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Das neue Bordsprechsystem

Mit der Entscheidung zur Modernisierung der Mechanisierten Truppe musste vor einigen Jahren auch über ein neues Bordsprechsystem mitentschieden werden. Es bestand die Absicht ein neues datenfähiges und modernes System für alle Panzer des Bundesheeres zu beschaffen, da die eingeführten Systeme nicht in ausreichender Anzahl verfügbar waren und inzwischen veraltet sind.
Die damalige rasche Entscheidung zum Kauf des Kampfpanzers Leopard 2A4 aus Holland ließ allerdings eine rechtzeitige ausschreibungskonforme Beschaffung eines neuen Bordsprechsystems für diesen Panzer nicht zu. Deshalb wurde vorerst das in diesen Panzern eingebaute Philipssystem mit geringen Mehrkosten mitbeschafft. Parallel hiezu erfolgte seitens der zuständigen planenden Abteilung ITPI die Erstellung eines Militärischen Pflichtenheftes für ein neues, modernes Bordsprechsystem.
Durch die Fachabteilung für fernmelde- und elektronisches Gerät FMEG wurde anschließend im Zusammenwirken mit Panzertruppenschule, AWT und HMatA nach zweistufiger Ausschreibung das neue Bordsprechsystem ROVIS beim Hersteller British Aerospace beschafft. Der Zuschlag erfolgte Ende Dezember 1999.

Das neue VIC-3-0

Dieses Intercomsystem ist u.a. bei den US-Streitkräften in größerer Anzahl als AN/VIC-3 eingeführt und erhält analog hiezu die BH-Bezeichung VIC-3-0. Zur Sicherstellung der durchgehenden Einsatzbereitschaft der Verbände sowie aus logistischen und budgetären Gründen wurde die Lieferung in mehreren Lieferlosen bis zum Jahr 2004 vertraglich vereinbart. Mit der Grundbestellmenge können alle eingeführten Panzerfahrzeuge des Bundesheeres umgerüstet und der neue Schützenpanzer ULAN ausgestattet werden. Anstelle der im Bundesheer bisher verwendeten drei Intercomsysteme (RACAL, PHILIPS und AN/VIC-1) wird es künftig nur mehr ein einziges Bordsprechsystem geben.

Merkmale des Systems

ROVIS ist ein digitales System mit unvergleichbar hoher Leistungsfähigkeit und bester Sprachverständlichkeit. So können bis zu sechs Funkgeräte und sechs Bediener angeschlossen werden. Die digitale Signalübertragung innerhalb des Systems erfolgt über eine ringförmige Verkabelung der Bediengeräte.
Das System überwacht sich laufend und warnt bei Ausfall von Geräten oder bei Kabelbruch. Bordsprechanlagen mehrerer Panzer lassen sich ohne weitere Zusatzeinrichtungen über Feldkabel zusammenschalten.
Eine Datenübertragung zwischen diversen Rechnern innerhalb des Bordsprechsystems und/oder über Funkgeräte ist möglich, ebenso die Anschaltung zukunftsweisender digitaler Funkgeräte.

* Alle gepanzerten Fahrzeuge des Bundesheeres bekommen die neue Bordsprechanlage VIC-3-0.
* Der Kampfpanzer LEOPARD und der Radpanzer PAN-DUR/UN, der auch im KOSOVO bei unseren KFOR-Kräften eingesetzt wird, erhält mit der VIC-3-0 auch das leistungsfähige FMMech-Funksystem.
* Die digitale VIC-3-0 ist einfach auszubilden, leicht zu bedienen und sehr leistungsfähig.
* Die Umrüstung aller GKBF erfolgt in den nächsten vier Jahren.
* Die Funkgeräte des tragbaren Kurzwellenfunksystems werden in die VIC-3-0 eingebunden.

Mit der zusätzlichen Fernbedieneinrichtung können alle Bordfunkgeräte bis zu einer Entfernung von 2 km fernbedient werden. Weiters ist die Verwendung von Panzerfunkhelmen mit aktiver Geräuschunterdrückung (ANR - activ noise reduction) möglich.
Die Weiterverwendung des eingeführten Panzerfunkhelmes HM-33 wird nach einer Änderung des Steckers sichergestellt. Für Panzerkommandanten wurde ein neuer Brustschaltkasten mit Wahlmöglichkeit des Funksatzes entwickelt. Damit ist dieses bisherige "Österreichspezifikum" mit all seinen Vorteilen für den Kommandanten (Auswahl und Bedienung des Funksatzes ohne zur Bedienbox greifen zu müssen) weiterhin gewährleistet.
Die anderen Besatzungsmitglieder erhalten eine einfache Kabelsprechtaste, mit der das Auftasten des an der Bedienbox ausgewählten Funksatzes ermöglicht wird.

Bedienung und Ausbildung

Die Bedienung und Ausbildung ist für alle Gerätekonfigurationen gleich und relativ einfach. Durch einfache Bedienungsschritte lassen sich an der Zentralbox alle Zuordnungen und Berechtigungen für die Bediener festlegen. Jedes Besatzungsmitglied hat seine eigene Bedienbox, an der die weiteren Einstellungen erfolgen. Jede Fehlbedienung wird durch Signaltöne angezeigt.
Bei HMatA/Te und AWT begann bereits die Erstellung der Einbauanleitungen mit vier Prioritätsstufen für die einzelnen Panzerkonfigurationen. Mit der ersten Teillieferung Mitte 2000 werden alle Prototypen erstellt und können erprobt werden.
Die serienmäßige Umrüstung kann Anfang 2001 anlaufen. Die Umrüstung ist nach Möglichkeit zeitgleich im Zuge vorzunehmender Modifikationen bei den Zeuganstalten vorgesehen. Mit Masse wird sie jedoch durch die Truppenwerkstätten der mechanisierten Verbände erfolgen. Die jährliche Einrüstung etwa eines Viertels der Gesamtmenge bedeutet eine längerfristige Grundauslastung der Werkstätten ohne wesentliche Beeinträchtigung der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft der mechanisierten Truppe. Der längerfristige Austausch vorhandener Systeme hat einen zusätzlichen Einsparungseffekt bei der Ersatzteilbewirtschaftung durch gezielte Ausschlachtung abgelieferter Geräte.
Vom bewährten FMMech-System werden (bis zur Verfügbarkeit eines neuen Truppenfunksystems) Funkgeräte, Antennen und einiges Zubehör weiterverwendet. Die im Kampfpanzer LEOPARD 2A4 und teilweise noch im Radpanzer Pandur/UN eingebauten anderen Funksysteme werden gleichzeitig auf den leistungsstarken Sender/Empfänger des FMMech-Systems umgerüstet. Hier ist bereits eine wesentliche Leistungssteigerung durch Ausnützung nunmehr vorhandener Geräte des FMMech-Systems bis zur Verfügbarkeit eines neuen Truppenfunksystems gegeben.

Zusammenfassung

Mit diesem modernen Bordsprechsystem VIC-3-0 ist bei vielen Panzerfahrzeugen eine deutliche Verbesserung der Bordverständigung gegeben, wodurch die Leistungsfähigkeit unserer mechanisierten Verbände in wichtigen Bereichen verbessert wird. Die Systemeinheitlichkeit erleichtert Ausbildung, Einsatz und Logistik in einem nicht zu unterschätzenden Ausmaß.
Mit dem zur Beschaffung heranstehenden neuen Truppenfunksystem wird die ganze Leistungsfähigkeit der VIC-3-0 erst voll ausgeschöpft werden können und die Mechanisierte Truppe des österreichischen Bundesheeres wird eine erhebliche Leistungssteigerung hinsichtlich Kommunikation erfahren.

Obstlt Franz Hartbauer, FMEG

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