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Die Militärmusik Niederösterreich

Schon mehr als 50 Jahre lang ist die Militärmusik Niederösterreich ein wichtiges Bindeglied zwischen der Bevölkerung und ihren Soldaten. Als bedeutender Kulturträger dient sie auch als Fort- und Weiterbildungsstätte für heimische Blasmusiker.

Obwohl die Militärmusik Niederösterreich erst 1957 neu gegründet wurde, kann sie auf eine beinahe 300-jährige Tradition zurückblicken. Ihre Wurzeln lassen sich bis in das Jahr 1715 zurückverfolgen. Einen ersten musikalischen Höhenflug erlebten die Musikkapellen des k.u.k. Infanterieregimentes Nr. 49 und des k.u.k. Infanterieregimentes Nr. 84.

Die Militärmusik Niederösterreich entstand im Waldviertel, und zwar in Horn. Dort wurde am 1. Februar 1957 die Militärmusik des Feldjägerbataillons 9 formiert.

Nach Zwischenstationen in Krems und Mautern zog es die Militärmusik immer weiter in den Süden Niederösterreichs. Ihre endgültige Heimat fand sie schließlich im Jahr 1964 in der Hesser-Kaserne in St. Pölten. Zu dieser Zeit verpflichtete sich die Militärmusik zu Schallplattenaufnahmen, bei denen die Traditionsmärsche der ehemaligen niederösterreichischen k.u.k. Infanterie-Regimenter eingespielt wurden.

Seit 1965 nimmt die Militärmusik auch Aufgaben wahr, die über den normalen dienstlich-militärischen Bereich hinausgehen: Sie war bereits live auf Österreichs Fernsehbildschirmen zu sehen, wirkte etliche Male in Fernsehfilmen mit und war ständiger Gast im Rundfunkstudio. In dieser Zeit wurden erste Auslandskontakte geknüpft, und es entstanden mehrere Tonbandaufnahmen, die von der Unterstufe bis zur Kunststufe reichten (hier: von leichten bis zu schwierigen Musikstücken). Zehn Jahre später produzierte die Militärmusik einige Aufnahmen im ORF-Landesstudio Niederösterreich und eine Musik-Kassette mit Volksmusik aus Niederösterreich. In dieser Zeit wirkte die Militärmusik Niederösterreich auch bei den Aufnahmen zum US-Spielfilm "A Little Night Music" (deutscher Titel "Das Lächeln einer Sommernacht"; Regie: Harold Price; mit Elizabeth Taylor, Diana Rigg, …) mit.

Später wurden neben CD-Aufnahmen auch mehrere Auftritte im Rahmen von Live-Sendungen des ORF bestritten. Die Beziehungen zum ORF sind bis heute sehr gut. Bisher entstanden folgende Tonträger:

  • "Traditionsmärsche" (LP);
  • "Militärmärsche und Großer Zapfenstreich des Österreichischen Bundesheeres" (CD);
  • "Ein musikalisches Portrait" (CD);
  • "Der Große Zapfenstreich des Österreichischen Bundesheeres" (CD);
  • "Stolz auf Niederösterreich" (CD);
  • "Worldhits Dancing" (Tanzorchester) (CD);
  • "Blasmusik aus Österreich" (DVD).

Die Musikmeister

Der Musikmeister ist mit dem dienstführenden Unteroffizier einer Kompanie vergleichbar. Er ist ranghöchster Unteroffizier im Militärmusikfachdienst. Er führt beim Marschieren die Musikkapelle an und unterscheidet sich von seinen Kameraden durch eine Schärpe und einen Tambourstab (Stabführer).

Der erste Musikmeister der Militärmusik Niederösterreich war Vizeleutnant Leopold Jörgo.

Am 1. September 1972 übernahm Vizeleutnant Johann Reinisch dieses Amt. Sein Nachfolger wurde am 1. Mai 1993 Vizeleutnant Fritz Swoboda. Seit 1. Mai 1999 ist Vizeleutnant Johann Holzapfel der Musikmeister der Militärmusik Niederösterreich.

Die Kapellmeister

Friedrich Görrlich wurde 1957 als Militärkapellmeister mit der musikalischen Leitung der Militärmusik des Feldjägerbataillons 9 in Horn betraut. Mit 31. Juli 1965 schied Militärkapellmeister Görrlich aus dem aktiven Dienst aus.

An seine Stelle trat Militärkapellmeister Josef Kohisch von der Gardemusik. Dieser leitete die Militärmusik Niederösterreich bis 31. Dezember 1970.

Mit 1. Jänner 1971 wurde Militärkapellmeister Johannes Eibl die Leitung der Militärmusik Niederösterreich anvertraut.

Militärkapellmeister Hans Schadenbauer, der hauptamtlich bei der Militärmusik Burgenland in Eisenstadt tätig war, übernahm mit 31. März 1972 interimsmäßig die Leitung.

Militärkapellmeister Adolf Plank wurde am 1. Oktober 1972 mit der Leitung der Militärmusik Niederösterreich betraut. Er schied jedoch am 10. Februar 1974 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst.

Der aus der Steiermark stammende Militärkapellmeister Rudolf Schrumpf wurde am 14. Februar 1974 der neue Leiter der Militärmusik. Doch er wanderte nach vierjähriger Tätigkeit am 30. Mai 1978 zur Militärmusik Burgenland ab.

Der Steirer Sigismund Seidl kam als neuer Militärkapellmeister am 1. Mai 1978 zur Militärmusik Niederösterreich. Zwei Jahre später wurde er mit der Leitung der Militärmusik Kärnten betraut.

Militärkapellmeister Oberst Anton Pistotnig leitet seit 15. April 1980 die Militärmusik Niederösterreich. Er wurde 1949 in Lavamünd (Kärnten) geboren und entstammt einer Musikerfamilie. Schon im Alter von sechs Jahren lernte er Violine und seit seinem 14. Lebensjahr Oboe. Nach der Ausbildung am Kärntner Landeskonservatorium wirkte er im Orchester des Klagenfurter Stadttheaters, im Kärntner Landessymphonieorchester und im Kärntner ORF-Kammerorchester. Darüber hinaus spielte er als Solist in verschiedenen Kammermusikensembles. 1979 legte er die Militärkapellmeisterprüfung ab. Zum Niederösterreichischen Blasmusikverband hat Militärkapellmeister Pistotnig ein besonderes Nahverhältnis, der ihm von 1982 bis 1999 die Funktion des Landeskapellmeisters übertrug.

Der "Wandertrieb" der Kapellmeister hatte jedenfalls auch positive Seiten, denn jeder neue Leiter brachte neue Impulse. So blieb die Militärmusik Niederösterreich immer ein lebendiger und interessanter Klangkörper.

Über 200 Einsätze pro Jahr

Die Musiker absolvieren jährlich über 200 Einsätze. Somit ist die Militärmusik Niederösterreich oft unterwegs und bringt ihre Klangvielfalt auch bis in entlegene Winkel des Bundeslandes. Dabei werden Veranstaltungen aller Art musikalisch gestaltet: Angelobungen, Staatsempfänge, Paraden, Musikzusammenziehungen, militärische Feiern und Begräbnisse, Ensembleeinsätze, Bälle und Benefizkonzerte. Auch bei Veranstaltungen von Land, Gemeinden, Vereinen und karitativen Organisationen kommt die Militärmusik zum Einsatz.

Die Militärmusik Niederösterreich begnügt sich nicht nur mit der Wiedergabe der in aller Welt beliebten Werke der "Genies auf Befehl", wie man die komponierenden Militärkapellmeister einst nannte, sondern sie versucht, den Zuhörern auch moderne Blasmusik nahezubringen. Ihr Musikrepertoire ist breit gefächert - vom traditionellen Marsch über symphonische Blasmusik bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen. Werke von Strauß und Ziehrer beherrscht die Militärmusik genauso wie Kompositionen von Glenn Miller, Vangelis oder Robert W. Smith.

Der alljährliche musikalische Höhepunkt im Wirken der Militärmusik Niederösterreich ist das Frühjahrskonzert im Festspielhaus St. Pölten, welches weit über die Grenzen des Bundeslandes Niederösterreich hinaus bekannt ist. Seit dem Jahr 2001 wird das Konzertprogramm an zwei aufeinander folgenden Tagen dem Publikum im Großen Saal des Festspielhauses dargeboten (ca. 1 200 Besucher pro Konzert). 2009 findet dieses Ereignis zum 18. Mal statt. Bei 14 Frühjahrskonzerten wirkten auch andere europäische Militärkapellen mit, und zwar

  • die Garnisonsmusik Brünn (1993 und 2000),
  • die Militärmusik der Garnison Bratislava (1994),
  • das Zentralorchester der ungarischen Honved-Armee (1995),
  • die Militärmusik der Spanischen Luftstreitkräfte Madrid (1997),
  • die Königliche Militärkapelle der Belgischen Luftwaffe (1998),
  • die Banda Centrale della Marina Militare Rom (1999),
  • die U.S. Army Europa Band (2001),
  • das Musikkorps der Königlichen Dänischen Leibgarde (2002),
  • das Gebirgsmusikkorps 8 aus Garmisch-Partenkirchen (2003),
  • das Militärorchester der Slowenischen Streitkräfte (2004),
  • das Repräsentationsorchester Schweizer Armeespiel (2005),
  • die Militärmusik der Garnison Rzeszów in Polen (2006) und
  • die Musique Militaire Grand Ducale aus Luxemburg (2007).

Auslandseinsätze

Bereits im Jahr 1969 unternahm die Militärmusik Niederösterreich eine zehntägige Reise in die Schweiz und konzertierte in Zürich und Bern. 1982 wirkte sie bei den Ostalbwochen in Heidenheim/Brenz (eine Schwesterstadt der Garnison St. Pölten) mit und erntete für die Wiedergabe des "Österreichischen Zapfenstreiches" besonderen Beifall. Mit ihrer unverwechselbaren österreichischen Note fand die Musikkapelle des Militärkommandos Niederösterreich im November 1983 bei der "Zehnten Musikschau der Nationen" in Bremerhaven größte Beachtung und erntete stürmische Ovationen. Weitere Auslandsreisen führten die Militärmusik Niederösterreich unter anderem nach Syrien, Ungarn und Belgien. Anlässlich des Österreichischen Nationalfeiertages reiste 2008 das Tanzorchester der Militärmusik nach Israel und gab in Jerusalem und Tel Aviv mehrere Vorstellungen.

Das Orchester

Rund ein Drittel der 47 Personen starken Militärmusik wird durch das Kaderpersonal, die "beamteten Musiker", gestellt. Ein weiteres Drittel sind zeitverpflichtete Soldaten. Das restliche Drittel wird aus Grundwehrdienern rekrutiert. (Das Trommelpony im Rang eines Zugsführers wurde 1999 aus dem Stand genommen).

Wer seinen Dienst bei der Militärmusik leisten will, muss sich als Kurz-Zeitsoldat für acht weitere Monate verpflichten (gesamt 14 Monate). Der intensive musikalische Start - mit täglichen Proben und musiktheoretischem Unterricht - setzt erst nach der sechswöchigen Grundausbildung ein. Das "Kondition-Tanken" während der Grundausbildung hat später sein Gutes. Der Atem muss ja nicht nur für das Musizieren, sondern auch für das Musikexerzieren reichen. Für die Ausbildung zum Musikoffizier ist der Abschluß einer Musikhochschule oder eines Konservatoriums Voraussetzung.

Für viele Rekruten ist der Dienst bei der Militärmusik Niederösterreich die Basis für eine hauptberufliche musikorientierte Tätigkeit (z. B. als Berufsmusiker in Orchestern, Kapellmeister bei Zivilkapellen oder als Musiklehrer in Musikschulen). Durch die ständige Probenarbeit und die häufigen Auftritte haben die jungen Musiker die Gelegenheit, ihr Können immer weiter zu perfektionieren. Seit der Gründung der Militärmusik Niederösterreich im Jahr 1957 haben ca. 1 500 Rekruten ihren Präsenzdienst bei der Militärmusik Niederösterreich abgeleistet.

Kleinere Formationen der 47 Mann starken Musikertruppe sind:

  • Brassquintett (2 Trompeten, Posaune, Horn, Tuba)
  • Klassisches Quintett (Oboe, Flöte, Klarinette, Fagott, Horn)
  • Quartett (zwei Trompeten, Posaune, Tuba)
  • Saxophonquartett
  • Einzelmusiker
  • Tanzorchester (2 Saxophone, 2 Trompeten, 2 Posaunen, E-Bass, Gitarre, Piano, Schlagzeug)
  • Big Band (5 Saxophone, 4 Trompeten, 4 Posaunen, E-Bass, E-Gitarre, Piano, Schlagzeug)
  • Dixielandmusik (Klarinette, Trompete, Posaune, Sousaphon, Schlagzeug)
  • Egerländermusik (Holz-, Blech- und Schlaginstrumente v. a. zur Wiedergabe "Böhmischer Blasmusik").

Der Tagesablauf für Grundwehrdiener der Militärmusik

Um sechs Uhr früh heißt es Tagwache. Nach dem Frühstück beginnt um 0730 Uhr der Dienst. Nach der Standeskontrolle spielt sich jeder Musiker auf seinem Instrument ein, um für die Orchesterprobe um 0815 Uhr aufgewärmt zu sein. Diese dauert mit einer kurzen Pause bis zum Mittagessen um 1130 Uhr. Um 1215 Uhr versammeln sich alle im Gebäude der Militärmusik. Nun hat jeder Gelegenheit, allein am Instrument zu üben, um sich für die Probe am nächsten Tag oder für Konzerte vorzubereiten. Auch die Proben der verschiedenen Ensembles fallen in die Zeit des Nachmittags. Manchmal setzen Registerführer (Blaskapellen, Instrumentengruppen oder verschiedene Instrumente werden in Register eingeteilt und von Registerführern geleitet) eine Sonderprobe für ihr Register an, um mit diesem besonders schwierige Passagen zu üben.

An manchen Tagen findet musiktheoretischer Unterricht statt. Die Musiker sollen sich ja nicht nur auf ihr Instrument verstehen, sondern die Interpretationen ihres Kapellmeisters ebenso gedanklich nachvollziehen können. Nach der Reinigung der Unterkunft und der Probenräume - die Militärmusik versorgt sich völlig selbstständig ohne Einsatz musikfremden Personals - endet um 1615 Uhr der offizielle Dienst. Solche Tage sind allerdings aufgrund der zahlreichen Einsätze nicht allzu häufig.

Nicht selten ist, dass einzelne Musiker auch in ihrer Freizeit auf ihrem Instrument üben oder in einem Ensemble musizieren. Viele junge Musiker nehmen auch außerhalb des Militärdienstes Unterricht an den Musikschulen in ihrem Heimatort, an den Konservatorien in Wien und Linz oder an der Wiener Musikhochschule. Fast alle wirken zusätzlich in ihrer heimischen Blasmusikkapelle mit, und einige substituieren (d. h. sie sind nicht fix im Orchester engagiert) sogar in Profi-Orchestern bis hin zu den Wiener Philharmonikern.

Militärkapellmeister Anton Pistotnig fördert diese außermilitärischen musikalischen Tätigkeiten. Denn für die Militärmusik Niederösterreich ist es durchaus gut, wenn die Mitglieder auch anderswo musikalische Erfahrungen sammeln, solange sie bei den eigenen Einsätzen stets gut vorbereitet mitwirken.

Über mangelnden Nachwuchs kann sich die Militärmusik nicht beklagen, wenngleich sich der Andrang seit der Kürzung des Grundwehrdienstes auf sechs Monate vermindert hat. Jedes Jahr melden sich trotzdem zahlreiche Wehrpflichtige zur Militärmusik Niederösterreich - doch können nicht alle aufgenommen werden. Die Bewerber müssen sich unter anderem einem harten Probespiel unterziehen. Eine gute Auswahl der Bewerber ist von entscheidender Bedeutung, denn die Neulinge müssen sich innerhalb kurzer Zeit in das Blasorchester einfügen und bei den Einsätzen der Militärmusik mitspielen.

Generell gilt jedoch für alle Militärmusiker: Liebe zur Musik und musikalisches Können lassen sich nicht befehlen, sie müssen aus jedem Mitglied der Musikkapelle selbst kommen.


Autor: Oberst Anton Pistotnig, Jahrgang 1949. Studium am Kärntner Landeskonservatorium in Klagenfurt, 1979 Abschluss der Ausbildung zum Militärkapellmeister und ab 1980 Kommandant der Militärmusik Niederösterreich. 1982 bis 1999 Landeskapellmeister im Niederösterreichischen Blasmusikverband.

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