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Wenn Hitze unter die Haut geht

Feuer und Hitze sind mit dem Einsatz vieler Waffensysteme untrennbar verbunden. Deshalb zählen Verbrennungen auch in "modernen" bewaffneten Auseinandersetzungen zu den Hauptgefahren für Soldaten.

Die Haut (lat. Cutis) des Durchschnittsmenschen ist 1,5 bis zwei Quadratmeter groß und wiegt 3,5 bis zehn Kilogramm. Diese "wichtigsten zwei Quadratmeter unseres Lebens" gliedern sich generell in drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis oder Corium) und Unterhaut (Subcutis).

Diese Hautschichten haben verschiedene Funktionen. Sie schützen vor Wärmeverlust und Sonnenstrahlen, schützen vor Verletzungen sowie vor Austrocknung und bilden Hautzellen nach. Schweißporen geben Schutz vor Überhitzung, Nervenenden und Rezeptoren in der Haut leiten Schmerzempfindungen, Druck-, Berührungs- und Temperaturreize weiter. Haarmuskeln richten Haare auf und dienen dadurch als Wärmespeicher. Talgdrüsen fetten die Haut, Fetteinlagerungen schützen vor Druck und Unterkühlung und Blutgefäße regulieren die Temperatur und versorgen die Hautzellen mit Nährstoffen sowie mit Sauerstoff. Die Haut dient aber auch der Kommunikation (Rotwerden, Erblassen), reguliert den Wasserhaushalt (Abgabe von Wasser und Salzen durch Schwitzen) und unterstützt mit ihrem Säuremantel die Immunabwehr.

Dieses perfekte Organ kann jedoch in Sekundenbruchteilen beschädigt oder zerstört werden - z. B. durch Verbrennungen. Und diese Verbrennungen zählen für Soldaten auch in "modernen" bewaffneten Auseinandersetzungen noch immer zu den Hauptgefahren, denn Feuer und Hitze sind mit dem Einsatz vieler Waffensysteme untrennbar verbunden.

Im Libanon-Feldzug von 1982 verbrannten viele Soldaten aufgrund von Verletzungen, die sie am Aussteigen hinderten, in ihren Fahrzeugen. Bei acht Prozent aller Verwundungen während dieses Feldzuges handelte es sich um Verbrennungen, knapp die Hälfte der Brandverletzten waren Panzerbesatzungen. Betrachtet man nur die Verletzungen der Panzersoldaten im Libanon, war sogar ca. jede vierte Verletzung eine Verbrennung. Bei drei von vier Brandverletzten war (auch) der Gesichtsbereich betroffen.

Feuer als Waffe

Frühe Brandwaffen

Als erste Brandwaffen dienten - vermutlich bald nach Zähmung des Feuers - Brandfackeln und Brandpfeile (die übrigens bis weit ins 19. Jahrhundert verwendet wurden, z. B. von den Indianern).

"Industriell" gefertigt wurden Brandwaffen ab dem Zweiten Punischen Krieg (218 bis 201 v. Chr.), bekannt durch Hannibals Überquerung der Alpen. Sie basierten auf den von Archimedes (287 bis 212 v. Chr.) erfundenen Katapulten und verschossen tönerne Behälter, in denen sich meist Öle befanden, verdickt mit pflanzlichen Fasern und verschiedenen natürlichen Harzen. Das brennbare Material wurde angezündet und der Behälter dann auf ein Schiff oder in eine Befestigungsanlage geschleudert.

Griechisches Feuer

Kallinikos von Heliopolis, einem byzantinischen Architekten und Erfinder, wird die Erfindung des so genannten Griechischen Feuers (auch Seefeuer, Flüssiges Feuer oder Römisches Feuer) um 670 zugeschrieben. Eine Spritze - gleichsam ein früher Flammenwerfer - oder ein geworfener Behälter (Ledersack, Tonkrug) brachte eine Brandflüssigkeit auf Erdölbasis ins Ziel.

Das Griechische Feuer erwies sich an Land wie auf See sehr wirkungsvoll, u. a. weil die Flüssigkeit unter fast allen Bedingungen weiter brannte - sie war mit Wasser kaum zu löschen und verteilte sich bei Löschversuchen sogar noch weiter. Die Grundlage dieses Brandmittels bildete Erdöl oder Asphalt. Beides trat im byzantinischen Reich in der Nähe des Schwarzen Meeres an die Erdoberfläche. Weitere Bestandteile waren Baumharz, Schwefel und gebrannter Kalk.

Das Griechische Feuer entwickelte sich zu einer der gefürchtetsten Waffen des Mittelalters. Der letzte (belegte) militärische Einsatz erfolgte 1187 beim Aufstand von Alexios Branas (Ursupator in Adrianopel, heute Edirne, Türkei). Nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel 1453 ging das Detailwissen darüber jedoch verloren und mit der Verbreitung des Schießpulvers verlor es gänzlich an Bedeutung.

Flammenwerfer, Brandbomben und Brandgranaten

Die Entwicklung des ersten Flammenwerfers im neuzeitlichen Sinne erfolgte 1901. Die deutschen Streitkräfte führten diese neue Waffe allerdings erst 1911 bei der Truppe ein. Flammenwerfer kamen u. a. in der Schlacht um Verdun sowie in den Stellungskriegen und Grabenkämpfen um Hooge nahe Ypern zum Einsatz.

Der militärische Einsatz der Brandmittel erfolgte jedoch v. a. durch Bomben, Artilleriegranaten, Raketen, Geschoße, Flaschen (z. B. Molotow-Cocktails; um deren Wirkung zu minimieren erhielten die deutschen Panzerkampfwagen V "Panther" 1943 erstmals automatische Feuerlöschanlagen), Kanister, Handgranaten und als Brandplättchen (angefeuchteter Weißer Phosphor zwischen kleinen Zelluloidplatten, der sich beim Trocknen entzündete).

Im Zweiten Weltkrieg kamen neben Flammenwerfern als Pionierwaffen auch Flammpanzer und Phosphorbomben zum Einsatz. Letztere enthielten meist ein Gemisch aus weißem Phosphor und Kautschuk. Weißer Phosphor entzündet sich bereits bei Kontakt mit dem Luftsauerstoff und brennt dann mit einer 1 300 Grad Celsius heißen Flamme unter starker Entwicklung weißen Rauches und giftiger Dämpfe (die beim Einatmen bereits ab 50 Milligramm tödlich sind). Verbrennungen durch Weißen Phosphor sind in der Regel dritten Grades und gehen zum Teil bis auf den Knochen.

In den britischen Nebelbomben (Bomb Smoke), die bei Luftangriffen auf deutsche Städte als Brandbombe eingesetzt wurden, dienten je Bombe 40 Kilogramm Phosphorlösung als Brandmasse. Blindgänger und Phosphorreste aus Brandbomben sind noch heute eine Gefahr, z. B. an der Ostseeküste: Aufgrund seines Aussehens wird Phosphor oft irrtümlich für Bernstein gehalten. Dies führte u. a. im Bereich der im Zweiten Weltkrieg bombardierten Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf Usedom (Deutschland) zu schweren Verletzungen, wenn sich ein im flachen Wasser gefundener "Bernstein" beim Trocknen entzündete und die Kleidung des Finders in Brand setzte.

Napalm

Ein weiteres militärisches Brandmittel wurde 1942 an der Harvard-Universität entwickelt: Napalm. Die Bezeichnung Napalm setzt sich aus Naphthensäure und Palmitinsäure zusammen. Es besteht im Wesentlichen aus Benzin, das mit Hilfe von Zusatzstoffen geliert wird, dadurch gut am Ziel haftet und eine starke Brandwirkung entwickelt. Bereits kleine Spritzer verursachen schwere, nur schlecht heilende Verbrennungen. Erreicht brennendes Napalm die Haut, lässt es sich kaum entfernen und kaum mit Wasser löschen. Es klebt auf der Haut und führt zu fressenden, eiternden Brandwunden. Menschen, die nicht direkt getroffen werden und nicht an der Hitze und den giftigen Verbrennungsgase sterben, können ersticken, weil die Napalmflammen extrem viel Sauerstoff verbrauchen. Je nach der Zusammensetzung erreicht brennendes Napalm Temperaturen von 800 bis 1 200 Grad Celsius.

Die Amerikaner warfen im Zweiten Weltkrieg 14 000 Tonnen Napalmbomben auf Ziele im Pazifik, 32 000 Tonnen wurden im Korea-Krieg eingesetzt und im Vietnam-Krieg schätzt man die Abwurfmenge sogar auf 400 000 Tonnen.

Thermit

Weitere Vertreter der militärischen Brandmittel sind Metallbrandstoffe. Magnesium verbrennt - in Verbindung mit anderen Substanzen und ausreichender Sauerstoffzufuhr - mit bis zu 2 000°C, auch Aluminium brennt exzellent und mit hohen Temperaturen.

Bei der 2 400°C heißen Verbrennung von Thermit bzw. Elektron (27 Prozent Aluminiumpulver 73 Prozent Eisenoxid) entstehen Aluminiumoxid und flüssiges Eisen.

Brennendes Aluminium wurde im Falkland-Krieg der HMS "Sheffield" der Royal Navy zum Verhängnis. Sie wurde am 4. Mai 1982 steuerbord mittschiffs von einem "Exocet"-Seezielflugkörper getroffen. Obwohl der Gefechtskopf beim Einschlag nicht explodierte, reichte die Explosion des noch nicht verbrauchten Raketentreibstoffs der "Exocet" aus, um die Deckaufbauten aus Aluminium in Brand zu setzten.

Metallbrände sind nur durch Sauerstoffentzug relativ gefahrlos löschbar. Bei Löschversuchen mit Wasser entsteht Knallgas, das Sekundärexplosionen verursachen kann. Bei Löschversuchen mit Tetrachlorkohlenstoff- bzw. CO2-Löschern entstehen hochgiftiges Phosgen (auch ein Lungenkampfstoff) und Salzsäure.

Selbst in der jüngsten Vergangenheit kamen Brandwaffen zum Einsatz, obwohl deren Gebrauch seit 1980 durch das Protokoll III der Konvention der Vereinten Nationen zur Ächtung unmenschlicher Waffen verboten ist. Die USA traten diesem Vertrag nicht bei, zerstörten allerdings 2001 - nach Angaben des Pentagons - ihre Napalmbestände.

Die Brandbombe Mk-77 wird von den amerikanischen Streitkräften jedoch weiterverwendet. Während des Zweiten Golf-Krieges wurden etwa 500 davon abgeworfen. Im Dritten Golf-Krieg 2003 setzten die US-Streitkräfte Mk-77 gegen Widerstandskämpfer ein. Die USA lehnte den Verzicht auf die Mk-77 ab, weil diese Kerosin statt Benzin enthält und daher nicht zwangsläufig als Napalm zu klassifizieren ist.

Im Herbst 2005 berichteten britische und italienische Medien, dass US-Truppen bei der Eroberung von Fallujah im November 2004 Weißen Phosphor und MK-77 gegen Bunkeranlagen der irakischen Stadt eingesetzt hätten.

Weißer Phosphor und Napalm sind wie andere Brandwaffen geächtet, da sie extrem schlecht verheilende Brandwunden und große Schmerzen verursachen. Sie fallen nach gängiger Interpretation unter die "übermäßiges Leid verursachenden" geächteten Waffen des Artikels 23 der Haager Landkriegsordnung.

DIME

Auch DIME (Dense Inert Metal Explosive) - ein Sprengstoff mit dichtem, reaktionsträgem Metall dessen Wirkung auf einen kleinen Radius konzentriert ist - fällt in weitestem Sinn unter Brandwaffen. Im Juli 2006 scheint im Gaza-Streifen eine neuartige - von Drohnen abgefeuerte - DIME-Munition getestet worden zu sein.

Bei konventionellen Granaten werden fallweise Personen oder Gegenstände noch in hundert Metern Entfernung von Metallsplittern des Geschoßmantels getroffen, nicht aber bei DIME. Einzig die anvisierten Zielpersonen sollen getroffen und sicher getötet werden. Die Projektile bestehen aus einem Kohlefaser-Mantel sowie einem Gemisch aus Sprengstoff und einem Schwermetallpulver, z. B. Wolframpulver.

Die Explosion verteilt die Schwermetallteilchen über einen Radius von zirka vier Metern. Die Wirkung innerhalb dieses Radius ist tödlich und der Schaden übersteigt den Effekt reiner Explosivstoffe. DIME-Mikro-Schrapnelle haben auch eine weit größere Wirkung als Schockmunition.

Offiziell befand sich diese Munition 2006 noch in Erprobung, allerdings lassen anders nur schwer erklärbare Wundbilder an libanesischen Verletzten einen Einsatz durch die israelische Armee vermuten. Italienische Journalisten hatten damals Gewebeproben von im Gaza-Streifen verletzten Personen an die Universität Parma geschickt. Die nun vorliegende Analyse ergab eine "sehr hohe Konzentration von Kohle und von anderen ungewöhnlichen Materialien" wie Kupfer, Aluminium und Wolfram.

Die Geschoße könnten von Drohnen abgefeuert worden sein, eine Bestätigung durch offizielle israelische Stellen gibt es dafür nicht.

Ein Kampfanzug ist kein Brandschutz Trotz der vielen guten Eigenschaften der im Österreichischen Bundesheer eingeführten Kampfanzüge besteht bei Kontakt mit glühenden oder brennenden Gegenständen bzw. Flammen große Verbrennungsgefahr. Anders als bei Sonderbekleidungen für Panzer- und Flugzeugbesatzungen sowie Schutzausrüstungen von Brandbekämpfern ist ein normaler Kampfanzug nicht brandhemmend.

Brandhemmende Sonderbekleidungen bestehen aus Meta-Aramidfasern (z. B. Nomex oder Teijinconex). Der Dienstanzug bzw. Kampfanzug 75 hingegen besteht aus 50 Prozent Baumwolle und 50 Prozent Polyester, der Polyesteranteil des Kampfanzuges 03 liegt bei 67 Prozent.

Deshalb sind schon bei kurzem Kontakt mit brennenden bzw. glühenden Gegenständen Verbrennungen und Einschmelzungen von Plastikteilen in die Haut möglich.

Verbrennungen

Soldaten waren und sind - wie oben beschrieben - durch Verbrennungen deutlich mehr bedroht als andere Berufsgruppen, sind doch Feuer und Hitze mit dem Einsatz vieler Waffensysteme untrennbar verbunden.

Entscheidend für die Schwere der Verbrennung (oder Verbrühung) sind der Verbrennungsgrad und die Größe der betroffenen Fläche. Großflächige, schwere Brandwunden zählen zu den schlimmsten Verletzungen, die ein Mensch erleiden kann.

Die Ausdehnung der Verbrennung wird in Prozent der Körperoberfläche angegeben. Zur Beurteilung des Ausmaßes kann als Faustregel die Handfläche des Verletzten dienen, die beim Erwachsenen etwa einem Prozent der Körperoberfläche entspricht.

Verbrennungen entstehen vor allem durch heiße Flüssigkeiten, Dampf, Berührung von heißen Materialien, Sonneneinwirkung, Strahlung, Strom, Blitzschlag, Reibungshitze, Feuer und Flammen oder Explosionen.

Dabei in der Haut bzw. im Körper entstehende Temperaturen bis zu 44 Grad Celsius verursachen keine Zellschäden (getestet bis sechs Stunden). Ab 44 Grad entstehen jedoch Schäden, die sich bis 51 Grad mit jedem Grad pro Minute und bis 70 Grad mit jedem Grad pro Sekunde verdoppeln. Darüber erfolgt die Schadensverdopplung im Bereich von Sekundenbruchteilen.

Je nach Intensität und Art der Hitzeeinwirkung auf die Haut kommt es zu Wunden unterschiedlicher Schweregrade, abhängig von der Temperatur, der Einwirkungsdauer und der Art der Wärmequelle. Man unterscheidet folgende Verbrennungsgrade:

Verbrennungen ersten Grades:

Diese entstehen durch kurze Einwirkzeit hoher Temperaturen oder eine lange Einwirkzeit von Temperaturen um/ab 50 Grad. Die Folge ist ein schmerzhaftes Erythem (Hautrötung). Das Abheilen erfolgt meist narbenlos.

Verbrennungen zweiten Grades:

Diese werden in Grad IIa und Grad IIb unterteilt.

Grad IIa ist eine oberflächliche, sehr schmerzhafte Verbrennung mit Zerstörung der oberflächlichen Coriumschichten (Lederhaut). Typisch dafür ist die Blasenbildung. Der Wundgrund ist feucht und gerötet, die Nägel sowie die Haare haften fest an. Die Abheilung erfolgt meist ohne wesentliche Narbenbildung.

Grad IIb ist eine tiefe Verbrennung mit Zerstörung der tiefen Coriumschichten. Es kommt ebenfalls zur Blasenbildung. Der Wundgrund ist trocken und rosa bis weißlich. Es gibt kaum Blutungen nach Nadelstichen, die Schmerzempfindung ist herabgesetzt. Beim Abheilen kommt es oft zu entstellenden Narbenbildungen.

Verbrennungen dritten Grades:

Alle Hautschichten sind verbrannt, die Haut ist zerstört. Die Lederhaut, Nägel und Haare fallen ab bzw. aus. Der Wundgrund ist weißlich bis bräunlich und wirkt lederartig. Keine Schmerzen und keine Blutungen. Ein Abheilen im Sinne einer natürlichen Regeneration der verbrannten Teile ist nicht möglich.

Verbrennungen vierten Grades (Sonderform des dritten Grades):

Die betroffene Hautfläche ist verkohlt, die Verbrennungen gehen tief unter die Haut, Sehnen, Knochen, Muskeln und Nerven sind betroffen. Ein Abheilen im Sinne einer natürlichen Regeneration der verbrannten Teile ist ebenfalls nicht möglich.

Richtige Erste Hilfe

Bei Verbrennungen ist oft die richtige und vor allem die unverzügliche Erste Hilfe lebensrettend. Deshalb sofort Löschen und Kühlen.

Verbrennungen sind aber manchmal nur ein Teil der jeweiligen Waffenwirkung. Durch Rauch und Verbrennungsgase kann es dabei gleichzeitig zu Vergiftungen kommen und bei Explosionen sind auch andere Verletzungen wahrscheinlich.

Unter besonderer Berücksichtigung des Eigenschutzes erfolgt zunächst die Rettung des Betroffenen aus dem Gefahrenbereich. Brennt die Kleidung des Betroffenen noch, sollte man unter Eigenschutz den Patienten auf der Erde wälzen oder versuchen, die Flammen mittels einer Decke zu ersticken. Beim Gebrauch von Feuerlöschern möglichst nicht in das Gesicht spritzen! CO2-Löscher dürfen dafür nicht verwendet werden, auch bei Pulverlöschern ist Vorsicht geboten.

Danach soll die verbrannte Kleidung entfernt werden, nicht jedoch ein- bzw. angeschmolzene Kleidungsreste. Sofortiges Kühlen des erhitzten Gewebes über 15 bis 30 Minuten mit kaltem Leitungswasser (12 bis 18 Grad Celsius) kann weitere Schäden aufhalten. Es soll gekühlt werden, bis der Notarzt, der Rettungsdienst oder das Sanitätspersonal eintreffen. Die Kühlung kann den Schmerz und die Wundreaktionen zwar nicht verhindern, jedoch reduzieren. Sie verringert ein "Nachkochen" mit der damit verbundenen Eiweißdenaturierung (die bei Gewebetemperaturen über 45°C entsteht) erheblich. Die Kühlung soll aber auch nicht so exzessiv erfolgen, dass sie zur Unterkühlung führt (z. B. durch eiskaltes Wasser oder Schnee). Die richtige Erste Hilfe am Unfallort (Kühlung) hat Vorrang vor dem schnellen Abtransport.

Wie helfen Sanitäter, Not- und Fachärzte?

Ebenfalls oft mitentscheidend für den Krankheits- und Heilungsverlauf sind die Versorgung von Verbrennungsunfällen durch den eintreffenden Sanitäter oder Notarzt sowie die Erstversorgung im Krankenhaus. Diese Primärversorgung durch qualifizierte Helfer hat ebenfalls Vorrang vor dem schnellen Ab- bzw. Weitertransport.

Die Helfer geben sofort Infusionen (mit einer Kochsalzlösung), um den Flüssigkeitsverlust des Verletzten auszugleichen, sofern nicht anders möglich auch in verbrannte Hautbereiche. Weiters erhält der Verletzte Sauerstoff, fallweise wird intubiert (ein Schlauch in die Atemwege geschoben) und der Schock bekämpft. Angefeuchtete, sterile Kompressen oder sterile Verbrennungssets werden aufgelegt.

Dabei erfolgt eine ständige Überwachung der Herztätigkeit und des Kreislaufes (Monitoring mittels Elektrokardiogramm, Messung des Sauerstoffgehaltes im Blut und des Blutdruckes). Zur Schmerzbekämpfung dienen Opiate (wie Fentanyl und Morphin) oder kreislaufstabilisierende Mittel in Kombination mit Beruhigungsmitteln (wie Valium und Dormicum). Die Gabe dieser Mittel erfolgt dabei generell intravenös. Auf Antibiotika wird in den ersten Stunden meist verzichtet, da die Brandwunden als steril angesehen werden.

Nach der Schockbekämpfung erfolgen oft weitere Infusionen mit einer Nährlösung (z. B. Ringer-Lactat). Deren Menge richtet sich nach der verbrannten Körperoberfläche, dem Gewicht des Patienten und einem möglichen Inhalationstrauma.

Anschließend erfolgt der rasche Transport in ein geeignetes Krankenhaus. Im Krankenhaus werden angefangene Therapien weitergeführt, Atmung und Kreislauf gesichert, eine Tetanusprophylaxe durchgeführt, eventuell Dauerkatheter gelegt, bakterielle Abstriche von den Verbrennungsarealen gemacht und diese rasiert.

Nach der Festlegung der Verbrennungstiefe und der verbrannten Körperoberfläche, erfolgt die Berechnung des Flüssigkeitsbedarfs und die Öffnung und Abtragung der Blasen sowie eine Ganzkörperdesinfektion mit Polyjod-Lösung, eventuell erfolgen auch Entlastungsschnitte durch die Haut gegen den Verbrennungsschorf (Escharotomie, Fasziotomie).

Dann werden Verbände angelegt (so genannte Flammazine, z. B. ein Sulfadiazin-Silber-Creme-Verband). Die Schmerzstillung wird weitergeführt, eine eventuelle Bronchoskopie dient dem Ausschluss bzw. der Feststellung eines Inhalationstraumas.

Bei schweren Fällen wird mit einem Spezialkrankenhaus Kontakt aufgenommen (in Österreich z. B. mit der Intensivpflegestation für Brandverletzte/Universitätsklinik für Chirurgie/Allgemeines Krankenhaus Wien, der Universitätsklinik Innsbruck, der Universitätsklinik Graz oder in Deutschland mit dem Unfallkrankenhaus Murnau, dem Krankenhaus München-Schwabing oder dem Krankenhaus München-Bogenhausen).

Trotz bester Behandlung kann es jedoch zu Langzeitfolgen kommen, z. B. zu neurologischen Ausfällen, Störungen der Hautsensibilität und der Pigmentierung, Narben, Schmerz, Überempfindlichkeit, Störung der Schweißsekretion und der Temperaturtoleranz, Organfunktionsstörungen, Phantomgefühl und Phantomschmerz, Funktionsausfällen innerer Organe, psychosozialen Veränderungen und funktionellen Einschränkungen.

Menschen, die mit schweren Brandverletzungen überlebt haben

Kim Phuc, geb. 1963, erlitt bei einem Napalm-Angriff im Juni 1972 in Vietnam schwere Verbrennungen. Während ihrer Flucht wurde sie vom Pressefotografen Nick Ut fotografiert. Ihr Bild, für das Ut den Pulitzer-Preis erhielt, zählt zu den bekanntesten aus dem Vietnam-Krieg. Kims Haut war zu über 30 Prozent verbrannt. Nach mehrmaligen Operationen und Hauttransplantationen sowie über 14 Monaten Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation konnte die damals Neunjährige nach Hause zurückkehren. Sie lebt heute in Toronto/Kanada.

George Long, geb. 1977, erlitt als Sergeant der British Army im September 2005 im Irak durch einen auf seinen Schützenpanzer geschleuderten Molotow-Cocktail schwere Verbrennungen an Armen, Hüfte, Bauch und Rücken. Dank der rasch einsetzenden fachgerechten Sanitätsversorgung und der fachmedizinischen Folgeversorgung kann er heute wieder über einen weiteren Einsatz nachdenken.

Auf einen Blick

Trotz Ächtung bestimmter Brandwaffen sind Feuer und Hitze weiterhin Teil der Wirkung vieler Waffen und somit reale Gefahren - selbst in Friedenseinsätzen. Zum Besten unserer Haut, der "wichtigsten zwei Quadratmeter unseres Lebens", sollte jedem von uns bewusst sein: Schon die Erste Hilfe bei Verbrennungen ist für den Heilungsverlauf mitentscheidend!


Autor: Stabswachtmeister Walter Stein, Jahrgang 1977, seit dem Grundwehrdienst 1995 an der Chirurgischen Abteilung des Militärspitals 2 in Innsbruck tätig. Absolvent des 7. Unteroffizierslehrganges 1998 sowie des 12. Stabsunteroffizierslehrganges 2006. AFDRU-Einsatz 1999 nach einem Erdbeben in der Türkei. Seit 2003 Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger. Als Notfallsanitäter neben dem Bundesheer auch an mehreren Rotkreuz- und Notarztdienststellen in Tirol tätig.

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