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Militärwissenschaften - Begriff, internationale Verwendung und Akzeptanz

erschienen in der Publikation "Militärwissenschaften" (ISBN: 978-3-902670-93-9) - November 2012

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Schlagworte zu diesem Beitrag:  Militärwissenschaft, Begriff, Militärische Führung, USA, Europa

Abstract:

Der Begriff "Militärwissenschaften" bzw. "Military Sciences" tritt seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wieder verstärkt in den Mittelpunkt nationaler und internationaler bildungspolitischer Überlegungen. Initiiert durch die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraums und der damit verbundenen Neustrukturierung der zivilen akademischen Ausbildung nach dem zwei- bzw. dreistufigen "Bologna-Modell", mit den Abschlüssen "Bachelor", "Master" und "Doktor" (PhD), gilt es auch die nationale tertiäre militärische Ausbildung nach diesen Vorgaben neu zu strukturieren. Dabei gewinnen der Begriff und die inhaltliche Ausgestaltung der "Militärwissenschaften" national und international zunehmend an Bedeutung.

Diese Wissenschaftsdisziplin lässt sich allgemein als die Generierung und Erweiterung des Wissens über die Verwendung und den Einsatz von Streitkräften durch Forschung, die Weitergabe dieser Erkenntnisse durch Lehre sowie die Gestaltung des institutionellen Rahmens, in dem dies organisiert und betrieben wird, definieren. Die Erforschung von Kampf, Konflikt, Konfliktvermeidung und Krieg (insbesondere der Kriegsursachen) gilt dabei als Ausgangspunkt und wesentlicher Teil der Militärwissenschaften.

Ein Schwerpunkt der "Militärwissenschaften" ist jedoch die "Militärische Führung". Es ist dies jene Disziplin, in der das Bildungsmonopol im militärischen Bereich liegt und deren praktische Umsetzung in bewaffneten Konflikten, internationalen friedenssichernden und humanitären Einsätzen sowie der Katastrophenhilfe für das Überleben und den Erfolg von Streitkräften entscheidende Bedeutung hat. Ausgehend von dieser Definition kann festgestellt werden, dass der Begriff "Militärwissenschaften" bzw. "Military Sciences" in den untersuchten Ländern in ähnlichem Zusammenhang verwendet wird. Historisch aus der militärischen Theorie und Forschung des 19. Jahrhunderts stammend, wurde der Begriff in der Zeit der leninistisch-marxistisch geprägten Forschung in der Sowjetunion ideologisch umgeformt. In Deutschland deshalb lange umstritten, steht der Begriff heute an den Akademien einerseits für militärische Ausbildungsziele, andererseits für einen Oberbegriff, der eine Vielzahl von wissenschaftlichen Teildisziplinen beinhaltet, die in Verbindung mit den Wörtern Strategie, Sicherheitspolitik oder "Militär-" zum Ausdruck kommen, wie z. B. Militärgeschichte, Militärsoziologie, Militärpädagogik, Militärpsychologie, Militärökonomie, Militärgeographie oder Militärtechnik. Die einzelnen Fachdisziplinen der "Militärwissenschaften" stehen dabei nicht als isolierte Teildisziplinen nebeneinander, sondern können vielmehr in Fachbereiche zusammengefasst, interdisziplinär in Forschung und Lehre Verwendung finden.

So ist in den untersuchten Ländern die starke Präsenz der vielfach als "War Studies" bezeichnete interdisziplinäre Zusammenschau von Militär- bzw. Kriegsgeschichte mit Sicherheitspolitik, Strategie und Taktik signifikant.

Bildungseinrichtungen, die eine Verwendung des Begriffs, sei es aus "ideologischer" Sicht bzw. auf Grund nicht vorhandener sprachlicher Entsprechungen verneinten, wurden dennoch auf das Vorhandensein inhaltlicher militärwissenschaftlicher Disziplinen in den Lehrplänen untersucht. Dies vor allem, um den Nachweis zu führen, dass die "Militärwissenschaften" gemäß o. a. Definition unabhängig von der Verwendung des Begriffs, auch in jenen Ländern betrieben werden, die diese Bezeichnung nicht in ihren Curricula führen.

Schließlich zeigt ein Blick auf die Ziele und Forschungsbereiche der im Jahre 2008 gegründeten Forschungskooperation "International Society of Military Sciences", dass der Begriff "Militärwissenschaften" bzw. "Military Sciences" auch eine länderübergreifende, übernationale Anerkennung und Verwendung findet. Auch die Dewey- Dezimalklassifikation (DDC) verwendet gegenwärtig den Begriff "Militärwissenschaft" als Oberbegriff zur Ordnung ihrer Teildisziplinen. Dieses international weit verbreitete Klassifikationssystem dient zur inhaltlichen Erschließung wissenschaftlicher Bibliotheksbestände und dokumentiert damit die Akzeptanz des Begriffs in der akademischen Forschung.

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