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Fokus: "Numquam retro - niemals zurück"

Das Jagdkommando des Österreichischen Bundesheeres ist seit jeher ein Verband im Spannungsfeld zwischen totaler Zustimmung und völliger Ablehnung. Gründe dafür gibt es vermutlich viele - ein wesentlicher dürfte wohl in dem "Anders-sein" des Verbandes und damit auch der Angehörigen der Spezialeinsatzkräfte sein.

Eine vor mehreren Jahren durchgeführte Fragebogenerhebung identifizierte die Faktoren "Abwechslung", "Herausforderung" und "Elite" als die wesentlichen Motivationsfaktoren für die Zugehörigkeit zum Jagdkommando. Möglicherweise führt aber der Begriff "Elite" zur Einnahme einer der beiden oben angeführten Haltungen gegenüber dem Jagdkommando.

Die Heranbildung einer Elite beginnt bereits im Stadium der Eignungsfeststellung. Zum Auswahlverfahren für den Jagdkommandogrundkurs dürfen nur Soldaten antreten, deren psychologische Testwerte bei der Stellungskommission mindestens gleich gut sind wie jene der Offiziersanwärter und Militärluftfahrzeugführer. Der Grund dafür liegt in der Tatsache, dass in Einsätzen der heutigen Zeit neben Kommandounternehmen, Überfall und Hinterhalt auch hochkomplexe Aufklärungsmittel, Hightech-Übertragungsmittel und Ähnliches beherrscht werden müssen.

Will das Jagdkommando geeignete Soldaten auswählen, so muss es sich im Auswahlverfahren auch selbst als Elite präsentieren, denn schließlich macht sich auch der Anwärter ein Bild von der "Firma Jagdkommando". Die Selbstpräsentation als Elite mit Außenwirkung äußert sich in der Grundhaltung, denn die äußere Haltung spiegelt die innere Einstellung wider. Um den elitären Anspruch der Anwärter aufrechtzuerhalten, laufen Auswahlverfahren und Jagdkommandoausbildung in einer sehr exklusiven Weise ab. Die Ausbildung an speziellen Waffen und Gerät, das Training in speziellen Verbringungsmethoden wie mittels Fallschirmspringen oder amphibischer Fortbewegung oder das Erlernen spezieller vertikaler Eindringtechniken wie das Abseilen von Hubschraubern vermitteln eindeutig, in welchem Segment militärischer Tätigkeiten das Jagdkommando aktiv ist. Genau diese Spezialisierung in einer Nische entspricht der Motivation, sich zum Dienst in einem Spezialeinsatzkräfteverband zu melden. Dafür lohnen sich das umfangreiche Training und die ständig notwendige Selbstdisziplin. Wenn das Leben eines Jagdkommandosoldaten auch für einen Außenstehenden hart und entbehrungsreich aussehen mag, so bedeutet es doch für den Einzelnen die Erfüllung seiner Träume, die Umsetzung seiner Wertvorstellungen und die Verwirklichung seiner Überzeugungen im Kreise von Gleichgesinnten.

Das Jagdkommando versucht einerseits hinsichtlich klassischer militärischer Fertigkeiten eine Elite darzustellen, indem Gefechtsdienst, Waffen- und Schießdienst, Karten- und Geländekunde etc. besonders sorgfältig aus- und fortgebildet werden. Darüber hinaus wird aber auch auf besondere Eigenschaften wie geistige Beweglichkeit, Besonnenheit oder interkulturelle Kompetenz (so genannte Softskills) Wert gelegt, da Einsätze oft mit kurzer Vorwarnzeit in Krisen- oder Kriegsgebieten mit labilen politischen, ethnischen oder religiösen Strukturen stattfinden. Unangemessenes Handeln kann in solchen labilen Strukturen schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Von einer Eliteeinheit wird aber erwartet, dass jeder einzelne Soldat in jedem klimatischen Umfeld auch ohne Einzelbefehle und die Möglichkeit von Rückfragen unter Zugrundelegung einer Angemessenheitsprüfung adäquat im Sinne des übergeordneten Auftrags handelt. Das heißt, die Soldaten des Jagdkommandos handeln grundsätzlich in einem Bereich eines höher kalkulierbaren Risikos als Soldaten anderer Teilstreitkräfte des Österreichischen Bundesheeres.

Dennoch, Elite in einem Bereich kann ein Defizit in anderen Bereichen bedeuten. Besondere Aufträge erfordern besondere Spezialisierungen, und gelegentlich geht eine hohe fachliche Spezialisierung einher mit einer Einengung der Wahrnehmungs- und Interessenlage.

In Summe lässt sich zusammenfassen, dass das Jagdkommando, trotz des elitären Anspruches in seiner Einzigartigkeit nicht vergleichbar ist und damit eine Einordenbarkeit in die "konventionellen Bereiche" des Österreichischen Bundesheeres nicht möglich ist.

Der Leitspruch des Verbandes: "Numquam retro - niemals zurück" ist daher als selbstdefinierte Richtung - nach vorne - zukunftsorientiert zu verstehen und wird auch so gelebt.

Autor: Oberstleutnant dG Mag. Horst Hofer

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