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Russian Strategy in the Chechnya Wars

erschienen in der Publikation "Parameter bewaffneter Konflikte (4/00)" (ISBN: 3-901328-46-7) - September 2000

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Schlagworte zu diesem Beitrag:  Russland, Politik, Sicherheitspolitik, Krieg, Tschetschenien

Abstract:

Gegenüberstellung der beiden Tschetschenien-Kriege

Felgenhauer, ein renommierter unabhängiger (und ziviler) russischer Militäranalytiker, bot in seinem vielbeachteten Referat eine ausgezeichnete Analyse der militärischen Vorgänge in Tschetschenien. Er stellt den Krieg 1994-96 den seit September 1999 andauernden Kämpfen zwischen den russischen Truppen und tschetschenischen Kämpfern gegenüber und analysiert treffsicher die strategischen, operativen und teilweise auch taktischen Unterschiede.

Der zweite Feldzug - eine beschlossene Angelegenheit

Für Felgenhauer ist bedeutend, dass jene russischen Generäle, die den ersten Krieg verloren hatten, bereits seit 1997 an eine militärische "Revanche" dachten und ihr damaliges Versagen ausschließlich politischen Restriktionen zuschrieben. Mit Putins Amtsantritt als Ministerpräsident (August 1999) wurde ein neuerlicher Feldzug gegen die tschetschenischen Rebellen wieder realistisch. Schon im März 1999 - also eindeutig vor den Tschetschenen zugeschriebenen Bombenattentaten in Moskau und anderen russischen Städten im Sommer - existierte ein klarer Plan, wieder in Tschetschenien einzumarschieren. Allerdings bestand - zumindest laut dem ehemaligen Ministerpräsidenten Sergej Stepaschin - die ursprüngliche Absicht darin, nur den Norden bis zum Terek-Fluss zu besetzen und ein "alternatives" Tschetschenien mit demokratischen und wirtschaftlichen Anreizen für die Bevölkerung zu schaffen. Spätestens im Herbst 1999 wurde dieser Plan durch russische Offiziere zu Fall gebracht, indem sie Putin versicherten, dass ohne Inbesitznahme auch der Südregion der Konflikt nicht endgültig gelöst, sondern lediglich "eingefroren" werden würde.

Abermals schwere Mängel bei den russischen Vorbereitungen

Trotz der negativen Erfahrungen aus dem Jahr 1994, als Moskau von einer verdeckten politischen Aktion zu einer unvorbereiteten, offenen militärischen Operation gegen Tschetschenien übergegangen war und daher strategisch improvisiert hatte, kam es auch 1999 wieder zu gravierenden Mängeln. Felgenhauer misst vor allem strukturellen und personellen Defiziten ausschlaggebende Bedeutung bei, lässt aber auch Defizite im Rüstungsbereich nicht unerwähnt. So sei es trotz Restrukturierungsmaßnahmen nicht möglich gewesen, mit erfahrenen und in der Zusammenarbeit routinierten Verbänden mit hohem Kaderanteil in den Feldzug zu gehen. Vielmehr konstatiert er die Bildung von Kampfverbänden nach "Salami-Methode", also ein modulares Zusammenwürfeln unterschiedlichster Waffengattungen ohne praktische Erfahrung und gemeinsame Übung mit einem mehr als neunzigprozentigen Rekrutenanteil.

Volle Handlungsfreiheit für das Militär

Die augenfälligsten Unterschiede vom ersten zum zweiten Tschetschenienkrieg ortet er darin, dass der Kreml den Militärs im aktuellen Krieg keinerlei operative Restriktionen mehr auferlegt und auch bereit ist, wesentlich mehr Kräfte einzusetzen: Während 1994 bis 1996 in keiner Phase mehr als 45.000 Mann (Kräfte des Innen- und Verteidigungsministeriums zusammen) zum Einsatz kamen, waren Ende 1999 bereits knapp 100.000 an den Kämpfen gegen die Rebellen beteiligt. Große Probleme dürften dabei in der Qualität des Personals, der Rekrutierung zusätzlicher Kämpfer und der Moral der eingesetzten Kräfte bestehen. Felgenhauer bezweifelt, ob die Anstellung sogenannter "Kontraktniki" (freiwillige Soldaten für einen bestimmten Zeitraum) Abhilfe schaffen kann. Der Versuch, das von der NATO in der Luftoperation "Allied Force" angewandte Verfahren (Abstandskriegführung unter der Devise "no casualties") zu kopieren, scheint in der Praxis nicht nur auf erhebliche Schwierigkeiten zu stoßen, sondern auch zu umfangreichen Menschenrechtsverletzungen der tschetschenischen Zivilbevölkerung zu fuhren.

Die Position der tschetschenischen Bevölkerung

Die Rolle der Zivilbevölkerung im Kontext der macht- und ordnungspolitischen Auseinandersetzung zwischen dem Kreml und den tschetschenischen Kämpfern blieb etwas unterbelichtet. Es wurde lediglich angemerkt, dass die Bewohner Tschetscheniens während des ersten Krieges eindeutig Sympathie für die Rebellen erkennen ließen, während sie im aktuellen Konflikt eher eine neutrale Position zwischen beiden Seiten einnehmen.

Bindungsstrategie des Kreml?

Ob das vermutlich auf Dauer angelegte russische Militärengagement in Tschetschenien tatsächlich dazu dienen soll, das Militär zu beschäftigen und damit zu verhindern, dass es sich gegen die Regierung richtet, bleibt als Felgenhauers persönliche Vermutung ebenso stehen wie seine Bemerkung, dass dieser Krieg die russische Armee zerstören werde. Seine präzisen Ausführungen lassen gesamt betrachtet jedoch darauf schließen, dass dies keine leichtfertigen Urteile oder Prognosen sind, sondern analytischen Tiefgang aufweisen.

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