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Objektschutz ernst genommen (II)

Das Objektschutzbataillon der deutschen Luftwaffe

Ein effizienter Objektschutz - vor allem bei Auslandseinsätzen - erfordert heute mehr denn je eine gediegene Ausbildung der dafür eingesetzten Soldaten. Dass das Bataillon mit seinen Ausbildungsschwerpunkten richtig liegt, bestätigt auch sein jüngster Einsatz am und beim Internationalen Flughafen Kabul.

Die Ausbildungsschwerpunkte

Die Ausbildungsschwerpunkte der Soldaten des Objektschutzbataillons der Luftwaffe (ObjSBtlLw, Gliederung siehe Teil I) richten sich vor allem nach deren sechs Grundaufgaben in möglichen Einsätzen - Infanteristischer Objektschutz, - Flugabwehr im Objektschutz, - ABC-Abwehr und -Selbstschutz, - Brandschutz, - Kampfmittelerkundung, -beseitigung und -abwehr sowie - Schadensbeseitigung.

Infanteristischer Objektschutz

Eine umfassende Ausbildung im Infanteristischen Objektschutz erhalten vor allem die insgesamt acht Luftwaffensicherungszüge der 1. und 2. Staffel (Infanteristischer Objektschutz). Die Ausbildung dauert bis zur ersten Einsatzbereitschaft (combat ready) mindestens sechs Monate, angestrebt werden allerdings neun Monate bis zum Ersteinsatz. Auch für diese beiden Staffeln gilt: Jeder Soldat des Verbandes muss (zumindest) zwei verschiedene Einsatzfunktionen beherrschen.

Diese Soldaten sind von ihrer Einteilung her auch für anstrengende Auslandseinsätze vorgesehen - oft unter klimatischen oder geografischen Extrembedingungen und fallweise, z. B. als Vorkommando, fast ohne Infrastruktur. Deshalb wird in der Ausbildung besonderer Wert auf die Erhaltung der körperlichen Leistungsfähigkeit und der gesundheitlichen Eignung gelegt. Zu den Ausbildungsschwerpunkten zählen das Erreichen bestimmter Limits für Einzelkämpfer (Individual Common Core Skills - ICCS), Infanterietaktik und der Waffeneinsatz. Diese Einzelkämpferausbildung absolvieren auch alle Zugskommandanten und Unteroffiziere. Die Kommandantenausbildung (Führungsausbildung) erfolgt allerdings an der Infanterieschule in Hammelburg.

Die infanteristische Ausbildung berücksichtigt alle Geländearten, vor allem auch bebautes Gebiet. Übungen finden auf Ebene von Gruppe, Zug und Staffel (Kompanie) statt. Die Ausbildungseinrichtungen und Übungsanlagen unterscheiden sich allerdings von den normierten Einrichtungen und Übungen der Bundeswehr. Sie werden aufgrund der speziellen Ausbildungsziele meist vom ObjSBtlLw in Eigeninitiative erstellt. Für jede der beiden Staffeln (Infanteristischer Objektschutz) wird dabei auch eine Scharfschützengruppe ausgebildet. Regelmäßige gemeinsame Ausbildungsgänge - z. B. mit der Fallschirmjägertruppe und dem Kommando Spezialkräfte (KSK) - zählen ebenfalls zum Standard.

Flugabwehr im Objektschutz

Die "Stinger"-Trupps ("Fliegerfaust"-Trupps) des ObjSBtlLw können nicht nur den Auftrag haben, stationär ein Objekt - z. B. ein Flughafengebäude - zu schützen. Ihre Aufgabe kann es durchaus auch sein, einen Raum zu schützen oder Lücken zu anderen Luftabwehrsystemen zu schließen. Wo weit reichende Waffensysteme nicht oder nicht effizient genug wirken können, wo bedingt durch die technischen Grenzen der Sensoren Flugziele nicht oder nur eingeschränkt erfasst werden, kommen "Stinger"-Trupps zum Einsatz. Der meist paarweise Einsatz (eine Gruppe zu zwei Trupps) erfolgt entweder statisch (standalone employment), im Zusammenwirken mit anderen Fliegerabwehrlenkwaffensystemen oder im begleitenden Einsatz.

Die Ausbildung der Soldaten an den Hitze suchenden Boden-Luft-Lenkflugkörpern kurzer Reichweite ist an sich schon umfangreich. Hunderten Simulatordurchgängen folgen Übungen innerhalb des Verbandes, aber auch in größerem Rahmen sowie Manöver. Den "Stinger"-Trupps des Heeres nähert sich im Ernstfall allerdings in der Regel - lagebedingt - nur ab und zu ein "Luftziel". Für die insgesamt ca. 50 Trupps der beiden Züge der 3. Staffel (Flugabwehr im Objektschutz) herrscht hingegen aufgrund ihres Einsatzes bei Flugplätzen generell ein hohes Flugaufkommen in geringer Flughöhe. Dazu kommt noch das Problem der Freund-Feind-Unterscheidung, da Angreifer aus der Luft vor allem bei "Operations other than war" kaum ein "klassisches" Luftangriffsprofil benutzen. Auch werden die "Stinger"-Trupps des ObjSBtlLw oftmals bereits weit vor der infanteristischen Sicherung des Flugplatzes - also alleine und fern der territorialen Infrastruktur - eingesetzt, um diesen effektiv schützen zu können.

All das hat Rückwirkungen auf die Ausbildung: Die Soldaten der "Stinger"-Trupps und Gruppen des ObjSBtlLw vor der infanteristischen Sicherung haben auch selbst für ihre Sicherung zu sorgen. Dazu müssen sie die Regeln des infanteristischen Objektschutzes zumindest in den Grundzügen ebenso sicher beherrschen, wie die Handhabung der zusätzlich mitgeführten Infanteriewaffen z. B. bei überraschendem Auftauchen von Feind oder unbekannten Personen. (Das 7,62-mm-Maschinengewehr MG 3 und die 5,56-mm-Sturmgewehre G 36 liegen meist griffbereit am Boden, um die Arbeit mit der Hauptwaffe nicht zu behindern.) Die "Stinger"-Trupps des ObjSBtlLw können selbstständig oder in Zusammenarbeit mit anderen Waffensystemen eingesetzt werden. Da die "Stinger"-Module des ObjSBtlLw über keine eigenen Sensoren verfügen, kann z. B. eine Anbindung an das Luftlagemeldesystem des Waffensystems "Roland" oder das Luftraumüberwachungsradar (LÜR) des Heeres erfolgen. Darüber hinaus wurde auch bereits ein Wirkungsverbund HAWK - "Roland" - "Stinger" erprobt (z. B. bei der Übung "ELITE 2003", siehe Kasten rechts.) Um auf fremde Luftlagedaten zugreifen zu können, ist allerdings eine Vielzahl von elektronischen Geräten erforderlich - und damit eine gesicherte Stromversorgung. Ein eigenes modernes, umweltfreundliches und schallisoliertes Viertakt-Stromaggregat liefert - sofern es richtig bedient und gewartet wird - praktisch rund um die Uhr den erforderlichen Strom. Und im "Unimog" steht - für alle Fälle - stets griff- und startbereit zusätzlich noch ein Zweitakt-Aggregat als Ersatz.

Die Soldaten üben also nicht nur die "flugplatzspezifische" Flugabwehr, sie lernen auch, sich nicht auf die territoriale Infrastruktur zu verlassen und eine eigene Infrastruktur aufzubauen.

ABC-Abwehr und -Selbstschutz Hauptträger dieser Ausbildung sind die drei ABC-Selbstschutzzüge der 4. Staffel (ABC-Abwehr und Brandschutz). Geübt werden vorrangig der ABC-Melde- und -Warndienst, das Kampfstoffspüren, die Personal- und Material-Dekontamination, insbesondere die Dekontamination von Luftfahrzeugen, verschiedenste Selbstschutzmaßnahmen (im Sinne von Retten und Bergen), der ABC-Sammelschutz und die Entnahme von B-Proben (z. B. weißes Pulver unbekannter Herkunft im Warteraum eines Flugplatzes).

Brandschutz

In der gesamten deutschen Luftwaffe existieren nur diese beiden Züge der 4. Staffel (ABC-Abwehr und Brandschutz) für militärischen Brandschutz! Die Soldaten sind ausschließlich erfahrene Unteroffiziere mit einer gediegenen zivilen und militärischen Brandschutzausbildung in der Dauer von ca. 2½ Jahren. Das könnte auf längere Sicht zu Personalproblemen führen, denn für Personen mit dieser Ausbildung bieten sich zahlreiche attraktive berufliche Alternativen bei Berufsfeuerwehren mit moderneren Löschfahrzeugen. Das deutsche Beamtenrechtsrahmengesetz ermöglicht jedenfalls den Unteroffizieren die Übernahme in ein ziviles Beamtenverhältnis nach Ende dieser Ausbildung!

Kampfmittelerkundung, -beseitigung und -abwehr

Die hervorragend ausgebildeten, bereits sehr erfahrenen und hoch motivierten Experten der beiden Kampfmittelerkundungs- und Kampfmittelbeseitigungszüge der 5. Staffel (Flugplatzschadens- und Kampfmittelbeseitigung) üben mit ihren Teams vorrangig die Kampfmittelaufklärung, Kampfmittelbeseitigung (Explosive Ordnance Disposal - EOD) und die Beseitigung behelfsmäßiger Sprengvorrichtungen. Der im Aufbau befindliche Kampfmittelspürhundezug ist bereits in die Ausbildung eingebunden.

Schadensbeseitigung

Die vier Schadensbeseitigungszüge der 5. Staffel (Flugplatzschadens- und Kampfmittelbeseitigung) bestehen vor allem aus Luftwaffenpionieren. Ihre Ausbildung umfasst primär die Schadenskontrolle und die damit verbundene Lagebewertung, die Schadensbeseitigung, die Reparatur von Flugbetriebsflächen (die sich von herkömmlichen Straßenbauarbeiten wesentlich unterscheidet) sowie die provisorische Instandsetzung von einsatzwichtiger Infrastruktur. Zunehmend wichtiger werden allerdings - und dies zeigte der Einsatz in Afghanistan - auch die "klassischen" Pionierfähigkeiten (wie Drainage, Erdarbeiten, Straßen- und Wegebau oder Minenräumung)!

Der jüngste Einsatz

Den Winter 2002/03 hatten sich viele Soldaten des Objektschutzbataillons der Luftwaffe (ObjSBtlLw) anders vorgestellt. Wahrscheinlich kalt, aber nicht so kalt und sicher nicht durchsetzt von Tonnen feinen Staubes bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von kaum 25 Prozent. Doch so sind eben die Winter in Afghanistan ...

Als 4. Objektschutzstaffel (Kompanie) bei GECONKIA (German Contingent Kabul International Airport) waren - zwei Züge Infanteristischer Objektschutz, - ein ABC-Abwehr- und -Selbstschutzzug, - ein Brandschutzzug (Flugplatzfeuerwehr), - ein Luftwaffenpionierzug (Schadensbeseitigung) sowie - ein Kampfmittelbeseitigungstrupp eingesetzt. Die Staffel wurde mit der Übernahme des Internationalen Flughafens von Kabul (Afghanistan) durch die deutsche Luftwaffe im Zuge von ISAF aufgestellt. Sie sollte durch infanteristischen Objektschutz vor allem die Sicherheit von Leib und Leben der dort eingesetzten deutschen Soldaten garantieren, hatte aber auch maßgeblichen Anteil am Aufbau des deutschen Feldlagers und an der Wiederinbetriebnahme des Flughafens Kabul. Den Großteil dieser Staffel stellen auch jetzt noch Soldaten des ObjSBtlLw.

Das Land hat, ebenso wie seine Menschen und der Auftrag des Verbandes, eine prägende Wirkung auf die dort eingesetzten Soldaten. Das bestätigt auch der Kommandant des Objektschutzbataillons, der sich Anfang 2003 dort gemeinsam mit seinen Leuten im Einsatz befand. Wie in der Ausbildung geübt und wie in vergangenen Einsätzen, standen die Soldaten in Kabul in ihren orgplanmäßigen Modulen im Einsatz. Und dieses "Einander-Kennen" erwies sich gerade in der heiklen Situation dieses Auslandseinsatzes als enormer Vorteil.

Ihr bislang jüngster Einsatz forderte die eingesetzten Soldaten des ObjSBtlLw vor allem in den Bereichen - Brandschutz, - Schadensbeseitigung (allerdings nicht nur in der in der Ausbildung vorrangig geübten Form), - Infanteristischer Objektschutz, - ABC-Abwehr und -Selbstschutz sowie - Kampfmittelerkundung, -beseitigung und -abwehr.

Die Flugabwehr im Objektschutz erfolgte bei diesem Einsatz nicht durch Teile des ObjSBtlLw, sondern wurde durch andere Kräfte wahrgenommen.

Nach einer Erkundung im November 2002 hatte Mitte Dezember die Verlegung begonnen. Zuerst trafen aus Köln kommend - als Teil des Vorkommandos zur Errichtung des Feldlagers - die Pioniere der 5. Staffel ein, in Zugsstärke und mit allem benötigten Gerät. Nur wenige Stunden nach der Ankunft begannen sie mit ihrer Arbeit, bereits gesichert durch Gruppen der 1. Staffel (Infanteristischer Objektschutz).

Anfang Januar 2003 traf das Hauptkontingent ein. Mit dem Anwachsen der "Manpower" übernahmen die Teile des ObjSBtlLw nach und nach von der türkischen Luftwaffe die ihnen zugedachten Aufgaben. Dies war aber in manchen Fällen aufgrund der Sprachbarriere und unterschiedlicher Verfahrens- und Denkweisen nicht einfach. Vor allem im Bereich der Sicherung bereiteten angesichts der ernstzunehmenden Bedrohung der (für deutsche und österreichische Verhältnisse) geringe Kräfteansatz der türkischen Kameraden und eine andere Mentalität im Sicherheitsdenken viel Kopfzerbrechen.

Brandschutz

Zu einer deutschtürkischen Erfolgsstory wurde hingegen die Flughafenfeuerwehr: Seite an Seite wurde über Wochen gemeinsam der Brandschutz des Flughafens sichergestellt; dabei waren türkische Fahrer von deutschen Tanklöschfahrzeugen oder gemeinsame Übungen von Feuerwehrleuten in blauer (deutscher) und beiger (türkischer) Schutzkleidung ein gewohntes Bild. Mittlerweile sind die Brandschützer der 4. Staffel des ObjSBtlLw ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Flughafens. Von ihrer Arbeitskraft und Erfahrung profitieren auch die afghanischen Betreiber des Flughafens, deren eigene "Feuerwehr" (die Anführungszeichen waren bei Redaktionsschluss leider noch gerechtfertigt) erst durch die Männer der 4. Staffel darauf vorbereitet wird, eines Tages einmal Einsatzaufgaben selbstständig wahrzunehmen.

Schadensbeseitigung

Nach der Übernahme der Verantwortung über den internationalen Flughafen von Kabul begannen sich Anfang Februar 2003 die Dinge einzuspielen. Die hervorragende Arbeit der Pioniere zeigte sich jedem, der es sehen wollte, in der Vermehrung der Containerblöcke des Feldlagers. Es zeigte sich aber auch, dass über die Materialausstattung dieser Staffel nachgedacht werden muss, denn der größte Teil der Arbeit entfiel nicht auf die Startbahnschnellinstandsetzung und Schadensbehebung, sondern auf "klassische" Pionieraufgaben wie Bau-, Instandsetzungs- und Unterstützungsarbeiten jeder Art. Werkzeug und Gerät hierfür standen - auch aufgrund der bisherigen, noch auf den Einsatzgrundsätzen des Kalten Krieges aufbauenden Konzentration auf flugplatzspezifische Instandsetzungsaufgaben - aber nicht immer zur Verfügung.

Infanteristischer Objektschutz

Aufgrund einer (militärisch nicht nachvollziehbaren; Anm.) politischen Entscheidung wurde die Sicherung des Flughafens in dessen Innenbereich ab Anfang März einer Kompanie des belgischen Heeres übertragen; es handelte sich zum Erstaunen aller um Artilleristen, die man in einem mehrwöchigen Schnellkurs für Sicherungsaufgaben eingeschult hatte!

Wenngleich diese Entscheidung für Außenstehende kaum nachvollziehbar war - schließlich wurde das ObjSBtlLw genau für Aufgaben, wie sie in Kabul wahrzunehmen waren, aufgestellt, ausgerüstet und speziell ausgebildet - wurde sie natürlich akzeptiert. Letzten Endes sollte sie sich sogar als vorteilhaft erweisen: Die beiden bisher dafür eingesetzten Infanteriezüge der 1. Staffel wurden dadurch für Aufgaben frei, die sich angesichts der Lage vor Ort als wichtig und notwendig herausstellten:

- Zum einen wurde es möglich, die Überwachung der An- und Abflugsektoren und des Flughafens selbst aus dem Schlüsselgelände in seiner Umgebung zu gewährleisten.

- Zum anderen wurde die Kabul Multinational Brigade deutlich entlastet, weil diese Staffel neben der regelmäßigen Sicherung des Feldlagers "Camp Warehouse" nun auch Infanteriegruppen für die so genannte "Force Protection", z. B. den Begleitschutz der im Raum eingesetzten Kräfte der Brigade, stellen konnte.

Die Ausbildung und die spezielle Vorbereitung der Soldaten ermöglichten diesen jedenfalls, sich ohne die geringsten Probleme binnen eines Tages in die Kommandostruktur eines Heeresverbandes zu integrieren und dort Seite an Seite mit Fallschirm- und Gebirgsjägern zu arbeiten.

Beim infanteristischen Objektschutz zeigte sich allerdings bald, dass - zumindest in diesem Einsatz - bei der erforderlichen Materialausstattung für eine moderne Sicherungstruppe immer noch entscheidende Defizite bestehen. Diese könnten zu gravierenden Einschränkungen und Erschwernissen bei der Erfüllung des Auftrages führen. Interviews, Befragungen und die Beurteilung des Einsatzes zeigten, dass vor allem in drei Bereichen Verbesserungen angestrebt werden sollten, und zwar - beim geschützten Transportraum, - bei der möglichen Waffenwirkung in die Tiefe des Raumes sowie - bei der Nachtsicht- und Nachtkampffähigkeit.

So wurden z. B. als geschützter Transportraum während des Einsatzes dem Verband anfangs nur drei gepanzerte Radfahrzeuge vom Typ "Dingo" zugeführt. Gerade diese Fahrzeuge sind jedoch bei solchen Einsätzen von Anfang an und in ausreichender Zahl für den Eigenschutz unverzichtbar! Die Nachteile ungepanzerter Sicherungs-Unimogs (für das Personal und die Auftragserfüllung) bei Beschuss oder bei nahen Explosionen brauchen in dieser Fachzeitschrift nicht gesondert dargestellt werden. Erst nach Angriffen auf Bundeswehrsoldaten, wobei auch auf deutscher Seite Gefallene zu beklagen waren, wurden im Juli 2003 zehn Mannschaftstransportpanzer "Fuchs" nach Afghanistan entsandt. (Allerdings darf bezweifelt werden, dass angesichts der geringen verfügbaren Geldmittel des deutschen Verteidigungsressorts das ObjSBtlLw gepanzerte Fahrzeuge in ausreichender Zahl erhalten wird; Anm.).

Das bei der Ausbildung und in "europäischen" Regionen bewährte 7,62-mm-Maschinengewehr MG 3 ist hinsichtlich Reichweite und Wirkung im Ziel als Schwerpunktwaffe in solchen Bedrohungsszenarien unzureichend. Die orgplanmäßig vorgesehenen 40-mm-Granatmaschinenwaffen von Heckler & Koch, die effektiv in die Tiefe des Raumes wirken können, waren in Afghanistan noch nicht verfügbar.

Aufsetzbare Restlichtverstärker (NSA 80) für das G 36 gab es hingegen in ausreichender Menge. Diese stellen aber lediglich Zielhilfen für die einzelnen Soldaten dar. Zur Aufklärung - insbesondere was die erforderliche Aufklärungstiefe anbelangt (vergleichbar mit dem derzeitigen Assistenzeinsatz an der österreichischen Staatsgrenze im Burgenland; Anm.) - wären Restlichtverstärker-Doppelgläser, "Lucie"-Nachtsichtbrillen und leistungsstarke Wärmebildgeräte in ausreichender Anzahl erforderlich.

Die im Frühjahr 2003 gefällte Entscheidung, die beiden infanteristischen Objektschutzzüge abzuziehen und bei ISAF nicht mehr einzusetzen, scheint ebenfalls eher eine politische denn eine militärische Entscheidung gewesen zu sein. Die Bedrohung vor Ort ist jedenfalls unverändert hoch - und weniger bzw. weniger qualifiziertes Objektschutzpersonal bedeutet nun einmal weniger Sicherheit!

ABC-Abwehr und -Selbstschutz

Der ABC-Selbstschutzzug der 4. Staffel hat mittlerweile den Melde- und Warndienst für die gesamte ISAF übernommen. Ihm sind trotz der latenten Bedrohung in diesem Bereich spektakuläre Einsätze bislang Gott sei Dank erspart geblieben. Wie bei den Pionieren liegt die Haupttätigkeit dieses Zuges derzeit bei allgemeinen Unterstützungsaufgaben, die mit viel Fachwissen, Ideenreichtum und Improvisationsvermögen gelöst werden. Auch hier wurde für das ISAF-Folgemandat eine offenbar politisch motivierte Entscheidung getroffen: der Verzicht auf die ABC-Melde- und Warnzentrale und den Zugtrupp. Die Dekontaminationstrupps verlieren dadurch ihren für Analyse und Führung zuständigen Überbau und stehen somit nur noch für allgemeine Unterstützungsaufgaben zur Verfügung.

Kampfmittelerkundung, -beseitigung und -abwehr

Die Kampfmittelbeseitiger der Objektschutzstaffel sehen sich Problemen gegenüber, die selbst bei aller Anstrengung während des Mandats nur teilweise gelöst werden können. Afghanistan ist von Minen, Sprengmitteln und Explosivstoffen geradezu verseucht! Jahrzehnte des Krieges haben ihre Spuren hinterlassen. So befinden sich allein auf den ca. acht Quadratkilometern des Flughafengeländes derzeit immer noch geschätzte 14 000 - 16 000 Minen aller Art, gar nicht zu reden vom Munitionsschrott auf dem schon Mitte der neunziger Jahre von den Taliban und der Nordallianz heftig umkämpften Gelände. Die Beseitigung dieses lebensbedrohlichen Erbes durch afghanische und internationale Kampfmittelbeseitiger wird Jahre dauern. Es ist sogar fraglich, ob sie überhaupt vollständig gelingen kann. Neben diesem (mehr als) anspruchsvollen Full-Time-Job kommt es fast täglich zu kritischen Situationen im Umgang mit vermuteten oder tatsächlichen behelfsmäßigen Sprengvorrichtungen ("Tupperware"-Bomben mit Auslösedrähten, abgezogene Handgranaten, von unten in eine hohle Cola-Dose geschoben u. ä.). Das Expertenwissen, das in der Ausbildung erworbene Können und die jahrelange Erfahrung der Kampfmittelbeseitiger werden hier bis aufs Äußerste beansprucht.

Die Ausbildung hat sich bewährt

War nun der Einsatz ein voller Erfolg? Diese Frage ist verfrüht, denn erst wenn der letzte Angehörige des Objektschutzbataillons - hoffentlich heil und gesund - aus Afghanistan zurückgekehrt ist, wird sie endgültig beantwortbar sein. Und das wird nach dem jetzigen Stand der Dinge noch Monate dauern.

Fest steht aber, dass die gediegene Ausbildung, die mit Masse zweckentsprechende, moderne Ausrüstung und die Vielzahl der bisherigen Einsätze des Objektschutzbataillons der Luftwaffe während der letzten Jahre in Afghanistan Früchte getragen haben. Hier waren und sind militärische Profis am Werk; sie machen anderen Mut für die Zukunft. Europa kann auf diese Soldaten und die von ihnen erbrachten Leistungen jedenfalls stolz sein!

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Minen, Staub und Armut ...

Die Eindrücke aus Afghanistan sind vielschichtig. So vielschichtig, dass jeder einzelne heimgekehrte Soldat detailliert befragt werden müsste, hat doch jeder diesen Einsatz individuell erlebt.

Einen besonderen Eindruck hinterlassen zweifellos die widrigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Kabul. Obwohl diese Bedingungen in den vergangenen Monaten mit dem Aufbau des kompletten Feldlagers samt Infrastruktur verbessert wurden, darf man nicht vergessen, dass die Geographie und das Klima mit nichts zu vergleichen sind, was man in Europa vorfindet. Und obwohl ausgerechnet während des ersten ISAF-Kontingents mehr Niederschlag fiel als in den 50 Jahren zuvor, bleibt der allgegenwärtige Staub wohl jedem in Erinnerung.

Ein weiterer Eindruck ist die permanent hohe Bedrohung durch so genannte "irreguläre Kräfte". Es galt, im Kopf eines jeden Soldaten das Bewusstsein lebendig zu halten, dass er sich jeden Tag und jede Stunde in unsicherer Umgebung bewegt und nicht nur unzählige Minen und Sprengkörper sein Leben bedrohen. Dies galt vor allem für die infanteristischen Objektschutzzüge, die sich Tag und Nacht und bei jedem Wetter dieser Gefährdung zu stellen hatten.

Einen bleibenden Eindruck bei den Soldaten, die Gelegenheit zum Kontakt mit der Bevölkerung haben, hinterlassen aber vor allem die Menschen in diesem Land. Wer hat zuvor mit Männern, Frauen oder Kindern zu tun gehabt, deren Existenz von über zwanzig Jahren Krieg und der damit einhergehenden Not geprägt ist? Der Wille zu helfen und dazu beizutragen, diesen Menschen ein friedlicheres, fröhlicheres, lebenswerteres Leben zu ermöglichen, war jedenfalls bei allen eingesetzten Soldaten erkennbar.

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Die Übung "ELITE 2003"

In der Zeit vom 12. bis zum 23. Mai 2003 fand unter der Leitung des deutschen Luftwaffenführungskommandos die Übung "ELITE 2003" (Electronic Warfare Live Training Exercise) auf dem Truppenübungsplatz Heuberg in der Schwäbischen Alp statt.

Diese jährlich stattfindende, internationale Großübung ist ein Höhepunkt der Einsatzaus- und -weiterbildung der fliegenden Besatzungen, der Fliegerabwehrlenkwaffenkräfte und des Radarführungsdienstes. Eines der Hauptziele dieser hochwertigen Ausbildung ist die Prüfung der Wirksamkeit der Mittel der Elektronischen Kampfführung (EloKa). Ein wechselseitiges "Katz und Maus-Spiel" der Verteidiger (Radar- und Fliegerabwehrlenkwaffen-Kräfte) und der Angreifer (Luftfahrzeuge) zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der eingesetzten Waffensysteme unter einsatzähnlichen Bedingungen auf. An dieser Übung beteiligen sich die Luftstreitkräfte zahlreicher NATO-Länder.

Bei "ELITE 2003" wurde vor allem der gemischte Einsatz verschiedener Fliegerabwehrlenkwaffensysteme der Luftwaffe ("Patriot", HAWK, "Roland") in einer Einsatzzone ("Cluster") geübt. Der Einsatz der Kräfte erfolgte so, dass ein Bereich entstand, in dem sich die Wirkungsbereiche der Waffensysteme zu einem effizienten Rundumschutz ergänzten und teilweise überlappten. Weil es um das effektive Zusammenwirken aller Kräfte ging, erfolgte die Führung aus einem gemeinsamen Gefechtsstand (SAMOC - Surface to Air Missile Operation Center).

An dieser Übung nahm auch ein "Stinger"-Flugabwehrzug der 3. Staffel des ObjSBtlLw teil. Ein solcher Zug ist durchaus imstande, z. B. den Gefechtsstand eines kleinen Verbandes gegen Luftfeind zu schützen (bei "ELITE 2002" schützte er das SAMOC). Diesmal hatte er innerhalb der Einsatzzone (des "Clusters") Räume zu schützen und Lücken zu schließen - dort, wo die weit reichenden Waffensysteme ("Patriot", HAWK, "Roland") nicht oder nicht effizient wirken bzw. deren Sensoren Flugziele nicht oder nur eingeschränkt erfassen konnten. Realitätsnah geübt wurde auch die Abwehr von bewaffneten Hubschraubern und Kampfhubschraubern, die auf die "Stinger"-Trupps angesetzt waren. Dabei waren rasche Reaktionen der Truppführer ebenso gefordert wie z. B. Waffenwechsel und Zielbekämpfung mit dem MG 3 im "Mannanschlag" (entspricht dem österreichischen "Hilfsanschlag kniend bzw. stehend zur Luftzielbekämpfung"; Anm.).

__________________________________ __________________________________ Autor: Wolfdieter Hufnagl, Jahrgang 1944. Milizunteroffizierslaufbahn (Vizeleutnant der Fernmeldetruppe beim ehemaligen Fernmeldebataillon 1in Wien) und Ausbildung zum Kraftfahrunteroffizier (Heeresfahrlehrer A). Informationsoffizier des Österreichischen Bundesheeres (Militärkommando Wien). Mehrere Auslandseinsätze u. a. in Albanien und im Kosovo. Vor seinem Übertritt in den Ruhestand hauptberuflich bei den Österreichischen Bundesbahnen in leitender Stellung im Bahnbetrieb, später in der Generaldirektion bei der Erstellung neuer Unternehmenskonzepte tätig. Verfasser mehrerer Fachbücher aus den Bereichen Militär, Polizei, Eisenbahn und Waffentechnik.

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Sich nie mit dem Erreichten zufrieden geben ...

Mit der Aufstellung des Objektschutzbataillons hat die deutsche Luftwaffe einen entscheidenden Schritt zur Gewährleistung einer professionellen Force Protection im Zuge von Einsätzen zur internationalen Krisenbewältigung vollzogen. Die Einzigartigkeit dieses Verbandes wird in der konsequenten organisatorischen Zusammenfassung aller Elemente des aktiven und passiven Objektschutzes in einem Bataillon deutlich. Die Richtigkeit dieses Konzeptes hat sich in einer Vielzahl von Einsätzen in den letzten Jahren nachhaltig bestätigt, u. a. auch durch den in diesem Beitrag beschriebenen jüngsten Einsatz in Afghanistan.

Die reichen Erfahrungen, die das Bataillon im Verlauf bisheriger Einsätze sammeln konnte, haben folgerichtig zu etlichen Anpassungen und Modifikationen geführt - sowohl im Bereich des Materials als auch bei einigen angewandten Verfahren. Wenngleich stets Raum für Verbesserung bleibt, blicken wir Soldaten des Objektschutzbataillons mit Stolz auf das, was wir in den vergangenen Jahren geschaffen haben. Unser soldatisches Selbstverständnis gebietet uns aber auch, sich nie mit dem Erreichten zufrieden zu geben, sondern den Blick nach vorn zu richten, den Objektschutz weiter voranzubringen und auf die Erfordernisse der Zukunft einzustellen. Dazu gehört auch der sprichwörtliche "Blick über den Tellerrand". Schon deshalb würde ich mich freuen, wenn dieser Beitrag nicht nur der Information dient, sondern - darüber hinaus - zu weiteren Kontakten und Gesprächen führt.

Angesichts der hervorragenden Zusammenarbeit mit unseren österreichischen Kameraden insbesondere im Verlauf der KFOR- und ISAF-Einsätze freue ich mich besonders, dass TRUPPENDIENST, die Fachzeitschrift für Führung und Ausbildung im Österreichischen Bundesheer, meinem Verband eine derart breite Aufmerksamkeit widmet, sind doch der gegenseitige Erfahrungsaustausch und das Wissen um die Fähigkeiten der Partner immer wieder Garanten für eine reibungslose und effektive Zusammenarbeit.

Oberstleutnant Michael Fleper, Kommandeur des ObjSBtlLw

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