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Task Force 18

Der Weg zur vollen Einsatzbereitschaft

Das erste Einsatzbataillon der Kaderpräsenzeinheiten (KPE) des Österreichischen Bundesheeres ist einsatzbereit. Bis etwa 2012 soll auch eine Framework Brigade bereitstehen - rasch verfügbar auch für Einsätze hoher Intensität. Als erster Zwischenschritt ist bis Ende 2007 die Aufstellung eines Einsatzbataillons zu erreichen gewesen. Das Jägerbataillon 18 wurde mit der Umsetzung der so genannten Task Force 18 beauftragt.

Der Auftrag bedeutete einen beträchtlichen Einschnitt in die Friedensstruktur des Verbandes und kam einem militärischen Kraftakt gleich: Personalveränderungen standen an erster Stelle, ging es doch vorerst darum, im Bereich des Bataillonskommandos und der Stabskompanie die entsprechende Struktur für die Task Force 18 zu schaffen.

Zweck der Task Force 18

Die österreichische Bundesregierung meldete einen militärischen Fähigkeitskatalog nach Brüssel. In diesem Katalog wurden die einzelnen Fähigkeiten von militärischen Kräften beschrieben, welche diese in die Lage versetzen sollen, interoperabel zu agieren. Gemäß einer Entscheidung des Generalstabschefs hatten sich die Kaderpräsenzelemente des Österreichischen Bundesheeres, so auch die Task Force 18, einer Evaluierung zu unterziehen. Nach Abschluss der Evaluierung im April 2008 hat die Task Force 18 die Aufgabe, sich für nationale und internationale Einsätze in verschiedenen Bereitschaftsstufen zur Verfügung zu halten, um so der österreichischen Bundesregierung eine gewisse Handlungsfreiheit zu ermöglichen.

Organisation der Task Force 18

Die in Klammer gesetzten Friedensverbände sind jeweils bis zur Ebene Einheit aufstellungs-, formierungs- und ausbildungsverantwortlich .

Die Task Force 18 ist also kein Verband, der ständig an einem Ort verfügbar ist, sondern wird jeweils zu gemeinsamen Ausbildungsvorhaben, Einsatzvorbereitungen und Einsätzen zusammengeführt.

Zusammenarbeit

Die Koordination wird durch das Streitkräfteführungskommando geregelt und funktioniert reibungslos. Von Seiten des Kommandos der Task Force 18 werden jeweils zu Jahresende Zeiträume definiert, in denen gemeinsame Ausbildungsvorhaben stattfinden sollen. Diese werden im Ausbildungskalender verfügt und beschränken sich auf mehrere Wochen pro Jahr.

Die Ausbildungsverantwortung liegt bis zur Ebene Einheit bei den aufzustellenden Friedensverbänden. Dem Kommandanten der Task Force 18 bleibt es unbenommen, an diversen Ausbildungs- und Übungsvorhaben der Einheiten und Teileinheiten in ihren Heimatgarnisonen als Beobachter teilzunehmen. Zweck dieser Beobachtungstätigkeit ist es, einen einheitlichen Entwicklungsprozess beim Herstellen der Einsatzbereitschaft sicherzustellen.

Jägerbataillon 18 versus Task Force 18

Das Verständnis der Führungsverantwortung führt immer wieder zu Irritationen: Dem Bataillonskommandanten und dem Bataillonskommando des Jägerbataillons 18 obliegt die Führung des Friedensverbandes. In Zeiten der gemeinsamen Ausbildung der Task Force 18 führt der Bataillonskommandant gleichzeitig auch diesen Verband.

Sollte es zu einem längeren Einsatz der Task Force 18 kommen (z. B. im Rahmen von AUCON/KFOR), werden die Rahmenelemente des Jägerbataillons (drei Jägerkompanien und Teile der Stabskompanie) an einen anderen Verband übergeben.

Ausbildungsablauf

Die Ausbildung der Kaderpräsenzeinheiten läuft durchgehend, sie schließt nach dem Grundwehrdienst an die absolvierte Basisausbildung (BA) 1 bis 3 an. Ausbildungsabschnitte, die es bis zur vollen Einsatzbereitschaft des Bataillons zu absolvieren gilt, sind

  • die erweiterte Basisausbildung,
  • die gefechtstechnische Truppenausbildung Teileinheit,
  • die gefechtstechnische Truppenausbildung Einheit,
  • die Ausbildung des Stabes und
  • die taktische Truppenausbildung Verband.

Die Erweiterte Basisausbildung

Die Erweiterte Basisausbildung (EBA) ist der unmittelbare Anschluss an die in der Grundwehrdienstzeit durchgeführte Basisausbildung. Der bis Ende 2007 durchgeführte Assistenzeinsatz an der Grenze bzw. im grenznahen Raum zu Ungarn und zur Slowakei hatte eine verkürzte Basisausbildungszeit zur Folge. Die fehlende Basisausbildung 3 ("allgemeine Gruppenausbildung") wurde daher vor Beginn der EBA nachgeholt.

Ziele der EBA 1 bis 3 sind unter anderem die Vermittlung von

  • allgemeinen,
  • waffengattungsspezifischen und
  • organisationselementbezogenen
  • auslandsorientierten Inhalten, welche nicht Inhalt der BA 1 bis 3 waren.

Am Ende der EBA müssen die Organisationselemente (in der Regel die Gruppen) alle Einsatzarten und Einsatztechniken mit ihrer Gruppe - auch für mögliche Auslandseinsätze - beherrschen.

Sie besitzen damit die Voraussetzungen für den nächsten Ausbildungsabschnitt "Gefechtstechnische Truppenausbildung Teileinheit".

Innerhalb der Task Force 18 wurde die Vereinheitlichung des Ausbildungsniveaus BA 1 bis 2 bei den jeweiligen Truppenkörpern, also den Jägerbataillonen 17, 18, 19, 23, 24, 25 und 26, durchgeführt und zwar durch

  • die stete Wiederholungsausbildung,
  • das Nachholen des Ausbildungsabschnittes Basisausbildung BA 3 sowie
  • die EBA 1 bis 3 inklusive abschließender Zielüberprüfung.

Gefechtstechnische Truppenausbildung Teileinheit

Die gefechtstechnische Truppenausbildung Teileinheit (Zugsausbildung) soll alle Inhalte vermitteln, die in der Regel einen Zug befähigen, nationale und internationale Einsatzaufgaben erfüllen zu können.

Höhepunkt in diesem Ausbildungsabschnitt war die Verlegung der KPE des Jägerbataillons 24 in die Schweiz zum Ausbildungszentrum des Heeres in Walenstadt. Während einer zweiwöchigen intensiven Ortskampfausbildung wurden die Soldaten im Zugsrahmen an ihre Belastungsgrenzen geführt, und es konnten wertvolle Ausbildungsfortschritte erzielt werden. Innerhalb der Task Force 18 wurde dieser Ausbildungsabschnitt inklusive der abschließenden Zielüberprüfung in Verantwortung der jeweiligen Truppenkörper (Jägerbataillone 17, 18, 19, 23, 24, 25 und 26) durchgeführt.

Gefechtstechnische Truppenausbildung Einheit

Die gefechtstechnische Truppenausbildung Einheit (Kompanieausbildung) vermittelt alle Inhalte, die in der Regel eine Kompanie befähigen, nationale und internationale Einsatzaufgaben zu erfüllen. Innerhalb der Task Force 18 wurde dieser Ausbildungsabschnitt in Verantwortung der jeweiligen Truppenkörper (Jägerbataillone 17, 18, 24 und 25) durchgeführt.

Ein Höhepunkt der Ausbildung war die dreiwöchige Verlegung der KPE des Jägerbataillons 17 (mit Teilen des Jägerbataillons 19) und des Jägerbataillons 25 (mit Teilen des Jägerbataillons 18) im Herbst 2006 zur multinationalen Übung "QUICK RESPONSE 06" nach Belgien.

Nach einwöchigem Force Integration Training mit den belgischen und französischen Battle Groups landete die Task Force - ausgehend von einem Peace Support Operations-(PSO-)Szenario mittlerer bis hoher Intensität - als Initial Entry Force an der Nordküste Belgiens mit Landungsbooten an. Bis zur deutschen Grenze im Osten Belgiens wurde anschließend friedensschaffend motorisiert vorgegangen.

Beide österreichischen Kompanien haben sich bestens bewährt und konnten wertvolle Erfahrungen und vor allem Motivation sammeln und erfahren.

Den Abschluss der gefechtstechnischen Truppenausbildung Einheit stellte die Zielüberprüfung "PANDORA" dar, welche im Herbst 2007 für alle Kaderpräsenzeinheiten der Task Force 18 beim Jägerbataillon 18 und im umliegenden Oberland durchgeführt wurde. Das Ziel der Überprüfung war die Feststellung der Einsatzbereitschaft der jeweiligen Kompanien in einem möglichst realitätsnahen, auslandsähnlichen Einsatzumfeld mit einer Krise mittlerer bis hoher Intensität.

Ausgehend von einem PSO-Szenario mittlerer Intensität, mussten die Kompanien aus ihren Heimatgarnisonen, auf Befehl antretend im gesicherten motorisierten Marsch - teilweise im Eisenbahntransport -, das "Fieldcamp Ortnerhof" gewinnen und sichern. Vom "Fieldcamp" aus waren täglich Aufträge zu bewältigen wie

  • der Schutz von Transporten,
  • die Durchführung von Durchsuchungen,
  • ein Ordnungseinsatz,
  • der Schutz von Räumen und Objekten sowie
  • angriffsweises Trennen von Konfliktparteien.

Den einzelnen Kaderpräsenzeinheiten konnte zum Abschluss der Kompaniezielüberprüfung ein durchwegs positives Zeugnis ausgestellt werden.

Stabsausbildung

Doch nicht nur die Kampfelemente müssen ausgebildet werden: In den Führungsgrundgebieten, in den Gefechtstandszentralen und im integrierten Stab (Stabsausbildung) gilt es ebenfalls, up to date for missions zu bleiben.

Parallel zur durchgeführten Zugs- und Kompanieausbildung wurde deshalb der Stab der Task Force 18 einer Ausbildung in den jeweiligen Führungsgrundgebieten (FGG), in den Gefechtsstandzentralen und abschließend in der geschlossenen Stabsausbildung zugeführt. Die in der Regel einmal in der Woche stattfindende Ausbildung des Stabes wurde meist durch einen erfahrenen Stabstrainer geleitet. Konkret fanden statt:

  • ein Scharfschießen;
  • die Vermittlung der englischen Sprache;
  • die Beschäftigung mit neuen Einsatzszenarien.

Weitere Aufgaben waren

  • der Ordnungsdienst,
  • der Schutz vor improvisierten Sprengvorrichtungen,
  • die Beschäftigung mit rechtlichen Bestimmungen,
  • das Errichten, Betreiben und Wechseln des Gefechtsstandes,
  • das Herstellen der Marschbereitschaft,
  • die Verlegung im motorisierten Marsch und
  • die Durchführung von Führungsverfahren in geschlossener Stabsarbeit.

Dies alles erfolgte auch unter Verwendung des Führungssimulators des Österreichischen Bundsheeres in Neulengbach in Niederösterreich.

Zum Abschluss der Stabsausbildung und im Wissen der erzielten Ausbildungserfahrungen wurde im Stab die Geschäftsordnung des Bataillons modifiziert.

TaktischeTruppenausbildung Verband

Die taktische Truppenausbildung Verband (Bataillonsausbildung) soll alle Inhalte vermitteln, die in der Regel ein Bataillon befähigen, nationale und internationale Einsatzaufgaben zu erfüllen.

Im November 2007 wurde daher beim Jägerbataillon 18 eine Verbandsausbildung für das Bataillon in der Dauer von zwei Wochen durchgeführt. Aufbauend auf das PSO-Szenario von der Kompaniezielüberprüfung "PANDORA", wurde im Bataillonsrahmen das Zusammenwirken der einzelnen Kompanien geübt und zwar

  • beim Marsch,
  • beim Beziehen eines Verfügungsraumes,
  • bei der Durchführung von Durchsuchungen,
  • beim Schutz von Räumen und Objekten sowie
  • beim Ordnungsdienst.

Diese Verbandsausbildung war gleichzeitig die Vorbereitung auf den Ausbildungshöhepunkt der Task Force 18 im Jahr 2007, die Übung "INVITEX PACEMAKER 07" (IPM07).

Das Hauptziel der durch einen slowenischen Jägerzug verstärkten Task Force 18 bei der IPM07 war die positive Absolvierung der Selbstevaluierung Level 1 gemäß Operational Capabilities Concept Evaluation and Feedback (siehe auch den anschließenden Beitrag in diesem Heft).

Die IPM07 war dem Szenario der im Jahre 2006 durchgeführten Übung "QUICK RESPONSE 06" in Belgien verblüffend ähnlich. Auch diesmal gewann die Task Force 18, ausgehend von einem PSO-Szenario mittlerer Intensität, im gesicherten, motorisierten Marsch und im Eisenbahntransport über ein unsicheres Drittland eine demilitarisierte Zone zwischen zwei rivalisierenden Staaten. Darüber hinausgehende, zu erfüllende Aufträge waren

  • der Objektschutz und der Schutz von Transporten für lokale Behörden sowie
  • die Überwachung des Raumes bis hin zum Trennen von Konfliktparteien mittels Ordnungseinsatz und Angriff.

Mit dem Abschluss der taktischen Truppenausbildung Verband und der positiv bestandenen Selbstevaluierung gemäß Operational Capabilities Concept Evaluation and Feedback bei der IPM07 erreichte die Task Force 18 mit Ende des Jahres 2007 die volle ausbildungsmäßige Einsatzbereitschaft.

Als Vorbereitung auf die heranstehende NATO-Evaluierung im Rahmen der Verbandsübung "PACEMAKER 08" im April 2008 wurden , resultierend aus den Evaluierungsergebnissen der "INVITEX PACEMAKER 07" sowie aus eigenen Erkenntnissen, in allen Ausbildungsabschnitten (von der Basisausbildung bis zur Verbandsausbildung) Wiederholungsausbildungen durchgeführt.


Dankeschön!

Das Bataillonsäquivalent Task Force 18 in Form von kaderpräsenten Kräften war und ist ein Pilotprojekt. Nur durch das engagierte Mitwirken aller Dienststellen (Streitkräfteführungskommando, Brigade, Heerespersonalamt etc.) und aller Soldaten konnten die hochgesteckten Ziele erreicht werden. Besonderer Dank gilt allen Soldaten der Task Force 18, die durch ihre Bereitschaft, an diesem Verband mitzuwirken, wesentlich zum Erfolg beigetragen haben.


Autor: Oberstleutnant Manfred Hofer, Jahrgang 1962. Ausgemustert 1985 als Infanterieoffizier, Verwendung als Kompaniekommandant. 1997 bis 2001 Jahrgangskommandant an der Theresianischen Militärakademie, Bis 2003 Hauptlehroffizier für Infanterie. Anschließend S3 des Militärkommandos Steiermark und Kommandant des Jägerbataillons 37; derzeit Kommandant des Jägerbataillons 18 und der Task Force 18.

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