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Schießplatz Ramsau-Molln

Eine Serviceeinrichtung für die Truppe

Der Schießplatz Ramsau-Molln ist nach seiner Modernisierung einer der modernsten Schießplätze Österreichs. Auf neun Schießanlagen können hier alle Übungen des Schießprogramms "neu" für Infanteriewaffen durchgeführt werden.

Die in Oberösterreich stationierten U.S.-Streitkräfte suchten nach 1945 einen geeigneten Schießplatz. Diesen zur Schießausbildung der Truppen geeigneten Ort fanden sie im Bezirk Kirchdorf neun Kilometer südlich der Marktgemeinde Molln. Benannt nach dem Talkessel der Hopfing erhielt der Platz (das Gelände) den Namen "Schießplatz Hopfing". Gleichzeitig wurde das Gelände auch durch den Entminungsdienst genutzt.

In der Folge nutzte die B-Gendarmerie das Gelände, das 1955 vom neu aufgestellten Österreichischen Bundesheer übernommen wurde. Im Jahr 1956 schloss das Bundesheer Pachtverträge mit den dortigen Grundstückseigentümern ab, um den Schießbetrieb für das Bundesheer zu gewährleisten, denn ursprünglich gab es in diesem Talkessel keinerlei Schießplatzinfrastruktur.

Heutzutage würden die Schießen von damals als Schießen im freien Gelände bezeichnet werden. Um Soldaten vor Ort unterzubringen, behalf man sich deshalb anfangs mit einem, noch von den U.S.-Truppen errichteten Zeltlager einige 100 Meter nördlich des Schießplatzes. Später errichtete das Bundesheer dort Baracken. Dieser Platz ist heute unter dem Namen "Altes Lager" bekannt. Seit 1961 ist dieser Bereich aufgrund eines Felssturzes nach einem Erdbeben - die Gemeinde Molln befindet sich auf einer tektonischen Bruchlinie - und den damit verbundenen Geröllmassen nicht mehr benutzbar.

Das "Neue Lager" entstand 1972 talauswärts, rund 1,5 Kilometer vom Schießplatz entfernt. Es verfügt über ein Verwaltungsgebäude und mehrere Unterkunftsgebäude. Der übenden Truppe stehen damit Unterkünfte mit insgesamt 212 Betten, ein Speisesaal für 102 Personen, ein Aufenthaltsraum mit einem Küchenblock, ein Marketenderwarenmagazin, ein Fernsehraum, zwei Waffenkammern, eine Feldküchenbox (noch auf dem Standard Feldküche M-58) und ein Circuitraum zur Verfügung.

In den Jahren nach 1970 wurden mit Klappscheiben ausgestattete Schießanlagen sowie die erforderlichen Steuerräumlichkeiten mit Munitionsausgabestellen in der damals üblichen Bunkerbauweise errichtet.

Eine entscheidende Verbesserung für den Schießbetrieb erfolgte 1979: Direkt auf dem Schießplatz wurden ein Betriebsgebäude mit einer Sicherheitskanzlei, Warteräumen für die Truppe, Toilettenanlage und Magazinen eröffnet. Der Schießplatz galt damals als der modernst ausgestattete Europas.

Aus Sicherheitsgründen ist seit 2002 der überwiegende Teil des Schießplatzes Sperrgebiet. Davon ausgenommen sind das "Neue Lager" und ein Weg durch das Übungsgelände. Wanderer dürfen diesen morgens bis 0730 Uhr, von 1200 bis 1300 Uhr und von 1700 bis 1900 Uhr sowie in Schießpausen und an Wochenenden und Feiertagen benützen.

Die Modernisierung

Die durch die Heeresgebäudeverwaltung West geplante und durchgeführte Modernisierung des Schießplatzes und der Neubau der Schießanlagen begannen im September 2005 mit der Generalsanierung der Schießanlagen die im Dezember 2006 fertig gestellt waren, die Fertigstellung des Basisgebäudes (Betriebsgebäude) folgte im September 2008. Insgesamt wurden für den Betrieb der Schießbahnen unter anderem mehr als 15 Kilometer Leerverrohrungen installiert und 3 500 Quadratmeter sogenannte Ansichtsflächen (Bauten, in denen sich die Zielmodule wie z. B. Klappscheiben befinden) hergestellt. Die Baukosten für das gesamte Projekt betrugen 5,7 Millionen Euro. Das Basisgebäude umfasst 10 600 Kubikmeter umbauten Raum und ist nach modernstem Stand der Technik wärmeisoliert. Mit Dezember 2008 wurde der Schießplatz zur Nutzung freigegeben und wird daher seit Jänner 2009 wieder durch die Truppe benutzt.

Um dem Umweltschutz Rechnung zu tragen, wurde zur Klärung der entstandenen Abwässer des Schießplatzes eine Bio-Dreikammerfaulkläranlage mit zwei Nachklärbecken und einem Sickerbecken errichtet.

Das neue Basisgebäude bietet im Erdgeschoss für die übende Truppe sieben Munitionsausgabestellen, sieben Warteräume für je 25 Soldaten, zwei Aufenthaltsräume für je 72 Soldaten (auch als Speisesäle nutzbar), eine zentrale Verpflegsausgabestelle, einen Spülraum (zum Reinigen von Geschirr etc.), einen Erste-Hilfe-Raum, eine Automatenkoje mit Kalt- und Warmgetränken sowie vier WC-Anlagen. Im ersten Stock befinden sich vier Steuerräume (zur Bedienung der Schießbahnen), die Kanzlei des stellvertretenden Truppenübungsplatzkommandanten (Lagerkommandant und Sicherheitsoffizier) und ein Aufenthalts- und Umkleidebereich mit Toilettenanlagen für das Sicherheitspersonal. Im zweiten Stock ist die Sicherheitskanzlei untergebracht, von der aus alle Schießbahnen beobachtet werden können. Beheizt wird die 2 100 Quadratmeter umfassende Nutzfläche mit einer Öl-Zentralheizung.

Den Einheiten stehen neben den neun Schießbahnen mit der dazugehörigen Infrastruktur als besondere Serviceleistung vier Mülltrennsysteme zur Verfügung. Bisher musste der anfallende "nichtmilitärische" Müll von den Einheiten mitgenommen und in der Heimatgarnison fachgerecht entsorgt werden. Dieser wird seit kurzem über eine Vertragsfirma direkt ab der Schießbasis entsorgt. Von der Truppe selbst zu entsorgen sind weiterhin die Hülsen der verschossenen Munition.

Auf Anforderung der übenden Soldaten verkauft eine örtlich ansässige Bäckerei Marketenderwaren auf dem Schießplatz.

Organisatorisch ist der Schießplatz Ramsau/Molln dem Truppenübungsplatzkommando Oberösterreich beim Militärkommando Oberösterreich unterstellt. Dem Militärkommando sind neben dem Schießplatz Ramsau/Molln, der Garnisonsübungsplatz Treffling, das Alpine Übungsgelände Oberfeld-Obertraun und der Schießplatz Alharting nachgeordnet.

Schießausbildung

Auf den neun Schießbahnen kann zur Gänze das Schießprogramm "neu" durchgeführt werden. Auf den drei Kurzbahnanlagen (Schießanlagen eins bis drei) können Schießübungen mit dem MG74, der P80 und dem StG77 auf 30 Meter absolviert werden. Auf der Schießanlage vier werden Ziele bis 200 Meter, auf den Schießanlagen fünf und sechs Ziele auf 350 Meter, auf der Schießanlage sieben Ziele bis 800 Meter und auf den Schießanlagen acht und neun Ziele bis 300 Meter bekämpft. Dabei können mit einer Kaliberobergrenze für die Truppe von 7,62 Millimeter fünf Querlaufziele und zwei Laufziele in Drauflosfahrt (dem Schützen entgegen) von den Soldaten bekämpft werden. Unverändert geblieben ist die Schießbahn "Panzerbasis" mit einer Zielentfernung von 1,2 Kilometern, die für Schießvorhaben bis zum Kaliber 105 Millimeter dient. Größere Kaliber dürfen in der Hopfing nur vom Amt für Rüstung- und Wehrtechnik (ARWT) verschossen werden.

Die Schießanlagen haben insgesamt 238 Möglichkeiten, Klappziele aufzunehmen, die aufgrund der Angaben auf den Schießanmeldungen der Truppe durch das Schießplatzpersonal mit den erforderlichen Wendeklappfallscheibenautomaten bestückt werden. Hiezu stehen 120 Wendeklappfallscheibenautomaten zur Verfügung.

Abhängig von den Schießvorhaben der übenden Truppe, können bis zu drei Kompanien den Schießplatz gleichzeitig nutzen.

Besondere Klappscheiben mit einer "Freund-Feindkennung" ermöglichen differenzierte Schießvorhaben und fordern den einzelnen Schützen bei der Zielerfassung und Zielauswahl im Besonderen durch die Darstellung von eigenen Soldaten, die der Schütze nicht bekämpfen darf. Weiters stehen je ein Gewöhnungs- und ein Belehrungssprengplatz (für Ladungen bis 40 Kilogramm in einem Feuer) sowie je eine Übungs- und Splitterhandgranatenwurfanlage zur Verfügung.

Naturparadies Schießplatz

Im Zuge der "Ökopartnerschaft" zwischen dem Österreichischen Bundesheer und der Oberösterreichischen Akademie für Umwelt und Natur wurden Feuchtbiotope in der Hopfing zur Erforschung vor allem der Amphibienfauna genutzt. Daran beteiligt waren die Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich, die Akademie für Umwelt und Natur sowie das Österreichische Bundesheer. Folgende seltene Amphibienarten wurden in den Feuchtbiotopen auf dem Schießplatz Ramsau/Molln bereits nachgewiesen: Feuersalamander (Salamandra salamandra), Bergmolch (Triturus alpestris), Teichmolch (Triturus vulgaris), Grasfrosch (Rana temporaria, siehe Foto), Erdkröte (Bufo bufo) und Gelbbauchunke (Bombina variegata).

Auf dem etwa 50 Hektar großen Talgrund der Hopfing stellte man bislang fünf Reptilienarten fest: Zauneidechse (Lacerta agilis), Bergeidechse (Zootoca vivipara), Blindschleiche (Angius fragilis), Ringelnatter (Natrix natrix) und Kreuzotter (Vipera berus). Die meist in der schwarzen Färbungsvariante auftretende Viper, auch "Höllenotter" genannt findet das Personal des Truppenübungsplatzes regelmäßig in den Blechkästen auf dem Schießplatz, weil die Schlange die Wärme dieser Kästen bevorzugt. Auch Rot- und Gamswild kommen in einer großen Anzahl vor.

Der Schießplatz gehört zur Bundesforstlichen Eigenjagd Ramsau und ist jährlich vom 20. September bis 5. Oktober aufgrund eines Verwaltungsübereinkommens zwischen dem Bundesheer und den Österreichischen Bundesforsten für Schieß- und Übungsvorhaben gesperrt.

Umfeld und Größe

Das Schießplatzgelände umfasst etwa 82 Hektar (mit der Sicherheitszone insgesamt 150 Hektar) und liegt auf 605 Meter Seehöhe. Im Norden und Osten grenzen daran die bewaldeten Rücken des Kaumberges (900 Meter) und des Schönecks (1 237 Meter), im Süden die mächtigen, schroffen und weitgehend unzugänglichen Felswände des Sengsengebirges (z. B. Hochsengs 1 838 Meter). Im Westen grenzen das Urlachbachtal und der Schwarzkogel (1 300 Meter) an. Der Schießplatz wird daher vom Gebiet des Nationalparks Oberösterreichische Kalkalpen an drei Seiten umschlossen.

Die Grenze zum Nationalpark verläuft in etwa 700 bis 800 Meter Seehöhe. Einschließlich der vom Bundesheer zusätzlich gepachteten Flächen betreut das Schießplatzkommando somit eine Fläche von ca. 260 Hektar. Das entspricht einer Größe von mehr als 360 Fußballfeldern.

Es herrscht Hochgebirgsklima, gekennzeichnet von raschen Wetterumschwüngen. Im Sommer betragen die Temperaturen bis zu 37 Grad Celsius, im Winter sind bis zu minus 24 Grad Celsius - und Schneehöhen bis zu 1,5 Meter - keine Seltenheit. Das macht diesen Schießplatz zu jeder Jahreszeit zu einem besonderen Erlebnis.


Autor: Major Gerhard Oberreiter, Jahrgang 1968. Ausmusterung 1996 an die Heeresunteroffiziersakademie, dort Verwendung als Klassenleiter, Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Hauptlehroffizier Wehrpolitik, seit 2002 Presseoffizier beim Militärkommando Oberösterreich.

Kontakt: Oberstleutnant Andreas Kliment, Schießplatzkommandant und Sicherheitsoffizier, Tel.: 050201/4742300

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