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Raketen - Weltraum - Ethik

Raketen - Weltraum - Ethik - Beiträge zum Seminar „Ethik im Weltraum“ 14.-16. April 2009, Hiller-Kaserne Linz-Ebelsberg

Beiträge zum Seminar „Ethik im Weltraum“ 14.-16. April 2009, Hiller-Kaserne Linz-Ebelsberg

Beiträge in dieser Publikation:

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Vorwort 3 Seiten / 25 KB PDF ansehen
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Die Entwicklung moderner Kriegsraketen im 19. Jahrhundert 13 Seiten / 166 KB PDF ansehen
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Die militärische Raketenentwicklung in den Jahren 1918 bis 1945/46 unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands 9 Seiten / 178 KB PDF ansehen
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Die Entwicklungen der Raketenabwehr nach 1945: Von Wizard bis zur Strategic Defense Initiative (SDI) Rede von Präsident Reagan 1983 47 Seiten / 628 KB PDF ansehen
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Rüstungskontrollpolitik - rechtliche Aspekte und politische Herausforderungen 45 Seiten / 360 KB PDF ansehen
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Die EU als militärische Weltraummacht - Vision oder Wirklichkeit? 44 Seiten / 552 KB PDF ansehen
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Fragen einer Weltraumethik 12 Seiten / 271 KB PDF ansehen
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Woher wissen wir, wie es im Weltraum zugeht? Eine Anfrage an unser Weltbild 16 Seiten / 242 KB PDF ansehen
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Vorwort

Vom 14. bis 16. April 2009 veranstalteten die Militärpfarre an der Heeresunteroffiziersakademie und das Institut für Religion und Frieden in der Hiller-Kaserne in Linz-Ebelsberg ein dreitägiges Seminar für Militärangehörige zum Thema "Ethik im Weltraum". Das Seminar war Teil einer Veranstaltungsreihe der Österreichischen Katholischen Militärdiözese zum Internationalen Jahr der Astronomie 2010 und ging auf eine Initiative von Militärkurat MMag. Stefan Gugerel von der Heeresunteroffziersakademie zurück.

Ziel des Seminars war es, den aktuellen Diskussionsstand zur Raketenkriegsführung und insbesondere Raketenabwehr aus historischer, technischer, politisch-strategischer und rechtlicher Perspektive zu erheben und damit eine Grundlage für die militärethische Positionsbestimmung zu erarbeiten.

Für diese Aufgabe konnten hochrangige Experten einschlägiger Dienststellen des Österreichischen Bundesheers gewonnen werden, deren Beiträge in dieser Publikation einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auf den ersten Blick erscheint die Beschäftigung mit Weltraum und Raketenkriegsführung im Kontext des österreichischen Bundesheers exotisch und wenig relevant. Die Beiträge der Autoren zeigen dagegen die Relevanz der zivilen und militärischen Nutzung des Weltraums für unser tägliches Leben (Satelliten!), für die europäische und globale Sicherheitspolitik (geplanter Raketenschild in Europa, Irakkrieg, Iran und Südkorea) und brachten nicht zuletzt auch überraschende Informationen über die aktive Rolle der österreichischen Armee bei der Entwicklung von Raketenwaffen zutage:

OR Dr. Mario Christian Ortner, der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, gibt einen Einblick in die Anfänge der Raketenentwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg. Wenigen ist bekannt, dass die österreichische Armee im 19. Jahrhundert bis in die 60er Jahre hinein eine führende Rolle in der Weiterentwicklung der Raketentechnik innehatte und diese Waffe auch im Kampf einsetzte. Allerdings publizierten die Österreicher ihre Forschungsergebnisse recht großzügig und ersparten konkurrierenden Mächten damit eine Menge Entwicklungsarbeit. Besonders deutlich stellen sich moralische Fragen nach der Verantwortung von Politik, Militär und/oder Wissenschaft angesichts der Arbeit einer Gruppe von deutschen Wissenschaftlern um Wernher von Braun: Vor und während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten sie an einer Raketenangriffswaffe für das NS-Regime, nach dem Krieg stellten viele von ihnen ihre Dienste für die Raketenprojekte der nunmehrigen Supermächte USA und Sowjetunion zur Verfügung.

MinR Dr. Friedrich Korkisch, Leiter des Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik in Wien und langjähriger führender Experte des Österreichischen Bundesheer in Fragen des Luftkriegs, zeigt, wie sich die Bedrohung durch Raketen nach dem Zweiten Weltkrieg darstellte und wie man darauf politisch und militärisch zu reagieren versuchte - von ersten Anfängen einer Raketenabwehr bis hin zum SDI-Programm in der Ära Ronald Reagans.

Der Physiker OR Dr. Peter Sequard-Base vom Amt für Rüstungs- und Wehrtechnik gibt einen Überblick über aktuelle Fragen der Weltraumwaffentechnik: welche Staaten über eine Raketenabwehr verfügen, welche Systeme zur Verfügung stehen (Raketen, Laser, Nuklearwaffen), in welcher Flugphase die Abwehr am günstigsten ist, wie Effizienz und Kosten (eine besonders wichtige Frage) beurteilt werden müssen und was die technischen Hintergründe der damals heftig diskutierten Stationierung von Raketenabwehrwaffen in Europa sind.

Dr. Gunther Hauser vom Institut für Strategie und Sicherheitspolitik der Lan-desverteidigungsakademie in Wien stellt die Akteure und die relevanten rechtlichen Dokumente für die Verwendung bzw. Abwehr von Raketen vor: Weltraumverträge, Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge, insbesondere zur nuklearen Abrüstung. Davon ausgehend beleuchtete er die politischen Hintergründe der aktuellen Diskussion um den geplanten Raketenschild und die teils ziemlich kritischen Positionen einzelner europäischer (NATO-)Staaten. Die EU hat sich aus diesem Streit weitgehend herausgehalten.

Dr. Gerhard Marchl vom Institut für Religion und Frieden konstatiert allerdings ein wachsendes Interesse der EU an der Nutzung des Weltraums auch in militärischer Sicht. Das betrifft gegenwärtig aber in erster Linie die satellitengestützte Kommunikation, Erdbeobachtung und Positionsbestimmung und dabei v. a. die Verwendung zivil kontrollierter Ressourcen. Von einem genuin militärischen Weltraumprogramm der EU kann noch kaum gesprochen werden.

Sein Kollege Mag. Christian Wagnsonner berichtet von aktuellen Ansätzen zur Entwicklung einer besonderen Form angewandter Ethik, einer sog. "Weltraumethik": NASA, ESA und UNESCO haben bereits eigene weltraumethische Projekte bzw. Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Grundkonsens dieser Ansätze ist, dass der Weltraum friedlich und im Interesse der gesamten Menschheit genutzt werden und dass die Nutzung rechtlich geordnet sein soll. Menschenwürde und Menschenrechte verlieren auch im All ihre Geltung nicht. Besonderes Augenmerk gilt dem Schutz der Privatsphäre (Satelliten!), dem Kampf gegen Weltraummüll, dem Schutz der Astronauten und beson-deren Verhaltensregeln bei bemannten Missionen.

Militärkurat MMag. Stefan Gugerel weist darauf hin, dass unser Bild von Weltraumtechnik und Raketenbedrohung oft wenig mit den tatsächlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern mehr mit deren Verarbeitung in Science-Fiction-Filmen zu tun hat. Viele dieser Filme sind deshalb besonders interessant, weil sie die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der Entstehungszeit spiegeln und zugleich durch das Mittel von Fiktion und Utopie Möglichkeiten der Veränderung aufzeigen. Bereits der zweite Film der Filmgeschichte behandelt eine Reise zum Mond, er thematisiert die Problematik des Kolonialismus.

In den nächsten Monaten werden auch die Beiträge der beiden anderen Veranstaltungen zum Jahr der Astronomie 2010 in dieser Reihe veröffentlicht werden: zu "Astronomie und Gott?" sowie zur politischen und militärischen Relevanz der "Star Trek"-Fernsehserien und -Filme.

Werner Freistetter Christian Wagnsonner

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