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Ukraine: Bundesheer-Offiziere überwachen den Waffenstillstand

Luhansk, 06. Juli 2016  - Seit über zwei Jahren sorgen Beobachter der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, für Stabilität und Sicherheit in der Ukraine. Auch Offiziere des Bundesheeres sind in dem Krisengebiet eingesetzt.

Mit der "Special Monitoring Mission to Ukraine" soll geholfen werden, Spannungen abzubauen und einen Dialog zwischen den Konfliktparteien zu ermöglichen. Die Mission wird von den 57 Mitgliedsstaaten der OSZE getragen und die Konfliktparteien haben ausdrücklich zugestimmt.

Vor allem im Osten des Landes, an der Grenze zwischen den ukrainischen Regierungstruppen und den Separatisten, ist die Situation immer wieder angespannt. Das Leben dort ist mit jenem in Österreich nicht vergleichbar.

Fließendes Wasser nur in der Früh und am Abend 

Die OSZE-Beobachter bekommen dort eine Unterkunft zugewiesen, die unter Berücksichtigung der geltenden Sicherheitsbestimmungen ausgewählt wird. Je nach Ort und Situation ist fließendes Wasser nur morgens und abends verfügbar und mit Strom-, Internet- und Handynetzausfällen ist jederzeit zu rechnen. Als Beobachter muss man spätestens um 22:00 Uhr die sichere Rückkehr in seine Unterkunft per Unterschrift bestätigen.

In der "Volksrepublik Luhansk" gilt beispielsweise eine nächtliche Ausgangssperre für jedermann von 23.00 Uhr bis 05.00 Uhr - die Straßen sind dann wie leer gefegt.

Auch der ganz normale Einkauf von Lebensmitteln ist eine Herausforderung. "Produkte des täglichen Bedarfs sind nicht immer und überall verfügbar", berichtet Oberstleutnant Reinhard John. Das Bankensystem funktioniert ebenfalls nur eingeschränkt, bezahlt wird ausschließlich mit Bargeld.

Auf die Frage, warum das alles so ist, kommt von Oberstleutnant John die ebenso einfache wie klare Antwort: "Weil es ein Kriegsgebiet ist."

Anspruchsvoller Alltag braucht Teamarbeit und Belastbarkeit

John ist in Luhansk eingesetzt und der jüngste der insgesamt neun Beobachter-Offiziere. Außerdem ist er einer von nur zwei Berufsoffizieren des Bundesheeres, die unbewaffnet und in Zivilkleidung ihren Dienst in der Ukraine versehen. Als Schutz dienen neben ihrem Diplomatenpass lediglich eine kugelsichere Weste und ein Kevlar-Helm. Die klare Kennzeichnung als OSZE-Mitglied ist jedoch das wichtigste Instrument, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Der Alltag eines Beobachters ist anspruchsvoll. Die konkreten Aufgaben werden meist kurzfristig zugewiesen und gearbeitet wird stets im Team. Die Arbeitssprache ist Englisch und mindestens ein Beobachter pro Patrouille muss auch Russisch können. Eine Patrouille besteht aus vier bis acht Personen und zwei gepanzerten Geländewagen.

"Durch die Panzerung sind unsere Fahrzeuge weit jenseits der 3,5-Tonnen-Grenze. Da kommt man ohne LKW-Schein nicht aus", sagt Oberstleutnant John, der als studierter Maschinenbauer glücklicherweise über einen solchen verfügt.

Vollkommen unabhängig und ohne weiteren Schutz oder Begleitung fahren die Patrouillen zu den Einsatzorten. Pannen an den Fahrzeugen stehen an der Tagesordnung. Das Wechseln von platten Reifen ist Routine, die Schlammperiode im Herbst und Temperaturen bis zu minus 25 Grad fordern Mensch und Maschine. Auch die mangelhafte Kraftstoffqualität ist für die modernen Dieselmotoren der Dienstfahrzeuge nicht immer verträglich.

Mit den Menschen ins Gespräch kommen

Patrouilliert wird sieben Tage pro Woche und 365 Tage im Jahr. Die dabei zu erfüllenden Aufgaben sind vielfältig. Es gilt, die allgemeine Lage zu erkunden, gemeldete Waffen zu inspizieren oder auch nur den örtlichen Greißler zu besuchen, um mit den Bewohnern des jeweiligen Dorfes ins Gespräch zu kommen.

Da im Gebiet um Luhansk Minen keine Seltenheit sind, ist es den Beobachtern der OSZE aus Sicherheitsgründen untersagt, befestigte Straßen zu verlassen.

Jede Patrouille verfasst täglich einen Bericht, dessen Inhalte dann wenig später in drei Sprachen auf der Internetseite der OSZE zu lesen sind.

Militärisches Wissen erforderlich

Die Erfahrung und das Wissen eines Soldaten ist zur Erfüllung vieler Aufgaben unabdingbar. "Wenn wir zum Beispiel feststellen sollen, ob die uns gezeigten Waffensysteme wirklich die sind, die gemeldet wurden, dann sollte man schon wissen, was einem da vorgelegt wird", so Oberstleutnant John.

Bei minus 20 Grad im Winter sind Pannen an der Tagesordnung.

Bei minus 20 Grad im Winter sind Pannen an der Tagesordnung.

Auf Patrouille: Häuser wurden zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Auf Patrouille: Häuser wurden zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogen.

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