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IVECO LMV - Light Multirole Vehicle

Ab Ende 2010 bekommt das Bundesheer neue splittergeschützte Transportfahrzeuge in sechs verschiedenen Versionen. Diese sind für laufende und zukünftige internationale Einsätze vorgesehen. Ein besonderer Vorteil ist der erhöhte Schutz der Fahrzeuge gegen Minen und Infanteriewaffenbeschuss. Eine elektrisch fernbedienbare, stabilisierte Waffenstation unterstützt den Einsatz der Soldaten in gefährlichen Situationen.

Beschaffung

Im Oktober 2007 leitete die Abteilung Fahrzeuge, Gerät und persönliche Ausrüstung (FGP) die Beschaffung von geschützten Mehrzweckfahrzeugen (GeschMZwFzg) mit elektrisch fernbedienbaren Waffenstationen ein.

Vier Anbieter haben Angebote eingebracht. Die Bewertungskommission des Bundesheeres hat aus allen Bewerbern als Bestbieter die Firma IVECO Defense Vehicles ermittelt und die Auftragsvergabe an diesen Bieter vorgeschlagen.

In den darauffolgenden Verhandlungen wurde der Lieferumfang von über 150 Fahrzeugen detailliert und der Vertrag Ende Dezember 2008 unterschrieben. Nach dem derzeitig gültigen Lieferplan werden die Fahrzeuge ab Ende 2010 bis Ende 2016 in sechs verschiedenen Varianten an die Truppe ausgeliefert.

Das IVECO Light Multirole Vehicle (IVECO LMV) ist ein geländegängiges Radfahrzeug mit passivem Schutz gegen Infanteriemunition, Granatsplitter, IED (Improvised Explosive Device, wie z. B. Sprengfallen am Straßenrand) und Minen (z. B. sechs kg TNT unter einem Rad). Die Konstruktion und die verwendeten Werkstoffe wurden so aufeinander abgestimmt, dass diese dem definierten "Beschuss" standhalten können.

Das Fahrzeug ist für laufende und zukünftige internationale Einsätze vorgesehen und bietet damit den eingesetzten Soldaten wesentlich mehr Sicherheit als ungeschützte (ungepanzerte) Fahrzeuge. Je nach Fahrzeugvariante können zumindest drei bis vier Personen (inklusive Kraftfahrer) mit ihrer persönlichen Ausrüstung transportiert werden und ein großes Spektrum an Einsätzen ausführen.

Varianten, Ausrüstung, Vorteile

Folgende Versionen sind bestellt (Änderungen können wegen geänderten Planungsgrundlagen möglich sein):

  • Führungsfahrzeug;
  • Führungsunterstützungsfahrzeug (Funkfahrzeug);
  • Aufklärungs- und Beobachtungsfahrzeug;
  • NIC-Fahrzeug (für die Tätigkeiten der National Intelligence Cell bei Auslandseinsätzen);
  • Jagdkommando-Fahrzeug;
  • Geschütztes Mehrzweckfahrzeug EWS (Electric Wireless System - elektrisch fernbedienbare Waffen-Station) für Aufklärungstrupps mit einem üsMG A2.

Zur Selbstverteidigung einiger Fahrzeuge ist eine elektronisch fernbedienbare Waffenstation, teilweise mit Stabilisierung, vorgesehen. Diese kann mit einem Maschinengewehr (MG 74 oder üsMG A2) oder einem 40-mm-Granatmaschinengewehr bestückt werden. Ungefähr ein Drittel der bewaffneten Fahrzeuge wird über eine Stabilisierung verfügen. Die Waffenstation/Beobachtungseinrichtung (Tag- u. Nachtsicht) bleibt dabei immer auf dem anvisierten Ziel/Objekt, unabhängig davon welche Bewegungen das Fahrzeug macht.

Das IVECO LMV ist ein eigenständiges Fahrzeugsystem und soll ungeschützte Fahrzeuge wie z. B. den "Pinzgauer" und den Puch G teilweise ersetzen. Die Firma IVECO Defense Vehicles und das Bundesheer haben vereinbart, dass zwei Referenzfahrzeuge an das Österreichische Bundesheer übergeben werden. Bis dahin sind noch einige Abstimmungsgespräche mit der Firma IVECO Defense Vehicles vorgesehen. In diesen soll eine auf österreichische Bedürfnisse abgestimmte Einbaukonfiguration (Festlegung wo die Ausrüstungsgegenstände, Bedienelemente, Steckdosen usw. untergebracht werden) nach militärischen und ergonomischen Gesichtspunkten festgelegt werden. Um die Vertragskonformität bei diesen Referenzfahrzeugen festzustellen, wird eine dreimonatige Prüfung unter Einbeziehung der Truppe stattfinden.

Die vom Bundesheer bestellten Fahrzeuge bilden den Höhepunkt einer Weiterentwicklung bei dieser Modellfamilie und haben gegenüber dem Vorgängermodell (derzeit z. B. in Verwendung in Belgien, Italien, Norwegen, Spanien) viele Verbesserungen/Modifikationen erfahren, wie

  • einen höheren Minenschutz,
  • einen Antriebsstrang, der einer höheren Zuladung angepasst wurde,
  • ein neueres und stärkeres Automatikgetriebe (ZF-Getriebe 6HP280),
  • ein Automatic Drive-Management (ADM, automatisches Sperren des Mittel-, Hinterachs- u. Vorderachsdifferentials) von der Firma Steyr,
  • eine höhere Zuladungsmöglichkeit (Nutzlast),
  • einen größeren Innenraum (Innenraumhöhe um ca. 50 mm erhöht) und
  • geänderte und verstärkte Türlagerungen.
Die Fahrzeuge werden je nach Einsatzzweck mit einer umfangreichen Zusatzausstattung sowie einer Waffenstation mit Feuerleitanlage, einer ABC-Schutzeinrichtung, modernen Nachtsichtgeräten und umfangreichen IKT-Führungsmitteln (die Abkürzung IKT steht für Informations- und Kommunikations-Technik) ausgerüstet sein.

Die genauen technischen Daten sind erst bei einer Freigabe zur Serienfertigung verfügbar, weil etwaige Verbesserungen in einem Bereich meist weitere Änderungen in anderen Bereichen nach sich ziehen. Die ersten realen Fotos der Österreichversionen werden im Herbst 2009 verfügbar sein. Die Fahrzeuge werden in Österreich unter der Fahrzeugkategorie "geschützte Mehrzweckfahrzeuge" (GeschMZwFzg) geführt.


Autor: Ing. Heinz Költringer, Jahrgang 1974. Grundwehrdienst Oktober 1993 beim Panzerartilleriebataillon 4. Ab 1994 Zeitsoldat (Waffenmeistergehilfe beim Instandsetzungszug des Panzerartilleriebataillons 4), ab 1995 Kommandant Wartungstrupp & Waffenmeister bei der 2. Batterie/Panzerartilleriebataillon 4; 1997 Gerätekurs Truppenmaterialerhaltung M109-Turm. Jänner 1999 Versetzung zum Heeressportzentrum, Bundesheerleistungssportler Schießen/Pistole (Großkaliber); Abendschule HTL/Maschinenbau. 2003 Dienstzuteilung zum Amt für Rüstung und Wehtechnik/FGP; März 2004 Referent für Fahrzeugbeschaffung, "systemverantwortlich" (Beschaffung, Betrieb, Ausscheidung) für geschützte Mehrzweckfahrzeuge, ILKW (MAN und UNIMOG inkl. Aufbauten), Flurfördergerät (Stapler, Schlepper usw.), Container (Seecontainer, Lagercontainer und geschützte Container), geschützte Sonderfahrzeuge und Ladungssicherung bei PKW und LKW.

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