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Retheologisierung der Politik und weltpolitische Konfliktkonstellationen

2. Kulturwissenschaftlicher Dialog des Instituts für Militärsoziologie und Militärpädagogik

Dokumenttyp:

Studien und Berichte

Erscheinungsdatum:

Jänner 2004

Herausgeber:

Bgdr Mag. Dr. Edwin R. Micewski

Beiträge in dieser Publikation:

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Vorwort

Vorwort

Der "Kulturwissenschaftliche Dialog" wurde im Jahr 2003 vom Institut für Militärsoziologie und Militärpädagogik ins Leben gerufen, um eine Zieldefinition in zweifacher Hinsicht zu erreichen: Erstens soll für den Bereich der human- und geisteswissenschaftlichen Dimension von Sicherheitspolitik eine Vertiefung der Beziehungen zwischen der Landesverteidigungsakademie und ihrem universitären bzw. gesellschaftlichen Umfeld geschaffen, zweitens sollen die ideengeschichtlichen Hintergründe von sicherheitspolitischen Entwicklungen der Gegenwart ins Bewusstsein gerufen werden.

Der Referent des zweiten "Kulturwissenschaftlichen Dialogs" o.Univ.Prof.Dr. Rudolf Burger, welcher in seinem Vortrag vom 10. November 2003 über "Retheologisierung der Politik und weltpolitische Konfliktkonstellationen" sprach, dessen schriftliche Fassung nunmehr hier vorliegt, verwies darauf, dass die "kampfbereiten Fronten" des 20. Jahrhunderts in den großen ideologischen Spaltungen zwischen dem "Westen" und dem "Osten" lagen. Die beiden zu Wirklichkeiten gewordenen Interpretationen von konträren philosophischen Ansätzen standen sich als "Blöcke" schroff gegenüber: Marxismus gegen Liberalismus war jener Gegensatz, welcher im militärischen Bereich im "atomaren Gleichgewicht des Schreckens" gipfelte. Das Wettrüsten zwischen NATO und Warschauer Pakt in der Ära des "Kalten Krieges" hatte - so erstaunlich dies auch klingen mag - seine letzten Gründe in gegensätzlichen philosophischen Theorien, welche zu gegensätzlichen politischen Ideologien führten.

Prof. Jürgen Mittelstraß, Ordinarius der Philosophie an der Universität Konstanz, sprach vor geraumer Zeit in einem Vortrag vor der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in genau diesem Zusammenhang von den "unheimlichen" Geisteswissenschaften. Er führte aus, dass die Geisteswissenschaften keineswegs so harmlos oder gar bedeutungslos sind, wie sie in der Gegenwart vielen erscheinen mögen. "Wie kann auch eine Wissenschaftskultur, die Nietzsche, der die bürgerliche Moral ins Wanken brachte, oder Marx, der die Welt polarisierte, hervorgebracht hat, harmlos sein?" Wenn man bedenkt, dass die dringendsten Probleme der Menschheit - auch und vor allem im sicherheitspolitischen Bereich - durchwegs internationalen Charakter tragen und in vielen Bereichen die Möglichkeiten des Einzelstaates übersteigen, so wird der Wunsch nach Gestaltungsmodellen für die internationalen Beziehungen, welche eine dauerhafte friedliche Koexistenz zwischen den Staaten dieser Welt ermöglichen, nur allzu verständlich.

Es sind philosophische Theorien, welche Lösungsmodelle anbieten. So zielte zunächst bereits Immanuel Kants philosophische Theorie für einen Staaten- und Völkerbund auf die Idee eines "ewigen Friedens". Kant selbst war sich jedoch darüber im Klaren, dass diese Idee eines "ewigen Friedens" das schwierigste Problem für die Menschheit darstellt und auch jenes ist, welches von der Menschheit am "spätesten aufgelöset" werde - wenn auch nur als Approximation zu einem Idealzustand, der in einer phänomenalen Welt nicht zu erreichen ist.

Gleichwohl gilt es, den Reichtum und die Fülle an philosophischen Ideen und Theoriebildungen, welche in der abendländischen Geistesgeschichte vorhanden ist, einerseits zu bewahren, andererseits sie auf ihren Gehalt zur Lösung aktueller Konfliktkonstellationen kritisch zu hinterfragen und dabei auch den Blick für neue Entwürfe offen zu haben.

Dieses Ziel ist die Aufgabe des "Kulturwissenschaftlichen Dialogs".

Brigadier Mag. Dr. Edwin R. Micewski

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