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Jahrestagung der Wissenschaftskommission: Geschmacks- und Tastsinn

21. November 2019 - 

"Fühlen Sie es ?" - als Frage zu einem Bild, das eine offenbar kalte Getränkedose zeigt, ist doch etwas ungewöhnlich. Wie kann man auch etwas fühlen, das man "nur" sieht? Im Rahmen der Jahrestagung der Wissenschaftskommission beim Bundesministerium für Landesverteidigung wurde diese Frage von unterschiedlichen Blickwinkeln her betrachtet.

Sinne, Intelligenz und Technik 

"Sinne, Intelligenz und Technik im 21. Jahrhundert" ist das Leitthema der derzeitigen fünfjährigen Funktionsperiode. Heuer waren der Geschmacks- und Tastsinn an der Reihe und wurden von den Fachleuten der sechs Beiräte aus Wissenschaft und Militär beleuchtet. Über Fachbereichsgrenzen hinweg konnten die Erfordernisse, die mit Tasten und Schmecken zusammenhängen, erörtert und wurde der Letztstand der wissenschaftlichen Möglichkeiten dargestellt.

Der Bogen begann beim Marketing von Produkten, das mittlerweile auch den Tastsinn mitberücksichtigt. Der Soundingenieur, der sich um das Geräusch beim Schließen einer Autotüre kümmert, ist fester Teil heutiger Entwicklungsteams. Der Verpflegung von Soldaten im Einsatz aber auch von Mitarbeitern im privaten Sektor kommt wesentliche Bedeutung zu - ohne Mampf kein Kampf - heißt es im Volksmund. Der hungrige oder schlecht ernährte Mitarbeiter ist auf Dauer dort und da nicht leistungsfähig. Essen muß daher nahrhaft, gesund, ansprechend angerichtet, zeitgerecht verfügbar und vor allem schmackhaft sein. Rezepturen und Kochbücher dazu gibt es sonderzahl - auch mit militärischem Buchdeckel.

Historisch waren und sind Rezepte immer das Mittel der Wahl, um den Hunger aus den Mägen der Bekochten zu vertreiben. Aus den Berichten der letzten europäischen Kriege ist entnehmbar, daß in Extremsituationen das Essen, wenn vorhanden, oft nur mehr als Füllstoff bezeichnet werden konnte. Soziologisch war dann neben der Verzweiflung oft auch Wut im Spiel. Als Folge des Unterschiedes in der Verpflegung - Hunger gegen Überfluß - schimmliges Weißbrot der Truppe vs. Champagner in den höheren Kommanden.

Schmecken und tasten

Schmecken und tasten sind auch im übertragenen Sinne zu deuten. Der Anteil der Intuition an militärischen und auch zivilen Führungsentscheidungen ist nicht unwesentlich. Das ist mit einem "guten Geschmack" der Führungskräfte zu erklären – der Chef erschmeckt aus den vielen Möglichkeiten das Schmackhafte und für das Unternehmen Richtige.

Ernährungsmythen wurden von den Medizinern entzaubert. "Du sollst das und jenes nicht essen, da es ungesund, dick oder ähnliche macht oder ist." Dieser Satz ist die eigentliche Krankheit momentaner Zeit. Der Kern aller Diäten und Vorschläge ist es doch mit dem Überfluß umgehen zu lernen. Essen ist in unseren Breiten im Gegensatz zu früher zu jeder Zeit, reichhaltig, sicher und preiswert verfügbar.

Die Überleitung vom Schmecken zum Tasten machten die unglaublichen Fortschritte in der Prothetik. Künstliche Hände, die Trauben - Perle für Perle - pflücken können, ohne diese zu zerdrücken wurden unter anderem vom Vortragenden der Uni Wien dargestellt.

Technisch kann heute bereits Haut insoweit nachgebaut werden, als künstliches Tasten möglich ist. Die Anbindung solcherart technischer Sensoren an das menschliche Nervensystem eröffnet immer weitere Möglichkeiten in Heilung und Wiederherstellung nach Unfällen. Aber auch sicherheitstechnisch oder militärisch ist dies von Nutzen, da Menschen zusehends nicht mehr in gefährlichem Umfeld arbeiten werden müssen.

Künstliche Intelligenz

Aus strategischer und sicherheitspolitischer Sicht wurde über den nur vordergründig komplexen Themenbereich der künstlichen Intelligenz (KI) referiert. KI ist bereits in unserem Lebensumfeld allgegenwärtig - "big data systems", "cloud computing" oder die intelligente Heizungssteuerung und der Spurhalteassistent im Auto sind fast schon wieder alte Hüte. Auch in militärischen Szenarien sind diese Techniken auch bereits (traurige) Realität.

Die ethische und rechtliche Beschäftigung mit den Fragen nach dem "wer sind wir?" oder "kann eine Maschine jemals menschlich sein?" führt direkt zur Frage "wohin wollen wir uns entwickeln?". Die Technikgläubigkeit - alles, was möglich ist, wird auch gemacht - gepaart mit den oftmals nicht offensichtlichen rein wirtschaftlichen Antrieben dahinter treibt die Entwicklung viel zu oft in schwer beherrschbare Räume.

Dieses letzte Panel läßt dann doch positiv in die Zukunft blicken, denn jede Maschine ist immer fehlerhaft (von 300 high-tech Drohnen der Amerikaner sind 267 aufgrund technischer Defekte abgestürzt).

Dieser Umstand läßt sicher sein, daß der Mensch die KI, so wie auch schon die Maschinen davor, immer nur als Werkzeug einsetzen werden wird - und ob man ein solches richtig oder falsch anwendet liegt nur beim Bediener.

Der Vorsitzende, Dr. Josef Eberhardsteiner, eröffnet die Jahrestagung. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Der Vorsitzende, Dr. Josef Eberhardsteiner, eröffnet die Jahrestagung.

Reges Interesse an der Jahrestagung der Wissenschaftskommission. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Reges Interesse an der Jahrestagung der Wissenschaftskommission.

Brigadier Walter Feichtinger mit Dr. Josef Eberhardsteiner. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Brigadier Walter Feichtinger mit Dr. Josef Eberhardsteiner.

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