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Fragen und Antworten zur Beschaffung des Mehrzweckhubschraubers Leonardo AW169M

Wien, 21. September 2020  - Das Verteidigungsministerium wird in einer gemeinsamen Beschaffungskooperation mit Italien um ca. 300 Millionen Euro 18 Stück Leonardo AW169M kaufen.

Hier finden Sie Antworten zu Fragen rund um die Beschaffungskooperation mit Italien

1. Wie hoch ist das Beschaffungsvolumen?

Das Investitionsvolumen für die Hubschrauberbeschaffung beträgt ca. € 300 Mio. Mit dieser Summe ist die Gesamtheit der Beschaffung  - Hubschrauber, Technik, Logistik, aber auch die Ausbildung sowie infrastrukturelle Erfordernisse - abzudecken.

2. Wieviel kostet ein Hubschrauber in der Beschaffung?

Ein Hubschrauber dieses Typs kostet in der Beschaffung zwischen € 8 und 15 Mio., je nach Ausstattung und Zusatzpaketen.

3. Wieviele Hubschrauber werden beschafft?

Geplant ist die Beschaffung von 18 Stück, um jederzeit genügend Hubschrauber für die Bewältigung von Aufgaben zur Verfügung zu haben. Man muss hier Instandsetzung und Schulungen mit einberechnen.

4. Wie steht es mit der Wertschöpfung für die österreichische Wirtschaft?

Bereits jetzt gibt es in Österreich einige Firmen, die als Zulieferer für den Leonardo-Konzern arbeiten. Im Zuge der weiteren Verhandlungen mit der italienischen Regierung wird durch das BMLV mit Unterstützung der Wirtschaftskammer auf eine österreichische Wertschöpfung besonderer Wert gelegt (z.B. Ausstattung mit Medizingeräten usw.) werden.

5. Warum fiel die Entscheidung auf den teuersten Hubschrauber?

Für einen konkreten Vergleich darf nicht nur der Preis, sondern müssen auch die Fähigkeiten (Leistung, Geschwindigkeit, Eignung im hochalpinen Gelände, Sitzplätze, Zuladung, Avionikausstattung, …) eines Hubschraubers herangezogen werden. Die Hubschrauber in dieser Größe bewegen sich im selben Preissegment. So hat beispielsweise die norwegische Polizei Hubschrauber beschafft, nachdem der AW169 als Bestbieter hervorgegangen ist und der Airbus H-145 unterlag.

6. Warum gab es kein Vergabeverfahren?

Das BMLV war auf der Suche nach einem Partner, mit dem eine Kooperation in allen Bereichen möglich ist, um über den gesamten Lebenslauf eines Systems kostenoptimiert arbeiten zu können. Über ein Vergabeverfahren können keine Kooperationen mit Partnernationen etabliert werden, wie z.B. gemeinsame Nutzung von Simulatoren, optimierte Lagerhaltung, Modifikationen im Lebenslaufzyklus.

7. Warum wurde dieses Modell ausgewählt?

Ausschlaggebend ist die Kooperation. Das BMLV hat mit Italien einen Partner gefunden, der willens ist, in allen Bereichen des Betriebs von Militärhubschraubern mit dem Österreichischen Bundesheer zu kooperieren. Nachdem Italien bis zu 100 AW169, der auch den österreichischen Forderungen entspricht, beschaffen wird (40 Hubschrauber wurden bereits vertraglich fixiert und sind zum Teil schon ausgeliefert), wird dieser Hubschrauber als Teil einer Gesamtkooperation beschafft.

8. Warum nicht die USA? Warum nicht Deutschland?

Mit dem von den USA forcierten Bell 429 ist eine Kooperation in den Bereichen Betrieb, Ausbildung und Logistik auszuschließen, da dieser Hubschrauber bei den US-Streitkräften nicht betrieben wird. Deutschland beabsichtigt die Beschaffung von ca. 60 leichten Mehrzweghubschraubern, die ab Oktober 2024 zulaufen sollen. Nachdem die "Alouette" III Ende 2023 abzustellen ist, entsteht hier für das Bundesheer eine Fähigkeitslücke von mehreren Jahren (Zulauf für Österreich bei dieser Variante vmtl. erst 2025 sowie mind. 1 Jahr zur Erreichung eines Regelflugbetriebs). Darüber hinaus plant Deutschland in Bezug auf die Logistik eine Abstützung auf die eigene Industrie, was eine Kooperation erschwert bzw. unmöglich macht.

9. Gibt es bereits Erfahrungen mit dieser Firma?

Das Bundesheer betreibt den AB-212, der von der Fa. Leonardo Helicopter (vormals Agusta Westland) hergestellt wurde. Auch der AB-204 sowie der AB-206, die vom Bundesheer betrieben wurden bzw. werden, stammen aus dieser Produktion. Die Radaranlagen der Luftraumüberwachung sowie der Militärflugplätze sind ebenso Produkte des Leonardo-Konzerns.

10. Ist der Hubschrauber nachtflugfähig?

Ja.

11. Wann wird der erste Hubschrauber in Österreich landen?

Nach Abschluss der Vertragsverhandlungen (ca. sechs Monate) wird die Produktion der Hubschrauber (ca. 18 Monate) beginnen. Somit ist mit einer Auslieferung des ersten Hubschraubers Mitte 2022 zu rechnen.

12. Wie sieht der geplante Ablauf in zeitlicher Hinsicht aus; von jetzt an bis zur Landung des ersten bzw. des letzten Hubschraubers?

Siehe Infografik.

13. Wo werden die Hubschrauber stationiert?

12 Hubschrauber werden als Einsatzhubschrauber in Aigen/Ennstal, sechs werden als Schulhubschrauber in Langenlebarn stationiert.

14. Kann die derzeit vorhandene Infrastruktur genützt werden oder sind hier zusätzliche Maßnahmen und damit weitere Kosten verbunden?

Das Abstellen und die Materialerhaltung sind in den verfügbaren Hangars auf den jeweiligen Militärflugplätzen möglich. Adaptierungen hinsichtlich Stromversorgung, Lager, Maßnahmen der militärischen Sicherheit werden erforderlich sein. In Bezug auf Simulatoren wird sich ein allfälliger Bedarf erst nach Abstimmung mit dem Kooperationspartner ergeben, welcher dann zu realisieren sein wird.

15. Was bedeutet die Typenentscheidung für die Piloten/Techniker?

Ein Erstpaket an Umschulungen für Piloten und Techniker wird im Zuge der Vertragsverhandlungen berücksichtigt. Diese werden höchstwahrscheinlich beim Kooperationspartner, der bereits AW169M in Betrieb hat, stattfinden. Zukünftige Ausbildungen werden dann durch das Bundesheer selbst durchgeführt werden.

16. Kann dieser Hubschrauber alles leisten, was die "Alouette" III leisten kann?

Der AW169M kann alles leisten, was die "Alouette" III leisten konnte und wird noch mehr leisten können. Das reicht von einer höheren Transportkapazität in der Kabine, über die Möglichkeit, schwerere Außenlasten zu transportieren, bis zur Fähigkeit, auch unter Instrumentenflugbedingungen zu fliegen.

17. Welche anderen Nationen haben diesen Hubschrauber schon militärisch eingeführt? Welche Erfahrungen ergeben sich daraus?

Italien. Es besteht die Möglichkeit einer umfassenden Kooperation mit einem EU-Partner, der an Österreich angrenzt.

18. Gibt es bereits andere Organisationen in Österreich oder Nachbarländer, die diesen Typ nutzen?

Die Schweizer Flugrettung REGA hat AW169M beschafft, die in Kürze dort zulaufen werden. Darüber hinaus wurden mehr als 100 AW169 bereits ausgeliefert, wovon die Hälfte im Rettungsdienst verwendet wird.

19. Ist dieser Hubschrauber für Waldbrände einsetzbar?

Ja. Hier zeigt sich auch eine höhere Transportkapazität als bei der "Alouette" III. Diese konnte Löschbehälter mit 500 Litern aufnehmen. Die AW169M kann die dreifache Menge an Löschwasser aufnehmen.

20. Gibt es Gegengeschäfte in Zusammenhang mit der Beschaffung dieses Hubschraubers?

Nein.

21. Kann der Hubschrauber bewaffnet werden?

Ja, es gibt verschiedene Missionseinrüstungspakete, mit welchen der Hubschrauber für verschiedenste Aufgaben ausgestattet werden kann. 

22. Wie lange ist die geplante Nutzungsdauer?

Mindestens 30 Jahre.

23. Welche Hubschrauber ersetzt der AW169M?

Er ersetzt die "Alouette" III, die nach 50 Jahren am Ende ihrer technischen Lebensdauer sind. Alle anderen Modelle fliegen weiter.

24. Welcher Hubschraubertyp wird als nächster ersetzt?

Die zehn Stück OH-58 können nach derzeitigem Stand noch bis 2030 betrieben werden und sind dann zu ersetzen.

25. Angeblich hat dieser Hubschrauber einen sehr starken "Downwash"?

Der Hubschrauber hat einen ähnlichen Downwash wie ein H-145 oder ein Bell 429, weil die Rotorkreisfläche größer ist und somit trotz des höheren Gewichts ein vergleichbarer Luftdurchsatz (= "Downwash") erzeugt wird.

26. Man sagt, dass dieser Hubschrauber als "Papierhubschrauber" bezeichnet wird?

Die Definition eines Papierhubschraubers ist nicht bekannt. Faktum ist, dass bereits mehr als 100 AW169 ausgeliefert wurden und die italienischen Streitkräfte bereits rund 40 Stück beschafft haben (22 für die Guardia di Finanza, 15 für die Armee) und noch weitere Hubschrauber (insgesamt ca. 100) beschaffen werden.

27. Ist er als Schulungshubschrauber nicht zu groß?

Der Vorteil in der Verwendung eines identen Hubschraubers für Einsatz und Ausbildung liegt darin begründet, dass der Großteil der Schulung bereits am Schulhubschrauber durchgeführt wird und eine Umschulung auf den Einsatzhubschrauber nicht mehr erforderlich ist. Darüber hinaus können auch Ausbildungsaufgaben, die derzeit den Einsatzstaffeln zugeordnet sind, durch die Schulhubschrauber erledigt werden und die Einsatzstaffeln so entlasten. Dies führt zu einer höheren Verfügbarkeit von Hubschraubern für die Erfüllung der Einsatzaufgaben. Der AW169 wird auch in Italien als Schulhubschrauber verwendet.

28. Es gab schon einmal einen Absturz dieses Hubschraubers in England. Die Ursache war auf einen technischen Defekt beim Heckrotor zurückzuführen. Wurde dieses Problem bereits behoben?

Nach unserem Wissenstand war dies ein Einzelfehler beim betroffenen Hubschrauber, der keine Auswirkungen auf den Rest der Flotte hat. Der Hersteller evaluiert seine Systeme jedoch ständig und führt bei Bedarf auch entsprechende Modifikationen bei den Hubschraubern aus.

29. Wieviele Personen können damit transportiert werden?

Es können bis zu zehn Passagiere transportiert werden.

30. Welche Bewaffnung bekommt der Hubschrauber?

Das Waffensystem sollte gem. militärischem Pflichtenheft aus folgenden Komponenten bestehen: Bordkanone (12,7mm oder 2cm), gelenkte bzw. ungelenkte Raketen, idealerweise eine mit Laser endphasengesteuerte Lenkrakete, ein FLIR, das neben Luftaufklärungsaufgaben auch für einen präzisen Waffeneinsatz verwendet werden kann und ein im Hubschrauber integrierter Waffenrechner inkl. Visiermöglichkeit. Die Waffen sollen auf einem Träger aufgebaut sein, der innerhalb weniger Stunden in den Hubschrauber ein- und ausbaubar ist. Die genauen Spezifikationen sind noch im Detail mit dem Partner zu verhandeln.

31. Sind die Lebenszykluskosten tatsächlich wesentlich höher als bei den anderen Modellen?

Die in den Medien derzeit kolportieren Flugstundenkosten (Bell ca. € 800, H-145 ca. € 1.000, AW169 ca. € 1.300) stammen aus einer zivilen Datenbank (Conklin & deDecker), die in der Zivilluftfahrt verwendet wird und beziehen sich somit auf die jeweilige zivile Version der HS-Typen. Es wurde hier aber keine Relation zu den Größen und Fähigkeiten der Hubschrauber hergestellt (Anzahl der Passagiere, Gewicht einer Außenlast usw.)

Wenn man einen VW Passat mit einem VW Mulitvan vergleicht, ergeben sich hier auch Unterschiede, diese haben aber auch unterschiedliche Fähigkeiten. Bei den Beschaffungskosten scheinen der H-145M und der AW169M in einer ähnlichen Klasse zu sein. So hat die norwegische Polizei 3 Hubschrauber inkl. Missionsausrüstung (FLIR) beschafft und da hat der AW169 gegen den H-145 gewonnen.

Die angesprochenen Betriebskosten sind auch insofern zu bewerten, als der AW169 erst seit 2015 am Markt ist und im Vergleich zu den anderen Modellen die Zahlen noch einer größeren Schwankungsbreite unterworfen sind. Je umfassender eine Kooperation mit einem Partner entwickelt werden kann, umso mehr besteht die Möglichkeit, die Kosten pro Flugstunde zu senken.

32. Warum werden anstelle des AW169M nicht einfach mehr "Black Hawk" gekauft?

Der S-70 "Black Hawk" ist wesentlich größer und kostet in der Anschaffung zumindest das Doppelte. Auch im Betrieb ist er teurer und für viele Aufgaben gar nicht notwendig. Der AW169M ergänzt die Hubschrauberflotte des Bundesheeres daher optimal.

33. Wann kommen die neuen drei "Black Hawk"?

Gem. Vertrag soll der erste der drei zusätzlichen "Black Hawk" im Herbst 2021, die weiteren im Jahr 2022 ausgeliefert werden. Verzögerungen aufgrund der Einschränkungen in Bezug auf Covid-19 kann man aber derzeit nicht ausschließen.

34. Wo wird die Typenwerft stationiert sein?

Die Typenwerft soll im Bereich der Fliegerwerft 3 mit Standort Aigen/Ennstal stationiert werden.

Infografik: Geplante Zeitleiste der Systemeinführung.

Infografik: Geplante Zeitleiste der Systemeinführung.

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