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Die Krise vor Österreichs Haustüre

Spielfeld, 29. Juni 2001  - Ein Bericht von Dr. Egbert Apfelknab

Die österreichische Bundesregierung verfolgte im Mai 1991 mit Besorgnis die sprunghaft angestiegenen Emotionen in der innerjugoslawischen Auseinandersetzung. Nach außen hin nicht sichtbare Maßnahmen des Bundesheeres waren längst getroffen. Ende März 1991 erfolgte der Beschluß der Bundesregierung, die Anzahl der assistenzleistenden Soldaten bis auf etwa 4000 Mann erhöhen zu können. Da etwa 1900 Soldaten an der Grenze im Burgenland stünden, könnte man bei Bedarf sofort 2100 Mann an die jugoslawische Grenze verlegen.

Aufgrund der Ereignisse in unserem südlichen Nachbarland nach der Unabhängigkeitserklärung der Slowenen am 25. Juni 1991, ordnete der österreichische Verteidigungsminister "Bereitschaftsdienst in den grenznahen Garnisonen" des Bundesheeres an. Das bedeutete für die betroffenen Truppen der Militärkommanden Steiermark und Kärnten durchgehenden Dienst. Die Beobachtung der Grenze wurde in Verbindung mit der Exekutive verstärkt.

Kurz-Chronologie der Ereignisse 1991

  • 25. Juni: Unabhängigkeitserklärung Sloweniens
  • 27. Juni: Beginn der Kampfhandlungen zwischen Jugoslawischer Volksarmee und slowenischen Milizverbänden
  • 28. Juni: Gefechte im Raum Spielfeld, Bleiburg, Bad Radkersburg und Unterdrauburg, Verlegung von österreichischen Kräften in den Grenzraum, Stimmen der Bevölkerung nach sichtbarer Präsenz des Bundesheeres an der Grenze, 1845 Uhr: Der österreichische Verteidigungsminister verfügt den Einsatz der alarmierten und im Grenzraum bzw. in Zuführung befindlichen Kräfte des Bundesheeres gemäß § 2, Abs. 1 lit. a des Wehrgesetzes, d.h. zur militärischen Landesverteidigung; 3500 Soldaten im Einsatz an der Staatsgrenze unter Kommandoführung des I. Korps
  • 29. Juni: Gesamtstärke der im Einsatzgebiet verwendeten Kräfte steigt auf knapp 5000 Mann
  • 3. Juli: weitere Zuführung mechanisierter Verbände (500 Mann aus Teilen der 9. Panzergrenadierbrigade aus Niederösterreich), Gesamtstärke 7500 Mann (Höchststand)
  • 4. Juli: Erklärung des Verteidigungsministers, daß eine Teilmobilisierung nicht notwendig sei, Verlagerung des Schwergewichts der Auseinandersetzung und der Kampfhandlungen innerhalb Jugoslawiens in die Teilrepublik Kroatien
  • 8. Juli: Entspannung der politischen Lage in Slowenien, Beginn der Reduzierung der österreichischen Kräfte
  • 24. Juli: Rücknahme der eingesetzten Verbände in ihre Heimatgarnisonen, erhöhte Bereitschaft bestimmter Kräfte sowie Überwachung der Staatsgrenze am Boden und in der Luft

Mediensplitter aus 1991

"...Aber die Tatsache, daß sich buchstäblich vor unserer Haustür ein veritabler Krieg abspielt, hat noch andere Konsequenzen. Die Landesverteidigung mit allen ihren Facetten hat ganz plötzlich wieder ihren berechtigten Vorrang: wahrscheinlich wird auch der Finanzminister nachzudenken beginnen. Wer heute noch von einer Abschaffung des Bundesheeres spricht, läuft Gefahr, politisch entmündigt zu werden....Plötzlich in diesem Sommer wird mitten in Europa gezeigt, wie wenig berechenbar die Zukunft ist."

(Thomas Chorherr in "Die Presse", 29./30. Juni 1991)

"... Es ist ferner Glück, daß es einer langen Kette von gleichgültigen und ideologisch verbohrten Politikern nicht gelungen ist, das Bundesheer völlig zu demontieren...."

(Hans Rauscher im "Kurier", l. Juli 1991)

"...Bad Radkersburg...Als ,Draken'-Abfangjäger den Hauptplatz überfliegen, gibt es spontanen Applaus. ,Die Einstellung zum Heer war schlecht, das ist jetzt schlagartig anders', bekennt einer der 2000 steirischen Stadtbewohner...."

(Ernst Sittinger in "Der Standard", 4. Juli 1991)

Sanitätshubschrauber der JVA überfliegt die umkämpfte Stadt Gornja Radgona (Oberradkersburg). Nur die Brücke trennte Österreich vom damaligen Jugoslawien.

Sanitätshubschrauber der JVA überfliegt die umkämpfte Stadt Gornja Radgona (Oberradkersburg). Nur die Brücke trennte Österreich vom damaligen Jugoslawien.

Auch Kampfpanzer M60 A3 kamen an der Staatsgrenze zum Einsatz.

Auch Kampfpanzer M60 A3 kamen an der Staatsgrenze zum Einsatz.

Ein Jagdpanzer Kürassier überwacht eine Zufahrtsstraße.

Ein Jagdpanzer Kürassier überwacht eine Zufahrtsstraße.

Überwachung des Grenzüberganges Spielfeld.

Überwachung des Grenzüberganges Spielfeld.

Die Grenzbevölkerung forderte vehement den Einsatz des Bundesheeres. Die Soldaten waren bei den Steirern und Kärntnern gut aufgehoben.

Die Grenzbevölkerung forderte vehement den Einsatz des Bundesheeres. Die Soldaten waren bei den Steirern und Kärntnern gut aufgehoben.

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