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Beschusstests zum Schutz der Soldaten

Felixdorf, 21. Dezember 2016  - Helme und Schutzwesten haben einen harten Job zu erfüllen: Ihre Träger vor Splittern und Beschuss zu schützen. Damit sie im Ernstfall auch leisten, was ihre Hersteller versprechen, testet das Bundesheer diese Schutzausrüstung auf Herz und Nieren. Das Amt für Rüstung und Wehrtechnik des Bundesheeres hat im niederösterreichischen Felixdorf ein Labor dafür. Dort werden regelmäßig Beschusstests durchführt und auch neue Waffen erprobt.

Schutzwirkung von Keramik

Im unterirdischen Schießkanal füllt ein Techniker die auf tausendstel Gramm genau gewogene Pulvermenge in eine Patronenhülse und würgt das Projektil an. Der Versuchsleiter Dr. Rüdiger Haas wartet schon hinter dem "Schießbock", um den nächsten Schuss abzugeben. Der 42-Jährige ist stellvertretender Abteilungsleiter für Waffen- und Flugkörpertechnik.

"Heute testen wir im Rahmen eines EU-Projekts die Widerstandsfähigkeit von Keramikplatten für Schutzwesten", erklärt der Physiker die Versuchsreihe mit rund 20 Proben. "Ziel ist es, die ideale Zusammensetzung und den idealen Herstellungsprozess für die Keramik herauszufinden", sagt Haas.

Der 500 Meter lange Schießkanal bietet ideale Bedingungen, um das Verhalten von Geschossen und Schutzeinrichtungen zu testen. Die Treffer können dort sofort elektronisch überprüft werden. Auch die Wirkung auf Ziele wird im Detail analysiert. Mit etwa 3.000 Test-Schüssen pro Jahr ist diese Anlage in Österreich einzigartig.

Geschoss mit 2.880 km/h

Die Munition wird aus einem Laborlauf abgefeuert und das Team der Beschussexperten begutachtet im zehn Meter entfernten Zielbereich das Ergebnis. Von der handflächengroßen, kreisrunden Keramikplatte bleiben nur unzählige kleine Splitter übrig. Bei einem 7,62 Millimeter Hartkerngeschoss ist das auch nicht anders zu erwarten.

"Wir messen die Geschwindigkeit des Projektils vor und nach dem Testobjekt und können damit die abhaltende Wirkung der Keramikplatte ermitteln", berichtet Haas während er die gemessene Geschwindigkeit des abgefeuerten Projektils von 813 Metern pro Sekunde notiert. Dass die Keramik von solch kleinem Format völlig zerstört wird ist normal. Eine wirkungsvolle Schutzausrüstung besteht aber neben der Keramik immer noch aus weiteren Schichten. Bei Schutzwesten sind dies zum Beispiel noch etliche Schichten aus in Kunstharz getränktem, ballistischem Gewebe.

Beschuss in Zeitlupe

Im Nebenraum steht das Herzstück dieser Versuche: Die Hochgeschwindigkeitskamera filmt das Auftreffen des Projektils mit 20.000 Bildern pro Sekunde. Eindrucksvoll zeigt die Zeitlupe, wie das Geschoss durch die Keramik dringt und sie zum Bersten bringt. Das Gerät, so teuer wie eine Luxuslimousine, wird von einer dicken Panzerglasscheibe geschützt, die von früheren Versuchen sichtlich gezeichnet ist.

Verhältnis zwischen Schutz und Tragekomfort

Haas sieht seine Arbeit als Gratwanderung zwischen Theorie und Praxis. "Panzerung muss auch einigermaßen angenehm zu tragen sein, sonst verzichten die Soldaten komplett darauf", gibt er zu bedenken. Eine Schutzweste, die alles abhält wäre so schwer und steif, dass man sich damit kaum bewegen könnte. Besser ist daher ein etwas leichterer Schutz, der gerne getragen wird. Die Techniker des Amtes für Rüstung und Wehrtechnik sind genau dafür im Einsatz und wollen das Verhältnis zwischen Schutz und Tragekomfort verbessern.

Rüdiger Haas mit dem Laborgewehr.

Rüdiger Haas mit dem Laborgewehr.

Die Pulvermenge für eine Patrone wird auf tausendstel Gramm genau gewogen.

Die Pulvermenge für eine Patrone wird auf tausendstel Gramm genau gewogen.

Haas bereitet ein Keramikziel für einen Beschusstest vor.

Haas bereitet ein Keramikziel für einen Beschusstest vor.

Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera wird der Durchschuss festgehalten.

Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera wird der Durchschuss festgehalten.

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