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Milizsoldaten im Porträt: Gefreiter Lukas Seyffertitz

18. Juni 2020 - 

Lukas Seyffertitz ist von Kopf bis Fuß ein Kind der Mozartstadt Salzburg. Eigentlich hätte er in diesen Tagen sein Management-Studium an der FH Salzburg abschließen sollen – doch dann kam das Coronavirus. Beruflich bleibt das HR-Management sein Ziel, trotzdem hat der 23-Jährige mit großer Familiengeschichte sich jetzt schon zum zweiten Einsatz in Folge gemeldet. Woher er die Motivation nimmt? Gefreiter Hans-Georg S. hat mit ihm darüber gesprochen.

Das Interview

Herr Gefreiter, erlauben Sie mir die Frage: Was macht ein Management-Student als Soldat in der Miliz?

Seyffertitz: Die Motivation, zur Miliz zu gehen, kommt aus meiner Grundwehrdienst-Zeit – da ging ich 2017 für 60 Tage in den Assistenzeinsatz nach Bad Radkersburg. Der hat mich und mein Bild vom Bundesheer nachhaltig geprägt, denn der Zusammenhalt untereinander war wirklich gut: Wir waren damals eine zusammengeschweißte Truppe und es war mir wichtig, dass diese Kameradschaft ein Teil meines Lebens bleibt. Mit meinen Kameraden von damals bin ich bis heute befreundet, wir unternehmen auch regelmäßig gemeinsam was. Erst letzten Freitag habe ich sie wieder getroffen.

Dienstlich, nehme ich an?

Seyffertitz: Nein, von den anderen ist keiner mehr im Präsenz- oder im Milizstand. Einer ist jetzt bei der Polizei, der andere studiert in Wien, der nächste in Graz – 16 Leute, quasi über ganz Österreich verstreut. Trotzdem treffen wir uns mindestens einmal im Monat und setzen uns zusammen.

Die Kameradschaft, die Sie so betonen – wie drückt sich die für Sie aus?

Seyffertitz: Es ist einfach ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich mich auf die Personen um mich herum total verlassen kann, ohne zweimal nachdenken zu müssen. Das setzt sich auch im Privatleben fort: Du brauchst zum Beispiel Hilfe beim Umzug? Deine Kameraden sind für dich da. So erlebe ich das und das freut mich enorm. Ein ehemaliger Vorgesetzter hat mir einmal gesagt: "Freunde gehen, Kameraden bleiben." Dazu kommt, dass meine Familiengeschichte sehr militärisch geprägt ist. Eine gewisse Grundneigung habe ich also schon mitbekommen. Auch, wenn meine Eltern Bedenken hatten, als ich ihnen von meinen Miliz-Plänen erzählt habe – im Endeffekt waren sie dann doch einverstanden. Gerade jetzt haben sie es besonders schätzen gelernt, dass ich etwas Sinnvolles in der Krise tun kann anstatt bei ihnen daheim zu sitzen und auf den Lagerkoller zu warten.

Was waren denn die anfänglichen Sorgen Ihrer Eltern?

Seyffertitz: Ich gehe täglich laufen und spiele für mein Leben gern Tennis, aber der auftrainierte Muskelprotz war ich nie. Der O-Ton meiner Mutter war deshalb immer: "Das ist ja nix für dich, wieso solltest du das machen wollen, herumschießen und nichts lernen." Dabei ist die Miliz so vielfältig: Man lernt auch Kameraden aus allen Lebensbereichen kennen. Einer ist Anwalt, der nächste Tischler, wieder ein anderer hat gerade seinen Schulabschluss gemacht und steht vor großen Entscheidungen. Wenn sich derart viele unterschiedliche Menschen hinter einer gemeinsamen Motivation versammeln können, ist das eine ganz eigene Dynamik, die für Außenstehende sicher schwer nachzuvollziehen ist. Gerade diese Führungsqualität, Menschen auf ein gemeinsames Ziel hin auszurichten und zu motivieren, das will ich mir hier unbedingt aneignen.

Das klingt, als wäre eine ausgedehntere Milizlaufbahn schon geplant.

Seyffertitz: Ja, würde ich wirklich unglaublich gerne machen. Die neue Kaderanwärterausbildung macht mir das aber schwer. Aus jetziger Sicht weiß ich nicht, ob und wie ich mir ein ganzes Jahr dafür freischaufeln kann. In kleineren Einheiten wäre das sicher einfacher, gar keine Frage.

Sie haben vorhin von Ihrer Familiengeschichte gesprochen – dürfen wir da noch mehr erfahren?

Seyffertitz: Also eine der ältesten Quellen, die wir haben, ist ein Aktenvermerk über die Vorstrafe eines Herrn Seyffertitz im 14. Jahrhundert (lacht). Durch die Familiengeschichte hindurch finden sich immer wieder Offiziere, beispielsweise ein Dragoneroffizier im Ersten Weltkrieg. Von ihm haben wir Aufzeichnungen, in denen er sich darüber beschwert, dass man ihm sein Pferd weggenommen hat. Ein anderer war bei den Tiroler Kaiserjägern, von dort kommt auch der Seyffertitz-Marsch und der ehemalige Titel der "Freiherrn von Seyffertitz".

Und wie geht man als junger Mensch mit diesem Erbe um?

Seyffertitz.: Also ich habe kein Interesse daran, mich auf den Lorbeeren anderer auszuruhen. Ich sehe es eher als Ansporn, durch gute Leistung meiner Familie gerecht zu werden. Derzeit kann ich ja noch nicht behaupten, irgendeine Ahnung von der Welt zu haben.

Zum Thema Leistung: Sie haben mit der 3. Jägerkompanie des Jägerbataillons Salzburg gerade erst Ihren Einsatz beendet, sind in dieser Nacht aber schon zum nächsten Einsatz nach Tirol aufgebrochen. Dabei sind Sie ja Teil der 1. Kompanie, die gar nicht einberufen wurde.

Seyffertitz: Stimmt. Als der Covid-19-Einsatz angekündigt wurde, habe ich an meinen Mobilmachungs-Verantwortlichen geschrieben, dass ich auch bereit wäre, mit der 3. Jägerkompanie in den Einsatz zu gehen, schließlich war auf der FH gerade nichts los. Zwei Tage später wurde ich dann angerufen, um mein Einrücken zu fixieren – zu dem Zeitpunkt hatte ich schon längst alles fix-fertig gepackt (lacht).

Von uns 135 haben sich bis Einsatzende knapp zwei Dutzend gemeldet, die verlängern wollten, zwei weitere haben wir überhaupt erstmals für die Miliz begeistern können. Das liegt sicher auch daran, dass der Einsatz aus meiner Sicht gut vorbereitet und durchgeführt war.

Einen schalen Beigeschmack hatte nur, dass wir von der Grenzöffnung und damit von unserem Einsatzende über Instagram und andere Medien erfahren mussten, lang bevor wir diese Informationen über den Dienstweg bekommen haben. Das war kein gutes Gefühl, um ehrlich zu sein.

Ansonsten war ich aber positiv überrascht von der guten Stimmung. In meiner Gruppe waren sehr viele befristet Beorderte, und trotzdem war ein guter Zusammenhalt durch alle Reihen spürbar.

Sind Ihnen besondere Erlebnisse in Erinnerung geblieben?

Seyffertitz: Ja, der Vergleich zwischen den Szenarien in der Einsatzvorbereitung und im tatsächlichen Einsatz hat mich teilweise schmunzeln lassen: Ausgebildet wurden wir unter anderem für Fahrzeugkontrollen mit mehreren schwerbewaffneten Insassen. Zu den nennenswerten Momenten im Einsatz zählten da aber schon zwei Personen, die in Deutschland Kosmetika einkaufen waren und bei der Einreisekontrolle etwas hysterisch wurden.

Am eindrücklichsten war aber das Gruppengefühl in der Vorbereitung: Wenn nach mehr als 24 Stunden intensiver Ausbildung der Zugsführer, der neben dir marschiert, auf deine Schulter klopft und sagt: "He Seyffenstein, des geht scho no". Wenn man sich gegenseitig so pusht und dank guter Kameradschaft die Herausforderungen gemeinsam nimmt, das ist schon was Besonderes.

"Seyffenstein"? Wie die Roubinek-Figur bei "Wir sind Kaiser"?

Seyffertitz: Ja – das ist mein Spitzname seit der Schulzeit. Den hat mein Biologie-Lehrer erfunden (grinst).

Gefreiter Seyffertitz, für gute Freunde und Kameraden auch "Seyffenstein". (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Gefreiter Seyffertitz, für gute Freunde und Kameraden auch "Seyffenstein".

Seyffertitz im Gespräch mit dem Milizbeauftragten Generalmajor Hameseder. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Seyffertitz im Gespräch mit dem Milizbeauftragten Generalmajor Hameseder.

Einsatzende in Salzburg - inzwischen ist Seyffertitz in Tirol im Einsatz. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Einsatzende in Salzburg - inzwischen ist Seyffertitz in Tirol im Einsatz.

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