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Die strategische Situation in Eurasien (2/03)

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Vorwort der Herausgeber 3 Seiten / 22 KB PDF ansehen
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Europa im Strategiefeld Eurasien: Einleitende Gedanken 12 Seiten / 106 KB PDF ansehen
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Der asiatisch-pazifische Raum steht im Zentrum aller strategischen Überlegungen 5 Seiten / 35 KB PDF ansehen
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Perzeption, Strategie und Interesse: Die Außenpolitik Indiens seit der Unabhängigkeit 14 Seiten / 97 KB PDF ansehen
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Die USA und Indien: Gegenseitige Einschätzungen und politisches Handeln 9 Seiten / 70 KB PDF ansehen
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China: Strategische Zielsetzungen und ihre Realisierung 6 Seiten / 40 KB PDF ansehen
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China und die Großmächte: Gegenseitige Wahrnehmungen am Beginn des 21. Jahrhunderts 9 Seiten / 139 KB PDF ansehen
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Japan: strategische Zielsetzungen und deren Verwirklichung; Denkweisen und Perzeption der Außenwelt 5 Seiten / 33 KB PDF ansehen
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Die Politik Russlands gegenüber Indien, Pakistan und Afghanistan 7 Seiten / 177 KB PDF ansehen
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Vorwort

Vorwort der Herausgeber
Die Bedeutung des asiatischen Kontinents nimmt in den letzten Jahren nicht nur in wirtschaftlicher, sondern vor allem auch in weltpolitischer und militärisch-strategischer Hinsicht ständig zu. Es ist abzusehen, dass das Weltgeschehen in diesem Jahrhundert in hohem Maße von Entwicklungen in Asien geprägt sein wird. So ist bereits seit geraumer Zeit ein wachsendes Engagement der USA in Asien festzustellen. Will Europa in Asien nicht völlig marginalisiert werden, so muss es den Entwicklungen in dieser Weltregion verstärkte Aufmerksamkeit schenken und insbesondere auch eine kohärente, proaktive Sicherheitspolitik betreiben. Daher erscheint es von vordringlicher Bedeutung, bei europäischen Sicherheitspolitikern das Bewusstsein für die sich abzeichnenden Entwicklungen in Asien zu wecken. Genau dieses Ziel verfolgten zwei Expertentagungen, die das Büro für Sicherheitspolitik des Bundesministeriums für Landesverteidigung (vormals Militärwissenschaftliches Büro) in Wien im April und im Oktober 2002 veranstaltete, und an denen führende internationale Asien-Experten sowie österreichische Sicherheitspolitiker teilnahmen.

Im Gefolge des ersten Workshops entstand ein Sammelband mit dem Titel "Die sicherheitspolitische Entwicklung in Südasien"[1], der sich mit den aktuellen Entwicklungen und Problemen in Südasien und insbesondere der wachsenden strategischen Bedeutung Indiens beschäftigte.

Der vorliegende Band, der vor allem auf den Erkenntnissen des zweiten Workshops beruht, erweitert den Horizont auf die anderen einflussreichen Mächte im Großraum Eurasien - neben Indien sind das China, Russland und Japan sowie die im asiatisch-pazifischen Raum höchst engagierten USA - und beleuchtet deren jeweilige strategische Zielsetzungen sowie die Beziehungen dieser Mächte zueinander. Gemäß der Intention des Veranstalters legten die Autoren besonderes Augenmerk auf die Einbeziehung der subjektiven Perzeptionen und Gedankenmuster der verschiedenen Akteure.

Rahul Peter Das (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) stellt in seiner Einleitung die These auf, dass Europa - im Sinne von "Europäischer Union" - die privilegierte Position, die es im internationalen Gefüge für den größten Teil des letzten Jahrhunderts innehatte, unwiederbringlich verloren hat. Europa ist heute nicht nur massiv von den USA abhängig, sondern es muss sich auch damit abfinden, international als gleichgestellt mit Ländern wie China und Indien betrachtet zu werden. Der Autor wirft Europa vor, die Augen vor dieser Entwicklung zu verschließen und nach wie vor einer eurozentrisch eingeschränkten Weltsicht anzuhängen, die europäische Wertvorstellungen und in Europa entstandene rechtliche oder politische Begriffe, Schablonen und Kategorien fälschlicherweise als international gültig ansieht.

Erich Reiter (Beauftragter für Strategische Studien des Bundesministeriums für Landesverteidigung, Wien) konstatiert ebenfalls, dass die Bedeutung der asiatisch-pazifischen Region in letzter Zeit sowohl in wirtschaftlicher als auch in militärischer Hinsicht gestiegen ist. Allerdings ist die Erhaltung der Stabilität dort ungleich schwieriger zu bewerkstelligen als in Europa, weil es keine regionalen Sicherheitsstrukturen gibt. Der Autor prophezeit, dass die ostasiatisch-pazifische Region im 21. Jahrhundert von drei großen Akteuren dominiert sein wird: China, USA und Japan. Er untersucht die jeweiligen bilateralen Beziehungen innerhalb dieses Dreiecks und kommt zu dem Schluss, dass eigentlich alle drei Mächte - insbesondere auch aus wirtschaftlichen Überlegungen - Interesse an der Stabilität der Region haben müssten. Was den militärischen Bereich betrifft, so ist abzusehen, dass die USA aufgrund ihres größer werdenden technologischen Vorsprungs ihre Überlegenheit gegenüber den anderen Ländern weiter ausbauen werden.

Subrata K. Mitra (Südasien-Institut der Universität Heidelberg) geht auf die Außenpolitik Indiens ein. Im ersten Teil seiner Ausführungen untersucht er die Beziehungen Indiens zu seinen Nachbarn Pakistan und China, wobei er die Zeit seit der Unabhängigkeit in vier Phasen unterteilt. Er geht dabei davon aus, dass Staat und Gesellschaft in einer permanenten Interaktion stehen und dass das Moment der Perzeption von Sicherheit durch Staaten und Gesellschaften von entscheidender Bedeutung für jede sicherheitspolitische Analyse ist. Im zweiten Teil versucht Professor Mitra, die indisch-pakistanischen Beziehungen mit Hilfe der Spieltheorie zu untersuchen.

Dietmar Rothermund (Südasien-Institut der Universität Heidelberg) beleuchtet die Beziehungen zwischen Indien und den USA. Diese verschlechterten sich im Laufe des Kalten Krieges zunehmend und erreichten mit der Annäherung der USA an China Anfang der siebziger Jahre einen Tiefpunkt. Zwei Phänomene trugen schließlich zu einem Ende der Eiszeit bei: Zum einen das Ende des Kalten Krieges, und zum anderen die wachsende Anzahl der Inder in den USA, die sich zunehmend organisieren und als Wähler bemerkbar machen. Einer weiteren Verbesserung der bilateralen Beziehungen steht die indische Ambition, Atommacht zu werden, entgegen, aber auch Indiens Konflikt mit Pakistan, das als Verbündeter im Kampf gegen den Terror für die USA entscheidende Bedeutung erlangt hat.

Kay Möller (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) behandelt den strategischen Wettbewerb zwischen China und Indien. Seit dem Ende des Kalten Krieges gebe es in Chinas Indienpolitik (zum Teil auch reflektiert in Indiens Chinapolitik) zwei gegenläufige Tendenzen: Da sind zum einen Bemühungen um normale bis gute Beziehungen. Zum anderen aber verstehen sich Beijing und Delhi auch heute als strategische Konkurrenten um fernöstliche Einflusszonen. Eine "strategische Partnerschaft" der beiden Staaten scheitert aber nach Ansicht Möllers vor allem an Chinas Unfähigkeit, sich hinreichend vom "alten Freund" Pakistan zu distanzieren und sich so in Südasien als ehrlicher Makler zu qualifizieren. Nachdem Delhi seit den frühen neunziger Jahren die Nähe zu den USA gesucht hat, scheinen mittlerweile die indischen und amerikanischen Interessen in Südostasien, Zentralasien und am Golf weitgehend deckungsgleich.

Xuewu Gu (Ruhr-Universität Bochum) untersucht die Frage, ob und inwiefern der Aufstieg der Volksrepublik China zu einer Großmacht die "psychologische Umwelt" der Chinesen selbst und jene anderer Nationen verändert hat. Eine kontrastive Analyse der chinesischen, amerikanischen, indischen und russischen Wahrnehmungen zeigt, dass Chinas Verhältnis zu den USA und Indien nach wie vor durch ein tiefes Misstrauen geprägt ist. Auf einem reduzierten Niveau gilt dies auch für die gegenseitigen Wahrnehmungen von China und Russland, weil weder Beijing noch Moskau bereit scheinen, sich hundertprozentig auf ihren "strategischen Partner" zu verlassen. Derzeit gebe es jedoch keinerlei Anzeichen für einen unmittelbar drohenden militärischen Konflikt.

Urs Schöttli (Korrespondent der Neuen Züricher Zeitung in Beijing) geht auf die strategischen Zielsetzungen Japans und deren Verwirklichung ein. Japan sieht sich nach dem Ende des Kalten Krieges vor neue sicherheits- und außenpolitische Herausforderungen gestellt und unternimmt Anstrengungen, sein sicherheitspolitisches Profil zu erhöhen, d.h. die Rolle des bloßen Zahlmeisters abzulegen. So haben im Falle des Krieges gegen den Terrorismus in Afghanistan Regierung und Parlament den politisch heiklen Beschluss zur logistischen Unterstützung der USA gefasst. Erstmals seit dem Ende des zweiten Weltkriegs kamen damit japanische Kriegsschiffe wieder außerhalb der unmittelbaren Nachbarschaft zum Einsatz. Weitere Maßnahmen werden folgen müssen, allen voran eine Revision des Artikels 9 der Verfassung, der Japans militärische Optionen drastisch einschränkt. Gleichzeitig muss Japan aber auch der Gefahr entgegenwirken, dass durch sein verstärktes sicherheitspolitisches Engagement das (durch die Historie schwer belastete) Verhältnis mit den anderen Staaten der Region nicht gestört wird.

Martin Malek (Landesverteidigungsakademie, Wien) behandelt einen Spezialaspekt der russischen Außenpolitik, nämlich die Beziehungen zu Indien, Pakistan und Afghanistan. Seines Erachtens legt Russland seiner Außen- und Sicherheitspolitik nach wie vor das Konzept einer multipolaren Welt zu Grunde, das gegen eine einseitige Dominanz der USA gerichtet ist. Diesem Zweck sollte insbesondere das "Dreieck" Russland - China - Indien dienen. Aufgrund des nach wie vor bestehenden Misstrauens zwischen Indien und China erscheint eine Institutionalisierung dieses Dreiecks in absehbarer Zeit jedoch als chancenlos. Versuche, das Verhältnis zwischen Russland und Pakistan zu verbessern, haben bislang nur bescheidene Erfolge gezeitigt. Hinsichtlich Afghanistan zeigt sich die Führung in Moskau überzeugt, dass die USA früher oder später wieder abziehen werden, und sie bereitet sich darauf vor, dann wieder die führende Rolle in der Region einzunehmen.

Die Herausgeber danken allen Autoren und hoffen, dass durch den vorliegenden Sammelband nicht nur Faktenwissen vermittelt wird sondern auch Einblicke in die Handlungsmuster der Entscheidungsträger in Asien und die ihnen zugrundeliegenden Denkstrukturen gegeben werden können. Denn die Perzeption der Außenwelt durch die Akteure der internationalen Politik ist ein wesentliches Element, das in politisch-militärischen Analysen oft vernachlässigt wird. Eine weitere Zielsetzung war es schließlich, Denkanstöße für die Entwicklung einer längerfristigen strategischen Konzeption der europäischen Sicherheitspolitik diesen Raum betreffend zu liefern.

Wien, im Dezember 2002

Dr. Peter Hazdra
Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement
der Landesverteidigungsakademie, Wien

Sektionschef Hon.Prof. DDr. Erich Reiter
Beauftragter für Strategische Studien
des Bundesministeriums für Landesverteidigung
und Leiter des Büros für Sicherheitspolitik, Wien

Eigentümer und Herausgeber: Bundesministerium für Landesverteidigung | Roßauer Lände 1, 1090 Wien
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