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Serbien, Winter 1999/2000: Hunger, Kälte, Inflation, Arbeitslosigkeit - Ökonomische Momentaufnahmen aus einem zerstörten Land

erschienen in der Publikation "Konfliktentwicklung auf dem West-Balkan (24)" - April 2000

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Schlagworte zu diesem Beitrag:  Serbien, Nachfolge, Jugoslawien, Nachkriegszeit, Strategische Analyse, Bevölkerung

Abstract:

Am 1. Oktober 1999 hat die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) unter ihrem Premier, dem Montenegriner Momir Bulatoviæ , eine "Information über laufende Wirtschaftsbewegungen" beraten, wozu in der regimenahen Presse verlautete:

"Es wurde eingeschätzt, daß der Wiederaufbau des Landes ausnehmend erfolgreich verläuft und daß es zu einer Belebung der Produktion kommt. Die Bundesregierung setzt über die Antimonopolkommission die Anwendung gesetzlicher Maßnahmen zur Verhinderung eines Preiswachstums, das nicht ökonomisch begründet ist, fort. In der monetären Politik bleibt die Stabilität gewahrt und die Dinar-Geldmenge wurde nicht erhöht."

Drei Tage später ließ sich der serbische Premier Mirko Marjanoviæ noch optimistischer vernehmen: man werde nicht nur "alles wiederaufbauen, was durch die NATO-Aggression zerstört wurde", sondern darüber hinaus Arbeitsplätze schaffen, ökonomische und soziale Stabilität garantieren, Reformen zur Einführung der Marktwirtschaft und der Eigentumstransformation starten etc. Und Milo¹eviæ selber setzte allem die Krone auf: "Der Wiederaufbau unseres Landes ist siegreich, so siegreich, wie auch die Verteidigung unseres Landes siegreich und heroisch war."

In welcher Welt leben diese Leute? Es gibt in Jugoslawien weder einen nennenswerten Wiederaufbau noch eine Produktionsbelebung, ganz zu schweigen von einer monetären Stabilität: Wie die Wirtschaftskammer Jugoslawiens Mitte September befand, "gibt es kein Geld und bleibt die Hilfe aus dem Ausland immer noch aus", weil "wir wirtschaftlich und besonders finanziell von der Welt isoliert sind und Ausländern Investitionen und Kooperationen mit jugoslawischen Firmen verboten sind". Also "ist die Produktion im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel zurückgegangen."

Wenn man einmal das kleine und von Serbien fortstrebende Montenegro außer acht läßt und nur Serbien betrachtet, dann sind die pessimistischsten Perspektiven die realistischsten: Serbien ist auf dem besten Wege, territorial auf den Stand des frühen 19. Jahrhunderts zurückzufallen, also auf die engere Umgebung von Belgrad, ohne die Vojvodina, die rumänisch besiedelte Timok-Region, den "bosnischen" Sand¾ak, das albanische Kosovo und Montenegro. Ökonomisch mutet Serbien wie in den späten vierziger Jahren an, als man in selbstgestrickte Pullover nur dann etwas Farbe hineinbekam, wenn sich unter den eigenen Schafen ein paar schwarze befanden. Die serbische ökonomische Lage erläuterte Dragoljub Micunoviæ, Leiter des Demokratischen Zentrums (DC), das sich als Koordinierungstelle der serbischen Opposition versteht: "Der Winter steht vor der Tür, die Arbeitslosigkeit ist ungeheuer, die sozialen Probleme haben sich verdoppelt, vielen droht der Hunger. Alles kann in verschiedenen Richtungen und auf verschiedene Weise explodieren."

Serbien, die Heimat des größten Slawenvolks im europäischen Südosten, ist heute das ärmste Land Europas, von einer nur noch strafrechtlich zu charakterisierenden Führung unterdrückt und ausgebeutet. Das Land ist wirtschaftlich am Boden, politisch zerrissen, international isoliert und boykottiert. In Belgrad werden protestierende Serben von der Polizei gejagt, im Kosovo werden autochthone Serben von albanischem Mob gejagt, geplündert, gemordet - unter den Augen der internationalen Gemeinschaft, die angeblich durch ihre KFOR Ordnung und Sicherheit im Kosovo garantiert.

Dieser totale Niedergang ist die Folge der nunmehr zwölfjährigen Herrschaft des Slobodan Milo¹eviæ, der jeden Konflikt in Ex-Jugoslawien angezettelt hat, um die meisten später mit internationaler Billigung als "Friedensstifter" zu beenden (z.B. den Krieg in Bosnien, dessen Ende Milo¹eviæ im November 1995 in Dayton mit unterschrieb). Milo¹eviæ wäre längst der Vergessenheit anheimgefallen, hätte er nicht zu allen Zeiten Verbündete und "Verbündete" gefunden - die internationale Gemeinschaft, die ihn durch ihren Beauftragten Filipe González 1997 vor den monatelangen Protesten Hunderttausender Serben rettete, die Radikalen (wie ©e¹elj) und die romantischen Nationalisten (wie Dra¹koviæ), die Milo¹eviæ erst ins Gefängnis steckte und später in die Regierung holte, vor allem aber die albanischen Separatisten im Kosovo, die sich von ihm allein durch ihre andere Muttersprache unterscheiden. Der von "Präsident" Ibrahim Rugova eingangs der neunziger Jahre inszenierte Boykott alles Serbischen ermöglichte es Milo¹eviæ bei allen Wahlen, mit relativ geringen Stimmenanteilen seiner Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) zu siegen.

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