Bundesheer Bundesheer Hoheitszeichen

Instagram
flickr
YouTube
facebook-button

Die Luftunterstützung im Österreichischen Bundesheer

Im Zuge der Transformation der Luftunterstützung nach den Vorgaben für das ÖBH2010 wurden die Verbände aufgabenorientiert in die Bereiche Luftraumüberwachung und Luftunterstützung neu gegliedert und mit den Brigade Aviation Elements sowie der Aviation Task Force neue maßgeschneiderte Strukturen für den Einsatz der Heeresflieger zur Luftunterstützung gebildet.

Die Transformation zum ÖBH2010 brachte für die Luftstreitkräfte maßgebliche Änderungen in Bezug auf die Organisation. Stand bis zu diesem Zeitpunkt die standortorientierte Struktur im Vordergrund, wurden jetzt die Verbände aufgabenorientiert in die Bereiche Luftraumüberwachung und Luftunterstützung gegliedert. Das Kommando Luftunterstützung hat damit jene Verbände und Einheiten bzw. fliegerischen Einsatzmittel, die für die Auftragserfüllung im gesamten Spektrum der Luftunterstützung erforderlich sind, unterstellt.

Die Luftunterstützung im Österreichischen Bundesheer wird im entsprechenden Konzept wie folgt definiert:

"Die Luftunterstützung im Österreichischen Bundesheer beschränkt sich auf die Bereiche des Lufttransportes (taktisch, operativ und strategisch) und der Luftaufklärung. Diese Aufgabenbereiche werden durch die Transportfliegertruppe und die Aufklärungstruppe, in Bezug auf Luftaufklärung (LuAufkl), wahrgenommen. Die Luftnahunterstützung durch Luftstreitkräfte wird derzeit im Österreichischen Bundesheer nicht abgebildet, ist aber im Bereich der Ausbildung und Lehre hinsichtlich der Zusammenarbeitsfähigkeit besonders in Hinblick auf multinationale Einsätze zu berücksichtigen. Zusätzlich werden Mittel der Transportfliegertruppe sowie der Aufklärung (luftgestützt) auch zur Unterstützung von Luftraumsicherungsoperationen (LuRSiOp) eingesetzt."

Umsetzung der Luftunterstützung

Zur Sicherstellung der Expertise im Bereich Luft und zur Synchronisierung des Gefechtes auf dem Boden mit Luftkomponenten ist es notwendig, Verbindungselemente (Fliegerverbindungskommanden) zu der zu unterstützenden Brigade abzustellen.

Hierbei ist zwischen Verbindungselementen der Luftwaffe und denen der Heeresfliegerkräfte zu unterscheiden.

Zur Umsetzung der Luftunterstützung (LuU) für die Landstreitkräfte mit der Komponente "Heeresflieger" werden maßgeschneiderte Strukturen gebildet, um eine effiziente Führung und Auftragserfüllung im nationalen und internationalen Rahmen sicherzustellen.

Es ist daher erforderlich, je nach Auftrag sowohl einen entsprechenden Verband mit den erforderlichen fliegerischen Einsatzmitteln, also eine maßgeschneiderte "Aviation Task Force" zur Durchführung der Lufteinsätze zu bilden, als auch eine Verbindungsorganisation zu dem, den Gesamteinsatz führenden Kommando abzustellen. Deren grundsätzliche Aufgabe ist es, die Komponente "Heeresflieger" im gesamten Planungsprozess einzubringen, die Aufträge des jeweiligen Kommandanten in Einsatzbefehle umzusetzen und die fliegerische Expertise im jeweiligen Stab abzubilden.

Im Folgenden werden die Strukturen, die für die Auftragserfüllung im Rahmen des taktischen Lufttransportes und der Luftaufklärung zur Luftunterstützung der Landstreitkräfte erforderlich sind, beschrieben. Es werden dabei für alle möglichen Szenarien gleiche Verbindungs- und Führungsstrukturen gebildet, die sich je nach Umfang der abzustellenden Mittel aus Modulen zusammensetzen.

Als Norm wird dazu die Abstellung von fliegerischen Einsatzmitteln zur Luftunterstützung einer Brigade beschrieben. Abstellungen zu anderen Kommanden (z. B. Militärkommanden) bzw. zu Einsatzleitungen sind damit ebenfalls abgedeckt.

Diese Form des Einsatzes der fliegerischen Einsatzmittel stellt den klassischen Einsatz von Heeresfliegerkräften dar. Die Grundsätze und Verfahren der Heeresfliegertruppe werden daher, vor allem im internationalen Kontext, vollinhaltlich berücksichtigt.

Führung

Die Expertise Luftunterstützung wird durch entsprechende Fliegerverbindungskommanden (siehe Grafik links) der Luftstreitkräfte sowie der "Heeresfliegerkräfte" (Brigade Aviation Elements - BAE) sichergestellt.

Das Brigade Aviation Element (siehe unten) ist eine Planungs- und Koordinierungszelle, dessen Hauptaufgabe die Einbindung der Luftkomponente im Rahmen der Heeresfliegerkräfte in die Manöverführung einer Brigade ist. Dazu muss das BAE als ein permanenter Teil des Stabes, der grundsätzlich in die Kampfunterstützungszentrale integriert ist, während eines Einsatzes in der Lage sein, im gesamten Führungsprozess der Brigade mitzuwirken. Das BAE plant die Einsätze der Heeresfliegerkräfte inklusive der Luftaufklärungseinsätze (mit bemannten und unbemannten Mitteln) sowie die Luftraumnutzung und führt die Koordinierung mit anderen Nutzern durch.

Das BAE setzt die der Brigade zugewiesenen fliegerischen Einsatzmittel nach Entscheidung des Kommandanten ein und erstellt dazu Luftfahrzeug-Einsatzbefehle bzw. Befehlsbeiträge zu Brigadebefehlen. Weiters stellt die Beratung des Kommandanten in allen Angelegenheiten der Heeresfliegerkräfte, der Luftaufklärung sowie im Bereich der Luftraumkoordinierung eine wesentliche Anforderung an die Fähigkeiten des BAE dar. Hauptaufgabe ist es daher, die Heeresfliegerkräfte in den Kampf der verbundenen Waffen der Brigade zu implementieren und an der Synchronisation des Gefechts entsprechend mitzuwirken. Darüber hinaus werden durch das BAE die C2I/Lu (Führungssysteme Luft-Luftlagedarstellung, Fliegerinformationssystem, "Zauberflöte") in die Brigade integriert.

Das Brigade Aviation Element:

Das Brigade Aviation Element ist für alle Einsatzarten und unabhängig davon, zu welchem Kommando es abgestellt wird, gleich gegliedert und ausgestattet. Es besteht grundsätzlich aus sieben Soldaten:

  • Kommandant BAE und S3/Air
  • Einsatzoffizier Flugbetrieb (EO FluBetr)
  • Einsatzoffizier Luftaufklärung (EO LuAufkl)
  • Planungsoffizier Luftraummanagement (Air Space Manager - ASM)
  • Einsatzunteroffizier Flugbetrieb (EUO FluBetr)
  • Einsatzunteroffizier Luftaufklärung (EUO LuAufkl)
  • Sachbearbeiter Luftraummanagement (SB ASM)

Mit dieser Zusammensetzung ist die Aufgabenerfüllung als Verbindungselement der Heeresflieger in einem Brigadestab gewährleistet. Eine Schichtfähigkeit ist mit dieser personellen Besetzung jedoch nur über einen eng begrenzten Zeitraum zur Erfüllung von Schwergewichtsaufgaben gegeben.

Durchführung

Zur Umsetzung der Luftunterstützung wird eine Aviation Task Force (AVNTF) gebildet. Sie wird analog zu den anderen Kampfunterstützungstruppen in der Regel als kleiner Verband in die Struktur der Brigade eingegliedert.

Die Bildung dieser Aviation Task Force erfolgt aus dem Bereich des Kommandos Luftunterstützung im Anlassfall.

Die AVNTF wird für den jeweiligen Einsatz je nach Bedarf an fliegerischen Einsatzmitteln "maßgeschneidert".

Eine AVNTF besteht grundsätzlich aus einem Kommando, einer oder mehreren Transportstaffeln (Hubschrauber oder Flächenflugzeuge), einer Luftaufklärungsstaffel und einer Feldflugplatzkompanie. Die Aufnahme von multinationalen Verstärkungselementen (Transport, Panzerabwehr etc.) ist dabei zu berücksichtigen.

Die AVNTF muss aufgrund ihrer Gliederung und Ausrüstung in der Lage sein, ihre Aufträge im Rahmen der Luftunterstützung der Brigade selbstständig zu erfüllen. Sie setzt dabei die ihr zugewiesenen fliegerischen Einsatzmittel im gesamten Einsatzspektrum der Heeresfliegerkräfte ein.

Daher muss sie die Fähigkeit zur selbstständigen Führung aller ihr unterstellten Teile besitzen und muss mit den notwendigen Führungs- und Einsatzunterstützungsmitteln ausgerüstet sein. Insbesondere hat sie die Fähigkeit zur Erfüllung der taktischen Lufttransportaufgaben und der Luftaufklärungsaufgaben im gesamten Einsatzspektrum bei Tag und bei Nacht sowie unter Sichtflug- und unter Instrumentenflugbedingungen aufzuweisen.

Der Einsatz von Lufttransportkräften erfordert eine logistische Basis ("Absprungbasis") im bzw. nahe dem Einsatzraum, wobei die Qualität eines solchen Feldflugplatzes, insbesondere im Ausland, von den Rahmenbedingungen vor Ort abhängig ist. Der Betrieb einer solchen logistischen Basis auch außerhalb militärischer Infrastruktur ist eine weitere Anforderung an die Fähigkeit einer AVNTF. Dazu ist ein Feldflugplatz (Army Aviation Operating Base - AAOB) zu bilden.

Die AVNTF entspricht in ihrer Führungsorganisation einem kleinen Verband. Die Einbindung in die Führungsstruktur erfolgt daher analog der der Brigade unterstellten Manöver- und Kampfunterstützungsverbände. Die Stabsgliederung umfasst analog alle Führungsgrundgebiete eines kleinen Verbandes.

Da die AVNTF im Anlassfall zur Erfüllung von Einsatzaufgaben aufgestellt wird, bildet sie zur Führung unter Einsatzbedingungen grundsätzlich eine Gefechtsstandstruktur. Dazu wird eine Führungszentrale als Kern des Gefechtsstandes sowie eine Führungs- und Einsatzunterstützungszentrale gebildet.

Die AVNTF wird dem jeweils führenden großen Verband entweder auf Zusammenarbeit angewiesen oder unterstellt. Innerhalb nationaler Führung übt dabei das Brigadekommando Operational Command (OPCOM) aus, bei Führung durch eine multinationale Brigade wird die AVNTF im Regelfall unter Operational Control gestellt (OPCON).

Im Bereich der Führungsinformation ist die Einbindung der AVNTF sowohl in die Führungsinformationssysteme der Brigade als auch in die relevanten Führungsinformationssysteme der Luftstreitkräfte vorzusehen. Dies betrifft vor allem die Informationssysteme bezüglich Flugdaten (Fliegerinformationssystem), Einsatzbefehlsgebung und Luftraumkoordinierung ("Zauberflöte"), Flugwetterdaten sowie fliegerspezifische Datenbanken zur elektronischen Kampfführung.

Je nach Umfang der eingesetzten fliegerischen Einsatzmittel wird die entsprechende Anzahl von Hubschrauberstaffeln gebildet. Im Auslandseinsatz wird eine verminderte Hubschrauberstaffel gebildet und gegebenenfalls Staffeln anderer Nationen unterstellt (OPCON). Ebenso ist die Einbindung von leichten Flächenflugzeugen möglich.

Die Luftaufklärungsstaffel wird entsprechend der verfügbaren Einsatzmittel gebildet und verfügt entweder über eigene Aufklärungsmittel oder bekommt fliegerische Einsatzmittel der fliegenden Staffeln zur Auftragserfüllung zugewiesen.

Die Feldflugplatzkompanie bildet den Feldfluglatz und stellt die Führungsunterstützung, die Versorgungsdurchführung und die Flugbetriebsdienste der AVNTF sicher. Der Bereich der Sicherung sowie der Betrieb eines Feldlagers im Auslandseinsatz sind erforderlichenfalls durch Unterstellung entsprechender Module abzudecken. Diese sind im Bedarfsfall der AVNTF zu unterstellen bzw. auf Zusammenarbeit anzuweisen und werden grundsätzlich durch die Feldflugplatzkompanie geführt.

Bei dem Erfordernis zur Bildung eines vorgeschobenen Versorgungspunktes Heeresflieger (Forward Arming and Refuelling Point - FARP) wird dieser aus dem Bereich der Feldflugplatzkompanie gebildet und durch die AVNTF unmittelbar geführt. Ein FARP wird grundsätzlich temporär zur Erfüllung einer Einsatzaufgabe eingerichtet.

Zur Sicherstellung erforderlicher Instandsetzungen vor Ort, die nicht der Benutzermaterialerhaltung der Staffeltechnik zugeordnet sind, sind im Bedarfsfall durch die jeweilige Typenwerft Instandsetzungstrupps zu bilden und temporär in das Einsatzgebiet zu entsenden.

Zusammenfassung

Das Brigade Aviation Element und die Aviation Task Force bilden eine für österreichische Verhältnisse im internationalen Kontext erfolgversprechende Struktur zum Einsatz von fliegerischen Einsatzmitteln der Heeresflieger zur Luftunterstützung der Landstreitkräfte.

Durch diese Form der Organisation sind die Führung und die Auftragserfüllung der Heeresfliegerkräfte, unter bestmöglicher Einbindung in die Führungsorganisation und -abläufe der Brigaden im jeweiligen Anlassfall und den verschiedenen Einsatzszenarien gewährleistet.


Autor: Brigadier Andreas Putz, MSD, Jahrgang 1956. 1979 Ausmusterung an der Theresianischen Militärakademie, 1984 Einheitskommandantenkurs, 1993 Stabsoffizierskurs, 1999 Truppenkommandantenkurs, 2006 Führungslehrgang 3, 2007 Master of Security and Defencemanagement. Einsatzpilot auf Transporthubschraubern seit 1981, Fluglehrer und Instrumentenfluglehrer sowie Prüfer und Checkpilot, ca. 5 000 Flugstunden. 1980 bis 1982 Schwarmkommandant Transporthubschrauberstaffel, 1982 bis 1984 S1&S2&S5 Hubschraubergeschwader 3, 1984 bis 1985 stellvertretender Staffelkommandant 2. Hubschrauberstaffel/Hubschraubergeschwader 3, 1985 bis 1994 Staffelkommandant 1. Hubschrauberstaffel/Hubschraubergeschwader 3, 1994 bis 1995 Kommandant Hubschraubergeschwader 3 (mit der Führung betraut), 1995 bis 2000 Flugkommandant Hubschrauber im Fliegerregiment 3, seit 2000 Regimentskommandant Fliegerregiment 3, seit September 2006 Kommandant Luftunterstützung.

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
Impressum | Kontakt