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Der Veterinärdienst

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die meist nur wenig bekannten Aufgaben des Veterinärdienstes im Bundesheer.

Historische Entwicklung

Die Kunst der Pferdeheilkunde war natürlich bei allen berittenen bzw. bespannt ausgestatteten Streitkräften von militärischer Bedeutung und damit hoch angesehen. In Kenntnis der strategischen Bedeutung der Pferde gründete Kaiserin Maria-Theresia 1765 mittels Schreiben an den Hofkriegsratspräsidenten Graf Chotek die damals erst dritte Veterinärschule der Welt, Vorläuferin der heutigen Veterinärmedizinischen Universität Wien.
Die militärische Bedeutung dieser Schule wurde 1795 unterstrichen, als sie in “K.u.K. Tierarzneischule” umbenannt und dem Hofkriegsrat direkt unterstellt wurde. Bis Ende des ersten Weltkrieges stand sie überwiegend unter militärischer Führung.
Bedingt durch die militärische Bedeutung der Pferde als Reit-,Trag- und Zugtiere im ersten, aber auch noch im zweiten Weltkrieg, war auch immer ein entsprechender tierärztlicher Dienst notwendig. Mit Wiederaufstellung des Bundesheeres in der 2. Republik wurden auch eine entsprechende Anzahl von Pferden und damit auch Tierärzte in den Dienst gestellt.
Hauptaufgabe des Veterinärdienstes im Bundesheer der 2. Republik war ursprünglich nicht nur die kurative Tätigkeit, sondern auch die militärische Funktion eines Kompaniekommandanten bei den mit Tragtieren ausgerüsteten Einheiten.

Der moderne Veterinärdienst

Die aktuellen veterinärdienstlichen Aufgaben lassen sich in folgende Gebiete einteilen:
- Verwaltung, Ausbildung und Betreuung der Tiere wie Hunde und Pferde
- einschlägige Ausbildung des Fachpersonals
- Kontrolle der Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene
- Beschaffung und Verwaltung von Ausrüstung und Gerät

Zur Erfüllung dieser Aufgaben hat der territorial organisierte Veterinärdienst folgende Struktur: Die Leitung ist in der Sektion IV des Bundesministeriums für Landesverteidigung, Gruppe Versorgungsführung als selbstständiges Referat a der Abteilung Sanitätswesen angesiedelt.
Die derzeitige personelle Ausstattung in der Zentralstelle besteht aus 2 Veterinäroffizieren, einem Referenten für Ausrüstung und Gerät, einer Hilfsreferentin und einer Schreibkraft.
Im nachgeordneten Bereich der Korpskommanden ist je ein Veterinäroffizier ohne weiteres Hilfspersonal tätig. Diese systemisierten Funktionsträger werden durch eine entsprechende Anzahl von Vetrinäroffizieren aus dem Milizstand und Tierärzten im Grundwehrdienst unterstützt.

Militärhundewesen

Zur Zeit werden rund 200 Militärhunde für Schutz- und Bewachungszwecke in der höchsten Sicherungsstufe eingesetzt. Für das Aufspüren von Suchtgiften und Sprengstoffen im In- und Ausland (Golan) stehen derzeit 10 Hunde zur Verfügung. Etwa 90 % dieser Hunde sind Rottweiler, der Rest Deutsche und Belgische Schäferhunde (Malinois).
Zentrales Zucht- und Ausbildungszentrum ist die Militärhundestaffel (MilHuSta) in Kaisersteinbruch. Mit einem Kommando, einer Zwingermeistergruppe, einem Futtermeistertrupp und der Lehrgruppe hat sie die organisatorische Gliederung einer Kompanie.
Die Militärhundestaffel ist weltweit die größte Rottweiler-Zuchtstätte. Etwa 1500 Rottweiler haben seit 1963 dort das Licht der Welt erblickt. Für die Qualität der dort gezüchteten Hunde spricht nicht nur der klaglose Einsatz im Dienstbetrieb, sondern auch die Tatsache, dass durch unsere Hunde zahllose Preise bei kynologischen Veranstaltungen erreicht haben.
Zivile Züchter setzen das Hundematerial der MilHuSta gerne zwecks Blutauffrischung zur Zucht ein. Der unbedingt notwendige Kontakt mit der zivilen Hundezucht ist durch die 1997 eingegangene Partnerschaft mit dem Österreichischen Kynologenverband (ÖKV) sichergestellt.
Aufgrund der gezeigten Präzision der Gruppenarbeit und der spektakulären Schutzarbeit sind Vorführungen der Militärhundestaffel überaus gefragt. Viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben diese Einrichtung in Kaisersteinbruch bereits besucht. Derartige Visiten sind meist mit sogenannten “Hundetaufen”, das ist die formelle Indienststellung der Welpen, verbunden. Prominente Taufpaten waren unter anderem bereits Bundeskanzler Mag. Klima, Bischof Dr. Krenn, Bgm. Dr. Zilk, Dagmar Koller, Ing. Maderthaner, General Dr. Corrieri, Toni Stricker, Günther Frank, Gottfied Kumpf und Heinz “Honzo” Holecek (Foto Österreichischer Kynologenverband).
In Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Universität werden mit den Hunden der MilHuSta zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und Dissertationen durchgeführt.
Ein Teil der Ergebnisse dieser Untersuchungen konnte beim “32. Internationalen Militär-Medizinischen Kongress - ICMM” im April 1998 in Wien vorgestellt werden und fand bei den ausländischen Veterinäroffizieren aus der ganzen Welt große Beachtung.

Militärpferdewesen

Im Stand des Bundesheeres sind rund 180 Haflinger bei den Tragtierstaffeln und 22 Warmblut-Reitpferde beim Reitausbildungszug der Theresianischen Militärakademie eingesetzt.
Die Haflinger werden als Hengst-Fohlen im Alter von einem halben Jahr angekauft und auf der Remontenstation am Truppenübungsplatz Hochfilzen aufgezogen. Mit 3 Jahren werden sie einer Diensttauglichkeitsprüfung (Remontierung) unterzogen und kastriert.
Die Kastration findet im Rahmen des traditionellen “Vet-Info Seminares” für Studenten der Tierheilkunde statt und wird durch Professoren und Assistenten der Veterinärmedizinischen Universität tierärztlich geleitet.
Nach einer entsprechenden Ausbildung als Tragtiere und Reitpferde werden diese dann zu den Tragtierstaffeln in Landeck, Lienz und Spittal an der Drau versetzt. Da diese Truppen auch im Rahmen des Assistenzeinsatzes an der österreichisch-ungarischen Grenze zum Einsatz gelangen, verwenden sie die Tragtiere auch zur berittenen Überwachung der Grenze.
Der Erfolg dieser Verwendung ist nicht nur durch die Zahl der Aufgriffe von illegalen Grenzgängern, sondern auch durch Personaleinsparung und im besonderen durch die erhöhte Motivation der Soldaten gegeben.
Der Reitausbildungszug (RAZ) der Theresianischen Militärakademie hat die reiterliche Aus-bildung der Militärakademiker, die Schulung der Reitpferde, Traditionspflege und Öffentlichkeitsarbeit zur Aufgabe. Eine laufende Leistungskontrolle ist u.a. durch die Teilnahme an zivilen Turnieren sichergestellt.

Überwachung der Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene

Die österreichische Gesetzgebung aber auch die einschlägigen EU-Richtlinien auf dem Gebiet der Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene kennen für das Bundesheer keine Ausnahmebe-stimmungen. Dies bedeutet einerseits, daß auch zivile Kontrollorgane (“Lebensmittelinspektor”) in den verschiedenen Verpflegseinrichtungen grundsätzlich Überprüfungen durchführen können und andererseits, daß durch das Bundesheer in diesem Bereich alle einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten sind.
Der Veterinärdienst ist seit 1989 mit der Kontrolle der Einhaltung der Lebensmittelhygiene im Rahmen der Dienstaufsicht beauftragt. Die Bedeutung dieses Bereiches liegt nicht nur in der Erfüllung der gesetzlichen Bestimmungen, sondern auch in der Tatsache, dass der den Präsenzdienst leistende Rekrut verpflichteter Kostteilnehmer ist und nicht zuletzt darin, dass die Erhaltung der Kampfkraft der Truppe durch Verhinderung von durch Lebensmittel und Trinkwasser verursachte bzw. übertragene Erkrankungen entscheidend ist.
Die Sicherstellung der entsprechenden Lebensmittelhygiene erfolgt in den fast 500 Verpflegseinrichtungen auf drei Ebenen:
- Der Veterinärdienst inspiziert mindestens einmal pro Jahr jede derartige Einrichtung. Er beurteilt Bauzustand, Räumlichkeiten, Ausstattung, Personalhygiene und analysiert die Arbeitsabläufe, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen.
- Eine zivilie Untersuchungsanstalt überprüft die etwa 120 Truppenküchen einmal pro Jahr, welche die weitaus meisten Verpflegsteilnehmer versorgen, auf das Vorhandensein von Krankheitserregern oder sogenannten Indikatorkeimen, die unbefriedigende hygienische Zustände anzeigen, mittels mikrobiologischer Laborverfahren.
- Im Jahre 1998 wurde für alle Truppenküchen ein EU-konformes “Eigenkontrollsystem”, das von den in der Verpflegseinrichtung Beschäftigten durchzuführen ist, eingeführt.
Sein Sinn ist eine laufende Kontrolle der Essenszubereitung, beginnenend mit der Anlieferung, über Lagerung, Zubereitung, Garvorgang bis hin zur Speisenausgabe.
Dieses System stellt sicher, daß Schwachpunkte in der Bearbeitung von Lebensmitteln an besonders kritischen “Kontrollpunkten” laufend erkannt und sofort abgestellt werden und damit eine laufende hygienisch einwandfreie Beschaffenheit der ausgegebenen Verpflegung garantiert ist.
Der moderne Veterinärdienst im Bundesheer versteht sich als Dienstleistungseinrichtung, die den Kameraden vor Ort entsprechende Hilfestellungen anbietet und zu einer Verbesserung der veterinärdienstlichen und lebensmittelhygienischen Situation bzw. zu der Gesunderhaltung aller "Soldaten" beiträgt.

ObstltVet Dr. Michael Kreiner, SanW

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