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Kolumbien zwischen Krieg und Frieden

erschienen in der Publikation "Kolumbien zwischen Krieg und Frieden" (ISBN: 3-901328-89-0) - Juni 2003

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Schlagworte zu diesem Beitrag:  Kolumbien, Bürgerkrieg, Armee, Streitkräfte, Sicherheitspolitik, FARC, Guerilla, Zeitgeschichte, Staat, Krisenanalyse

Abstract:

Kolumbiens Geschichte ist eine Geschichte von Bauernkämpfen, ließe sich in Abwandlung eines
historischen Satzes sagen. Bauernkämpfe indessen, deren taktische Gewinne strategisch immer
wieder am Widerstand einer selbstbewussten und selten zu Kompromissen bereiten Aristokratie
zerschellten. Somit konnte sich auch nie nachhaltig eine "relative Autonomie des Staates", die
Reformen zugunsten der Kleinbauern (und später auch der urbanen Unterschichten) durchgesetzt
hätte, herausbilden. Kolumbiens Staat agierte atrophisch und nähert sich dem Virtuellen.1
Heute zwar pulsiert der Alltag in der Hauptstadt Bogota scheinbar unberührt und normal wie
anderswo in der lateinamerikanischen Welt auch, doch in den TV-Nachrichten um 19:00 Uhr
dominieren täglich die Berichte über Kämpfe und Scharmützel im ganzen Land, über Gewaltakte,
Morde, Entführungen, Sprengungen, Attentate - bis 15 Minuten später mit den Sportnachrichten
Fröhlichkeit wiederkehrt. Am südöstlichen Stadtrand von Bogota geht die Kontrolle von der Armee auf die Guerilla über: in der Vorstadt Nazareth, 3000 Meter hoch gelegen, kalt und nebelverhangen, wo Bogota in die Sumapaz-Zone ausweitet, können Angehörige von Entführungsopfern, wie allgemein bekannt, die Höhe des Lösegeld aushandeln.
Von Überlandreisen im Bus ist dringend abzuraten, denn die pesca milagrosa, der wunderbare
Fischfang (wie Kolumbianer die Entführungspraxis diverser Guerillas, Paramilitärs oder auch nur
gemeiner Banditen galgenhumorig nennen) wirft an improvisierten Straßensperren täglich die Netze aus. Die großen Städte sind zum Gefängnis geworden, dem man nur noch im Flugzeug entkommen kann. In der wichtigen Provinz Antioquia findet bereits die "Schlacht um Medellin" statt, als militärische Auseinandersetzung um die Slums und Vorstädte dieser führenden Industriestadt, wo "urbane Milizen" entweder der Guerilla oder den Paramilitärs zuarbeiten. Heute erleiden im Schnitt täglich elf Kolumbianer das Entführungsschicksal und wandern in eine Art "Kriegsgefangenschaft" im eigenen Land, als Bauern auf dem Schachbrett eines zukünftigen "canje", eines Gefangenenaustausches, bei dem es um Personen (Zivilisten gegen Guerrilleros) oder Geld - oder beides - geht.

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