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Tritolwerk - ein "High Tech Trümemrhaufen"

Die ehemalige Sprengstofffabrik ist einer der modernsten ABC-Abwehr- und Katastrophenhilfeausbildungs- und -übungsplätze Europas. Im Durchschnitt üben dort an 260 Tagen im Jahr Soldaten des Österreichischen Bundesheeres und zivile Rettungs- und Hilfsorganisationen.

1915: Der erste Weltkrieg ist bereits voll entbrannt und aufgrund des hohen Bedarfes an Trinitrotoluol (TNT), im Volksmund auch Tritol, wird mit der Planung neuer TNT-Fertigungsanlagen in Eggendorf bei Wiener Neustadt begonnen. Doch das Tritolwerk geht erst 1918 in Betrieb - als die weltweit modernste und betriebssicherste Sprengstofferzeugungsanlage ihrer Zeit...

Die ursprüngliche Anlage

Das Werk umfasste 33 Gebäude - alle mit WC-Anlagen, Waschräumen und Garderoben. Die Gebäude wurden größtenteils aus Eisenbeton mit leichten, flachen Dächern, einer großen Anzahl von Fenstern und Türen und in einer entsprechend sicheren Entfernung (Stichwort: Detonationsübertragung) zueinander errichtet.

Zur Versorgung der Fabrikanlage mit Energie diente eine eigene Kraftzentrale, die das Tritolwerk heute noch optisch prägt. Sie besteht aus einem 42 Meter hohen Wasserturm, einem Kohlesilo sowie einem Werkstättentrakt mit Dreherei, Schmiede und Tischlerei. Der Wasserturm fasste 500 m3 Wasser und der Kohlesilo 30 zweiachsige Eisenbahnwaggons mit Kohle.

An der Haupteinfahrt stehen zwei zweigeschossige Pavillons. Das von der Zufahrtsstraße her linke Gebäude diente als Meister- und Feuerwehrhaus mit Speiseraum samt Küche sowie Dusch- und Wannenbädern für Meister und Unteroffiziere. Hier waren auch die Wachsoldaten untergebracht. Das rechte Gebäude war das Verwaltungs- und Lagergebäude.

Die Fabrik war allerdings nur wenige Monate in Betrieb. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie stellte sie die Produktion ein.

Der erste große Umbau

Nachdem in der Zwischenkriegszeit verschiedene Firmen vergeblich versucht hatten, das Werk profitabel zu nutzen, pachtete 1940 der Erdmann-Wühle-Konzern das Gelände und im Folgejahr nahm das Werk nach umfangreichen Umbau- und Adaptierungsarbeiten als größtes Laborier- und Delaborierungswerk des Dritten Reiches den Betrieb auf. Bis Kriegsende arbeiteten dort ständig mehr als 4 000 Personen (davon mehr als die Hälfte Frauen). Noch in der Karwoche des Jahres 1945 munitionierten zurückgehende SS-Truppen an den Laderampen des Werkes auf - am Ostersonntag befand sich das Werk bereits in der Hand der Roten Armee, die bis 1955 dort Sowjetsoldaten unterbrachte. Große Teile des Werkes wurden danach demontiert (von Maschinen, Glasfenstern und Fliesen bis zu daumendicken Eisenstäben aus den Eisenbetondecken) und 1958 wurde auch der Eisenbahnanschluss abgetragen. Der "Rest" diente dem Bundesheer Jahrzehnte als Nebenmunitionslager der Heeresmunitionsanstalt Grossmittel.

Eine neue Verwendung

Aufgrund von Einsatzerfahrungen bei der Erdbebenkatastrophe in Armenien 1988 beschlossen nationale und internationale Katastrophenhilfsorganisationen eine bessere Koordination ihrer Arbeit, u. a. 1990 beim "SAR-Workshop" (Search and Rescue) auf der Wattener Lizum in Tirol. Bei diesem Workshop wurden erstmals internationale Empfehlungen hinsichtlich gemeinsamer Verfahren bei der weltweiten Katastrophenhilfe entwickelt, die die Rechte und Pflichten der Betroffenen und der Hilfe leistenden Länder regelten.

1993 führte die ABC-Abwehr-Schule eine internationale Katastrophenhilfeübung durch. Hiezu wandelte man das frei gewordene Areal des Tritolwerkes in einen Katastrophenhilfeübungsplatz um. In zahlreichen ober- und unterirdischen Schadenstellen konnte dort nun Katastrophenhilfe geübt werden. Seit damals dient das Areal dem Bundesheer und zivilen Einsatzkräften als ABC-Abwehr und Katastrophenhilfeausbildungs- und -übungsplatz. 2005 bis 2007 wurde der Übungsplatz generalsaniert. Seitdem können dort verschiedene Rettungs- und Bergeszenarien geübt werden.

Was kann geübt werden?

Auf dem ca. 36 ha großen Gelände befinden sich neben den beiden Wirtschaftsgebäuden (eines davon teilweise vertrümmert) und der ehemaligen Kraftzentrale die Trümmerfelder der zerstörten Fabrik und die unterirdischen Verbindungsgänge. Das Tritolwerk eignet sich vor allem für das Ausbilden und Üben der vier Kernaufgaben der ABC-Abwehr, die ABC-Aufklärung, die Dekontamination, das Retten und Bergen sowie die Trinkwasseraufbereitung.

Ebenso kann das Übungsgelände für das Training von Katastrophenhilfeeinheiten genutzt werden, da dort verschiedene Einsatzszenarien wie Erdbeben, Strahlenunfälle und Chemieunfälle relativ einfach und realitätsnah nachstellbar sind.

Zurzeit stehen 13 so genannte Schadenstellen zur Verfügung, weiters ein Brandübungsplatz, zwei Dekontaminationsplätze, drei Löschbecken und zwei Sprengplätze. Auf dem Brandübungsplatz können Feststoffbrände und Flüssigkeitsbrände mit allen zurzeit in Verwendung stehenden Löschmitteln bekämpft werden. Auf den Dekontaminationsplätzen ist die Dekontamination von Waffen und Gerät auch mit der sehr aggressiven Dekontaminationslösung "Detox 90" (einer Emulsion aus Calciumhypochlorid, Xylol und einem Elektrolytsalzgemisch) ohne Umweltgefährdung möglich.

Die Schadenstellen selbst sind ehemalige Produktionsgebäude oder Teile davon, die nun die Basis für die Szenarien nach einem Erdbeben oder nach einer Explosion darstellen.

Schadenstelle 1 - Ruine

In diesem zweigeschossigen, vollständig unterkellerten und teilweise eingestürzten Verwaltungsgebäude können die Hilfskräfte das Suchen und Retten von Personen aus Höhen und aus Vertrümmerungen mit oder ohne Branddarstellung üben sowie das Löschen von innen und außen.

Schadenstelle 2 - Fabrikgebäude (Turmgebäude)

Das weitläufige, größtenteils unterkellerte Hauptgebäude mit einem Wasserturm eignet sich vor allem für das Suchen und Retten von Personen aus weitläufigen Kelleranlagen mit nur versperrten Räumen, Schwalbennestern und Trümmerkegeln (siehe Kasten Begriffserklärungen) sowie aus Höhen bis zu 30 Metern und für Löschangriffe von innen und außen.

Schadenstelle 3 - Zisterne

Die Zisterne ist ein unterirdisches Wasserreservoir mit einem darüberliegenden Eingangsgebäude. Sie ist vor allem für das Retten und Bergen von Personen aus Tiefen (15 Meter) und aus Schwalbennestern sowie zur Personensuche in unübersichtlichen Geländeteilen geeignet. Auch der Einsatz von künstlichem Nebel ist dort möglich.

Schadenstellen 4 und 5 - Unterführung, Gebäude mit Keller

In diesen Verbindungsgang (Unterführung) zwischen zwei Gebäuden (ein teilweise eingestürztes Kleingebäude mit aufgesetztem Tankkessel) ist das Eindringen nur nach einer Trümmerbeseitigung oder einem Deckendurchbruch möglich. Erst dann können die Personen aus einem versperrten Raum, einem angeschlagenen Raum oder einem Trümmerkegel gerettet oder geborgen werden. Dazu können auch Suchhunde eingesetzt werden.

Schadenstelle 6 - Tauchbunker

Der eingeschlämmte Raum (Tauchbunker) in diesem Bereich ist durch einen unter Wasser liegenden unterirdischen Gang erreichbar. Die Rettung von darin eingeschlossenen Personen ist nur nach Abpumpen des Wassers möglich.

Schadenstelle 7 - Kellerhalle

In dieser schwer vertrümmerten Kellerhalle (Großkeller) können verschiedene Rette- und Bergesprengarten aus einem Trümmerkegel durchgeführt werden. Das Retten und Bergen von Personen erfolgt danach mittels Trümmerabhebung (z. B. mit einem Luftkissen) oder einem Durchbruch. Die Lokalisierung der Verschütteten kann dabei u. a. durch Einsatz von Suchhunden bzw. Schall erfolgen.

Schadenstellen 8 und 9 - Baustelle, Filteranlage

Auch aus diesem großen Kellerraum und dem zum Teil unterirdischen Schadenplatz (Filteranlage) müssen die Hilfskräfte mit Suchhunden bzw. Schallortung Personen aufspüren und diese mittels Durchbruch oder Trümmerabbau aus versperrten Räumen, Rutschflächen und Trümmerkegeln bergen.

Schadenstellen 10 und 11 - Munitionsbunker, Brunnenschacht

Im Verladebereich eines großen Munitionsbunkers befinden sich mehrere beschädigte, halb verschüttete Kraftfahrzeuge. Die Bergung der darin eingeschlossenen Personen ist nur mittels eines Mauerdurchbruchs oder einer Trümmerabräumung möglich. Der angrenzende Brunnenschacht dient vor allem der Übung des Bergens von Personen aus teilvertrümmerten engen Räumen (Trümmerkegel, Rutschfläche).

Schadenstelle 12 - Fabrik mit Stahldach

Aus einem eingestürzten unterkellerten Gebäude sollen verschüttete Personen geborgen werden. Dabei wird vor allem das Eindringen in einen Keller durch die Kellerdecke, also "von oben", ausgebildet und trainiert.

Schadenstelle 13 - Silo mit Trümmerfeld:

An diesem Silo sollen die Einsatzkräfte die Schaffung von Zugängen sowie das Retten und Bergen von Personen aus geschlossenen Räumen üben. Dabei müssen bereits existierende Öffnungen wieder freigelegt oder erweitert werden.

Komplexe Bedrohungen visualisieren

Moderne Bedrohungsszenarien bestehen nicht wie früher aus jeweils nur einer klar zuordenbaren Bedrohung ("klassischer" militärischer Gegner, chemische Stoffe, Terroristen, …), sondern sind meist eine Summe verschiedener Bedrohungen in einem Szenario. Um dem gerecht zu werden, sind unterschiedliche Einsatzkräfte - z. B. Spezialeinheiten und zivile Einsatzkräfte - nötig, um die Situation erfolgreich zu meistern. Diese "modernen" Szenarien erfordern somit die enge Zusammenarbeit von militärischen und zivilen Kräften. Darüber hinaus müssen diese Szenarien den Verantwortungsträgern, den Medien sowie einer breiten Öffentlichkeit verständlich gemacht werden. Dazu ein Beispiel:

Im Zuge des 30. EMPA-Kongresses 2009 (siehe TD 5/2009, "Die European Military Press Association zu Gast in Österreich") zeigten unter dem Kommando der ABC-Abwehrschule ABC-Abwehrkräfte, das Jagdkommando, ein Patientendekontaminationszug, das Militärhundezentrum sowie zivile Kräfte der Feuerwehr und des Roten Kreuzes Militärjournalisten aus 16 europäischen Staaten ihr Können.

Die Ausgangslage

Bei der Vorführung wurde der mögliche Einsatz einer multinationalen Streitmacht in einer Peace Support Operation demonstriert:

"Auf dem Gelände des Tritolwerkes wird eine Terrorzelle vermutet, die in einem Labor zivile Wissenschafter gefangen hält und mit chemischen oder radioaktiven Stoffen experimentiert. Die Fabrikanlage wird seit einigen Tagen durch Spezialaufklärungskräfte des Jagdkommandos aufgeklärt und unter strenger Geheimhaltung beobachtet. Ein CAMCOPTER (siehe Kasten oben), der Luftbilder des Zielortes in Echtzeit übertragen kann, unterstützt die Aufklärungskräfte.

Ein bereitgehaltenes Zugriffselement hat sich auf die gewaltsame Befreiung der Geiseln und die Aushebung des illegalen Labors vorbereitet. Dafür stehen zusätzlich ABC-Abwehr-, Sanitäts- und Fliegerkräfte sowie Diensthunde bereit.

Im gesamten Fabrikgelände befinden sich allerdings zivile Arbeiter, die in keinem Zusammenhang mit den Terroristen stehen und auch nichts von deren Tätigkeiten wissen.

Die zivilen Einsatzkräfte (zum Beispiel die Feuerwehr und die Rettung) aus der Umgebung sind gut ausgerüstet und auf Einsätze dieser Art vorbereitet. Ihre Zusammenarbeit mit den Soldaten der Peace Support Operation hat sich bereits mehrfach bewährt und funktioniert reibungslos.

Am frühen Vormittag kommt es zu einer Explosion und darauffolgend zum Ausbruch von Bränden. Mehrere Objekte stürzen ein und Zivilisten werden verschüttet bzw. vermisst."

Der Ablauf

Kurz nach der Explosion trifft die Feuerwehr an der Unglücksstelle ein und beginnt mit schwerem Atemschutzgerät die Löscharbeiten (Schadenstelle 1). Trümmer werden beiseite geschafft und Verletzte der zivilen Rettung übergegeben. Zur gleichen Zeit explodiert an einer anderen Stelle (Brandübungsplatz) ein Kraftfahrzeug. Diesen Brand bringt eine andere Feuerwehr schnell unter Kontrolle und verhindert das Übergreifen der Flammen auf naheliegende Gebäude.

Die Brände bieten für die Spezialkräfte einen optimalen Zeitpunkt für den Zugriff. Auf ein Signal ziehen sich die zivilen Einsatzkräfte für die Dauer des Zugriffs zurück.

Ein Hubschrauber mit einem Scharfschützen schwebt in sicherer Entfernung, um den Zugriff zu sichern. Ein Transporthubschrauber setzt am Dach des Fabrikgebäudes (Schadenstelle 2) ein Vier-Mann-Team des Jagdkommandos ab. Dieses hat den Auftrag, über die Fenster in das Labor vorzudringen. Gleichzeitig nähert sich ein zweites Team mit einem Diensthund zu Fuß dem Gebäude, um die Wachen im Erdgeschoss unschädlich zu machen.

Während das erste Team die Terroristen im Labor überwältigt und die Geiseln befreit, schaltet das zweite Team mit dem Diensthund einen Wachposten aus und sichert den Ausgang der Fabrik. Nach dem Zugriff ziehen sich die Spezialeinsatzkräfte zurück und geben das Gelände wieder für die zivilen Einsatzkräfte frei.

Daraufhin überprüfen ABC-Abwehrspezialisten (Dekontaminationsteam) das Labor im Gebäude auf chemische oder radioaktive Rückstände und stellen eine hohe Strahlenbelastung fest. Auch ein verstrahlter Verwundeter wird gefunden, der - ebenso wie das Gerät - dekontaminiert werden muss.

Der Verwundete wird unverzüglich zur Sanitätsdekontaminationsanlage gebracht und sofort notdekontaminiert. (Aufbau, Ablauf und Details der Patientendekontamination siehe TD 5/2009, "Die Sanitätsdekontaminationsanlage der Feldambulanz des Sanitätszentrums West"). Auf einer modulartig aufgebauten Schienenstraße durchläuft der Patient die einzelnen Dekontaminationsstufen. Unter anderem erfolgen eine Kampfstoffdetektion, eine Sichtung eventueller Wundbereiche, das Monitoring des Patienten, eine Festlegung der Behandlungsarten, notärztliche Erstmaßnahmen, eine vollständige Körperdekontamination einschließlich Wunddekontamination sowie die Wundversorgung. Nach der Abschlussdetektion am Ende der "Schienenstraße" wird der Patient einem anderen Sanitätselement übergeben.

Danach zeigten Einsatzkräfte mit Suchhunden das Aufspüren und die Bergung von Verschütteten. (Die gezeigten Verfahren werden auch bei Erdbeben und ähnlichen Katastrophen verwendet.) Eine Person wird unter den Trümmern ausfindig gemacht und die Fundstelle markiert.

Um das Lagebild zu verbessern bringen die Rettungskräfte eine SearchCam (siehe TD 04/2009, "Katastropheneinsatz in OÖ") zum Einsatz. Diese zeigt die Position und den Zustand des Verschütteten. Erst danach ermöglicht die Rette- und Bergesprengung den Zugang zum Verschütteten. Dabei ist die richtige und genaue Menge des Sprengstoffes entscheidend. Nachdem sich die Helfer Zugang verschafft haben, wird der Verschüttete geborgen und den zivilen Rettungskräften übergeben … .

AC-Aufklärungs-ATF-Dingo 2:

Zur Ausstattung und Ausrüstung des Fahrzeuges gehören neben der nötigen Panzerung und Bewaffnung (MG 74) ein Multisensorsystem, ein Probeannahmesystem und ein Markiersystem. Dadurch können - vom Inneren des Fahrzeugs aus - automatisch Boden- und Luftproben entnommen bzw. Bereiche markiert werden, ohne eine Eigenkontamination zu riskieren. Eine Überdruckanlage schützt die Mannschaft vor dem Eindringen oder Wirksamwerden von Kampfstoffen oder Gefahrenstoffen ziviler Herkunft. Das Fahrzeug kann radioaktives Material sowie chemische Bedrohungen unterschiedlicher Herkunft gleichzeitig aufspüren. Eine Wettermessstation gehört ebenfalls zur Ausstattung. Ein eigenes Schleusensystem bietet nach einer Wiederaufnahme von Außenmessungen Schutz zwischen kontaminierten und nicht kontaminierten Soldaten. Eine Multisensorbox und ein Gaschromatograph-Massenspektrometer können alle derzeit bekannten flüchtigen organischen Verbindungen identifizieren.

Der CAMCOPTER:

Der CAMCOPTER (Kunstwort aus Camera und Helicopter) der österreichischen Firma Schiebel ist kein "größerer Modellhubschrauber" sondern ein unbemanntes Luftfahrzeug (Unmanned Aerial System - UAS) und zwar eine "Helikopterdrohne", die verschiedene Sensoren (z. B. Kameras) mitführen kann. Sie startet und landet senkrecht und benötigt daher weder eine Start- bzw. Landebahn noch ein Startkatapult. Der Einsatz, somit auch abseits von Flugplätzen sowie von Schiffen aus erfolgen kann, wird entweder (GPS-gestützt) vorprogrammiert oder erfolgt mittels einer störresistenten Fernsteuerung. Der CAMCOPTER ist Tag und Nacht (auch bei Schlechtwetter) einsetzbar. Die maximale Nutzlast (Modell S-100) beträgt 50 kg. In der Standard-Konfiguration transportiert z. B. der CAMCOPTER S-100 bis zu 34 kg (Kameras usw.), damit sind Sechs-Stunden-Flüge möglich. Der Einsatzradius beträgt 200 km, die maximale Flughöhe 18 000 Fuß (5 500 m). Die Firma Schiebel (Weltmarktführer bei High-Tech-Minensuchgeräten) erhielt in Zusammenarbeit mit der U.S.-Technologiefirma CenTauri Solutions im Oktober 2009 vom U.S.-Verteidigungsministerium einen Auftrag zur Lieferung mehrerer CAMCOPTER S-100, die - vorerst versuchsweise - Improvised Explosive Devices (IED) und Landminen aus der Luft orten sollen. Improvised Explosive Devices - improvisierte Sprengkörper, die über Draht oder Funk gezündet werden oder Sprengfallen sind - zählen in Krisenregionen wie dem Irak oder Afghanistan zu den wesentlichen Bedrohungen des Lebens und der Sicherheit der dort stationierten Soldaten und zivilen Helfer. Der CAMCOPTER soll mit speziellen Sensoren (Bereich Elektromagnetismus) und hochauflösenden Kameras die Improvised Explosive Devices und Landminen orten, u. a. vor Konvois und Streifen.

Auf einen Blick

Bei allen Schadenstellen (eine weitere ist bereits in Bau) können die Rahmenbedingungen für die Suche und Rettung verändert werden, z. B. ist es möglich, zusätzliche Gefahren durch Brand, Wassereinbruch, Kontamination oder chemische Substanzen zu simulieren.

Auch das Üben von Szenarien, wie Geiselbefreiungen oder das Aufspüren und Unschädlichmachen von illegalen Labors ist möglich. Deshalb ist das Jagdkommando ebenfalls ein häufig übender Gast im Tritolwerk und arbeitet dabei eng mit der ABC-Abwehrtruppe zusammen.

Dass der ABC-Abwehr- und Katastrophenhilfeausbildungs- und -übungsplatz vom Bundesheer und den zivilen Einsatzorganisationen gut ausgelastet wird, zeigt die Übungstätigkeit an durchschnittlich 260 Tagen im Jahr (Tendenz steigend).


Begriffserklärungen

Schadenstelle: Ein in seiner Struktur zerstörtes und in einer charakteristische Form befindlichen Gebäude mit verschiedenen Schadenelementen.

Schadenelement: Eine durch baustatische Bedingungen entstandene besondere Schadensituation an oder in einem Gebäude, aufgeteilt in die Kategorien "Räume" und "Trümmer".

Räume: Schadenelemente, die einen mehr oder minder großen Hohlraum aufweisen. In Räumen besteht mit wenigen Ausnahmen eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit von Personen.

Trümmer: Schadenelemente, bei denen sich Bauteile eines Gebäudes dermaßen in- und übereinander schachteln, dass vorerst keine "Räume" erkennbar sind. Die Überlebenswahrscheinlichkeit in "Trümmern" ist geringer als in "Räumen".

Retten: Einen lebensbedrohlichen Zustand von Menschen und Tieren durch Befreien aus einer Zwangslage abwenden.

Bergen: Leblose Personen oder Tiere oder gefährdete Sachwerte einbringen; wird auch als das Befreien von Menschen und Tieren aus einer Gefahrenlage im Sinne von "Retten" verstanden.

Nur versperrter Raum: Unbeschädigter Raum, bei dem Ein- und Ausgänge durch Trümmer verlegt (versperrt) sind.

Angeschlagener Raum: Teilweise beschädigter Raum, der in seiner Gesamtheit aber erhalten geblieben ist; die Trümmer im Raum stammen nur von den eigenen beschädigten Teilen und der Einrichtung (z. B. bei Gasexplosionen).

Ausgegossener Raum: Die Umfassungswände des Raumes sind noch erhalten, die Decke ist aber zerstört und der Raum mit Trümmern verschiedenster Art und Größe ausgefüllt.

Verschlämmter Raum: Ausgegossener Raum, in den Wasser (z. B. Löschwasser) oder Wasser-Schlammgemisch eingedrungen ist.

Trümmerkegel: Kegel aus Schutt völlig zerstörter Bauteile und Einrichtungen; mit bestimmtem ("natürlichem") Neigungswinkel. Der Trümmerkegel enthält oft andere Schadenelemente.

Schwalbennest: Angeschlagener Raum in höher gelegenen Geschossen, der wegen zerstörter Treppen nicht erreicht werden kann.

Rutschfläche: Großflächige Bauteile (Wände, Decken) in Schräglage.


Autoren: Vizeleutnant Robert Coslop, Jahrgang 1959. 1978 eingerückt zur Panzer-Tel-Kompanie in Ebelsberg, ab 1983 Unteroffiziersausbildung an der Heeresunteroffiziersschule und der Fernmeldetruppenschule; 1987 Stabsunteroffizierskurs, ab 1989 Umschulung zum Kommandanten der Dekontaminationsgruppe/ABC-Abwehrzug, ab 1996 an der ABC-Abwehrschule. Auslandseinsätze: 1994 bei der "EXERCISE" 94 in Astrachan, 1999 Erdbeben- und Trinkwasseraufbereitungseinsatz in der Türkei. Seit 2004 Verwalter des ABC-Abwehr-& Katastrophenhilfeausbildungs- und -übungsplatzes Tritolwerk.

Hauptmann Mag.(FH) Michael Barthou, Jahrgang 1975. Eingerückt 1994 bei der Ausbildungskompanie des Militärkommandos Oberösterreich, Militärakademie von 1999 bis 2002, ausgemustert als Panzeroffizier zur 3. Kompanie/Panzerbataillon 10 als Zugskommandant und stellvertretender Kompaniekommandant; September 2003 Versetzung zum Panzerbataillon 14 als stellvertretender Kompaniekommandant, dann S1&S5; seit 2007 bei der 4. Panzergrenadierbrigade S5 - nach Umgliederung Offizier für Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation. Seit 2009 dienstzugeteilt zur Redaktion TRUPPENDIENST; Ausbildung zum Informationsoffizier, Internationaler Militärbeobachterkurs, Internationaler Public Information Officers Kurs in Schweden, Presse-Stabsoffizierskurs an der Akademie für Information und Kommunikation in Strausberg. Auslandseinsätze: 2004/2005 stellvertretender Kommandant eines Liaison Observation Teams bei EUFOR in Bosnien, 2008 Chief Public Affairs Office der MNTF S bei KFOR.

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