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Der Eurofighter "Typhoon" (X)

Materialerhaltung

Die Durchführung und Aufrechterhaltung des Flugbetriebes des Eurofighters "Typhoon" ist von mehreren Faktoren abhängig. Die technische Einsatzbereitschaft richtet sich hauptsächlich nach Flugstunden und nach Kalenderjahren und umfasst mehrere Materialerhaltungsstufen.

Seit dem 12. Juli 2007 befindet sich der erste Eurofighter "Typhoon", Kennzeichen 7L-WA, im Besitz des Österreichischen Bundesheeres. Bereits eine Woche nach Überstellung dieses Luftfahrzeuges (Lfz) vom EADS-Werk (Manching, Deutschland) durch einen Werkspiloten übernahm ein österreichischer Pilot das Luftfahrzeug von einem österreichischen Luftfahrzeugtechniker und startete problemlos zum ersten Flug.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt musste die Materialerhaltung des Eurofighters in Österreich implementiert und einsatzbereit sein. Die Ausbildung der ca. 70 Techniker hatte vorgestaffelt schon Jahre zuvor begonnen. Das Österreichische Bundesheer konnte somit bei der Implementierung des Systems auch rechtzeitig mit der Wartung und Materialerhaltung beginnen.

Bis Jänner 2009 wurden neun Eurofighter nach Österreich überstellt und von der Fliegerwerft 2 in Zeltweg übernommen. In diesem Jahr werden noch sechs weitere "Typhoon" aus dem Retrofit-Programm (gebrauchte Luftfahrzeuge aus dem Bestand der Deutschen Luftwaffe) in Zeltweg erwartet.

Organisation der Fliegerwerft 2

Die Fliegerwerft 2 wurde zur Typenwerft für das Waffensystem Eurofighter "Typhoon" bestimmt. Im Zuge der im September 2006 abgeschlossenen Umstrukturierung der Fliegerwerft 2 integrierte das Österreichische Bundesheer alle technisch-logistischen Einheiten des Überwachungsgeschwaders (zwei fliegertechnische Kompanien in Zeltweg und Graz) in die Fliegerwerft 2. Nach der Außerdienststellung des Saab "Draken", des Vorgängers des Eurofighters, werden dort nun die Eurofighter "Typhoon", die Saab 105 Ö und die PC-7 betreut. Bis Juni 2008 wartete das Bundesheer die von der Schweiz geleasten F-5E "Tiger" im Fliegerhorst Nittner in Graz/Thalerhof. Im Oktober 2008 wurde dieses Personal nach Zeltweg versetzt und in die dort dislozierten Dienststellen aufgeteilt.

Gegenwärtig sind alle technischen Elemente zur Gewährleistung des Betriebes des Systems Eurofighter im Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg beheimatet.

Mit der "Fachabteilung Flugbetrieb Eurofighter" (FAbt Flugbetrieb EF) stellte die Fliegerwerft ein Supportelement auf, das vollständig mit Soldaten besetzt ist. Seine Aufgabe ist es, den täglichen Flugbetrieb mittels technischer Unterstützung zu organisieren sowie die Materialerhaltung der Waffenanlage (Bordkanone und Luft-Luft-Lenkwaffen) durchzuführen.

Die "Fachabteilung Technik Eurofighter" (FAbt Technik EF) ist für die Basismaterialerhaltung (BasisMatE) des "Typhoon" verantwortlich. Dieses Organisationselement besteht aus Soldaten und Zivilbediensteten, welche hier aus den ehemaligen fliegertechnischen Kompanien und der System-Fachabteilung Saab "Draken" zusammengeführt wurden.

Die Fachabteilungen "Technik 105" (FAbt Te 105), "Technik PC-7" (FAbt Te PC-7), "Umlaufteile" (FAbt Umlaufteile), "Bodenanlagen" (FAbt Bodenanlagen) sowie die Abteilung "Materialbereitstellung" (FAbt Materialbereitstellung) haben ihr Aufgabenspektrum behalten und lediglich ihre Tätigkeiten an das Waffensystem Eurofighter angepasst.

Zusätzlich gibt es nun eine Außenstelle des Materialstabes Luft (MSL) in Zeltweg, die den Betrieb des Eurofighters in technisch-logistischer Hinsicht unterstützt.

Materialerhaltungskonzept Eurofighter

Das Eurofighter-Wartungskonzept des Österreichischen Bundesheeres beinhaltet neben außerplanmäßigen Kontrollen, normierte, regelmäßig durchzuführende Kontrollabläufe, die entweder nach Flugstunden (10, 25, 50, 100, 200, 400, 800, 1 200 und 1 600) oder nach Kalenderjahren (2, 4, 8 und 12) abzuwickeln sind. Dabei gibt es verschiedene Maintenance Levels (ML, Materialerhaltungsstufen).

Maintenance Level 1:

Der Maintenance Level 1 (Technische Unterstützung des unmittelbaren Flugbetriebes) umfasst jene technischen Wartungsroutinen, die zwar nicht zur Materialerhaltung (MatE) im engeren Sinn zählen, jedoch trotzdem notwendigerweise - oder zweckmäßigerweise - vom technischen Personal durchzuführen sind (z. B. Kontrollen vor, zwischen und nach den Flügen, Versorgung mit Betriebsstoffen, Munitionieren, Rangieren). Diese Tätigkeiten werden von der FAbt Flugbetrieb EF übernommen.

Maintenance Level 2:

Der Maintenance Level 2 (Benützer- und Basismaterialerhaltung) umfasst in erster Linie jene Arbeiten der Luftfahrzeug-Systemwartung, deren Durchführung zur Aufgabenerfüllung im Einsatz notwendig ist. Darunter fallen sowohl planmäßige als auch außerplanmäßige Wartungsereignisse (z. B. 10-, 25-, 50-Flugstundeninspektion, Fehlersuche im Bereich verschiedener Systemkomponenten).

Diese Tätigkeiten werden am Luftfahrzeug vom Personal der FAbt Technik EF und im "Bereich Waffe" von der FAbt Flugbetrieb EF durchgeführt.

Maintenance Level 3:

Unter der Maintenance Level 3 (Industrieinstandhaltung) fallen alle Kontrollen oberhalb der 800-Flugstunden-Inspektion und der 8-Jahreskontrolle. Diese Tätigkeiten werden nach derzeitigem Stand durch die Firma EADS in Manching durchgeführt. Auch größere technische Modifikationen werden hier vorgenommen wie etwa die Umrüstung der Tranche 1 auf die Tranche 2.

Maintenance Level 4:

Der Maintenance Level 4 (Depot-Maintenance) beinhaltet Wartungsmaßnahmen der einzelnen Line Replaceable Items (LRI); also von Teilen die wieder instandgesetzt werden müssen, nachdem sie im Maintenance Level 2 und 3 ausgetauscht wurden.

Materialversorgung

Die Materialversorgung wird durch ein eigenes Lager in der Fliegerwerft 2 sowie durch den direkten Kontakt zur Industrie sichergestellt. Zudem können für defekte Ersatzteile Garantieansprüche bis zu einem Jahr nach Auslieferung geltend gemacht werden. Dies erspart Kosten, kann aber auch Instandsetzungsmaßnahmen verzögern, weil in jedem einzelnen Fall erst geklärt werden muss, ob ein Garantiefall überhaupt vorliegt (Einbindung vieler Subunternehmen).

Seit der Auslieferung des ersten Eurofighters werden die am häufigsten benötigten Ersatzteilpakete ermittelt und dementsprechend bestellt. Trotzdem kann es passieren, dass Ersatzteile nicht in ausreichender Anzahl vor Ort vorhanden sind. Bei derartigen Engpässen ist es möglich, kurzfristige Ersatzteillieferungen von der Industrie zu erhalten.

Weiters existiert ein Logistik-Informationssystem (LOGIS), das sämtliche Materialbestellungen und -bewegungen sowie alle Materialerhaltungsmaßnahmen dokumentiert.

Andere Betreibernationen (Italien, Deutschland, Großbritannien und Spanien) regten u. a. an, ein System zur gegenseitigen Unterstützung in der Einsatzversorgung zu schaffen.

Zusammenarbeit mit der Industrie

Weil die Techniker zu Beginn des Flugbetriebes noch nicht über die notwendige Erfahrung verfügten, stellte die Industrie so genannte "Field Service Representants" (FSR) bei. Diese werden das Österreichische Bundesheer im vertraglich vereinbarten Leistungsumfang bis zu drei Jahren vor Ort unterstützen.

Die Unterstützung (Support) erfolgt in den verschiedensten Bereichen z. B. bei technischen Problemen am Triebwerk, an der Avionik oder am Flugwerk sowie bei

  • der Materialversorgung,
  • der Fehlerbehebung in der Technischen Publikation (Wartungsvorschriften),
  • der Verbindungsaufnahme zum Systemunterstützungszentrum (Manching) und
  • Problemen mit dem IT-Sytem ESS (Engineering Support System).

Diese Unterstützung ist unbedingt notwendig, weil bei der Auslieferung des ersten Eurofighters weder alle Ersatzteile und Bodengeräte noch die erforderlichen Wartungsvorschriften im notwendigen Ausmaß vorhanden waren.

Geplant ist aber, diese Unterstützung auf ein Minimum und wenn notwendig auf einen "On Call Support" (ähnlich einer "Hotline") zu reduzieren.

Ein weiterer positiver Effekt dabei ist, dass Informationen vom Österreichischen Bundesheer direkt zu den Vertragspartnern in der Industrie einfließen und dadurch Probleme schneller einer Lösung zugeführt werden können.

(wird fortgesetzt)


Autor: Hptm Ing. Klaus Santer, Jahrgang 1973. Ausmusterung 1997 als Technischer Offizier zum Überwachungsgeschwader. 1997 bis 2005 Verwendung als Technischer Offizier in Graz/Thalerhof. 2005/2006 Prüf-Offizier-Kurs "Avionik Eurofighter" an der Technischen Schule der Luftwaffe in Kaufbeuren (Deutschland). 2007 Praxisausbildung beim Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau (Deutschland). Seit 2006 Leiter Wartungstechnik der FAbt Technik EF/FlWft 2 in Zeltweg.

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