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Frauen in der österreichischen Militärgeschichte

Die Geschichte kennt quer durch die Jahrhunderte wahrlich genug Beispiele, in denen sich Frauen mehr oder weniger aktiv an kriegerischen Auseinandersetzungen beteiligt haben. Zumeist handelte es sich dabei aber um Erscheinungen, die durch seinerzeitige außergewöhnliche Lebenssituationen hervorgerufen wurden. So war es bereits bei den Söldnerheeren im Dreißigjährigen Krieg durchaus üblich, dass Frauen gemeinsam mit den Männern im Tross der Armee durch die Lande zogen und somit aktiv am Kriegsgeschehen teilnahmen.

Mit dem Erstarken der stehenden Heere sowie der zunehmenden Reglementierung des Heerwesens an sich, verschwanden die Frauen aber fast völlig aus dem militärischen Bereich. Dies führte zu der wohl eigenartigsten Form weiblichen Soldatentums, das aber absolut kein Einzelphänomen Österreichs war und bleiben sollte:

Johanna Sophia Köttner

Johanna Sophia Köttner

Am 27. Jänner 1748 wurde der kaiserliche Hofkriegsrat erstmals darüber informiert, dass im Hagenbachschen Infanterieregiment ein verkleidetes "Mädl" als Soldat diente. Dieses Mädchen, namens Johanna Sophia Köttner (1721-1802), war 1738 in die Armee eingetreten und diente dort jahrelang unerkannt, bis ihre "Tarnung" aufgrund einer im Kampf erlittenen Verwundung entdeckt wurde und sie zwangsweise aus dem Dienst ausscheiden musste.

"Wares Portrit der Iohana Sophia / Köttner. geboren aus Æügstatt. 1721. / Wurde Soldat 1738 dienete seiner maje= / Maria theresia durch 14 jahre bis 1752. / Unter dem Lebl: Regimet hachenbach. / Avansirte wegen dapferhaldung bis zum / feltwebel. Wegen einer erhaldener blesur. / wurde sie als weibsperson enteckt."

Francesca Scanagatta

Francesca Scanagatta

Unter den verkleideten "Amazonen" Österreichs zählt jedoch sicherlich Francesca Scanagatta (1776-1865) zu den Bekanntesten. Sie fand an Stelle ihres Bruders als externer Hörer auf der Wiener Neustädter Akademie Aufnahme, wurde zum Offizier ausgebildet und 1797 als Unterleutnant ausgemustert. Zunächst dem Warasdiner St. Georger Grenzregiment Nr. 4 zugeteilt, bewährte sie sich vor allem in den anschließenden Franzosenkriegen. Nach Dienstverwendungen im Infanterie-Regiment Nr. 56 Wencel Graf Colloredo und im Deutsch-Banater Grenzregiment Nr. 12 zeichnete sie sich vor allem bei den Kämpfen um Genua aus. Trotz einer schweren Verwundung, die sie während der Gefechte erlitt, wurde ihre "wahre Natur" nie erkannt. Am 1. März 1800 zum Leutnant befördert, zog sie sich schließlich im folgenden Jahr vom aktiven Dienst zurück, ohne ihre Weiblichkeit je preisgeben zu müssen.

Napoleonische Kriege

"Offiziell" aus dem militärischen Bereich zwar verbannt, beteiligten sich Frauen aber auch weiterhin bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Besonders deutlich wurde dies im Verlaufe der Napoleonischen Kriege, wo sich Frauen im Rahmen der Tiroler Landesverteidigung besonders bei der Verteidigung und Abwehr der gegnerischen Truppen bewährten. Zum Teil mit Heugabeln und Flinten bewaffnet, kämpften sie damals Seite an Seite mit ihren Männern und leisteten aktiven Widerstand gegen die französischen und bayerischen Soldaten.

Paula von Rosthorn

Paula von Rosthorn

Als eines der herausragendsten, aber trotzdem wohl am wenigsten bekannten Beispiele eines Kampfeinsatzes einer Frau muss jedoch ohne Zweifel das Engagement von Paula von Rosthorn, der Gemahlin des österreichischen Gesandten, beim Boxeraufstand in Peking im Jahre 1900 angesehen werden. Sie war die einzige Frau, die während der Kämpfe um das Gesandtschaftsviertel in Peking eine aktive Rolle bei der Verteidigung spielte. Sie pflegte die Verwundeten, half mit, die Barrikaden auszubauen und scheute auch nicht davor zurück, Postendienste an der vordersten Linie zu übernehmen. Paula von Rosthorn wurde aufgrund ihres unermüdlichen und beispielgebenden Einsatzes zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt und Kaiser Franz Joseph verlieh ihr in Anerkennung ihrer Verdienste die 1873 gestiftete Kriegsmedaille.

Erster Weltkrieg

Erster Weltkrieg

Die organisierte Ausbildung von Frauen zum Kampf mit der Waffe sowie der geplante und zum Teil auch praktizierte Einsatz in eigenen Einheiten sollten jedoch erst im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges erfolgen. Vorläufer dieser Entwicklung gab es bereits im Ersten Weltkrieg, in bescheidenem Ausmaß auch auf österreichisch-ungarischer Seite. Der Einsatz der Mädchen und Frauen erfolgte auf absolut freiwilliger Basis, sei es, dass sie durch die feindlichen Linien schlichen, um Informationen über den Gegner zu sammeln, dass sie die kämpfenden Truppen mit Lebensmitteln und Wasser in ihren Stellungen versorgten, oder dass sie als Beamtinnen in den zivilen und militärischen Dienststellen bzw. im Post- und Telegraphenbereich ihren Dienst versahen.

Stephanie Hollenstein und Alice Schalek

Stephanie Hollenstein und Alice Schalek

Die militante Begeisterung war unter manchen Frauen so groß, dass sie vereinzelt die Nähe des Kampfgeschehens regelrecht suchten, wie es nicht zuletzt auch das Beispiel der Landschaftsmalerin Stephanie Hollenstein (1866-1944) beweist. Sie rückte 1915 als Sanitäter bei den Vorarlberger Standschützen unter dem Namen "Stephan Hollenstein" an der Südfront ein und stand mit den Truppen an vorderster Linie. Nachdem ihre "wahre Natur" aber schließlich erkannt wurde, musste sie den Frontdienst quittieren, fand aber 1915 als malende Berichterstatterin Aufnahme im Kriegspressequartier. In den Jahren 1916/17 war sie unter anderem auch für das Heeresmuseum in Wien tätig. Neben ihr muss aber auf jeden Fall auch die berühmte Kriegsberichterstatterin Alice Schalek (1874- 1956) genannt werden, die seit 1903 als Feuilletonredakteurin bei der Neuen Freien Presse in Wien beschäftigt war und im Verlaufe des Ersten Weltkrieges die einzige Frau blieb, die zur Kriegsberichterstattung "offiziell" an der Front zugelassen worden war. Für ihren unermüdlichen Einsatz, vor allem im Bereich der "Isonzofront", wurde sie schließlich am 18. Februar 1917 mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone am Band der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Ärztinnen und Krankenschwestern

Ärztinnen und Krankenschwestern

Besonderes Augenmerk muss aber auch auf die große Schar an Krankenschwestern gelegt werden, die in den Feldspitälern und Lazaretten oft noch unter feindlichem Artilleriebeschuss unbeirrt ihrer Arbeit nachgingen und sich aufopfernd um ihre Patienten kümmerten. Die Opferbereitschaft und Selbstlosigkeit dieser Frauen kann kaum ausreichend gewürdigt werden. Wenig bekannt, dafür umso nennenswerter ist der Umstand, dass bereits im Ersten Weltkrieg Frauen als Ärztinnen tätig waren und wie ihre männlichen Kollegen hervorragende Arbeit an der Front bzw. im Hinterland leisteten.




Viktoria Savs, Namensgeberin des 9. Unteroffizierslehrganges und 29. Stabsunteroffizierslehrganges

Viktoria Savs, Namensgeberin des 9. Unteroffizierslehrganges und 29. Stabsunteroffizierslehrganges

Während bei der k.u.k. Armee eine große Aversion gegen den bewussten Einsatz von Frauen an der Front bestand, wurde dies bei den Schützenformationen nicht so streng gehandhabt. Zur Unterstützung der Kämpfer halfen beispielsweise immer wieder Frauen beim Munitions- und Verpflegungsnachschub mit. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die Landsturmhelferin Viktoria Savs (1899-1979), die mit Einverständnis von Erzherzog Eugen bereits mit 16 Jahren gemeinsam mit ihrem Vater am 10. Juni 1915 beim k.k. Landsturm-Infanteriebataillon Nr. II (Innsbruck) einrücken durfte. Als freiwillige Hilfs- und Ordonnanzkraft blieb sie jedoch nicht in der Etappe, sondern versah gemeinsam mit den Männern ihren Dienst an vorderster Front und zeichnete sich dabei vor allem im Kampfabschnitt der Drei Zinnen aus. Immer wieder meldete sie sich freiwillig zum Postendienst und zu Patrouillengängen. Aufgrund einer schweren Verwundung, die sie am 27. Mai 1917 erlitt und in deren Folge ihr schließlich sogar ein Bein amputiert wurde, musste sie ihren Frontdienst beenden. 1999 entschloss sich das Kommando der Heeresunteroffiziersakademie, den 9. Unteroffizierslehrgang und 29. Stabsunteroffizierslehrgang nach dem "Heldenmädchen von den Drei Zinnen" zu benennen, das für seinen Einsatz neben der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse auch mit der Bronzenen Tapferkeitsmedaille sowie dem Karl-Truppen-Kreuz dekoriert worden war.

Die Ukrainische Legion

Die Ukrainische Legion

Trotzdem war der aktive Dienst mit der Waffe aber auch bei den Schützen- und Landwehrformationen eher unerwünscht. Ganz anders lagen da die Dinge bei der unmittelbar nach Kriegsausbruch gebildeten Ukrainischen Legion. In ihren Reihen kämpften zum Unterschied zur k.u.k. Armee, zur k.k. Landwehr und zur kgl. ung. Honved von Anfang an junge Frauen Schulter an Schulter mit ihren männlichen Kameraden. Nicht zuletzt aufgrund ihres unermüdlichen Einsatzes verfügte Kaiser Franz Joseph schließlich am 3. November 1915, dass nunmehr auch an Frauen Tapferkeitsmedaillen verliehen werden durften. Es mag nicht weiter verwundern, dass sich unter den ersten Soldaten der Ukrainischen Legion, denen Tapferkeitsmedaillen verliehen wurden, bereits zwei Frauen befanden, die für ihr kühnes, tapferes und beispielgebendes Verhalten vor dem Feinde in den Karpatenkämpfen ausgezeichnet wurden.

Ilse Höpken und Gertrud Pieber

Ilse Höpken und Gertrud Pieber

Die prinzipielle Einstellung, dass Frauen im militärischen Bereich nicht zur Verwendung kommen sollten, setzte sich aber auch nach 1945 in Österreich fort. So wurden bis 1998 Krankenschwestern und Verwaltungsbeamtinnen nur außerhalb der militärischen Organisation im Bereich des Österreichischen Bundesheeres eingesetzt. Daher mag es umso mehr verwundern, dass sich beim allerersten Auslandseinsatz von Soldaten des Bundesheeres auch bereits Frauen beteiligten.




Erster österreichischer UN-Einsatz

Gertrud Pieber

Im Rahmen des ersten österreichischen UN-Einsatz in (Belgisch-) Kongo 1960/61 waren gemäß der Anforderung der Vereinten Nationen neun Krankenschwestern bereitzustellen. Nach den ersten Gefechten und der unmittelbaren Gefangennahme des ersten österreichischen Kontingents in Bukavu entschloss sich das Verteidigungsministerium von einer diesbezüglichen Entsendung weitestgehend abzusehen. Schließlich versahen dennoch zwei medizinisch-technische Assistentinnen im Einsatzraum ihren Dienst, Ilse Höpken und Gertrud Pieber, denen als Maturantinnen, gemäß den internationalen Gepflogenheiten, für die Dauer ihres Einsatzes im Kongo der Leutnantsrang verliehen wurde.

Literaturhinweise

  • Karl von Duckner, Eine Amazone beim k.k. Infanterie-Regimente Hagenbach, Streffleurs Österreichische Militärische Zeitschrift Jahrgang 1893, 3. Band, S.231 ff
  • Julius Ebelsberg, Lieutenant Franziska Scanagatta, Streffleurs Österreichische Militärische Zeitschrift, 1. Jahrgang, 3. Band, 1860 S.351ff
  • Günther Noé, "Amazonen" in der österreichischen Geschichte. - In: Österreich in Geschichte und Literatur, Band 30 (1986), S. 350 - 361
  • Ernst Rutkowski, Ein leuchtendes Beispiel von Pflichttreue - Frauen im Kriegseinsatz 1914-1918, Scrinium, Heft 28, Wien 1983, S. 343ff
  • Erwin A. Schmidl, Blaue Helme. Rotes Kreuz. Das österreichische UN-Sanitätskontingent im Kongo, 1960 bis 1963. Innsbruck, Wien 1995

Wissenschaftliche Betreuung

Mag. Christoph Hatschek

Mag. Christoph Hatschek
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