig Jahre währende Periode der Kriege gegen Frankreich.

1794 - in der Schlacht von Fleury - durchschwamm Radetzky mit sechs Husaren die Sambre, um die feindliche Stellung auszukundschaften. Seine Aufklärungsergebnisse bewahrten die österreichische Armee vor einem schweren Rückschlag. Später, als Adjutant des greisen Feldzeugmeisters Beaulieu, zeigte Radetzky, dass er es auch verstand, Straßen zu bauen und Brücken zu schlagen. Während des Zweiten Koalitionskrieges errang er in Oberitalien das Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens und bei Hohenlinden (1800) setzte er als Kommandant des 3. Kürassierregimentes wiederum Taten besonderer Tapferkeit. Siebzehn Verwundungen - fast durchwegs im Nahkampf - erlitt er im Laufe seiner Dienstzeit, und nicht weniger als neun Pferde wurden ihm unter dem Leib weggeschossen.

Nach dem Frieden von Luneville kam sein Regiment nach Ödenburg (heute Sopron). Radetzkys Ausbildungsmethoden und sein Bestreben, auch den Geist der Truppe zu erneuern, brachten dem schon damals von seinen Soldaten geehrten und geachteten Feldherrn monarchieweit den besten Ruf. 1805 zeichnete sich Radetzky als Generalmajor an der Seite Erzherzog Carls an der Italienischen Front aus, aber die Entscheidung fiel damals - zugunsten Napoleons - im Norden bei Ulm und Austerlitz.

1809 erhielt Radetzky für seine kühne und initiative Führung bei Ebelsberg und Wels das Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens. An der Schlacht von Aspern, wo Erzherzog Carl Napoleon den Nimbus der Unbesiegbarkeit entriss, konnte Radetzky nicht teilnehmen, aber bei Wagram zeigte er an der Spitze einer Kavalleriedivision sein außergewöhnliches militärisches Können.

Nach dem unglücklichen Ausgang des Feldzuges von 1809 wurde Radetzky trotz allen Sträubens zum Generalstabschef ernannt. Er fühlte sich dabei sehr unglücklich, da er mit den Reformplänen, die er gemeinsam mit Erzherzog Carl dem Hofkriegsrat vortrug, nicht durchdrang: die Kassen waren leer und der Personalstand der Armee war unter dem Diktat Napoleons auf 150 000 Mann herabzusetzen.

Und doch verzagte Radetzky nicht. 1813, in jenem Jahr, in dem Napoleons Zwangsherrschaft beendet werden sollte, entwarf der Graf an der Seite seines Oberkommandierenden, des Feldmarschalls Fürst Karl Schwarzenberg, den Plan zur Völkerschlacht bei Leipzig, der größten militärischen Auseinandersetzung des 19. Jahrhunderts. Fast noch schwieriger als die Verfassung des genialen Schlachtplanes schienen Radetzky allerdings dabei die der Schlacht vorangehenden, langwierigen Verhandlungen mit den eigenen Verbündeten, den Preußen, den Russen und den Schweden.

Kaiser Franz I. zeichnete Radetzky noch auf dem Schlachtfeld mit dem Großkreuz des Leopold-Ordens aus und Zar Alexander I. verlieh ihm den St. Georg-Orden.

Das heraufkommende Biedermeier hatte für Radetzkys neuerliche kühne Reformpläne ebenfalls kein Verständnis. So erbat er seine Enthebung vom Posten des Generalstabschefs und wurde für zwei Jahre Divisionär in Ödenburg und danach über zehn Jahre lang der Adlatus des Generalkommandanten Ungarns, Erzherzog Ferdinands, - ein Posten, der ihm jedoch keinerlei Erfüllung brachte.

1829 wurde der mittlerweile 63jährige Radetzky zum General der Kavallerie befördert und zugleich zum Kommandanten der Festung Olmütz ernannt. Für den noch recht schaffensfreudigen Offizier schien diese Ernennung nichts anderes als die Pensionierung zu bedeuten.

"Sie sollen mir meine Armee in Italien kommandieren …"

Doch es kam anders: Am 2. März 1831 stand Radetzky im Arbeitszimmer von Kaiser Franz I., der ihm verkündete: "Sie sollen mir meine Armee in Italien kommandieren, lieber Graf!" In seiner Verwirrung wusste der General nichts anderes zu antworten als: "Eure Majestät, ich bin alt und habe Schulden!" Der mit der sehr verschwenderischen Gräfin Strassoldo Verheiratete war tatsächlich Zeit seines Lebens in Geldnöten; verstärkt wurde dieses Dilemma durch seine große Familie und seine Freigiebigkeit. Kaiser Franz I. jedoch wischte mit einer großzügigen Geste Radetzkys Bedenken vom Tisch: "Sie sind kaum zwei Jahre älter als ich, lieber Radetzky, und Ihre Schulden, die übernehme ich." Nun war der kleine, gedrungene Radetzky, der Scherz und Geselligkeit liebte und dessen strahlend blaue Augen jedem Gesprächspartner gegenüber vertrauenseinflößend wirkten, Generalkommandant des Lombardisch-venetianischen Königreiches. Hier wurde der 1836 zum Feldmarschall Ernannte geradezu zum Idol seiner Soldaten. Seine Reformen und sein Truppenausbildungssystem erlangten bald Weltruf.

Schicksalsjahr 1848

1848 erbebte die Habsburger-Monarchie in ihren Grundfesten. Der 82jährige Feldmarschall musste nach fünftägigen Straßenkämpfen das aufständische Mailand räumen. Doch nach den Siegen von St. Lucia, Sommacampagna und Custoza kehrte er zurück und König Karl Albert sowie sein mit der nationalen italienischen Revolution verbündetes Piemont mussten um Waffenstillstand bitten. Das Großkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens war Radetzkys wohlverdienter Lohn und die Monarchie feierte den Feldherrn.

Im März 1849 kündigte König Karl Albert den Waffenstillstand in der Meinung, die im aufständischen Ungarn massiv gebundenen Kräfte der Monarchie könnten einem neuerlichen Ansturm der Piemontesen unmöglich standhalten. Doch die Schlachten von Mortara und Novara brachten den Italienern derart vernichtende Niederlagen, dass Karl Albert die Krone zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel ablegte. Piemont musste all seine Hoffnungen auf Selbstständigkeit aufgeben und auch Venedig kapitulierte. Der junge Kaiser Franz Josef I. sandte Radetzky durch einen Erzherzog das Goldene Vlies und die Stadt Wien verlieh ihm ihre erste Ehrenbürgerschaft. Zu Ehren Radetzkys wurde eine goldene Medaille geprägt und als am 13. September 1849 der 83jährige Feldmarschall neben Kaiser Franz Josef I. in der Wiener Hofoper erschien, erklang unter dem Jubel des Publikums der vom Komponisten Johann Strauß Vater persönlich dirigierte Radetzkymarsch.

Der Abschied

Als im Jahre 1857 Kaiser Franz Josef I. und seine Gemahlin Elisabeth Oberitalien besuchten, erbat der nun bereits 91jährige Radetzky, der in 72 Jahren fünf Kaisern und seinem Vaterlande treu gedient hatte, seinen Abschied. Wenige Monate später - am 5. Jänner 1858 - schloss er mit den Worten: "Meinen Leuten einen Lohn! Ich danke allen! Lasst mich nun ruhig sterben!" für immer die Augen.

Sein Leichnam wurde von Mailand nach Wien überführt, wo unter dem Kommando des Kaisers ein prunkvoller Leichenzug formiert wurde. Dann ging es hinaus nach Niederösterreich, in die heutige Gemeinde Heldenberg. Dort fand Radetzky wunschgemäß an der Seite seines Waffengefährten Feldmarschall Maximilian Freiherr von Wimpffen und seines Freundes Josef Gottfried Ritter von Pargfrieder, des Besitzers des Schlosses Wetzdorf, der auf dem dortigen Heldenberg ein Mausoleum geschaffen hatte, seine letzte Ruhe.

Radetzkys Denkmal auf dem Wiener Stubenring im ersten Bezirk grüßt mit seinem weisend - oder warnend - erhobenen Arm noch heute die Menschen. Und die Mahnung des Dichters Anastasius Grün anlässlich Radetzkys Tod könnte auch für das heutige Europa gelten:

"Seid einig! Daß sich kein’s in Hochmut überhebe! Der Stärkste ist zu schwach, daß er vereinsamt lebe. Schlicht ordne sich und treu in’s Ganze jeder Teil!"


Autor: Felix Rescheneder (†)

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