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Miliz & Wirtschaft: Interview mit Johann Sauprigl

08. September 2020 - 

In der Interviewreihe "Miliz & Wirschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten im Bundesheer, mit Johann Sauprigl. Er ist Leiter des Personalmanagements der Österreichischen Bundesforste. Als Naturunternehmen Österreichs betreuen die Bundesforste jeden zehnten Quadratmeter des Landes. Sie pflegen, schützen und bewirtschaften die natürlichen Ressourcen der Republik Österreich – Seen, Wälder, Berge – im Sinne der Nachhaltigkeit: Der Natur wird nur so viel entnommen, wie wieder nachwächst.

Das Interview

Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Sauprigl, lieber Hans, die Österreichischen Bundesforste sind ein Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern. Befinden sich auch Milizsoldaten unter ihnen?

Johann Sauprigl: Hier in der Unternehmensleitung in Purkersdorf haben wir nur vier Milizsoldaten. Aber wenn wir die kompletten Bundesforste berücksichtigen, sind es über 50 Milizsoldaten. Ich war übrigens selbst mal einer: Ich bin gelernter Pionier und war zuletzt als Oberleutnant Kommandant eines Pionierzuges im Landwehrstammregiment 32. Als ich 1988 bei den Bundesforsten eingestellt wurde, erhielt ich nach nur drei Wochen eine Einberufung zu einer Waffenübung. Das kam mir damals natürlich höchst ungelegen und ich ging zu meinem Vorgesetzten – eigentlich, um eine Freistellung von der Einberufung zu bekommen. Doch dieser antwortete mir: "Warum wollen Sie nicht an Ihrer Übung teilnehmen? Von meiner Seite aus kein Problem." Erst viel später erfuhr ich, dass er selbst Milizoffizier war.

Was bedeutet der Begriff "Miliz" für dich heutzutage?

Ich bin ja schon seit vielen Jahren nicht mehr dabei, teils mit einem weinenden Auge, und somit mittlerweile Laie. Für mich ist die Miliz eine militärische Struktur für Not- und Krisenzeiten, durch die das Bundesheer im Einsatzfall auf Personal außerhalb des Stammpersonals, also der Berufssoldaten, zugreifen kann.

Heuer gab es erstmals eine teilweise Aufbietung der Miliz. Was hat das für die Bundesforste bedeutet?

Bei uns traf das konkret einige Mitarbeiter, bei denen geplant war, dass sie bei uns am 1. April bzw. 1. Mai zu arbeiten beginnen. Da deren Präsenzdienst Corona-bedingt verlängert wurde, konnten wir sie erst später einstellen. Das war aber keine Tragödie, wir haben einfach die Dienstverträge geändert.

Wie wart bzw. seid ihr im Unternehmen selbst von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?

Ganz zentral war bei uns die Kernbotschaft, die wir allen unseren Mitarbeitern gleich zu Beginn der Krise mitgaben: Bei uns wird aus diesem Grund niemand gekündigt! Das war wichtig, alle konnten sich sicher fühlen und einfach mal durchatmen. Im operativen Bereich arbeiteten wir auch im Prinzip weiter als wäre (fast) nichts geschehen, wir mussten ja die Infrastruktur nach den zahlreichen Unwettern aufrechterhalten. Auch galt es, die Windwürfe aufzuarbeiten, den Borkenkäfer weiter zu bekämpfen etc. Im administrativen Bereich stellten wir aber schnellstmöglich auf Homeoffice um, innerhalb von zwei Tagen war das Haus fast leer. Das hat ausgezeichnet funktioniert, wir kommunizierten via Videokonferenzen – viele Mitarbeiter waren auch nicht unglücklich darüber, dass sie ihre Arbeitszeiten etwas freier organisieren konnten.

Wie organisiert ihr es im Unternehmen, wenn jemand einberufen wird?

Wenn ein Milizsoldat von uns einrückt, hat er bei uns bezahlten Sonderurlaub, wir lassen uns dann den Betrag vom Bundesheer refundieren.

Die Bundesforste unterstützen die Miliz als Miliz-Gütesiegelträger seit mehreren Jahren. Wie kommt es zu diesem Engagement?

Die Aussage unseres Vorstandes ist da ganz klar und deutlich: Wir wollen was vom Staat, müssen dafür aber natürlich auch aktiv einen Beitrag leisten und etwas zurückgeben. Gerade unsere Wälder und Auen sind oft von Naturkatastrophen betroffen, da brauchen wir Unterstützung – es ist daher nur recht und billig, wenn wir generell all unsere Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich engagieren, egal ob bei der Bergrettung, der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder eben dem Bundesheer, unterstützen. Unsere Milizsoldaten können daher mit einem guten Gewissen einrücken. Die Bundesforste haben ein klares Bekenntnis zur umfassenden Landesverteidigung.

Wie seht ihr die Partnerschaft zwischen Miliz und Wirtschaft?

Ein Engagement von Mitarbeitern in der Miliz darf für jedes große Unternehmen kein Problem darstellen, im Gegenteil. Die Übungen sind meines Wissens auf ein Mindestmaß geschrumpft. Wenn ich es als Unternehmer nicht verkrafte, dass ein Mitarbeiter alle zwei Jahre für fünf Tage übt, könnte dieser auch nie in Urlaub gehen. Das ist absurd. Und wie schon angesprochen gehört es zu unserer Unternehmenskultur, sich gegenseitig zu helfen.

Das bringt mich zu meiner nächsten Frage: Viele Unternehmen sehen bei einem ehrenamtlichen Engagement nur die Abwesenheit des Mitarbeiters. Welchen Mehrwert bringen deiner Meinung nach Milizsoldaten für Unternehmen?

Also ich selbst habe als Milizsoldat vieles gelernt, vor allem die Führungsgrundsätze konnte ich 1:1 im Unternehmen umlegen  – natürlich ohne "Befehlston". Generell ist Menschenführung ein wichtiges Thema. Dazu gehört es auch, seine Mitarbeiter motivieren zu können. Das musste ich als Pionieroffizier genauso wie hier und heute als Leiter des Personalmanagements.

Das aktuelle Regierungsprogramm sieht eine Stärkung der Miliz vor. Wie kann man Arbeitgeber deiner Meinung nach dafür begeistern?

Man muss einfach nur aus dem Fenster sehen: Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen, Hitzewellen werden von sintflutartigen Regenfällen abgelöst. Hier kann neben der Feuerwehr nur das Bundesheer helfen, Nutznießer sind nicht nur private Haushalte sondern vor allem auch Unternehmer. Das Leben ist eben nicht nur ein Nehmen, sondern auch ein Geben. Auch Unternehmer müssen das verstehen und etwas zurückgeben, im konkreten Fall unsere Milizsoldaten unterstützen. Das bringt allen etwas.

Gibt es konkret Kooperationen der Bundesforste mit dem Österreichischen Bundesheer bzw. gemeinsame Projekte?

Aktuell nicht, doch wir haben mit dem Innenministerium schon gemeinsame Krisen-Workshops durchgeführt: Auf Anfrage waren insgesamt vier Polizei-Majore für jeweils eine Woche bei uns, um sowohl unsere Unternehmenskultur kennenzulernen als auch unsere Wege der innerbetrieblichen Zusammenarbeit. Für uns konnten wir dadurch Erkenntnisse für unser hausinternes Krisenhandbuch gewinnen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, ähnliche Workshops auch mit dem Bundesheer durchzuführen, das kann nur ein Gewinn für beide Seiten sein.

Besten Dank für diese Anregung, die ich sehr gerne weitergebe.

Für Personalagenden bei den Bundesforsten verantwortlich: Hans Sauprigl. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Für Personalagenden bei den Bundesforsten verantwortlich: Hans Sauprigl.

Als junger Leutnant mit Bundespräsident Kirchschläger. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Als junger Leutnant mit Bundespräsident Kirchschläger.

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