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Freiwilliges Engagement heißt, über den Tellerrand hinauszuschauen (Teil 1)

07. April 2021 - 

In der Interviewreihe "Miliz & Wirtschaft" sprach Oberst Mario Strigl, Verbindungsoffizier für Wirtschaft des Milizbeauftragten, mit  Wolfgang Maier, Leiter des Personalwesens bei der EVN, und Harald Prokschy, Leiter der EVN Akademie.

7.100 EVN-Mitarbeiter

Wolfgang Maier, Jahrgang 1965, ist studierter Betriebswirt. Nach dem Studium trat er Mitte der 1990er Jahre in die EVN ein. Seit 2010 ist er für das Personalwesen des gesamten Konzerns verantwortlich. Harald Prokschy ist 1969 geboren, ebenfalls Betriebswirt und schloss 2012 sein Masterstudium im Bereich Nachhaltige Energiesysteme ab. Nach verschiedenen Stationen im energiewirtschaftlichen Konzernbereich ist der Milizoffizier seit 2018 Leiter der EVN Akademie, dem hauseigenen Zentrum für Aus- und Weiterbildung im Konzern.

Die EVN ist der größte Strom-, Gas- und Wärmeversorger in Niederösterreich. Ihre 7.100 Mitarbeiter erwirtschaften pro Jahr rund 2,1 Milliarden Euro.

Das Interview - Teil 1

Mario Strigl: Sehr geehrter Herr Mag. Maier und Mag. Prokschy, lieber Wolfgang, lieber Harald, im EVN-Konzern sind aktuell etwa 7.100 Mitarbeiter beschäftigt, in Niederösterreich alleine 2.500. Befinden sich auch Milizsoldaten unter ihnen?

Wolfgang Maier: Wir haben aktuell ca. 25 Milizsoldaten in Niederösterreich, daneben haben wir noch viele weitere Mitarbeiter, die sich ehrenamtlich betätigen, sei es bei Freiwilligen Feuerwehren oder dem Roten Kreuz.

Harald Prokschy: Ich bin selbst einer der Milizsoldaten, als Oberstleutnant und Verbindungsoffizier Energiewirtschaft zum Militärkommando Wien.

Was bedeutet der Begriff "Miliz" für euch heutzutage?

W. Maier: Das Österreichische Bundesheer ist die zentrale Institution für Landesverteidigung und Assistenzeinsätze. Die Miliz ist unsere militärische Verflechtung in der Zivilgesellschaft.

H. Prokschy: In meiner Rolle als Verbindungsoffizier bin ich dieses Bindeglied und kann das zivile Wissen mit dem militärischen Wissen vereinen. Jede dieser Welten hat ihre Stärken und Schwächen, die Symbiose ist interessant.

Letztes Jahr gab es erstmals eine teilweise Aufbietung der Miliz. Was hat das für die EVN bedeutet?

H. Prokschy: Ein Großteil unserer Milizsoldaten wurde einberufen, wobei in erster Linie Mannschaftsdienstgrade betroffen waren.

W. Maier: Für uns war es natürlich ein Spannungsfeld, da wir ja als Teil der "Kritischen Infrastruktur" genau abwägen mussten, wen wir freigeben konnten und wen nicht. Es stellte sich die Frage, wo kann die betreffende Person in dieser krisenhaften Situation mehr beitragen: Bei uns oder beim Bundesheer.

H. Prokschy: Einige unserer Störungsdienstmonteure waren betroffen, hier war es nicht möglich. Aber einige unserer Projektleiter und Experten konnten wir freistellen.

W. Maier: Es waren auch viele unserer Lehrlinge oder jungen Fachkräfte betroffen, deren Präsenzdienstzeit verlängert wurde. Hier mussten Einstellungsverträge terminlich verschoben werden.

Wie wart bzw. seid ihr im Unternehmen selbst von der aktuellen Corona-Pandemie betroffen?

W. Maier: Wir hatten volles Programm als Betreiber kritischer Infrastruktur. Wir mussten die Versorgung von Strom, Gas, Wärme, Wasser, Müllverbrennung, Telekommunikation etc. sicherstellen, das hatte oberste Priorität. Teilweise haben wir unser Leistungsportfolio an die Gegebenheiten angepasst, konnten aber durchgängig für unsere Kunden alle Services anbieten. Wir haben mobile Arbeitsstunden (= Homeoffice) mit unseren Mitarbeitern vertraglich vereinbart, haben kritische Schichten getrennt, um die Kontakte zu minimieren. Fast alle Mitarbeiter sind mit Notebook ausgestattet, die IT-Infrastruktur wurde dementsprechend ausgebaut. Mitarbeiter mit Kundenkontakten werden aktuell mindestens einmal wöchentlich getestet, die EVN hat sich auch als betriebliche Impfstelle registriert.

H. Prokschy: Unser Krisenstab wurde hochgefahren und hat uns durch die Situation geführt. Die Zahl der telefonischen Kundenkontakte hatte sich in diesem Zeitraum vervielfacht. Unsere Kundendienst-Mitarbeiter mussten im Haus verteilt bzw. teilweise von zu Hause arbeiten, um einerseits die geltenden Abstandsregeln einhalten zu können und unsere Mitarbeiter nicht zu gefährden und andererseits weiterhin unsere Kunden beauskunften zu können. Wir haben für alle Mitarbeiter FFP2-Masken, Schutzausrüstungen und tausende Schnelltests beschafft, um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Wie organisiert ihr es im Unternehmen, wenn jemand einberufen wird?

H. Prokschy: Im Prinzip bieten wir unseren Mitarbeitern bezahlten Sonderurlaub an, so lange die Übungen in einem überschaubaren Rahmen stattfinden.

W. Maier: Wir unterstützen generell unsere Mitarbeiter, wenn diese sich ehrenamtlich engagieren, egal ob in der Miliz, bei der Rettung oder Feuerwehr. Wenn sich jemand ehrenamtlich engagiert, engagiert er sich auch bei uns. Solche Menschen müssen generell unterstützt werden, das sind nach meinem Empfinden Personen, die über ihren privaten und beruflichen Tellerrand hinausschauen.

W. Maier: "Müssen genau abwägen, wen wir freigeben können und wen nicht". (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

W. Maier: "Müssen genau abwägen, wen wir freigeben können und wen nicht".

H. Prokschy: "Unser Krisenstab hat uns durch diese Situation geführt". (Bild öffnet sich in einem neuen Fenster)

H. Prokschy: "Unser Krisenstab hat uns durch diese Situation geführt".

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