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ATHUM/ALBA - Aktuelle Berichterstattung

Hilfeleistung des Bundesheeres für Vertriebene in Albanien

Mai 1999„CAMP AUSTRIAK“, letzte Hoffnung für viele Heimatlose

Wien, 25. Mai 1999  - Knapp an der Grenze zum jugoslawischen Montenegro und unmittelbar neben der Stadt Shkoder im Norden Albaniens liegt es, das „Camp Austriak“. So nennen es die Einheimischen und auch die vielen, aus ihrer Heimat vertriebenen Kosovoalbaner, denen dieses österreichische Flüchtlingslager als sichere Zufluchtsstätte dient. Unter dem Schutz und der Hilfe österreichischer Soldaten, einem Wahlspruch des Bundesheeres, der sich hier nur allzu sehr bewahrheitet, spiegelt sich Hoffnung in den Gesichtern der Vertriebenen. Und das wiedergekehrte Lachen der Kinder beweist den Soldaten, daß ihre Entscheidung richtig war, sich freiwillig in den Dienst dieser humanitären Sache zu stellen.

Österreich darf stolz auf die Leistung seiner Soldaten in Albanien sein. Wie so oft bei den verschiedensten in- und ausländischen Hilfseinsätzen der letzten Jahre hat das Bundesheer wieder einmal mehr bewiesen, daß es mit militärischem „Know How“, Professionalität und Einsatzwillen die erteilten Aufträge erfüllt. Das „Camp Austriak“ ist aber nicht nur Ziel vieler Hilfesuchender, sondern es ist auch aufgrund seiner vorbildlichen Gestaltung und Infrastruktur eine Musteranlage für alle anderen Nationen der Hilfsaktion „Shining Hope“.

Aus den über 400 im Einsatz stehenden Soldaten darf man zwei Offiziere hervorheben, da sie bei der Realisierung dieses Projektes maßgeblich mitgewirkt haben. Zum einen ist es der Kommandant, Oberst Nikolaus EGGER, der schon aufgrund seiner langjährigen Auslandserfahrung das nötige Fachwissen für die Erfüllung einer solchen Aufgabe mitbringt. Zum anderen ist es sein Stellvertreter, Oberstleutnant Wolfgang KAUFMANN, der den Aufbau des Lagers und dessen Organisation leitet. Ohne die Leistungen der vielen anderen Soldaten schmälern zu wollen, haben aber die beiden Offiziere maßgeblichen Anteil, daß das Lager in seiner bestehenden Form so rasch und effizient errichtet wurde.

Über dem „Camp Austriak“ weht die Österreichische Fahne und mit den Farben dieser Fahne kehrte Hoffnung in die Herzen der Flüchtlinge ein. Diese Hoffnung brachten ihnen hunderte Soldaten des österreichischen Bundesheeres aus einem Land, dessen Bewohner in Frieden und Freiheit leben dürfen.

Juni 1999 Das Feldspital von ATHUM/ALBA arbeitet auf Hochtouren

Das Feldspital im Österreichcamp in Shkoder/Albanien hat bis 15. Juni bereits 15.000 Behandlungen verzeichnet. Dies bedeutet, daß am Tag knapp 200 Patienten die Einrichtungen des Feldspitales aufsuchen. Die meisten Behandlungen, nämlich ca. 8000, wurden bisher in der Kinderabteilung vorgenommen. Hier wird ein spezielles Kinderernährungsprogramm unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt, um Ernährungsmängel bei Flüchtlingskindern hintanzuhalten.

Bereits mehr als 3000 Flüchtlinge, vor allem Kinder und Jugendliche wurden nach den Vorgaben der albanischen Gesundheitsbehörde geimpft. „Trotz der erschwerten Bedingungen sind die Ärzte und das Pflegepersonal des österreichischen Feldspitales mit Eifer dabei, ihre humanitäre Aufgabe hier zu erfüllen“ weiß der stellvertretende Kommandant des Feldspitales Hauptmann Thomas Wagner zu berichten.

Seit 15. Juni ist ein zusätzlicher Operationssaal in Betrieb, der es ermöglicht, während der notwendigen chirurgischen Behandlungen den Betrieb der Ambulanz weiterzuführen. Ab 17. Juni 1999 wird zusätzlich neben den erforderlichen Auffrischungsimpfungen mit einem Impfprogramm gegen Hepatitis begonnen.

Mine Awareness Program

Über Initiative des Kommandos ATHUM/ALBA befindet sich seit kurzem ein Spezialistenteam im Österreich-Camp, das die Flüchtlinge im Umgang mit Minen und Sprengmitteln schult. Dadurch soll den Heimkehrwilligen eine zusätzliche Hilfe für die sichere Rückkehr in die Heimat geboten werden.

Das Team der Heeresversorgungsschule hat sich primär zum Ziel gesetzt, einheimische Trainer auszubilden, die ihrerseits der Bevölkerung Grundwissen im Umgang mit Kampfmitteln, Blindgängern, Minen und dergleichen vermitteln. Dieses Mine Awareness Program soll die Gefahr für die Heimkehrer und insbesondere für die Kinder minimieren. Aus aktuellen Berichten ist bekannt, daß es im KOSOVO bereits zu Unfällen mit Sprengstoffen und Kampfmitteln gekommen ist. Die meisten Häuser sind durch Zerstörung unbewohnbar, ganze Landstriche sind vermint und gefährden das Leben der Zurückkehrenden.

Inhalt der Schulung, die speziell auch die Kinder erfaßt, sind:

  • Kennenlernen der Gefahren im Umgang mit Minen, Blindgängern, Munition und Sprengfallen
  • Erkennen von Minenfeldern
  • Verhalten bei Gefahren und
  • ichkeiten zur Kennzeichnung von Gefahrenstellen

13. Juli 1999

Mit heutigem Tag verlassen die letzten Flüchtlinge das Österreich Camp. Als Grundausstattung für ihre unsichere Zukunft wird den Familien durch das Rote Kreuz das bisherige Wohnzelt als Geschenk übergeben.

Der Abbau des Feldspitals kann als abgeschlossen betrachtet werden. Der Großteil des Sanitätspersonals wird voraussichtlich mit 19.07.1999 beginnend, nach Österreich zurückverlegen. Eine Notfallambulanz wird ab diesem Zeitpunkt die ärztliche Versorgung des verbleibenden Kontingentes sicherstellen. Weiters ist mit heute ein zusätzliches Wachsicherungselement in Tirana eingetroffen, welches im Zusammenwirken mit den Sicherungskräften vor Ort den reibungslosen Abbau des Feldlagers sowie dessen Rücktransport sicherstellen wird.

Transport- und Behandlungsbilanz

Mehr als 1.000 Flugstunden mit Hubschraubern des österreichischen Bundesheeres, an die 85 Versorgungsflüge zwischen Österreich und Albanien und über 23.000 Behandlungen durch das Feldspital ergeben eine erste Leistungsbilanz des nunmehr im Abbau begriffenen Österreich-Lagers in Shkodra.

Ab der Entsendung in den ersten Apriltagen 1999 sind durch das in Albanien stationierte Transporthubschrauberelement des österreichischen Bundesheeres bisher 1.000 Flugstunden erbracht und dabei mehr als 5.200 Personen sowie 125 Tonnen Fracht befördert worden. Die in Albanien stationierten Hubschrauber des Typs Agusta Bell 212 wurden für Transport- bzw. Verbindungsflüge eingesetzt. Die Flugstunden wurden in erster Linie für das österreichische Kontingent, fallweise aber auch für andere Bedarfsträger, etwa für das UNHCR erbracht. Der Hilfseinsatz in Albanien stellt aufgrund der Dauer, der erbrachten Flugstunden sowie der Transportleistungen die bisher längste und umfangreichste Entsendung von Fliegerkräften des Bundesheeres in das Ausland dar.

Von Österreich aus erfolgten mit Transportmaschinen bisher knapp 85 Versorgungsflüge nach Albanien, bei denen rund 2.600 Personen und 1.000 Tonnen Fracht transportiert wurden. Diese Versorgungsflüge erfolgten mit zivilen Flugzeugen der Typen Ilyushin 76 sowie Hercules. In der Anfangsphase des Einsatzes sind einige Flüge auch mit Maschinen befreundeter Luftwaffen durchgeführt worden. Neben Soldaten und Material des österreichischen Bundesheeres wurden bei den bisher abgewickelten Transportflügen auch Personal und Versorgungsgüter ziviler Hilfsorganisationen befördert.

Durch das Feldspital des Bundesheeres sind in 80 Betriebstagen 23.402 Behandlungen durchgeführt worden. Davon entfielen 22.750 auf Flüchtlinge und 652 auf Kontingentsangehörige. Dies entspricht einem durchschnittlichen Wert von 297 Behandlungen täglich. Die Gesamtzahl umfaßt neben ambulanten und stationären Patienten sowie häuslichen Pflegefällen auch ein Kinderernährungsprogramm mit 11.188 durchgeführten Behandlungen und ein Flüchtlingsimpfprogramm mit 8.428 erfolgten Impfungen. Weiters wurden 1.711 Labor-Tests durchgeführt und es waren 32 Einsätze des Notarztteams erforderlich. Das Feldspital wird derzeit bereits nach Österreich rückgeführt. Vor Ort ist ein kleineres Sanitätselement mit voller Notarztkapazität verblieben, das mit der Masse des Bundesheerkontingentes in den ersten Augusttagen nach Österreich rückverlegen wird.

Bekanntlich hat das Bundesheer zusätzlich zu den 1.000 Tonnen am Luftweg transportierter Fracht am Seeweg in der Aufbauphase des Österreich-Lagers ca. 5.000 Tonnen an Material nach Albanien verbracht. Derzeit befindet sich das Lager im Abbau. Mit der Beendigung der Abbauarbeiten ist bis Ende Juli zu rechnen. Anschließend wird die Masse der Fahrzeuge und des Gerätes per Schiffstransport nach Österreich zurückgeführt werden. Teile des Personals, insbesondere die Mannschaft des Feldspitals, sind bereits wieder nach Österreich rückverlegt worden.

30. Juli 1999

Der Rücktransport von Personal und Material des österreichischen Bundesheer-Kontingents zur humanitären Hilfe in Albanien ist in eine entscheidende Phase getreten. Die letzten Teile des Österreich-Lagers in der albanischen Stadt Shkodra, in dem bis zum 14. Juli 1999 Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Kosovo untergebracht waren, wurden im Laufe des 29. Juli abgebaut. Ein letzter größerer Transportflug mit Soldaten traf gegen Abend des 29. Juli in Österreich ein. Für das Material und Teile des Personals beginnt der Rücktransport mit einer Roll-on - Roll-off - Fähre von Durres nach Koper in Slowenien. Diese Teile werden im Eisenbahntransport von Koper nach Österreich zurückverlegen. Am 3. August wird ein zweiter und letzter Fährentransport von Durres nach Koper abgehen. Bei diesem Transport gehen mit Masse Kraftfahrzeuge mit, die dann auf dem Landmarsch in Österreich eintreffen werden. Am 4. August ist mit der Rückkehr dieser Staffel in Graz zu rechnen. Der humanitäre Hilfseinsatz des österreichischen Bundesheeres in Albanien wird damit abgeschlossen sein.

04. August 1999

Mit heutigem Tag sind wie vorgesehen die letzten Soldaten des Kontingentes in Österreich eingetroffen. Der Hilfseinsatz des österreichischen Bundesheeres in Albanien ist somit beendet.

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