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Das Gefecht am Debacka-Pass

In den aktuellen Konflikten des beginnenden 21. Jahrhunderts dominieren leicht ausgerüstete, hochmobile und schlagkräftige Soldaten das Gefechtsfeld. Derartige Soldaten der amerikanischen Special Forces zeigten beim Einmarsch der US-geführten Koalitionskräfte in den Irak im Frühjahr 2003, dass sie es auch mit einem überlegenen Gegner aufnehmen konnten. Es gelang ihnen - trotz der nur leichten Ausstattung und Ausrüstung - sich in einem Begegnungsgefecht mit mechanisierten irakischen Kräften erfolgreich zu behaupten.

Am 20. März 2003 begann der Einmarsch der US-geführten Koalitionskräfte in den Irak. Ursprünglich war geplant, neben dem Hauptstoß des V. US-Korps aus dem Südosten des Irak in Richtung Bagdad, auch aus dem Norden in Richtung Zentralirak und Bagdad vorzustoßen. Diesen Plan machte jedoch die türkische Regierung zunichte, als sie sich weigerte, die für den Einsatz aus dem Nordirak vorgesehene amerikanische 4th Infantry Division an der Grenze zum Irak aufmarschieren zu lassen. Somit musste das US Central Command (US CENTCOM) kurzfristig seine Angriffspläne ändern.

Im Westen und Norden des Irak sollte der geplante Einmarsch vor allem durch US-geführte Spezialeinsatzkräfte erfolgen. Hiezu kamen die Joint Special Operations Task Force West (JSOTF West) im Westirak und die Joint Special Operations Task Force North (JSOTF North) im Nordirak zum Einsatz. Letztere hatte den Auftrag, Verbindung mit den kampfbereiten Kurden im Nordirak herzustellen, diese in den Angriff gegen die irakischen Verbände zu führen und den Raum für einen Einsatz der amerikanischen 173rd Airborne Brigade vorzubereiten. Diese sollte im Nordirak eine Luftlandung durchführen und so die Lücke schließen, die durch das (türkeibedingte) Fehlen der 4th Infantry Division im Angriffsplan des US Central Command entstanden war.

Mobiler Einsatz der Special Forces

Die einzelnen Verbände der Joint Special Operations Task Force North bestanden im Wesentlichen aus Special Forces, die bereits vorgestaffelt bzw. unmittelbar vor Angriffsbeginn im Nordirak abgesetzt wurden. Dazu wurden vor allem die Special Forces Bataillone der 3rd und 10th Special Forces Group herangezogen. Diese Bataillone gliederten sich in mehrere Kompanien (A-Company, B-Company usw.), die wiederum aus so genannten Operational Detachments Alpha (ODA bzw. A-Teams) sowie den Führungs- und Versorgungsteilen (Operational Detachments Bravo - ODB) bestanden.

Die Operational Detachments Alpha der 3rd Special Forces Group verfügten dabei erstmals über Ground Mobility Vehicles (GMV). Bei diesen handelte es sich um speziell für den Bedarf der Special Forces umgerüstete High Mobility Multipurpose Wheeled Vehicles (HMMWV; siehe Foto oben). Vom Einsatz der Ground Mobility Vehicles in so genannten Mobility Troops erwartete man sich ein Höchstmaß an Mobilität sowie an verfügbarer Feuerkraft.

Jedes Operational Detachment Alpha bestand aus zwölf Special Forces-Soldaten auf vier dieser Ground Mobility Vehicles. Jedes Fahrzeug - und dessen dreiköpfige Besatzung - verfügte über eine gemischte Bewaffnung bestehend aus

  • einem 12,7-mm-üsMG und zwei 7,62-mm-MGs oder
  • einem 40-mm-Maschinengranatwerfer und zwei 7,62-mm-MGs.
und zusätzlich zwei bis drei tragbaren Panzerabwehrlenkwaffen "Javelin" sowie drei bis vier Panzerabwehrrohren AT-4.

Die Operational Detachments Bravo der einzelnen Kompanien verfügten u. a. über geländegängige Lastkraftwagen der Typen Light Medium Tactical Vehicle (LMTV; siehe Foto links) bzw. Heavy Expanded Mobility Tactical Truck (HEMTT), beladen mit Versorgungsgütern wie Munition und Kraftstoff.

Panzerabwehrlenkwaffe FGM-148 "Javelin"

Entwickelt ab 1984, Hersteller Raytheon und Lockhed Martin. "Javelin" (engl. Wurfspeer) besteht aus dem Flugkörper sowie der wieder verwendbaren Abschuss- und Lenkeinheit. Der Flugkörper wird vor dem Zünden des Raketenmotors aus dem Abschussbehälter katapultiert, ein Einsatz aus geschlossenen Räumen ist daher möglich. "Javelin" ist eine Fire and Forget-Waffe, d. h. der Schütze zielt und schaltet das Ziel auf den Sucher, nach dem Abschuss kann er sofort in Deckung gehen. Eingeführt in Australien, Großbritannien, Irland, Jordanien, Litauen, Neuseeland, Norwegen, Oman, Taiwan und den USA.

Länge: 1,08 m Durchmesser: 127 mm Masse: Flugkörper 11,8 kg, Gesamtsystem 22,3 kg Reichweite: 65 bis 2 500 m Antrieb: zweistufig, fester Treibstoff Lenkung: selbststeuernder (Lock-on before Launch fähiger) Flugkörper und Wärmebildgerät Gefechtskopf: High Explosive Anti Tank (HEAT), Masse 8,4 kg, Aufschlagzünder Durchschlagsleistung: über 600 mm

Operation "NORTHERN SAFARI"

Den Kurden im Nordirak war es bis 2003 de facto gelungen, ihre Gebiete vom restlichen Irak abzutrennen. Die irakischen Truppen in der Stärke von mehreren Infanterie-Divisionen waren entlang der so genannten Green Line, der Grenze zwischen den Kurdengebieten und dem restlichen Irak, stationiert. Die C-Company/3rd Batallion/3rd Special Forces Group erhielt den Auftrag, zwei ihrer Operational Detachments Alpha (ODA-391 und ODA-392) in den Nordirak zu verlegen, um dort die Operation "NORTHERN SAFARI" durchzuführen. Ziel dieser Operation war es, die strategisch wichtige Straßenkreuzung ("Objective Rock"; siehe unten) am Debacka-Pass südwestlich der kurdischen Stadt Irbil zu gewinnen und zu halten. Der Besitz dieser Straßenkreuzung sollte es der 173rd Airborne Brigade ermöglichen, rasch weiter in Richtung der Stadt Kirkuk vorzustoßen, um dort Erdölfelder und Förderanlagen zu sichern.

Vorgestaffelt waren bereits mehrere Operational Detachments Alpha der 10th Special Forces im Nordirak angelandet worden. Diese hatten Kontakt mit den kurdischen Kämpfern (Peschmergas) aufgenommen, sich gemeinsam mit den Kurden der Green Line angenähert und eine erste Aufklärung der irakischen Stellungen durchgeführt.

Teile der 3rd Special Forces verlegten Ende März 2003 mittels Transportmaschinen MC-130 "Combat Talon" von Rumänien nach Sulaymaniya im Nordirak. Dort erhielt am 4. April 2003 die von Major Curtis W. Hubbard geführte C-Company den Befehl zur Durchführung der Operation "NORTHERN SAFARI". Hiezu fuhren das ODA-391 unter Captain Eric Wright und das ODA-392 unter Captain Matthew Sanders im gesicherten motorisierten Marsch über Irbil in Richtung "Objective Rock".

Sie erreichten am 5. April die vordersten Teile der kurdischen Peschmergas und der dort eingesetzten ODA-044 der 10th Special Forces Group. Das ODA-044 verfügte - anders als die Mobility Troops der 3rd Special Forces Group - nur über angemietete zivile "Land Rover" Pick-ups. Auch hatte man die Operational Detachments Alpha der 10th Special Forces Group auf die unterschiedlichen Peschmerga-Formationen aufgeteilt. Eine Hälfte des ODA-044, bestehend aus sechs Special Forces auf zwei "Land Rover", lag in einigen Kilometern Entfernung von "Objective Rock" gemeinsam mit den kurdischen Peschmergas in Stellung.

"Objective Rock"

"Objective Rock" war im Wesentlichen der Kamm eines knapp 400 Meter hohen, von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Höhenrückens. Über diesen führte aus Nordosten kommend die Straße von Irbil in Richtung Südwesten nach der Stadt Makhmur. Der Höhenrücken war Teil der Green Line - und von Infanteriekräften der 4. irakischen Infanterie-Division besetzt. Diesen gegenüber lagen kurdische Peschmergas.

Die Straße am Debacka-Pass teilt sich auf dem Höhenrücken und führt in die am südwestlichen Abhang gelegene Ortschaft Debacka sowie zu einer Kreuzung nordwestlich der Ortschaft. Dort kreuzen einander die Straße von Irbil nach Makhmur und die Straße von Mosul nach Kirkuk. Der Besitz dieser strategisch wichtigen Straßenkreuzung ist die Voraussetzung zur Kontrolle des gesamten Verkehrs in diesem Raum.

Nach der Verbindungsaufnahme des ODA-391 und des ODA-392 der 3rd Special Forces Group mit dem ODA-044 wurde am Abend des 5. April ein Aufklärungselement, bestehend aus zwei Ground Mobility Vehicles des ODA-391, an die irakischen Linien herangeschoben. Das Aufklärungselement sowie die kurdischen Peschmergas bestätigten das Vorhandensein irakischer Kräfte: Irakische Infanterie unbekannter Stärke hatte mehrere Schützengräben besetzt und verfügte auch über einige 10,6-cm-rückstoßfreie Panzerabwehrkanonen. Auf der Straße sowie beiderseits davon hatten die Iraker als Sperre einen mehrere Meter hohen Erdwall errichtet.

Jedes der drei Operational Detachments Alpha hatte einen Air Force Combat Controller bei sich. ODA-391 und ODA-392 verfügten weiters über je einen Military Intelligence Operator. Gemeinsam hatten die drei Operational Detachments Alpha eine Stärke von 31 Mann. Dazu kamen mehrere Dutzend kurdische Peschmergas. Man beschloss, Luftunterstützung anzufordern, die irakischen Stellungen zu bombardieren und diese danach gemeinsam mit den kurdischen Peschmergas am Boden anzugreifen. Die Führer der Peschmergas sagten dafür den Einsatz von ca. 200 Kämpfern zu. Am 6. April, um exakt 0001 Uhr, begannen zwei angeforderte Bomber B-52 "Stratofortress" mit dem Flächenbombardement des Höhenrückens.

Der Angriffsbeginn

Gegen 0200 Uhr erschienen etwa 80 der versprochenen 200 Peschmerga-Kämpfer. Nach einer kurzen Einweisung stießen ODA-391 und ODA-392 mit ihren acht Ground Mobility Vehicles gemeinsam mit den Peschmergas in Richtung der irakischen Linien vor. Die Spitze bildeten die Peschmergas, ausgestattet mit einigen leichten Lastkraftwagen und einem Jeep mit einer rückstossfreien Panzerabwehrkanone. Unmittelbar vor dem Erdwall stießen sie auf einen irakischen Panzerminenriegel. Die Peschmergas saßen ab, räumten die Minen händisch zur Seite und gingen zu Fuß weiter auf die irakischen Stellungen zu.

Für die Ground Mobility Vehicles der Special Forces stellte der Erdwall jedoch ein unüberwindbares Hindernis dar. Deshalb versuchten ODA-391 in Angriffsrichtung links und ODA-392 rechts den Erdwall zu umfassen. Doch das Angelände des Walls war weitläufig mit Schützenminen gesichert. Während ODA-391 mit seinen vier Fahrzeugen deshalb weiträumiger umfasste, gelang es ODA-392, unmittelbar hinter dem Erdwall wieder auf die Straße zurückzustoßen.

Inzwischen hatten die Peschmergas den Angriff auf die irakischen Stellungen begonnen. Nach einem kurzen Feuergefecht, unterstützt von den Bordwaffen der Ground Mobility Vehicles, ergaben sich um 0415 Uhr ca. 20 irakische Soldaten und ein Offizier. Bei der Befragung gab der gefangene irakische Offizier, ein Major, an, dass die Masse seiner Kräfte während des Bombardements in das Hinterland geflüchtet war.

ODA-391 und ODA-392 stießen daraufhin entlang der Straße weiter vor und gewannen den Kamm des Höhenrückens. Dort stellten sie fest, dass die strategisch wichtige Straßenkreuzung vom Kamm aus nicht einsehbar war. Unmittelbar hinter dem Höhenrücken lag eine weitere Geländekante, die den Blick auf die Kreuzung versperrte. ODA-392 stieß weiter vor, während ODA-391 umkehrte. ODA-392 sollte mit seinen Ground Mobility Vehicles so weit vorfahren, bis es die wichtige Kreuzung einsehen konnte, während ODA-391 inzwischen eine Bresche in den Erdwall an der Straße sprengen sollte, um so den eigenen Kräften - falls erforderlich - ein rasches Absetzen zu ermöglichen.

Um 0445 Uhr hatte ODA-391 die Bresche in den Erdwall gesprengt und ODA-392 eine Position gewonnen, die unter normalen Bedingungen den Blick auf die Kreuzung ermöglicht hätte. Über der Kreuzung lag jedoch dichter Morgennebel, sie war deshalb nur schemenhaft auszumachen. Trotzdem erkannten die amerikanischen Soldaten ein auftauchendes irakisches Armeefahrzeug und bekämpften es mit mehreren Feuerstößen aus einem üsMG, allerdings erfolglos. Das Fahrzeug, ein kleiner Armeelastwagen, konnte wenden und verschwand wieder im Nebel.

Man entschloss sich daraufhin, je eine Hälfte des ODA-391 und des ODA-392 auf dem kleinen Höhenrücken nordostwärts der Kreuzung zu positionieren. Um ca. 0500 Uhr waren die Stellungen in einer Entfernung von etwa 900 Metern zur Kreuzung bezogen. Links und rechts der Straße fuhren je zwei Ground Mobility Vehicles des ODA-391 und des ODA-392 in Kette auf und sicherten in Richtung der im Nebel liegenden Straßenkreuzung. Die restlichen vier Fahrzeuge der beiden Operational Detachments Alpha standen in der Tiefe seitlich versetzt direkt auf der Straße.

Die kurdischen Peschmergas und das ODA-044 verblieben hingegen vorerst am Vorderhang des Höhenrückens von "Objective Rock". Dort hatte man inzwischen zwei verlassene irakische Kampfpanzer T-55 entdeckt.

Der Vorstoß der Iraker

Als sich der Nebel etwas lichtete, erkannten die Special Forces an der Kreuzung irakische Infanterie, die in Schützenkette in ihre Richtung vorging. Die Special Forces eröffneten auf eine Entfernung von 900 Metern das Feuer und die Iraker warfen sich sofort zu Boden. Ein irakischer Jeep wurde trotz des Nebels erkannt und mit üsMG-Feuer erfolgreich bekämpft. Während die Kreuzung immer noch von Nebelfetzen eingehüllt war, wurde auf der Straße westlich der Kreuzung ein weiterer irakischer Armeelastwagen erkannt. Die Special Forces entschieden sich erstmals für den Einsatz einer Panzerabwehrlenkwaffe "Javelin" und feuerten diese auf eine Entfernung von fast 3 000 Metern ab. (Die Einsatzschussweite der "Javelin" wird mit 2 500 m angegeben; Anm.) Überraschenderweise traf die "Javelin" trotz der großen Entfernung und stoppte den LKW.

Beide Operational Detachments Alpha stießen nun mit ihren Ground Mobility Vehicles - in Kette und feuernd - weiter Richtung Kreuzung vor. Sie entdeckten dabei weitere Fahrzeuge: zwei weiße Pick-ups näherten sich mit blinkenden Scheinwerfern von Westen her der Kreuzung. Währenddessen erhielten die restlichen Ground Mobility Vehicles an der Straße sporadisches Granatwerferfeuer. Captain Sanders stieß nun mit der zurückgebliebenen Hälfte seines ODA-392 auf zwei Fahrzeugen, überschlagend in Richtung der Ortschaft Debacka vor, wo er die irakischen Granatwerferstellungen vermutete.

Als die vorstoßenden Teile von ODA-391 und ODA-392 in ihren Fahrzeugen um 0540 Uhr die Kreuzung erreichten, stockte ihnen der Atem: Hinter den beiden weißen Pick-ups, in einer Entfernung von ca. 1 100 Metern, erblickten sie irakische Schützenpanzer MTLB, Kampfpanzer T-55 und mehrere Armeelastkraftwagen.

Doch auch die Iraker schienen die Amerikaner an der Kreuzung entdeckt zu haben, denn ihre Kampf- und Schützenpanzer fuhren sofort in Kette auf. Die Amerikaner zählten insgesamt acht Schützenpanzer MTLB und dazwischen fünf Kampfpanzer T-55, welche sich auf die Kreuzung zu bewegten - in Kette entwickelt und mit ca. 40 km/h. Ihnen folgten in einigem Abstand mehrere Armeelastkraftwagen.

Die T-55 setzten sich an die Spitze und die Kette der Schützenpanzer MTLB fiel langsam zurück. Das Feuer der T-55 Panzerkanonen und die Einschläge der Geschosse nahe der Kreuzung zeigten den Amerikanern, dass sie erkannt waren. Den Special Forces war klar, dass sie die Kreuzung mit ihren vier Ground Mobility Vehicles nicht halten konnten. Sie stießen zurück und bezogen erneut ihre vorige Stellung 900 Meter nordostwärts der Kreuzung. Captain Wright befahl seinem ODA-391 und den Teilen des ODA-392, diese Stellung zu halten und informierte Captain Sanders sowie den Rest des ODA-392 mittels Funk über den irakischen Vorstoß. Auch Captain Sanders erkannte sofort die drohende Gefahr und begann ebenfalls den Rückmarsch zu seiner vorherigen Stellung.

Die Abwehr des irakischen Angriffs

Aufgrund des ersten "Javelin"-Treffers waren die Special Forces davon überzeugt, es mit dem angreifenden mechanisierten irakischen Kampfverband aufnehmen zu können. Nachdem die Special Forces ihre Stellung erneut bezogen hatten, feuerten sie mehrere "Javelin" gegen die Iraker. Bereits die ersten "Javelin" lagen im Ziel. Innerhalb weniger Minuten blieben drei Schützenpanzer MTLB und zwei irakische Armeelastkraftwagen brennend liegend. Die irakische Infanterie saß von ihren Fahrzeugen ab und entwickelte in Schützenkette. Als "weiches Ziel" wurden die abgesessenen Kräfte sofort mit verheerendem Feuer der 12,7-mm-üsMGs der Ground Mobility Vehicles bekämpft. Die Iraker versuchten, hinter einem Erdwall Deckung zu finden, wurden dort jedoch sogleich von den 40-mm-Maschinengranatwerfern unter Feuer genommen. Die fünf irakischen T-55 stießen hingegen weiter vor, unbeeindruckt von den "Javelin"-Treffern auf die Schützenpanzer.

Die zwei Air Force Combat Controller der Special Forces hatten bereits beim Erkennen der Kampfpanzer Close Air Support (Luftnahunterstützung) angefordert. Um 0552 Uhr meldeten sich zwei Kampfflugzeuge F-14 "Tomcat"; sie wurden eingewiesen und begannen ihren Angriff.

Dabei ereignete sich jedoch ein folgenschwerer Irrtum. Die F-14 hielten die beiden aufgegebenen T-55 auf dem Höhenrücken des "Objective Rock" für ihr Ziel und warfen Bomben vom Typ "Paveway" II auf diese ab. Bei diesen beiden T-55 befanden sich jedoch das ODA-044 und die kurdischen Peschmergas! Zusätzlich war dort auch ein Kamerateam der BBC eingetroffen, das von den ersten Gefechten mit den Irakern Wind bekommen hatte.

Die Folgen der Bombeneinschläge waren verheerend. Die Bomben waren mitten unter den Peschmergas und dem Kamerateam der BBC detoniert. "Objective Rock" am nächsten stand Captain Wright mit der Hälfte seines ODA-391. Während zwei seiner Ground Mobility Vehicles bereits im Abwehrkampf mit den T-55 standen, drehte er selbst mit den beiden restlichen Fahrzeugen ab und fuhr zum Unglücksort. Dort bot sich ihm ein Bild des Entsetzens: Brennende Fahrzeuge, explodierende Munition und verstümmelte Menschen, die um Hilfe riefen. Mehrere Dutzend Peschmergas waren tot oder verletzt. Auch das Kamerateam der BBC hatte einen Toten zu beklagen und drei Angehörige des ODA-044 hatten Splitterverletzungen. Captain Wright und sein Combat Medic begannen sofort mit der Erstversorgung der Verletzten und dem Bergen der Getöteten. Unter den verwundeten Peschmergas befand sich auch Wajih Barzani, der Bruder des Führers der Parti Dimokrati Kurdistan (KDP), Masoud Barzani. Das machte die Situation nicht leichter. Nur das beherzte Eingreifen der Special Forces und deren medizinische Erstversorgung konnte die Peschmergas davon abhalten, das Gefechtsfeld zu verlassen oder gar gegen die Amerikaner vorzugehen.

Der irakische Rückzug

Beide Hälften des ODA-391 und des ODA-392 versuchten inzwischen weiterhin, die irakischen Kampfpanzer zum Stehen zu bringen. Es gelang ihnen, einen T-55 durch den Direkttreffer einer "Javelin" zu vernichten. Die restlichen vier T-55 zogen sich daraufhin westlich der Kreuzung hinter (offensichtlich vorbereitete) Erdwälle zurück. Auch zwei weitere Schützenpanzer MTLB wurden durch "Javelin" zerstört. Danach beendeten die restlichen drei Schützenpanzer MTLB ihren Vorstoß. Der irakische Angriff war somit vorerst zum Stehen gebracht worden.

Doch nun setzte irakisches 152-mm-Artilleriefeuer auf die Stellungen der Special Forces ein. Im Bewusstsein, dass ihre Stellungen erkannt worden waren, setzten sich ODA-391 und ODA-392 mit ihren Fahrzeugen um ca. 0600 Uhr weitere 500 Meter Richtung Osten ab und bezogen dort erneut Stellung. Während die Iraker mit ihren T-55 Panzerkanonen weiter auf die Special Forces feuerten, bekämpften diese die Kampfpanzer mit ihren "Javelin" - allerdings relativ erfolglos, hatten doch die irakischen Kampfpanzer inzwischen die gedeckten Stellungen bezogen. Die restlichen drei Schützenpanzer MTLB sowie ein weiterer Armeelastkraftwagen wurden hingegen erfolgreich bekämpft und zerstört. Somit verblieben nur noch die vier T-55 in ihren gedeckten Stellungen.

Um 0715 Uhr erschienen auf der Kreuzung rund ein Dutzend irakische Soldaten, die eine weiße Fahne schwenkten. Plötzlich fuhren zwei weiße Pick-ups vor, deren Besatzungen saßen ab und begannen, die sich ergebenden irakischen Soldaten zu exekutieren. Die Special Forces wiesen daraufhin den beiden F-14, die noch über dem Gefechtsfeld kreisten, die beiden Fahrzeuge als Ziel zu. Erneut erfolgte ein Bombenabwurf, und diese Bombe traf das richtige Ziel: Beide Pick-ups und deren Besatzungen waren ausgeschaltet.

Danach wiesen die Special Forces den F-14 weitere Ziele zu. Nach weiteren Bombenwürfen, auch von Cluster Bombs, erfolgte eine allgemeine Absetzbewegung der Iraker Richtung Westen. Auch die vier Kampfpanzer T-55 versuchten nun, sich abzusetzen. Dabei wurde ein weiterer T-55 von einer "Javelin" zerstört - auf 3 700 Meter Entfernung!

Die Special Forces hatten einen entscheidenden Abwehrerfolg erzielt. Nachdem dieser erkannt worden war, wurde sofort Nachschub von der Kompanieführung beantragt. Ein Führungs- und Versorgungsteil (Operational Detachment Bravo) der C-Company befand sich einige Kilometer ostwärts von "Objective Rock". Mit seinen Light Medium Tactical Vehicles (LMTV) und Heavy Expanded Mobility Tactical Trucks (HEMTT) begann dieses Operational Detachment Bravo mit der Anschlussversorgung der beiden Operational Detachments Alpha. Weiters kümmerte man sich verstärkt um die getroffenen Peschmergas. Sechzehn waren durch die Bomben der F-14 getötet und weit über vierzig zum Teil schwer verwundet worden.

Erfolg trotz nur leichter Bewaffnung

Das Gefecht am Debacka-Pass wurde als ein großer Erfolg angesehen und das US Special Operations Command (US SOCOM) entschied - anders als sonst üblich -, diesen unverzüglich bekannt zu geben.

31 Soldaten der Special Forces hatten in dem Gefecht zwei Kampfpanzer T-55, acht Schützenpanzer MTLB und vier Armeelastwagen zerstört. Von den ca. 200 am Gefecht beteiligten irakischen Soldaten waren etwa 50 tot und eine unbestimmte Anzahl verletzt. Erreicht worden war dies von zwei Operational Detachments Alpha mit insgesamt acht Ground Mobility Vehicles, vier davon mit 12,7-mm-üsMG und vier mit 40-mm-Maschinengranatwerfern. Hinzu kam der Einsatz von insgesamt 19 Panzerabwehrlenkwaffen "Javelin".

Das zeigt, dass im Notfall auch ein motorisiertes Element mit leichter Ausrüstung/Ausstattung und leichter, aber gut abgestimmter Bewaffnung fähig ist, sich gegen einen schwer bewaffneten mechanisierten Feind erfolgreich zu verteidigen.


Autor: Oberleutnant Mag. (FH) Markus Reisner; Jahrgang 1978; 1997 EF-Ausbildung Stabsbataillon 3 in Amstetten; Nach Absolvierung der Theresianischen Militärakademie 2002 zum Aufklärungsbataillon 2 in Salzburg ausgemustert (Waffengattung Aufklärung); Verwendung als Zugskommandant, Ausbildungsoffizier und stellvertretender Kompaniekommandant einer Aufklärungskompanie (gep); 2003 Absolvierung des 34. Jagdkommandogrundkurses; ab 2004 Ausbildungsoffizier, stellvertretender Kompaniekommandant und Kompaniekommandant der Ausbildungskompanie beim Jagdkommando. Auslandseinsätze und Entsendungen: Bosnien, Kosovo und Afghanistan. Seit 2007 Verwendung in einer Task Group des Jagdkommandos.

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