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Miliz & Wirtschaft: Interview mit Christian Bayer

15. Oktober 2020 - 

In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberleutnant Anton Kühnelt-Leddihn mit Christian Bayer. Bayer ist Geschäftsführer der TÜV-Akademie und neben seinem Beruf auch als Milizsoldat tätig - als Experte für Qualitätsmanagement. Im Rang eines Wachtmeisters hat er auch höhere Kurse absolviert, wie den strategischen Führungslehrgang. Auch ein paar seiner Mitarbeiter sind Milizsoldaten. Im Rahmen der Coronakrise war sogar ein direkter Mitarbeiter von ihm im Einsatz. Der TÜV Austria ist bekannt für Prüfungen und Zertifizierungen vor allem im technischen Bereich. Knapp 2.000 Mitarbeiter österreichweit und in über 25 Ländern sind in verschiedenen Bereichen des Unternehmens tätig. Ein wichtiger Teil ist auch die Ausbildung und ein breites Kursprogramm der TÜV Austria Akademie.

Das Interview

Anton Kühnelt-Leddihn: Sehr geehrter Herr Mag. Bayer, was bedeutet Miliz für Sie?

Christian Bayer: Wir erleben darüber eine spannende offene Diskussion. Die Frage muss aber lauten: Was bedeutet Sicherheit? Für den Staat, für die Gesellschaft? Fest steht, wenn dir Sicherheit was bedeutet, musst Du was beitragen. Jeder muss sich hier fragen, was sein Beitrag ist. Und die Miliz ist ein deutlicher Beitrag. Es bedeutet eine Extrameile zu gehen und breit für Sicherheit einzustehen.

Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für die Miliz und die Wirtschaft?

Wir sind seit 2016 Partner der Heereslogistikschule. Wir profitieren beide davon, weil wir beide kritisch in den Spiegel schauen und sehen, was wir brauchen. Manches macht die Heereslogistikschule besser, manches wir. Ähnliche Themenstellungen bieten Möglichkeiten zu Synergien. Das sehen wir deutlich in der Partnerschaft in unserem "Kälte-Klima Technik Zentrum". Unsere Aufgabe ist es, für den Markt auszubilden, das Bundesheer kann zusätzliche Teilnehmer nominieren. Durch diese Kooperation muss das Bundesheer nicht in die notwendigen Betriebsmittel und Lehrkräfte investieren.

Ausbildung scheint einer der Schlüsselfaktoren der Zusammenarbeit zu sein, TÜV Austria bietet nun eine Ausbildung für Krisenstäbe an.

Eine Stabsausbildung ist gerade unglaublich gefragt. Jedes Unternehmen, jede Organisation braucht gerade in der Coronakrise einen Krisenstab und hat sie wahrscheinlich auch aufgestellt. Das Thema hier ist Stabsarbeit, wie sie beim Bundesheer täglich gemacht und gelebt wird. Es war daher für uns naheliegend beim Heer anzufragen. Jetzt haben wir gemeinsam mit der Militärakademie in Wiener Neustadt einen Kurs für zivile Organisationen aufgebaut. Themen sind: Wie baue ich einen richtigen Krisenstab auf? Was muss ich können? Was braucht reibungslose Stabsarbeit? Wir haben gesehen, dass die wenigsten in der Wirtschaft gewusst haben, wie das geht. Die Wirtschaft muss hier verstehen, was Milizsoldaten können und jetzt einbringen können. Sie sind ausgebildet, sie sind gut ausgebildet. Wir haben derzeit überall Stäbe, aber viele, die wir uns angeschaut haben, sind mangelhaft, weil die notwendige Ausbildung fehlt. Wirtschaft und Miliz oder besser Wirtschaft und Bundesheer können hier wirklich voll voneinander profitieren.

Was braucht es für ein besseres gegenseitiges Verständnis?

Es wird zu wenig über Kompetenzen berichtet. Die Öffentlichkeit weiß zu wenig über die Leistungen der Miliz, eigentlich des ganzen Bundesheeres. Das muss unbedingt verstärkt werden. Ein gutes Beispiel ist das Modul der Gefahrenstoffbereitschaft des ABC-Abwehrzentrums. Es ist die einzige Einheit mit diesen Fähigkeiten in ganz Österreich, die rund um die Uhr verfügbar ist. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Leute über diese Leistung Bescheid wissen.

Sie haben das Thema Sicherheit angesprochen.

Wir leben in geopolitisch unsicheren Zeiten. Wie wir gerade schmerzlich feststellen mussten, wissen wir derzeit heute nicht, wie unsere Welt morgen aussehen wird. Hier können die Experten des Bundesheeres sehr viel beitragen. Mit der Wirtschaft muss man sich fragen: Was können wir hier gemeinsam machen? Diese Unsicherheit, auch für die Wirtschaft, muss bedeuten, dass wir hier investieren. Alle gemeinsam müssen wir hier den Druck aufbauen, dass das Bundesheer das notwendige Budget bekommt. Wieder würde das bedeuten, dass beide Seiten davon profitieren - Wirtschaft und Bundesheer.

Wie sehen Sie die Partnerschaften zwischen der Wirtschaft und dem Bundesheer?

Einige Beispiele sind ja gefallen. Eine wirkliche Partnerschaft muss vor allem bedeuten, dass Sicherheit, Landesverteidigung wieder umfassend gesehen wird. Wir müssen die Gemeinsamkeiten finden. Etwa bei der Cybersecurity - hier können und müssen wir gemeinsam schauen. Das Gebiet ist riesig. Nicht jedes Unternehmen ist kritische Infrastruktur, jedes Unternehmen muss sich das aber anschauen. Das Internet verbindet uns alle - positiv, wie negativ. Oft wird die Frage in der Wirtschaft gestellt: Wie sehr nützt uns das was? Auch wir haben das Milizgütesiegel. Man muss sich wirklich ernsthaft fragen: "Hab' ich was davon?" Es kann nicht nur bedeuten, dass ich meine Mitarbeiter dem Heer zur Verfügung stelle. Das Bundesheer muss allen Soldatinnen und Soldaten gute Ausbildungen ermöglichen, auch im zivilen Bereich. Das macht es als Arbeitgeber attraktiv - auch und vor allem für die Miliz. Man muss viel mehr Ausbildung anbieten, aber auch dann die Leute verpflichten. Wir wissen ja, dass viele Fach-Unteroffiziere fehlen, das kann sicher helfen, hier mehr Breite anzubieten. Das Heer muss sich fragen, was es der Allgemeinheit bieten, was es zur Verfügung stellen kann. Und das ist eine ganze Menge.

Was muss sich ändern?

Jeder sagt ja, es muss sich was ändern. Im System muss sich was ändern. Wir brauchen eine starke Miliz. Es muss egal sein, wer am derzeitigen Zustand schuld ist, jetzt geht es darum, dass Änderung stattfindet. Ausbildungen sind eine Möglichkeit, das Bundesheer attraktiver, reizvoller zu machen. Ein Abenteuer bei der Feldwoche reicht nicht mehr. Wenn wir an die jetzige Situation denken, braucht es eine Vielzahl an Covid-Beauftragten. Das Bundesheer, die Miliz kann 2.400 Pandemieexperten aufbieten. Die Soldaten, die derzeit im Einsatz sind, haben alle sicher eine solide Ausbildung im Bereich der Gefahren und Vorschriften der Pandemie erhalten. Das muss jetzt mit einem Zeugnis bestätigt werden, dann nehmen die Soldaten für ihre Arbeitgeber etwas aus dem Einsatz mit. Wir haben das bereits angeregt. Das wäre ein kleines Beispiel, wie wir für ein Engagement beim Heer Sinn stiften können, eben nicht nur Abenteuer.

Sie selber sind Militärexperte beim Heer?

Ja, ich freue mich, hier einen kleinen Beitrag leisten zu können. Das Expertenwesen ist ein wichtiger Schritt. Da ist aber noch mehr möglich. Experten können wirkliche Multiplikatoren sein, wenn das Heer sie aktiv einsetzt. Es braucht einen regen Austausch zwischen der Wirtschaft und dem Heer. Die Miliz ist hier die Brücke. Man muss konkret Leute ansprechen und gewinnen, auch befristet verpflichten. So können wir junge Menschen gewinnen. Das Heer hat eine große Breite anzubieten, auf diesem Klavier muss man nun spielen. Ein weiteres Beispiel sind die Personalverantwortlichen. Das Ziel muss es sein, Human Resources-Verantwortliche von Unternehmen gezielt für diese Positionen in der Miliz ansprechen. Die bringen bereits das Knowhow mit. Milizsoldaten müssen das Bewusstsein entwickeln, stärker auszustrahlen.

Wie sehen Sie die Rolle der Miliz in der Gesellschaft?

Miliz ist die Brücke zwischen Bundesheer und Gesellschaft. Hier kommen alle zusammen, alle Schichten, alle Religionen, alle Gruppen. Das schweißt sehr stark zusammen. Deswegen sind auch verpflichtende gemeinsame Übungen sehr wichtig. Hier muss auch die Wirtschaft mitgenommen werden. Wir merken gerade, wie verwundbar diverse Unternehmen sind. Die Übungen sind auch deswegen so wichtig, weil alle zusammenkommen. Wenn es die Übungen nicht gibt, bleibt es ein kleiner Kreis, der sich da trifft. Dann wird das nicht in die Breite getragen. Das wäre mein Wunsch. Das hat mit Sicherheit zu tun, auch mit Balance in der Gesellschaft. Es braucht die Balance, dass diese wichtigen Themen auf breite Schultern verteilt werden. Die Unternehmen, die das Milizgütesiegel erhalten haben, müssen sich auch besser vernetzen. Da müssen wir einen regen Austausch beginnen. Wichtig ist auch, dass man hierbei geschäftlich reden kann.

Danke für das Gespräch!

Lehrgang "Aufbau eines Krisenstabes"

Die TÜV Austria Akademie bietet gemeinsam mit dem Institut 2 der Theresianischen Militärakademie einen neuartigen Lehrgang "Aufbau eines Krisenstabes" an. Im ersten Kurs haben sich bereits 16 Teilnehmer aus verschiedenen Unternehmen mit Motivationsschreiben angemeldet. Der Kurs dauert fünf Ausbildungstage in den verschiedenen Funktionen.

Christian Bayer führt die TÜV Austria Akademie. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Christian Bayer führt die TÜV Austria Akademie.

Arbeitsgemeinschaft "Miliz und Wirtschaft". Bild: Archiv. (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

Arbeitsgemeinschaft "Miliz und Wirtschaft". Bild: Archiv.

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