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Pooling & Sharing und Smart Defense

Herausforderungen für Streitkräfte im 21. Jahrhundert

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Vorwort

Die Landesverteidigungsakademie als höchste Lehr- und Forschungseinrichtung des österreichischen Bundesheeres sieht sich verpflichtet, aktuelle Herausforderungen aufzugreifen und sich mit diesen wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Im jährlichen LVAk Symposion bündelt die Akademie die eigene akademische Kompetenz, verstärkt diese mit Experten des Bundesministeriums für Landesverteidigung und Sport sowie anderer Ministerien mit Relevanz für die innere und äußere Sicherheit Österreichs und nationaler Forschungseinrichtungen, um das sicherheitspolitische Kernthema des Jahres umfassend zu behandeln. 2010 war dies "Internationales Krisenmanagement", 2011 "Comprehensive Approach".

Internationale Nachrichten im Jahr 2012 wurden von einem vorherrschenden Thema bestimmt: der Wirtschafts- und Finanzkrise. Dass diese Krise auch auf die Verteidigungshaushalte Auswirkungen hat, ist unbestritten.

Dies bringt Anpassungszwänge mit sich, denen wir uns letztendlich auch stellen müssen. Hiezu kommt, dass Finanzexperten diese Krise als strukturelle Änderung ansehen, deren Auswirkungen voraussichtlich länger als eine Dekade zu spüren sein werden.

Auf transatlantischer und europäischer Ebene wird versucht, mit dem Konzept "Pooling & Sharing" - oder "Smart Defense" auf NATO Ebene - auf die neuen sicherheitspolitischen Entwicklungen zu reagieren. Auch das österreichische Bundesheer hat sich bereits intensiv mit diesen Entwicklungen auseinandergesetzt. Hinkünftig wird im Rahmen der Streitkräfteentwicklung mit dem sogenannten Streitkräfteprofil "F 2" ein eindeutiges Schwergewicht auf Kooperationen, die zum Fähigkeitserhalt und zur Fähigkeitsentwicklung dienen, gelegt. Von den sechs österreichischen Schwerpunkten auf europäischer Ebene sind zwei durch besonderes Engagement hervorzuheben:

Im Juni 2012 wurde die Übung "EUROPEAN GUARD" an der Heereslogistikschule in Baden abgehalten. Diese Übung wurde im Bereich der sogenannten Counter-Improvised Explosive Devices abgehalten. Hier geht es darum, wie behelfsmäßigen Sprengkörper, die in internationalen Missionen eine immer größere Rolle spielen, begegnet werden kann. Organisiert wurde die Übung von der Europäischen Verteidigungsagentur und von Österreich mit luxemburgischer Unterstützung durchgeführt.

Das zweite Beispiel für eine Pooling & Sharing Initiative aus der jüngsten Vergangenheit ist das internationale Training von Hubschrauberbesatzungen.

Der Einsatz von Hubschraubern stellt eine wesentliche Voraussetzung für moderne Krisenmanagement-Operationen dar. Um Hubschrauber effizient einsetzen zu können, müssen die jeweiligen Mannschaften für herausfordernde Einsätze speziell geschult werden.

Die europäische Verteidigungsagentur koordiniert zu diesem Zweck internationale Übungen. Die letzte derartige Übung war die multinationale Hubschrauberübung "Hot Blade" in Portugal im Juli 2012, bei der unter österreichischer Beteiligung Hubschrauberpiloten Einsätze in heißen und staubigen klimatischen Bedingungen trainierten.

Pooling & Sharing stellt aber auch Potenzial im Bereich Forschung,Lehre und Ausbildung dar. Die LVAk tut sich hier mit vier Initiativen hervor:

Die LVAk stellt bereits seit 15 Jahren einen äußerst aktiven Partner im wissenschaftlichen Netzwerk des PfP Konsortiums der Verteidigungsakademien und sicherheitspolitischen Forschungseinrichtungen dar.

Zwei wissenschaftliche Studiengruppen zu Südosteuropa und zum Südkaukasus werden von österreichischer Seite geleitet, zusätzlich partizipiert die LVAk aktiv in der internationalen Bearbeitung von Forschungsfragen wir Combating Terrorism aber auch in Ausbildungsthemen wie E-learning. Der gemeinsam mit der Direktion für Sicherheitspolitik generierte Mehrwert in der sicherheitspolitischen Beratungstätigkeit der Res sortleitung zu Südosteuropa und dem Südkaukasus übersteigt die eingebrachten Mittel um ein Vielfaches. Auf europäischer Ausbildungsebene wurde vor fünf Jahren die strategische Entscheidung getroffen, eine aktive Rolle im Rahmen des Europäischen Sicherheits- und Verteidigungskollegs zu übernehmen. Heute deckt das BMLVS - die Masse der österreichischen Kurse wird durch die LVAk geleitet - gemeinsam mit seinen Partnern ein Drittel aller angebotenen gesamteuropäischen GSVP-Ausbildungsvorhaben ab. Auch hier werden Ausbildungsressourcen gebündelt und Kosten gespart. Weit wichtiger ist jedoch, dass diese Kurse gemeinsame EU-weit zertifizierte Curricula besitzen, ein Paradefall für "Pooling & Sharing" auf EU-Ausbildungsebene. In einer von der LVAk geleiteten Arbeitsgruppe an der jährlichen Conference of Commandants in Paris 2012 zum Thema "Learning with Partners" wurde deutlich, dass in finanziell schwierigen Zeiten Kooperationen - sei es auf multinationaler Ebene oder auch zwischen zivilen und militärischen Universitäten - im Bereich der Lehre und Ausbildung unabdingbar sind. Nur durch gemeinsame Initiativen kann den derzeitigen komplexen gesellschaftlichen Anforderungen begegnet werden. Als Beispiel für eine gelungene bilaterale Initiative im Bereich Ausbildung kann die Teilnahme des 19. Generalstabslehrganges an der britischen Verteidigungsakademie in Shrivenham angeführt werden. Die österreichischen Offiziere nahmen gemeinsam 2012 mit 200 britischen und 80 internationalen Teilnehmern an der dreiwöchigen Übung "Adept Cormorant" teil. In drei internationalen Übungsgruppen wurden die Operationen einer multinationalen Streitkraft geplant. Die österreichischen Offiziere mussten sich also sowohl in einer multinationalen Führungsebene zurechtfinden als auch im britischen Führungsprozess mitarbeiten. Kooperation, Zusammenarbeit wird damit internalisiert, der Grundstein für den Erfolg in konkreten Einsatzfällen gelegt. Besonders beim letzten Beispiel wird deutlich, wie wichtig es ist, Führungskräfte gemeinsam auszubilden. In weiterer Zukunft können so bei internationalen Einsätze Schwierigkeiten die aufgrund von unterschied8 lichen Begrifflichkeiten sowie Unterschieden in der Befehlskultur auftreten,bereits im Vorfeld verhindert werden. Grundsätzlich bieten "Pooling & Sharing" und "Smart Defense" eindeutig Vorteile beim Erwerb von Expertise und Fähigkeiten, die ohne Kooperation nicht möglich wären. Andererseits wirft "Pooling & Sharing" auch weitere Fragen auf, die es zu erfassen, zu erörtern und letztendlich zu beantworten gilt: Welche neuen Herausforderungen bringen "Pooling & Sharing" Initiativen mit sich? Und mit welchen neuen Aufgaben sieht sich das Österreichische Bundesheer konfrontiert?

Die Landesverteidigungsakademie wird den bereits eingeschlagenen Weg in Richtung verstärkter Kooperationen weiterverfolgen. Besonders im Bereich der Ausbildung und Lehre besteht für das Österreichische Bundesheer auf nationaler wie internationaler Ebene besonders großes Potential, da man nur gemeinschaftlich ausgebildet und abgestimmt auf ein immer komplexer werdendes Weltgeschehen reagieren kann.

Erich Csitkovits, Generalleutnant, Kommandant der Landesverteidigungsakademie, Wien

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