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Der Kommandounteroffizier im Österreichischen Bundesheer Spitzenunteroffiziere im anglo amerikanischen Militär - ein Vergleich

Bereits seit Jahrhunderten bauen Armeen westlicher Prägung auf das Know-how ihrer Unteroffiziere und militärische Kommandanten machen sich deren Erfahrungen für die eigene Führungsarbeit zunutze. Diese Entwicklung wurde mittlerweile aufgrund der Internationalisierung auch im Österreichischen Bundesheer verstärkt und durch die Implementierung erster Kommandounteroffiziere unterstrichen.

Egal ob im Mittelalter oder in der Neuzeit, die Kommandanten waren sich immer der bedeutenden Rolle des Unteroffiziers in der Führungsstruktur einer Armee bewusst. Auch wenn die Bezeichnung "Die Unteroffiziere sind das Rückgrat der Armee" erst Jahre später in unseren Sprachgebrauch kam, bildete der Unteroffizier seit jeher die Basis zur Erlangung militärischer Erfolge. Durch die Heranziehung routinierter und kompetenter Unteroffizier in ihren Beraterstäben haben sich die Kommandanten die Führungsarbeit erleichtert und damit auch die Stellung der Unteroffiziere angehoben. Diese Entwicklung setzte sich auch seit der Aufstellung des Österreichischen Bundesheeres fort.

Bei internationalen Einsätzen arbeiten Soldaten des Österreichischen Bundesheeres seit Jahrzehnten mit Angehörigen der Streitkräfte der USA oder Großbritanniens eng zusammen. Dabei konnten die Österreicher immer wieder feststellen, dass es in anderen Ländern im unmittelbaren Umfeld des Kommandanten zumeist einen hochrangigen Unteroffizier gibt, der seinem Kommandanten mit Rat und Tat zur Seite steht. Schon im UN-Einsatz auf Zypern ist bei nationenübergreifenden Ausbildungen und multinationalen Festakten der "Regimental Sergeant Major" (RSM) der Briten, wegen seiner speziellen Aufgaben und seiner Bedeutung für das Auftreten des Verbandes aufgefallen. Später, in multinationalen Einsätzen unter dem Kommando der NATO, wie z. B. in Bosnien 1997, gab es sehr enge dienstliche Kontakte zur U.S. Army und konnte so die Bedeutung des "Command Sergeant Major" (CSM) u. a. bei gemeinsamen Ausbildungs- und Einsatzbesprechungen kennengelernt werden. Die internationale Zusammenarbeit, sei es im Rahmen friedenserhaltender Missionen oder auch in multinationalen Konferenzen, ist unübersehbar angewachsen. Das militärische, multinationale Netzwerk in Europa und darüber hinaus ist dabei schon lange nicht mehr dem Offizierskorps allein vorbehalten, denn auch für Unteroffiziere werden etwa die verschiedensten Aus-, Fort- und Weiterbildungen, bis hin zu Symposien für "Senior Non-Commissioned Officers" (SNCO) angeboten.

Daher hat sich auch in Österreich immer mehr die Notwendigkeit aufgedrängt, direkt an der Seite eines Kommandanten einen besonders befähigten Unteroffizier zu positionieren. Gerade Kommandanten die internationale Einsatz- und Ausbildungserfahrung aufweisen, konnten vorerst am besten abschätzen, wie wichtig ein routinierter Unteroffizier in beratender Funktion bei der Wahrnehmung von Führungsaufgaben sein kann, und vor allem in welchem Ausmaß dadurch der Stellenwert des Unteroffiziers gehoben wird.

Unteroffiziere der U.S. Army und der britischen Armee Der Kommandocunteroffizier war im Kern keine österreichische Erfindung. Er war einerseits, historisch betrachtet, schon immer, wenn auch nur in Ansätzen auf der Kompanieebene vorhanden und hätte nur weiter gefördert werden müssen. Andererseits hat sich das Österreichische Bundesheer, diese Funktion betreffend, an der U.S. Army und der Royal Army orientiert. Infolgedessen wird vielerorts der Kommandounteroffizier des Österreichischen Bundesheeres auch als "Command Sergeant Major" oder "Regimental Sergeant Major" bezeichnet. Dabei werden sehr oft direkte Vergleiche angestellt und Rückschlüsse auf unsere Armee gezogen, die ohne Berücksichtigung der historischen Hintergründe auch zu Fehleinschätzungen seiner Aufgaben im Bundesheer führen könnten.

Um diese amerikanischen bzw. britischen Bezeichnungen auch in unserem Sprachgebrauch richtig zu interpretieren, müssen wir uns über die Geschichte und vor allem über die Aufgaben und Befugnisse dieser Funktion bewusst werden.

Command Sergeant Major Aufgaben und Kompetenzen

Schon während der Indianerkriege, die am 22. März 1622 mit dem Jamestown-Massaker während des Aufstandes der Powhatan-Konföderation, ihren Anfang nahmen und bis in das 19. Jahrhundert andauerten, spielten die Miliz und die Soldaten eine bedeutende Rolle. Militärische Organisationen und im Speziellen Führungskräfte waren jederzeit und in jeder Armee von großer Bedeutung. So verhält es sich auch in der Militärgeschichte der U.S. Army. Der Ursprung der heutigen Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika liegt in der Continental Army, die mit einem Entschluss des Continental Congress vom 14. Juni 1775, also schon ein Jahr bevor am 04. Juli 1776 die Unabhängigkeit Amerikas erklärt wurde, aufgestellt wurde.

Seit etwa 50 Jahren gibt es in den U.S.-Bataillonen den "Command Sergeant Major" (CSM). Neben dem Kommandanten trägt auch er ganz wesentlich dazu bei, dass das Arbeitsklima und der Zusammenhalt im Verband, und daher nicht zuletzt auch die Leistungen der Einheiten, gut sind. Die Bezeichnung des "Command Sergeant Major", die ja mit dem Kommandounteroffizier des Österreichischen Bundesheeres verglichen werden soll, muss rein geschichtlich zweigeteilt betrachtet werden, einerseits im Hinblick auf den "Sergeant Major" und andererseits auf die Bezeichnung "Command".

Die Geschichte des "Sergeant Major" reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück und findet ihren Ursprung im Offiziersbereich. Zu dieser Zeit war der "Sergeant Major" ein Offizier im Generalsrang. Als dritthöchster Dienstgrad in der Hierarchie der Army, kommandierte er auch die Infanterie. Zudem fungierte damals der "Sergeant Major" auch als Chief of Staff (COS), also als Stabschef des Kommandanten der Armee.

Im 17. Jahrhundert wurde der "Sergeant Major" auch in den Regimentern als Stabsoffizier und ebenso als Dritter in der Kommandokette des Regiments eingeführt. Ihm oblagen im Rahmen des Regiments Planungs- und Organisationsaufgaben sowie die Überwachung der militärischen Ausbildung. In diesem Jahrhundert begann die Geschichte der "Sergeant Major"-Hierarchie, denn der höher angesiedelte "Sergeant Major" der Armee bekam die Bezeichnung "Sergeant Major General".

Zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert wurde der "Sergeant" aus beiden Rangbezeichnungen entfernt und damit waren die Wurzeln der heutigen amerikanischen Offiziersdienstgrade "Major" und "Major General" gelegt.

Erst im späten 18. Jahrhundert, als die k.u.k Armee schon die Funktion des Dienstführenden Feldwebels hatte, ist in der Continental Army der Vereinigten Staaten die Bezeichnung "Sergeant Major", als ranghöchster Unteroffizier eines Infanteriebataillons oder Kavallerieregiments wieder eingeführt worden. Unter der Kommandoführung von General George Washington und seinem Stab wurde im Jahr 1775 erstmalig der "Sergeant Major" in jedem Hauptquartier eines Bataillons oder Regiments der Continental Army zugewiesen. Im Jahr 1778 überarbeitete General Friedrich Wilhelm von Steuben die Durchführungsbestimmungen der Continental Army. In seinen "Regulations for the Order and Discipline of the Troops of the United States", Part I (1779) - aufgrund des blauen Einbandes auch "Blue Book" genannt - wies General von Steuben darauf hin, dass der "Sergeant Major" sehr gute Kenntnisse über die Organisation des Regiments haben müsse; Außerdem für die Disziplin, Ordnung und Einhaltung der Dienstpläne verantwortlich sei. William Duane schrieb 1814 in seinem Handbuch für die Infanterie, dass der "Sergeant Major" für die Sergeants und Corporals ebenso wichtig ist, wie der Major für die Platoon Officers. Mit der Standardisierung der Besoldungsstufen der Unteroffiziere der U.S. Army, verschwand im Jahre 1920 der "Sergeant Major" als Rang und Soldstufe. Er wurde jedoch als Dienstposten des Senior Non-Commissioned Officer (SNCO) beibehalten, bevor er letztendlich 1958 wieder als Dienstrang in der Army eingeführt wurde.

Dieser Senior Non-Commissioned Officer war gleich seinen historischen Vorgängern mit Verwaltungs- und Ausbildungsangelegenheiten betraut. Er war gleichzeitig Vorgesetzter aller Corporals und Sergeants.

Im Jahre 1966 wurde, analog zu dem im 18. Jahrhundert eingeführten "Sergeant Major General" auf der Ebene der Armee, mit der Einführung des "Sergeant Major of the Army" (SMA), ein Dienstposten für einen SNCO im direktem Umfeld des Chief of Staff of the Army geschaffen. Dieser Dienstposten wurde damit zugleich der ranghöchste Unteroffiziersposten der amerikanischen Streitkräfte. General Harold Keith Johnson war von 1964 bis 1968 Chief of Staff der U.S. Army und eine seiner wichtigsten Errungenschaften war wohl die Einführung des "First Sergeant Major of the Army". Zwei Jahre nach seiner Amtsübernahme teilte General Harold Keith Johnson, als COS der U.S. Army, seinen Kommandanten mit, dass er einen "Sergeant Major of the Army" als persönlichen Berater und Assistenten ernennen würde und erteilte zugleich den Auftrag, geeignete Kandidaten vorzuschlagen. General Johnson selektierte aus der schon von rund 400 auf 21 Kandidaten reduzierten Nominiertenliste einen nach seinem Ermessen geeigneten SNCO. Eine Woche nach der Ausschreibung wurde William O. Wooldridge als erster "Sergeant Major of the Army" (SMA) durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt. Als Vorgesetzter des Unteroffizierskorps der U.S. Army gehört der SMA dem Stab des Chief of Staff of the Army an und berät diesen auch in allen dienstlichen Angelegenheiten, welche die Unteroffiziere der Army betreffen, insbesondere in den Bereichen der Ausbildung und Lebensqualität dieser Soldaten. Um diese Aufgaben vor allem zum Wohle der Unteroffiziere auch entsprechend wahrnehmen zu können, ist der SMA sehr viel bei der Truppe unterwegs, überwacht die Ausbildung und führt Gespräche mit den Soldaten und deren Familien. Derzeit ist mit SMA Kenneth O. Preston, welcher am 15. Jänner 2004 vereidigt wurde, der 13. "Sergeant Major of the Army" im Amt.

Erst zehn Jahre nach der erneuten Implementierung des "Sergeant Major" in den Bataillonen und Regimentern, bekam der "Command Sergeant Major" (CSM) im Jahre 1968 ein eigenes Rangabzeichen. Der CSM ist ein weiterer Arbeitsplatz in der U.S. Army. Er ist, als ranghöchster Unteroffizier eines Bataillons und in höheren Stabsstellen, beratend für den kommandierenden Offizier tätig.

Wie schon erwähnt, hat der CSM wesentlich zu einem guten Arbeitsklima und zum Zusammenhalt des Verbandes und daher nicht zuletzt zu dessen Leistungen beizutragen. Er muss seine Soldaten, vor allem deren Talente, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen kennen und ist für die Auswahl des Unteroffiziersnachwuchses sowie die Prägung des Unteroffizierskorpsgeistes in der Einheit verantwortlich.

Zudem soll er als Vorbild an soldatischer Haltung, Disziplin und Pflichtbewusstsein fungieren und in enger Zusammenarbeit mit den First Sergeants die Fachausbildung in den Kompanien überwachen. Er wirkt darüber hinaus auch als Chief Instructor der First Sergeants.

Letzlich trägt er auch die Verantwortung für die Einhaltung des militärischen Protokolls, bis hin zum Erscheinungsbild des Bataillons.

Tradition und Hierarchie der U.S. Army lassen dem CSM einen umfangreicheren Handlungsspielraum und eine entsprechende Macht zuteil werden. Beim direkten Vergleich der Aufgaben eines CSM können wir in weiterer Folge jedoch sehr starke Ähnlichkeiten mit dem Aufgabengebiet des Kommandounteroffiziers im Österreichischen Bundesheer feststellen. Durch die Rollenverteilung, beginnend beim First Sergeant auf der Ebene Kompanie über den CSM auf den Führungsebenen der Bataillone, Regimenter, und Brigaden bis hin zum SMA, entstand ein Netzwerk, in dem in den U.S. Streitkräften auch im sozialen Bereich von Unteroffizieren für Unteroffiziere sowie für deren Familien gearbeitet wird.

Der Regimental Sergeant Major im britischen Militär

Nachdem Soldaten des Österreichischen Bundesheeres schon seit ihrer Beteiligung an Auslandseinsätzen sehr oft und intensiv mit Soldaten der britischen Armee zusammengearbeitet haben, hat sich unsere Armee nicht nur bei der Übersetzung unserer Dienstgrade ins Englische, sondern auch bei der Implementierung des Kommandounteroffiziers im Österreichischen Bundesheer teilweise am britischen Militär orientiert.

Wie schon beim CSM der U.S. Army dient auch hier der historische Hintergrund für ein besseres Verständnis der Funktionen und ermöglicht Vergleiche. Das 18. Jahrhundert war, so zeigt es zumindest die Geschichte, für die Entstehung des "Sergeant Major" von großer Bedeutung. Ähnlich wie bei der U.S. Army, und zum allgemeinen Verständnis dürfen wir auch den Dienstführenden Feldwebel der k.u.k. Armee nicht außer Acht lassen, wurde auch bei den Briten im selben Jahrhundert der Dienstgrad "Sergeant Major" im Bataillons- und Regimentsstab eingeführt. Im Jahr 1813 führten die Kavallerieregimenter den "Troop Sergeant Major" ein, um den Quartiermeister als SNCO der Truppe abzulösen. Dies erforderte jedoch eine Neubenennung der bereits vorhandenen Dienstposten. Daher wurde der "Regimental Sergeant Major"(RSM), mit ähnlichen Aufgaben und Befugnissen wie sein Pendant der CSM der U.S. Streitkräfte, in der britischen Armee eingeführt. Erst später setzte sich in den Kavallerieregimentern der britischen Armee die Kompanie als prinzipielle Unterteilung und taktische Führungsebene durch. Daraus ergab sich für die Briten die Forderung, dass auch ein SNCO auf der Ebene der Kompanie eingeführt werden sollte, vergleichbar mit dem "First Sergeant" der U.S. Army, oder dem schon erwähnten Dienstführenden Feldwebel der k.u.k. Armee. Dieser war für die Ordnung und Disziplin in der Einheit verantwortlich und zugleich der Berater des Kompaniekommandanten. Das war die Geburtsstunde des "Squadron Sergeant Major" (SSM). Die Infanterie jedoch hielt zumindest bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am alten Konzept fest, wonach lediglich ein "Sergeant Major" pro Bataillon verwendet wurde. Erst die Einführung des "Company Sergeant Major" zwang auch die Infanterie dazu, den RSM zu übernehmen. Abweichend von der U.S. Army, wo die Funktion des CSM von einem SNCO ausgeübt wurde, bekleideten ab dem 19. Jahrhundert in der britischen Armee aufgrund der großen Anzahl von vorhandenen RSM-Dienstposten besonders bevollmächtigte Unteroffiziere, so genannte "Warrants", diese Positionen.

Diese Praxis wurde 1915 ausgeweitet und mit der Einführung der neuen Ränge "Warrant Officer Class 1" (WO1) und "Warrant Officer Class 2" (WO2) vereinheitlicht. "Sergeant Major" ist sowohl bei der British Army als auch bei der Royal Navy kein Rang mehr. Er kann aber dennoch als Titel für Verwendungen gebraucht werden, die von Warrants besetzt werden.

Aufgaben und Kompetenzen

Zur Zeit gibt es in der Royal Army den "Regimental Sergeant Major" und den "Company Sergeant Major".

Der "Regimental Sergeant Major", ein "Warrant Officer Class 1", ist der ranghöchste Unteroffizier eines Bataillons oder Regiments. Dieser Dienstposten ist zumindest in Friedenszeiten mit jenen eines CSM der U.S. Army aber auch mit dem Kommandounteroffizier des Österreichischen Bundesheeres, vergleichbar. Sowohl die U.S. Army als auch die Royal Army verfügen in ihren Einsätzen über diese Unteroffiziersschlüsselfunktionen zur Unterstützung des Kommandanten. Das Aufgabengebiet und der Handlungsspielraum eines RSM weichen, abgesehen von den einsatzspezifischen Angelegenheiten, eigentlich kaum von seinen Friedensaufgaben ab. In der SOP (Standard Operating Procedure) des 10th Transport Regiment, das zur Zeit in Zypern stationiert ist, sind unter anderem der Verantwortungsbereich und die Aufgaben des RSM klar definiert. Der RSM ist dem Commanding Officer (CO) für die Disziplin der Non-Commissioned Officers (NCOs) des Regiments verantwortlich. Er ist der Berater des Commanding Officers in allen Angelegenheiten des Regiments und hat ihn laufend und im Speziellen über die Punkte: Disziplin, Wohlergehen und Moral der Truppe zu informieren. Der RSM ist für die Einhaltung der Normen und der Disziplin eines Regimentes verantwortlich. Er überwacht die Erfüllung der Dienstpflichten der NCOs und schreitet dort ein, wo es notwendig ist. Er hat dem CO über negative und positive Leistungen der NCOs zu berichten.

Gemeinsam mit dem Regt. 2IC (dem stellvertretenden Regimentskommandanten) ist der RSM in militärischen Einsätzen für die Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich. Diese reichen von der Einteilung der Wache inklusive der Verwahrung von Häftlingen, über Maßnahmen zur Abwehr von terroristischen Anschlägen bis hin zur Zusammenarbeit mit der Militärpolizei. Der RSM begleitet den CO bei allen Besuchen und im Speziellen bei der Dienstaufsicht.

Beim Vergleich der Aufgaben und Verantwortlichkeiten des RSM sind aufgrund der Tatsache, dass sich das Österreichische Bundesheer bei der Einführung des Kommandounteroffiziers auch an dieser Armee orientiert hat, zumindest im Friedensbetrieb in weiterer Folge Ähnlichkeiten ableitbar. Gerade bei der Einhaltung der Vorschriften und der Disziplin innerhalb eines Regiments, muss der RSM einen sehr engen Kontakt zu den Kompanien halten. Auch hier kommt ein ähnliches Netzwerk, wie jenes der U.S. Army zum tragen. Der RSM hält laufend Kontakt zu den Sergeant Majors der Kompanien und nützt damit den so genannten "Channel of Communication" der Unteroffiziere.

Der Company Sergeant Major, ein Warrant Officer Class 2, ist der SNCO einer Kompanie und in seinen Aufgaben annähernd mit einem First Sergeant der U.S. Army oder aber auch mit einem Dienstführenden Unteroffizier des Österreichischen Bundesheeres vergleichbar.

Kommandounteroffizier - Haupt- oder Zweitfunktion?

Bereits im Jahr 1999 hatte der damalige Kommandant des Kommandos Internationale Einsätze und jetzige Kommandant Streitkräfte, Generalleutnant Mag. Günter Höfler, einen erfahrenen Unteroffizier als unterstützende Funktion in seinen Stab integriert. Dieser musste engen Kontakt zu allen Unteroffizieren seines Verantwortungsbereiches halten und den Kommandanten in Angelegenheiten, vor allem das Unteroffizierskorps betreffend, beraten. Da es sich um einen Unteroffizier im engsten Umfeld des Kommandanten handeln sollte, hat man sich damals für die Funktionsbezeichnung "Kommandounteroffizier" entschieden.

Der erste Kommandounteroffizier im Kommando Internationale Einsätze war Vizeleutnant Werner Zofal. Auch wenn dies für Zofal nur eine Zweitfunktion war, konnte er sich durch seine umfangreichen Erfahrungen in der Zusammenarbeit speziell mit den RSM der Royal Army während vieler seiner Auslandseinsätze nach eigenen Angaben sehr gut auf diese Aufgabe einstellen.

Zofal meinte rückblickend nicht ohne Stolz: "Ich fühlte mich bei der Arbeit als Beobachter und Berater wohl und konnte mich dort verwirklichen". Weiters sagte er: "Die besondere Herausforderung war für mich, dass ich an der Basis, genau dort, wo die Unteroffiziere so wertvolle Arbeit leisten, beraten und helfen konnte. Ich sah mich als Bindeglied und Vermittler und habe oft Probleme frühzeitig erkannt. Mein Kommandant und ich waren dadurch in der Lage, ganz konkret für das Unteroffizierskorps zu arbeiten. […]. Mit dem Erfolg stieg auch das Ansehen. Mir war immer klar, dass ich nicht alle Probleme lösen konnte, aber zumindest konnte ich nach Lösungsansätzen suchen und diese unserem Kommandanten vorschlagen. [...] Ich hatte eine Zweitfunktion, aber für mich war das keine Bürde, sondern eine Ehre, dass ich die Schnittstelle zwischen meinem Kommandanten und meinen Unteroffizierskameraden sein durfte." Natürlich hob die Einführung eines Kommandounteroffiziers den Stellenwert der Unteroffiziere des konkreten Führungsbereiches aus deren Sicht erheblich an. Auch wenn immer wieder der Versuch von Vergleichen des österreichischen Pendants mit den oben beschriebenen Spitzenunteroffizieren in den USA oder Großbritannien erfolgten, ließen sich nur manche Aufgaben, keineswegs aber die Befugnisse des Kommandounteroffiziers mit jenen eines CSM oder RSM, gleichsetzen.

Im Jahr 2002 wurde diese Schlüsselfunktion mit der nun offiziellen Bezeichnung "Kommandounteroffizier" an der Heeresunteroffiziersakademie, im Kommando Internationale Einsätze, und wenige Monate später ebenso beim Kommando Landstreitkräfte, als Arbeitsplatz eingeführt. Das war der erste Schritt der Übernahme dieser Funktion bis auf Verbandsebene - bewusst nicht als Kopie der Modelle anderer Armeen, sondern abgestimmt auf die Bedürfnisse des Österreichischen Bundesheeres.

Die Aufgaben des Kommandounteroffiziers

Die Aufgaben des Kommandounteroffiziers sind in der Arbeitplatzbeschreibung zusammengefasst. Sie umfassen vor allem zwei Aufgabenbereiche:

  • den Dienst um den Kommandanten und
  • die Bindegliedfunktion zu den Unteroffizieren.

Was verbirgt sich konkret hinter diesen sehr verkürzt dargestellten Aufgabengebieten?

  • Der Kommandounteroffizier ist Schnittstelle zwischen Kommandant und Unteroffizierskorps.
  • Er berät den Kommandanten in allen Unteroffiziersfragen.
  • Er begleitet und unterstützt den Kommandanten bei der Wahrnehmung der Dienstaufsicht, v. a. in den Bereichen Ausbildung, Ausbildungsmethodik, Führungsverhalten oder bei Gefechts- und Führungsproblemen der nachgeordneten Ebene.
  • Er wirkt bei der Planung und Durchführung der Aus-, Fort- und Weiterbildung des Kaders mit. (Diese Aufgabe wird in weiterer Folge nach einer etwaigen flächendeckenden Einführung der Kommandounteroffiziere in den Brigaden und Bataillonen eine besondere Rolle spielen.)
  • Er ist Verbindungsglied zu den Ausbildungsstätten für Unteroffiziere.
  • Er agiert als Projektleiter für das eigene Kommando bei Änderungen im Ausbildungs- und Anforderungsprofil für Unteroffiziere.
  • Er wirkt bei der Wahrung der Formaldisziplin im Unteroffizierskorps mit, wobei in dieser Frage natürlich das Vorbildverhalten eine besondere Rolle zu spielen hat.
  • Als Administrationsorgan für den Kommandanten unterstützt er v. a. in Bezug auf Reisebewegungen oder bei protokollarischen Erfordernissen.
  • Er berät den Kommandanten bei der Bearbeitung von Disziplinar- und Beschwerdefällen aus dem Kreis des Unteroffizierskaders.
  • Er begleitet bei offiziellen und repräsentativen Anlässen den Kommandanten, v. a. wenn dieser dabei mit Unteroffizieren aus seinem Befehlsbereich direkt arbeitet.
  • Er hält Kontakt zu vergleichbaren Funktionen im internationalen Bereich mit dem Zweck der Einrichtung eigener Netzwerke für einen Erfahrungsaustausch.
  • Er betreut Angehörige der sich im Ausland befindlichen Bediensteten, auch hier vorrangig auf Ebene der Verbände.
  • Er berät und betreut Chargen und Rekruten, da diese Soldaten für die Nachwuchsgewinnung im Unteroffizierskorps von größter Wichtigkeit sind.

Kompetenzen des Kommandounteroffiziers Im Jahr 2002, als der Kommandounteroffizier in den Organisationsplänen des Österreichischen Bundesheeres erstmals auftauchte, wurde in der Zeitschrift TRUPPENDIENST ("Ausbildungssplitter: Ein ‚Erster Unteroffizier‘ für die Heeresunteroffiziersakademie" TD Heft 1/2002) ein Beitrag veröffentlicht, der unter anderem folgende Ausführungen enthielt:

"Die Heeresunteroffiziersakademie bekam mit dem neuen Organisationsplan die Position eines ‚Ersten Unteroffiziers‘ nach dem Vorbild des ‚Command Sergeant Majors‘ […]".

Dahinter war eine gute Absicht zu erkennen. Diese Ankündigung brachte aber auch gleichzeitig kräftigen Wind in die Segel der Gegner. Denn obige Formulierung weckte Ängste, ein österreichischer Unteroffizier könnte dieselben Befugnisse wie ein CSM oder ein RSM erhalten. Diese Befürchtungen waren aus der Sicht des Verfassers unbegründet.

Um die oben angeführten Aufgaben auch im Sinne des Kommandanten und im Interesse des Unteroffizierskorps zufriedenstellend erfüllen zu können, braucht der Kommandounteroffizier allerdings nicht nur bestimmte Rechte, sondern v. a. besondere Fähigkeiten und Kompetenzen in folgenden Bereichen:

  • Führungsstärke - auch wenn er nicht Kommandant oder Ausbilder an der Basis sein soll;
  • Delegationsgeschick - gezielte Weitergabe von Verantwortung an andere im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten;
  • Präsentationskenntnisse;
  • soziale Kompetenz - insbesondere in den Teilbereichen Kommunikation und Konfliktbewältigung;
  • Geschick im Zeitmanagement;
  • mentale Stärke im Sinne von Stressbewältigung als Vorbild und zur Aufrechterhaltung der eigenen Leistungsfähigkeit über lange Zeit;
  • Fachwissen für die Dienstaufsicht.

Zusammenfassung und Folgerungen

Mit der Etablierung der Kommandounteroffiziere im Österreichischen Bundesheer wurden zunächst die Bedeutung und der Stellenwert dieser Dienstgradebene innerhalb und außerhalb der Streitkräfte angehoben. Durch diese Maßnahme hat sich das Bundesheer einmal mehr national und international in eine neue und Erfolg versprechende Richtung bewegt.

Der Kommandounteroffizier hat im Gegensatz zur Personalvertretung vorrangig auf die Interessen des UO-Korps wahrzunehmen und dessen Stellenwert zu heben und sollte daher als sinnvolle Ergänzung verstanden werden.

Zusätzlich zum Kommandounteroffizier der Streitkräfte, sollten jetzt die Brigaden und die Bataillone Kommandounteroffiziere erhalten - jedoch nicht als Zweitfunktion wie derzeit vorgesehen. Dies würde die Bedeutung des Unteroffiziers anheben und ein effizientes Netzwerk von Kommandounteroffizieren zur Unterstützung der Kommandanten schaffen. Ein sichtbares Kennzeichen an der Uniform wäre gleichfalls zu überlegen.

Da im Österreichischen Bundesheer, auf den Ebenen der Bataillone und Brigaden vergleichbare Funktionen fehlen, können auch keine direkten Vergleiche mit den Vernetzungsmöglichkeiten des CSM- oder RSM-Systems erfolgen. Eine ähnliche Struktur könnte aber erhebliche Erfolge besonders in der Nachwuchsarbeit erzielen und zusätzlich auch zu einer Hebung des Ansehens der Unteroffiziere innerhalb und außerhalb des Bundesheeres führen.


Autor: Vizeleutnant Othmar Wohlkönig, Jahrgang 1959, Einrückungstermin 1979 beim damaligen Jagdpanzerbataillon 4 in Graz; Ausbildung zum Unteroffizier und Stabsunteroffizier; Verwendungen als Zugskommandant am Jagdpanzer "Kürassier", Hilfsreferent für Körper- und Alpinausbildung sowie als S3-UO beim Militärkommando Steiermark, Sachbearbeiter für Evaluierung und Kommandounteroffizier beim Kommando Internationale Einsätze. Seit September 2006 Kommandounteroffizier der Streitkräfte. Absolvent des 7. Weiterbildungslehrganges für Stabsunteroffiziere. Auslandsverwendungen: 1990 Absolvierung der Zentralen Instruktorenschule in der Schweiz; 1994, 1997 und 2001 Kommandant der Kommandogruppe bei UNFICYP, dazwischen Instruktor für das Ablösekontingent der Slowakei in Zypern, 1998 Kommandant der Kommandogruppe bei SFOR in Bosnien sowie 2003 bis 2005 Kommandant der Kommandogruppe bei UNDOF.

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