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NATO-Streitkräftestrukturen im Spiegel der sicherheitspolitischen Lage in Europa

erschienen in der Publikation "Gaminger Gespräche 1998 (14)" - Februar 1999

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Schlagworte zu diesem Beitrag:  NATO, Streitkräfte, Europa, USA, Strategische Analyse, Militär

Abstract:

Die NATO-Streitkräftestrukturen werden aus einer politischen Richtlinie abgeleitet, die die Ziele der Sicherheitspolitik definiert, aber auch Risiken und Gefahren analysiert und Wege und Instrumente zu ihrer Bewältigung aufzeigt. Eine solche Richtlinie stellt das Strategische Konzept der NATO dar. Derzeit wird dieses aus dem Jahre 1991 stammende Dokument überarbeitet, und insofern können alle in vorliegendem Beitrag angeführten Einzelheiten noch keine einvernehmliche Beschlußlage der NATO darstellen. Allerdings ist bereits jetzt klar, daß sich die politischen Ziele und militärischen Aufträge der NATO in absehbarer Zeit nicht ändern werden. Es bleibt ihr erklärtes Ziel, Frieden und Stabilität in der euro-atlantischen Region zu erhalten und zu stärken. Es bleibt das Ziel, dauerhaften Frieden in einem ganzen und freien Europa auf der Basis von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie zu erhalten. Um dies zu erreichen, hält die NATO daran fest, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, um neben kollektiver Verteidigung ihre neuen Aufgaben Krisenprävention und Krisenmanagement, Projektion von Stabilität und Schutz gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen wahrnehmen zu können.

Bevor aufgezeigt wird, welchen Bedingungen Streitkräftestrukturen der Zukunft genügen müssen, ist eine kurze Lageanalyse erforderlich, aus der dann die Schlußfolgerungen für die Zukunft von Streitkräften auch unter Berücksichtigung von Reservisten zu ziehen sind. Es ist schwieriger geworden, Konsens in der NATO zu erreichen, weil der einigende Druck einer gemeinsam empfundenen Bedrohung fehlt, der Egoismus der Nationen wächst und Europa leider nicht mit einer Stimme spricht.

Bis 1990 hätte die NATO im Falle von Krise oder Krieg innerhalb von 48 Stunden zirka 110 Heeresdivisionen und etwa 500 Schiffseinheiten sowie innerhalb von 12 Stunden die meisten ihrer 250 Luftwaffeneinsatzstaffeln und dazu noch etwa 230 Luftverteidigungseinheiten mobilisieren sollen. Heute sind von den Heeresdivisionen nur noch 65%, nämlich ca. 70, von den Schiffseinheiten etwa 60% (= 350), von den fliegenden Einheiten 50% und von den Luftverteidigungseinheiten nur noch 35% übriggeblieben. Noch drastischer aber ist die Verringerung der Bereitschaftsstufen, die heute in Tagen und Wochen und nicht mehr in Stunden gemessen werden. Von den heute noch bestehenden 70 Heeresdivisionen genügen zehn, die in 20 Tagen verfügbar sind, von den verbleibenden 120 fliegenden Staffeln kommt die NATO mit lediglich 20 Staffeln, verfügbar innerhalb von fünf Tagen, aus. Früher waren fast alle Schiffe in zwei Tagen auslaufbereit, heute sind es noch ganze 20, die in einer so kurzen Zeit verfügbar sein müssen. Unter Berücksichtigung der Reduzierung der Streitkräfteumfänge und des Materials (die auch bedeutet, daß die NATO ca. 20% mehr abgerüstet hat als nach den KSE-Verträgen erforderlich) wird deutlich, welch tiefgreifende Veränderung sich beinahe unbemerkt vollzogen hat.

Es gibt insgesamt noch immer ausreichende Streitkräfte, um den Schutz des NATO-Gebietes auch nach der Osterweiterung wirksam wahrnehmen zu können. Aber es gilt, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten, die Ausrüstung kontinuierlich zu modernisieren und zu erreichen, daß möglichst große Anteile der NATO- Streitkräfte im gesamten Bündnisgebiet verlegbar sind.

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